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Interessantes Kamisori Honing Video von Ryoichi Mizuochi

Hatzicho's Kotten

Hersteller/Händler
Auf youtube ist ein interessantes Honing video aufgetaucht, welches von Ryoichi Mizuochi selbst gepostet wurde.
Für diejenigen, die mit dem Namen nichts anfangen können - Ryoichi Mizuochi ist einstiger Lehrling von Shigeyoshi Iwasaki, dem legendären japanischen Rasiermessermacher. Mizuochi-san führt mittlerweile die Werkstatt von Iwasaki – Sanju Saisakujo, und ist auch bereits in seinen 70ern.
Das Video selbst existiert schon länger, wurde aber jetzt durch englische Untertitel ergänzt.



Im Video wird der übliche Weg gezeigt, ein Kamisori zu schärfen. Der Ablauf selbst unterscheidet sich nicht von der Iwasaki-üblichen Vorgehensweise, die auch in anderen Videos sowie in seinen Beschreibungen vorkommen.
Mit einer grundlegenden Ausnahme – die ich gerne mal hier den Fachleuten zur Diskussion stellen möchte.
Diese betrifft das Entfernen des Grates nach dem eigentlichen Abziehen auf dem Nakayama. Iwasaki empfiehlt dazu das Abziehen des Kamisori auf einem mit Stoff (Leinen) bezogenen Holz (-rahmen). Dieser Stoff wird mit einer Paste besprüht.

Im 1963 erschienen Standardwerk Iwasakis „Honing Razors and Nihon Kamisori“ wird ganz klar ausgeführt, dass der Stoff mit Chromoxid besprüht wird. Chromoxid ist mit einer Partikelgröße von 0,3 µm deutlich feiner als ein natürlicher Nakayama. So heißt es auch in besagtem Buch:
„Green Powder is far and away finer than Honyama grit particles, so it is well suited to removing the false edge created by the Honyama.“

Im neu erschienen Video nun wird erwähnt, dass der Stoff mit Diamantpaste besprüht wird. Zoomt man das Bild mit den dargestellten Utensilien heran, so findet man bei der Diamantpaste die Bezeichnung 1 µm. Das ist deutlich gröber als Chromoxid und auch gröber als der Nakayama. Zudem sagt Mizouichi-san im Video nach dem Abziehen auf dem Nakayama und vor dem Behandeln auf dem Pastenriemen „The edge is too sharp now. We need to polish it with diamond paste“.

Also eine Abkehr von einer Paste, die klar feiner ist als der Stein hin zu einer gröberen Paste, um den entstandenen Grat zu entfernen, bzw. das Rasiermesser etwas weniger scharf zu machen.
Nun bin ich kein Pastenfreund, deswegen kann ich auch nicht sagen, wie sich die Rasiermesserschneide nach Behandlung mit 1 µ Diamantpaste verhält. Vielleicht macht die Paste das Messer ja tatsächlich sanfter, dass wäre eine Erklärung, da das früher verwendete Chromoxid das Messer etwas harsch hinterlässt.

Aber wir haben ja Spezialisten hier, die dazu sicherlich etwas sagen können!

Viele Grüße

hatzicho
 
ich bin kein Spezialist
aber nach meinem Verständnis
dürfte da allein schon ein anderes Ergebnis rauskommen
weil er das Messer in eine ganz andere Richtung über den Stoff
und den Handballen abzieht als beim normalen ledern
 
Hallo Leiche,
nun bei ihm geht es darum, den beim Schärfen entstandenen Grat zu entfernen. Das geht besser und einfacher, wenn man das Messer in Schneidenrichtung bewegt. Wenn du im senkrechten Winkel zur Schneide lederst, klappst du den Grad immer nur von einer Seite zur anderen um.
Das Ledern zwischen den Rasuren hat eine andere Bedeutung. Hier soll kein Grat entfernt, sondern der ganz dünne Schneidenbereich vorne aufgerichtet und geglättet werden.
 
@Hatzicho's Kotten Danke, dass du mich auf diese Video gebracht hast.
Nur für mein Verständnis, mich verwirrt das immer etwas mit den Namen, vorallem, wenn die angegeben Daten für mehrere passen würden.
Ich kann auch falsch liegen, dann bitte um Korrektur - Shigeyoshi Iwasaki (geboren 1938) hat die Schmiede von seinem Vater, Kousuke Iwasaki (1903-1967), übernommen. Laut dem Werk ist die Schmiede erst 1946 enstanden und der älteste Sohn - Shigeyoshi - half von Anfang an mit. Erst ab da gabs die Iwasaki Kamisori aus Sanjo. Shigeyoshi hat seit dem Beginn seines Arbeitslebens die Top Qualität (wenn nicht die beste ganz Japans) der Rasiermesser seines Vaters gekannt und die dann abgebildet und verbessert.
Ist nun Kousuke oder Shigeyoshi "der legendäre" Iwasaki? Kann man den Titel überhaupt zuordenen, wenn Vater & Sohn legendär sind?

Vielleicht macht die Paste das Messer ja tatsächlich sanfter, dass wäre eine Erklärung, da das früher verwendete Chromoxid das Messer etwas harsch hinterlässt.
Das zu erproben wird mein Experiment für nächstes Jahr :) Wie man den "Raxa Strop", wie das so schön heißt in dem Werk, herstellt, steht ja auch drin. Ich werde 2 herstellen, 1 mit Chromox und einen mit 1µ Diapaste/Emulsion. Bin noch kein Profi, aber: In meiner Schärfwelt benutze ich feinere Diamanten als die geschätzte Grit Zahl des letzte Steins, den ich verwendet habe um eine bessere Politur der Schneide zu bekommen. Auf der Diaemulsion, die ich im Gebrauch habe, steht eine Gritzahl (60k)drauf. Wie die Firma das berechnet wird nicht erklärt.
Auf der 1µ von der Firma, die ich im Einsatz habe - Jende - steht 16k Grit - wär ein harter Hakayama nicht auch ca. auf diesem Level?

Ich musste sogleich diese Abziehmethode am Stein ausprobieren. Also ran an den Grey Slate und los ging es.
Hab ich doch bisher nie daran gedacht, das Rasiermesser auch so abzuziehen. Es hat, wie erwartet, funktioniert. Mit der Schneide bin ich sehr zufrieden. Ich verstehe jedoch, wo da die im Buch beschriebene Schwierigkeit liegt - sollte man zu viel Druck ausüben, stellt man das Messer etwas auf der Kante des Steins auf und läuft gefahr eine Microbevel herzustellen. Übt man zu wenig Druck aus, kann es leicht passieren, dass nur der Rücken und nicht die Schneide abgezogen wird. Echt spitze, was Herr Iwasaki da schrieb.
 
Danke, dass du mich auf diese Video gebracht hast.
Nur für mein Verständnis, mich verwirrt das immer etwas mit den Namen, vorallem, wenn die angegeben Daten für mehrere passen würden.
Ich kann auch falsch liegen, dann bitte um Korrektur - Shigeyoshi Iwasaki (geboren 1938) hat die Schmiede von seinem Vater, Kousuke Iwasaki (1903-1967), übernommen. Laut dem Werk ist die Schmiede erst 1946 enstanden und der älteste Sohn - Shigeyoshi - half von Anfang an mit. Erst ab da gabs die Iwasaki Kamisori aus Sanjo. Shigeyoshi hat seit dem Beginn seines Arbeitslebens die Top Qualität (wenn nicht die beste ganz Japans) der Rasiermesser seines Vaters gekannt und die dann abgebildet und verbessert.
Ist nun Kousuke oder Shigeyoshi "der legendäre" Iwasaki? Kann man den Titel überhaupt zuordenen, wenn Vater & Sohn legendär sind?

Nun die Geschichte der Familie Iwasaki ist sehr interessant und ich wollte hierzu mal einen ausführlichen Beitrag im Iwasaki-Rasiermesserfaden schreiben.

Hier mal eine kurze Zusammenfassung aus dem Gedächtnis, ohne näher in meinen Quellen zu recherchieren.

Die Familie Iwasaki besitzt eine sehr lange Tradition als Schwert – und Messerschmiede in Japan. Das Problem der kleinen Schmiedestätten in Japan, schon nach dem 1. Weltkrieg, insbesondere aber nach dem zweiten war, dass industriell gefertigte Schneidwaren aus Europa (und hier insbesondere Solingen) den heimischen Markt praktisch überschwemmten. Die Schneidwaren waren günstiger als sie die Schmiede in Japan herstellen konnten und hatten darüber hinaus trotzdem eine sehr gute Qualität. Das ist u.a. auch der Grund, warum sich heute noch in Japan hunderte Rasiermesser aus Solingen oder auch die legendären Filarmonicas in nahezu NOS-Qualität finden lassen.

Für die Schwertschmiede in Japan bestand zudem das Problem, dass zum einen der Bedarf an Schwertern nicht mehr gegeben war und das nach dem Weltkrieg das Anfertigen von Schwertern diesen sogar verboten war. Dies führte insgesamt zum Niedergang der heimischen Schmiede in Japan, so auch jener der Iwasaki Familie. Kosuke Iwasaki führte also zunächst nicht die Tradition der Schmiede fort, sondern widmete sich der Erforschung der japanischen Katana (Langschwerter der Samurai). Er erforschte sowohl die Geschichte als auch die Metallurgie dieser Schwerter und hatte Zugang zu den bedeutendsten Stücken, die in Japan als Heiligtum gelten und sehr verehrt werden. Wenn ich mich recht entsinne, promovierte Kosuke Iwasaki gleich in 2 Bereichen, nämlich Geschichte und Materialkunde.

Mit seinem erworbenen Wissen besann er sich aber wieder der alten Schmiedetradition und überlegte, wie er die handwerklich hervorragenden Fähigkeiten der japanischen Schmiede zusammen mit seinem Wissen um den legendären Stahl der Katana, dem sogenannten Tamahagane zum Vorteil nutzen und die heimischen Schmiede im Vergleich zu den ausländischen Billig-Schneidwaren wieder konkurrenzfähig machen zu können.

Warum auch immer fiel sein Augenmerk hierbei auf die Rasiermesser. Er veränderte die Zusammensetzung des Tamahagane, das ja beim Rasiermesser andere Anforderungen hat, als bei einem Schwert. Kosuke Iwasaki hat aber – meines Wissens nach – selbst wohl keine Rasiermesser geschmiedet. Das war seinem Sohn Shigeyoshi Iwasaki vorbehalten. Dennoch halten sich Gerüchte, das einige ganz alten Rasiermesser doch von Kosuke geschmiedet wurden. Mir ist neulich auch eines begegnet, auf dem tatsächlich die Inschrift K.Iwasaki eingeprägt war. Dabei kann es sich allerdings auch um eine Fälschung handeln.

Wie auch immer, der Großteil der Iwasaki Rasiermesser stammt von Shigeyoshi Iwasaki. Dieser hat sich jedoch auch bereits vor etwa 10 Jahren aus dem aktiven Berufsleben zurückgezogen. Die Schmiede, genannt Sanjō seisakusho, betreibt mittlerweile sein ehemaliger Lehrling Ryoichi Mizuochi, der aber nun auch schon in den 70ern ist denke ich.

Gut scharf! hatzicho
 
Vielen Dank fürs Teilen des Videos.
Es waren ein paar hübsche Sachen zu sehen und zu hören Sehr gut hat mit der letzte, nein halt, dervorletzte Satz gefallen: Schärfe dein Messer selbst! :cool:
Das "Zurückholen" eines "zu scharfen" Messers ist mir schon mal untergekommen im Zusammenhang mit dem Coticule. Es wurde gezeigt, wie man ein Messer mit allerlei Über-Steinen präpariert und zum Schluss wurde ein gelber Belgier genommen,um das Messer zu "entschärfen". Das hätte man einfacher haben können...war mein Gedanke. Und das denke ich hier auch, ehrlich gesagt. Wen er nun statt der Diamantpaste einen simplen Lederriemen genommen hätte? Ist es wirklich von Vorteil, die schöne Naturstein-Facette mit Diamantpaste zu zerkratzten? Aber bewerten kann ich (als Coticule-Krüppel) das letztlich nicht ...
 
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