mensch
Member
"Ich hatte mein erstes Mal!"
"Und? Wie war´s?"
"Es hat weh getan und war nicht so romantisch, wie es mir vorgestellt habe."
"Und?"
"Es brennt immer noch ein bisschen"
"Und? bleibt ihr zusammen?"
"Ich weiß nicht..."
So irgendwie. Oder so ähnlich.
Zwischenzeitlich hatte ich das zweifelhafte Vergnügen der ersten Messerrasur. Davor war ich glücklich mit meinen Hobeln und habe auch über lange Zeit nur einen Trimmer benutzt. Aber ein Messer - das war schon seit meiner Kindheit klar - musste irgendwann einziehen.
Vor etwa zwei Wochen habe ich wieder mal gestöbert und hier im MH ein J.A. Henckels entdeckt. Die Schlichtheit, zu wissen, es ist kein 0815 Stanzling vom großen Fluß, sondern ein Messerchen mit Geschichte und "altem" Stahl. Das hat es mir angetan. Nun ja, es wurde auch auf explizite Nachfrage als "Rasurscharf" beschrieben und bis auf ein paar altersbedingte, optische Kleinigkeiten schien es mir in gutem Zustand. Gekauft - geliefert - gefreut - ein bisschen gereinigt und poliert.
Dann die erste Rasur. Im Gesicht aufgeschäumt mit einer Tayler of Bond und weichem Silberspitz.
Der Puls wird spürbar. Freudige Aufregung und die Hoffnung, nicht doch aus versehen schlagartig 3-18 Liter Blut im Bad zu verteilen (hab mich noch nicht um einen potentiellen Nachlass gekümmert).
Ansetzen und.. hä? Wie jetzt? Warum...? Die Schärfe der Klinge ist auf der Haut spürbar, aber die Klinge geht nicht so recht ihren Weg. Es scheint, als würde sie mit dem Barthaar kämpfen. Ich habe absichtlich ein paar Tage gewartet, weil ich nach 4-5 Tagen nahezu immer eine sehr sanfte und friedliche Rasur mit egal welchem Hobel erreichen kann.
Also etwas mehr Mut und nochmal. Aber es wird nicht schöner. Die Klinge rupft die Haare mehr aus dem Gesicht, als diese sauber abzutrennen. Unangenehm ruppig und ein Widerstand, der so nicht richtig sein kann.
Egal, keine halben Sachen! Ich habe einmal das ganze Gesicht damit "abgeschabt". Eigentlich habe ich sogar zwei Durchgänge "durchgezogen". Immerhin ohne Schnitte. Es wurde selbstredend nicht wirklich gleichmäßig und gründlich schon gar nicht. Mit einem Stück Blech einer Dose Ravioli hätte es nicht viel schlechter sein können. Also im dritten Anlauf den Fatboy für die Endreinigung.
Ich glaube, ich hatte noch nie schon während der Rasur einen Rasurbrand. Interessanterweise hat das Pitralon (CH) hinterher nicht so gebrannt, wie ich es befürchtet hatte. Danke dafür.
Die Erfahrung war ernüchternd. Dafür der Ehrgeiz geweckt: Warum? Was habe ich falsch gemacht? Was stimmt evtl. mit dem Messer nicht? Wtf...
Lupe -> Schneide zeigt Schleifspuren. Nicht wirklich glatt. Ist es doch nicht "rasurscharf" sondern "nur scharf"? Steine! Welche Steine brauche ich? Was habe ich da... usw.
Viel Recherche, viele Videos + erneute Ernüchterung. Gestern Abend habe ich ein Video gesehen, in dem auf verbogene Messerrücken eingegangen wurde. "Wobble-Test" - das Ding ist wohl schepp. Darum auch die etwas ungleichmäßige Schneidphase. "Mist! Schrott gekauft!" - erster Gedanke. Zweiter: "muss doch irgendwie trotzdem gehen!"
In der Zwischenzeit habe ich gelesen, dass mein K1040 zum Rasiermesser schärfen "tauglich" zu sein scheint. Eine Muster-Fliese (Gray Slate) liegt hier und will heute in Teile geflext und abgerichtet werden. Schleifpapier, Trennscheiben... Irgendwo aus eine Ecke eine Regalplatte aus Glas hervorgekramt. Ein eher günstiges Abziehleder habe ich auch diese Woche schon organisieren können.
Naja, auf dem Weg bin ich nun. Der Bart und die Haut haben die Woche Ruhe gehabt. Heute oder morgen, wenn ich meine Steine fertig habe, versuche ich mich am Schärfen. Sollte es wieder "doof" werden, versuche ich den Messerrücken zu nivellieren. Wenn es klappt - super. Wenn nicht - Lehrgeld, und die Gewissheit, dass gebrauchte Messer nicht erst nach Altmetall aussehen müssen, um es vielleicht doch zu sein. Und, User die im nur und ausschließlich im MH aktiv sind, sind für mich ab sofort tabu.
Fazit:
1. Erstens kommt es anders als man(n) denkt.
2. Rasiermesser sind richtig geil!
3. Ich bleibe dabei und trotz der etwas ruppigen Erstbegegnung, werde ich üben, üben, üben...
Ich glaube, das bzw. ein(?) Messer wird über kurz oder lang die Hobel auf Platz 2 schubsen.
Wenn ich ein bisschen Erfahrung gesammelt habe, eine Idee davon bekomme, wie ein vernünftig geschärftes Messer rasiert, welche Klingenform für mich passt, dann hätte schon gerne ein richtig hochwertiges Messer. Optisch gefallen mir die Messer von Ulrik Korrat sehr gut. Die C.V. Heljestrand mit hellem Griff oder ein Bengal... Lecker!
Für mich ein leiser Genuss in einer immer lauter werdenden Welt.
Chers
"Und? Wie war´s?"
"Es hat weh getan und war nicht so romantisch, wie es mir vorgestellt habe."
"Und?"
"Es brennt immer noch ein bisschen"
"Und? bleibt ihr zusammen?"
"Ich weiß nicht..."
So irgendwie. Oder so ähnlich.
Zwischenzeitlich hatte ich das zweifelhafte Vergnügen der ersten Messerrasur. Davor war ich glücklich mit meinen Hobeln und habe auch über lange Zeit nur einen Trimmer benutzt. Aber ein Messer - das war schon seit meiner Kindheit klar - musste irgendwann einziehen.
Vor etwa zwei Wochen habe ich wieder mal gestöbert und hier im MH ein J.A. Henckels entdeckt. Die Schlichtheit, zu wissen, es ist kein 0815 Stanzling vom großen Fluß, sondern ein Messerchen mit Geschichte und "altem" Stahl. Das hat es mir angetan. Nun ja, es wurde auch auf explizite Nachfrage als "Rasurscharf" beschrieben und bis auf ein paar altersbedingte, optische Kleinigkeiten schien es mir in gutem Zustand. Gekauft - geliefert - gefreut - ein bisschen gereinigt und poliert.
Dann die erste Rasur. Im Gesicht aufgeschäumt mit einer Tayler of Bond und weichem Silberspitz.
Der Puls wird spürbar. Freudige Aufregung und die Hoffnung, nicht doch aus versehen schlagartig 3-18 Liter Blut im Bad zu verteilen (hab mich noch nicht um einen potentiellen Nachlass gekümmert).
Ansetzen und.. hä? Wie jetzt? Warum...? Die Schärfe der Klinge ist auf der Haut spürbar, aber die Klinge geht nicht so recht ihren Weg. Es scheint, als würde sie mit dem Barthaar kämpfen. Ich habe absichtlich ein paar Tage gewartet, weil ich nach 4-5 Tagen nahezu immer eine sehr sanfte und friedliche Rasur mit egal welchem Hobel erreichen kann.
Also etwas mehr Mut und nochmal. Aber es wird nicht schöner. Die Klinge rupft die Haare mehr aus dem Gesicht, als diese sauber abzutrennen. Unangenehm ruppig und ein Widerstand, der so nicht richtig sein kann.
Egal, keine halben Sachen! Ich habe einmal das ganze Gesicht damit "abgeschabt". Eigentlich habe ich sogar zwei Durchgänge "durchgezogen". Immerhin ohne Schnitte. Es wurde selbstredend nicht wirklich gleichmäßig und gründlich schon gar nicht. Mit einem Stück Blech einer Dose Ravioli hätte es nicht viel schlechter sein können. Also im dritten Anlauf den Fatboy für die Endreinigung.
Ich glaube, ich hatte noch nie schon während der Rasur einen Rasurbrand. Interessanterweise hat das Pitralon (CH) hinterher nicht so gebrannt, wie ich es befürchtet hatte. Danke dafür.
Die Erfahrung war ernüchternd. Dafür der Ehrgeiz geweckt: Warum? Was habe ich falsch gemacht? Was stimmt evtl. mit dem Messer nicht? Wtf...
Lupe -> Schneide zeigt Schleifspuren. Nicht wirklich glatt. Ist es doch nicht "rasurscharf" sondern "nur scharf"? Steine! Welche Steine brauche ich? Was habe ich da... usw.
Viel Recherche, viele Videos + erneute Ernüchterung. Gestern Abend habe ich ein Video gesehen, in dem auf verbogene Messerrücken eingegangen wurde. "Wobble-Test" - das Ding ist wohl schepp. Darum auch die etwas ungleichmäßige Schneidphase. "Mist! Schrott gekauft!" - erster Gedanke. Zweiter: "muss doch irgendwie trotzdem gehen!"
In der Zwischenzeit habe ich gelesen, dass mein K1040 zum Rasiermesser schärfen "tauglich" zu sein scheint. Eine Muster-Fliese (Gray Slate) liegt hier und will heute in Teile geflext und abgerichtet werden. Schleifpapier, Trennscheiben... Irgendwo aus eine Ecke eine Regalplatte aus Glas hervorgekramt. Ein eher günstiges Abziehleder habe ich auch diese Woche schon organisieren können.
Naja, auf dem Weg bin ich nun. Der Bart und die Haut haben die Woche Ruhe gehabt. Heute oder morgen, wenn ich meine Steine fertig habe, versuche ich mich am Schärfen. Sollte es wieder "doof" werden, versuche ich den Messerrücken zu nivellieren. Wenn es klappt - super. Wenn nicht - Lehrgeld, und die Gewissheit, dass gebrauchte Messer nicht erst nach Altmetall aussehen müssen, um es vielleicht doch zu sein. Und, User die im nur und ausschließlich im MH aktiv sind, sind für mich ab sofort tabu.
Fazit:
1. Erstens kommt es anders als man(n) denkt.
2. Rasiermesser sind richtig geil!
3. Ich bleibe dabei und trotz der etwas ruppigen Erstbegegnung, werde ich üben, üben, üben...
Ich glaube, das bzw. ein(?) Messer wird über kurz oder lang die Hobel auf Platz 2 schubsen.
Wenn ich ein bisschen Erfahrung gesammelt habe, eine Idee davon bekomme, wie ein vernünftig geschärftes Messer rasiert, welche Klingenform für mich passt, dann hätte schon gerne ein richtig hochwertiges Messer. Optisch gefallen mir die Messer von Ulrik Korrat sehr gut. Die C.V. Heljestrand mit hellem Griff oder ein Bengal... Lecker!
Für mich ein leiser Genuss in einer immer lauter werdenden Welt.
Chers

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