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„Freyja“ Rasierhobel von Nord Razors

Gestern kam meine Efficient Platte von Nord Razors an. Heute natürlich sofort ausprobiert. Ich muss sagen, dass ich aufgrund der Spezifikationen vorab etwas ehrfürchtig war, schon überlegt hatte ob ich diese erste Benutzung der Efficient Platte aufs Wochenende verschieben soll. Die Bedenken waren jedoch völlig unbegründet. Das Bladefeel ist etwas höher als bei der Standard Platte, und bei der Rasur ständig präsent, aber immer noch gemäßigt.

Der Rasierer ist mit der Efficient Platte äußerst effizient, fühlt sich dabei aber ebenso äußerst komfortabel an. Am stärksten wahrnehmbar war für mich die Klinge in den Mundwinkeln. Sind im Nachhinein ein klein wenig gereizt. Hier muss ich etwas aufpassen. Auch beim Ansetzen oberhalb und unterhalb der Lippen ist etwas Aufmerksamkeit gefordert. Dies ist vermutlich dem größeren GAP in Kombination mit dem größeren Exposure geschuldet. Man muss deshalb ehrlicherweise erwähnen, dass der Freyja mit der Efficient Platte bei mir auch nicht die 100 % Autopilot erreicht. Kann das überhaupt irgendein Rasierer? Die ATG-Qualitäten jedenfalls sind auch mit diesem stärkeren Exposure der Freyja Efficient Platte einfach phänomenal gut.

Sehr auffällig war für mich heute, dass dieses Gefühl des etwas eingeschränkten Winkelbereichs, das ich bei der Standardplatte hatte, bei der Efficient überhaupt nicht vorhanden war. Ich denke der Freyja mit Efficient fügt sich bei mir wie von selbst in meinen bevorzugten Griffwinkel und meine bevorzugte Art des Greifens. Der Freyja lässt sich sehr locker und leicht mit 3-Fingergriff führen. Das Gewicht ist für mich optimal. Es besteht auch mit der Efficient Platte keinerlei Bedürfnis nach Titan. Zusätzlicher Druck ist hier kontraproduktiv und sollte vermieden werden. Das Eigengewicht des Rasierers ist für drucklose Führung ideal. Polieren ist meines Erachtens völlig überflüssig.

Durch das beständig moderat präsente Klingengefühl hatte ich stets den Eindruck ein sehr scharfes Werkzeug in Händen zu halten. Assoziationen mit einem chirurgischen Präzisionsintrument wären nicht abwegig. Aber diese deutlich präsente Schärfe lässt sich durch die sehr gut durchkonstruierte Kopfgeometrie und die extrem gute Klingenklemmung äußerst präzise handhaben und ist ausgezeichnet kontrollierbar.

Nach meinem Eindruck entspricht der Freyja mit der Efficient Platte vielleicht am idealtypischsten dem Freyja Design Konzept. Bei der Standard Platte ist die Konkurrenz größer. Mit der Efficient Platte sticht er schon sehr aus der Masse hervor. Diese Paarung von sehr sehr guter Effizienz und hohem Komfort könnte ein Alleinstellungsmerkmal sein. Was aber nicht heißen soll, dass es da draußen nicht noch mehr Rasierer gibt, mit denen man sich hervorragend rasieren kann. Dieses YMMV Ding eben. Weiß auch noch nicht ob ich den Freya mit der Efficient Platte täglich nutzen kann. Wird sich zeigen. Bin jedenfalls äußerst beeindruckt.
 
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Vielen Dank für den Erfahrungsbericht. Finde den Hobel prinzipiell interessant, aber der hohe Preis in Kombination mit dem für mich sehr unauffällig und nichtssagenden Griff hat mich bisher vom Kauf abgehalten. Aber wenn es mal eine günstige Gelegenheit geben sollte, wer weiß.... Denke, dass ich dann auch zuer Efficient-Platte greifen würde.
 
aber der hohe Preis in Kombination mit dem für mich sehr unauffällig und nichtssagenden Griff hat mich bisher vom Kauf abgehalten
Ja, der Preis ist schon heftig, im Vergleich zu Tatara z.B., deren Rasierer ja auch sehr hochwertig produziert sind.
Die Verwendung von Fremdgriffen ist insofern eingeschränkt, als das Griffende in eine Vertiefung der Basis-Platte greift. Hier gehen nur Griffe mit einem nicht zu großen Durchmesser am Ende. Mein Wunsch wäre, dass gerade die Premiumhersteller den Kauf aller Einzelkomponenten ermöglichen würden. Wie das bei Tatara (absolut vorbildlich) der Fall ist. Also Kappen, Basisplatten, Griffe, alles einzeln.

Ein Hobel, der hinsichtlich der Klingenklemmung (und ATG Potential) meines Erachtens auf gleicher Höhe liegt, ist der RazoRock Daily. Die Kopfgeometrie ist etwas anders, aber die Klemmung ebenso herausragend. Freyja und Daily sollte ich mal im Vergleich probieren.
 
Fremdgriffe verwenden ist beim Freyja eigentlich kein Problem im Gegensatz zu Tatara (Bei Tatara sind Kopf und griff so aufeinander abgestimmt, dass der Griff das Ganze noch weiter zentrieren soll, ein Fremdgriff ist da regelrecht kontraproduktiv). Beim Freyja ist da zwar eine Vertiefung, aber entweder ist der Griff an der Spitze ähnlich dünn wie der Originale, dann ist sowieso alles ok, oder er ist breiter, dann trägt das Gewinde einen Gewindegang weniger, auch kein Problem.
Zum Preis. da finde ich den Preis für den Kopf, bzw die Grundplatten schon eher gerechtfertigt, wenn ich mir die aufwändige Gestaltung ansehe, etwas überteuert finde ich den Griff, der sollte schon billiger gehen.
 
für den Kopf, bzw die Grundplatten schon eher gerechtfertigt, wenn ich mir die aufwändige Gestaltung ansehe
Hinsichtlich der Basis-Platte stimmt das schon. Ich bin jetzt nicht in der metallverarbeitenden Branche tätig, kann mir aber schon vorstellen, dass ein Hobeldesign, wie der Windsor z.B. effizienter, und mit weniger Arbeitsschritten hergestellt werden kann. Wenn ich mir die Videos von ATT / Blackland so ansehe. Einspannen, bearbeiten, ausspannen, wieder anders einspannen, bearbeiten etc. Auch die hergestellten Stückzahlen bei ATT werden deutlich höher sein. CNC im eigenen Betrieb, Auslastung der Maschinen ...
 
Dank der großzügigen Leihgabe von @Garagenparker (Danke!!!) konnte ich heute die "Mild" Platte beim Freyja testen. Einfach so bestellt hätte ich mir die jetzt nicht. So kann man sich täuschen, wenn man nur die Werte betrachtet.

Ein Rasierer der mir nach den ersten Zügen sofort in den Sinn kam, ist der RazoRock Daily Standard (mit dem ich mich sehr gerne rasiere). Die Gemeinsamkeiten im Rasiergefühl und der hierfür erforderlichen Rasiertechnik sind für mich recht deutlich vorhanden. Beide Rasierer verfügen über eine sehr exakte CNC-gefräste Kopfgeometrie mit ausgezeichneter Klingenklemmung, sehr geringem Klingenüberstand (gegenüber der Klemmebene) und nur sehr geringem (Daily Standard) oder neutralen (Freyja Mild) Blade Exposure (beim Daily ist die Klinge vielleicht ganz leicht auf der Haut zu spüren, beim Freyja gar nicht). Beide Rasierer benötigen eine sehr ähnliche, eher spezielle Rasiertechnik. Dies vorausgesetzt, sind beide Rasierer, trotz der "niedrigen" Geometrie-Spezifikationen sehr gründlich und bleiben dabei äußerst sanft und komfortabel. Beide Rasierer benötigen beim Rasieren einen eher geringen Aufmerksamkeitsaufwand. Gehen also immer, 7/52.

Sehr ähnlich fand ich auch die Akustik. Bei beiden Rasierern ist so ein hoher, sirrender und metallisch klingender Ton zu hören. Das ist mir bei der Efficient Platte gar nicht so aufgefallen. Man hört also beim "Mild" sehr gut, ob der Winkel stimmt.

Ich habe mich also heute mit der gleichen Technik rasiert, mit der ich das beim Daily Standard auch mache. Sehr ausgeprägte Poliertechnik mit kurzen, sich wiederholenden (mehrmals über eine Stelle) überlappenden Zügen. Auch hier völlig ohne Druck. Mit traumhaft gründlichem und sanftem Ergebnis. Es wird ja zur Beurteilung von Rasiergerät immer der Begriff "Effizienz" herangezogen. Diesen Begriff halte ich, insbesondere im Hinblick auf diese neuen hochpräzisen Fertigungsmöglichkeiten und Materialien, mitunter für irreführend. Versteht man "Effizienz" als das Vermögen eines Rasierers mit einem Zug möglichst viele Barthaare möglichst nah an der Haut zu entfernen, dann ist der Freyja mit der Platte "Mild" kein effizienter Rasierer (ins Verhältnis gesetzt zu seiner Milde natürlich schon auch). Das sind Rasierer wie der Daily oder der Design94 dann auch nicht. Der Weg zur samtigen Glätte ist hier ein anderer. Mehr Stück um Stück, statt direkter Angriff. Man könnte auch sagen, es sind mehr die "diplomatischen" Rasiergeräte.

Jetzt könnte man natürlich sagen. Wenn sich der Daily Standard und der Freyja Mild so ähnlich rasieren, der Daily jedoch so viel günstiger ist, warum soll ich mir dann den Freyja kaufen? Der Daily hat diese, vom Henson inspirierte, deutlich Festwinkel-Kopfgeometrie. Diese hat jedoch den Nachteil, dass sich der Rasierer, je nach Seife und Druck, durch diese große plane Auflagefläche an der Haut "festsaugen" kann, was als stark bremsend empfunden wird. Ich habe das Problem weder mit dem Henson noch mit dem Daily, da ich als notorischer Kantengleiter diese plane Fläche mehr Richtung Schaumkante hin neige. Der Druck dann also eher auf der Schaumkante liegt. Auch kann diese Festwinkelgeometrie, bei zu geringem Gewicht (also eigentlich hauptsächlich beim Henson) eher auf dem Schaum "aufschwimmen".

Eine gewisse "Festwinkligkeit" steckt auch in der Kopfgeometrie des Freyja. Jedoch nicht so stark ausgeprägt. Aufgrund der Ausrundung der Kappe an der oberen Kante, und der Ausformung der Schaumleiste, hat der Freyja diese Problematik nicht. Der Schaum den ich heute mit der HAGS aufgeschlagen hatte, war von eher cremiger Konsistenz. Der Freyja Mild hatte hier keinerlei Probleme, weder mit Aufschwimmen noch mit Festsaugen. Die Zahnung der Klemmkante soll wohl die Schaumableitung beim Rasieren verbessern (so habe ich das für mich den Diskussionen im Netz entnommen). Ich hatte schon den Eindruck (aus der Erinnerung), dass ich beim Daily öfter ausspülen muss. Bin mir dessen jedoch nicht ganz sicher.

Nutzer die diese mild abgestimmte Präzision von Rasierern wie dem Henson mögen, jedoch ein Problem mit diesem "Festsaugen" und "Aufschwimmen" haben, wären mit dem Freyja "Mild" sehr gut bedient. Wirklich erstaunlich finde ich, wie es Nord Razors geschafft hat mit den drei Platten des Freyja (nur über die verschiedenen Basis-Platten) im Grunde drei eigenständige Rasierer zu kreieren, von denen jeder für sich, in dem Segment in dem er sich positioniert, eine beachtlich hohe Leistung erbringt.

Fazit: Diplomat in Perfektion
 
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