Forum der Rasur

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Sieben auf einen Streich

Senser

FdR-Pate
Was tun, wenn einem zum Jahreswechsel die Decke auf den Kopf fällt? Also ich jedenfalls besann mich auf ein früheres Hobby und speziell auf einen wunderschönen Wochensatz, der schon seit Monaten im Mitgliederhandel und meinem Sideboard herumdümpelt. Einerseits wundert mich, dass niemand diese Pretiosen gekauft hat, anderseits aber auch nicht, weil ich ja auch sehr ausführlich den Zustand derselben beschrieben hatte, was natürlich die meisten potentiellen Käufer ausschließt.
Hier sah ich auch eine Gelegenheit, mir die Frage zu beantworten, die ich mir früher immer beim Schärfen der Messer gestellt hatte. Nämlich: Arbeite ich, wenn ich mehrere Messer gleichzeitig schärfe, mit allen Messern hintereinander auf dem jeweiligen Stein. Oder bleibe ich bei einem Messer und arbeite mich mit diesem von Stein zu Stein? Ich konnte mir das bisher nicht beantworten, weil ich, wenn ich mehrere Messer geschärft hatte, es doch jedes mal verschiedene Messer waren, also breite und schmale, derbe und voll hohle, solche mit hoher Härte wie Thiers Issard und die „weichen“ Sheffielder usw. Ich hatte festgestellt, dass ein Stein erst eine gewisse Zeit braucht, bis er seine volle Wirkung erreicht. Man merkt und hört deutlich, dass er jetzt richtig zieht, der Schlurks ist sämig und üppig und diesen Zustand, der deutlich zu spüren ist, und den man ggfs. durch vorsichtige Zugabe von Wasser und Anreiben aufrecht erhalten kann, erreicht man in der Regel wenn man mit dem jeweiligen Durchgang fertig ist. Parrallelen zu anderen Themen sind durchaus gegeben, gehören aber nicht hierher. Ich fand es jedenfalls immer schade, einen Stein zu wechseln, wenn Dieser gerade seinen optimalen Wirkungsgrad erreicht hat.
Jetzt bot sich eine Gelegenheit die ganze Sache mal bestätigt zu wissen. Um den Klingen zu würdigen, beschloss ich, Diese hauptsächlich mit Natursteinen zu bearbeiten.
Tag 1
Zunächst musste ich mich aber um die Schatulle kümmern. Die war ja in einem sehr fragwürdigen Zustand, insbesondere das Scharnier, welches nur aus dem dünnen Leder bestand, das auch als Überzug genutzt wurde. Übrigens ein Indiz für meine Vermutung, dass solche Messer gar nicht für den täglichen Gebrauch gedacht waren, sondern lediglich ein edles Accessoir für den Gentleman darstellten. Ich besann mich auf die Holzschatullen, in denen die Dia-Fräser für mein CNC Bearbeitungszentrum geliefert werden, und von denen ich mehrere ungenutzt rumliegen habe. Ich entfernte an einer der Dosen die Scharniere und übertrug sie auf das Messer Etui. Die optische Erscheinung wurde dadurch zwar nicht verbessert, aber die sichere Handhabung durchaus.
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Drei Klingen wiesen Aus – bzw. Abbrüche und Scharten der Schneide um etwa halbe Fassetten Breite auf. Das war der Grund. Warum ich zumindest bei diesen Klingen den ersten Gang auf einem synthetischen Stein absolvierte. Diesen Stein habe ich seinerzeit von Herrn Kronberg (Revisor) geschenkt bekommen. Wenn Beschädigungen nicht allzu grob ausfallen, so wie hier, benutze ich diesen Stein gerne als erstes, weil er sehr gut abträgt aber nicht so brutal zu Werke geht wie ein 1000er, und außerdem ein Verhalten zeigt, welches den Natursteinen sehr ähnlich ist.
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Weiter ging es mit meinem Lieblingsstein, einem japanischen Assaweto, mit dem ich bei allen Klingen die Facette gesetzt habe. Die Rücken sind übrigens mit 2 verschiedenfarbigen Tapes abgeklebt, und sobald die Farbe des unteren Tapes sichtbar wird, muss ich das Obere wechseln, spätestens aber, wenn ich den Stein wechsle.

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Tag2
Es folgten nun zwei sehr gute Japaner, deren Feinheit ich auf 6000 bzw. 9000 Grit schätze. Diese Steine sind zwei von ehemals drei Steinen, die ich vor Jahren einem Member aus dem Nachbar Universum abgekauft hatte, der Diese zuvor als die einzig wahren Steine zum Erlangen der göttlichen Schärfe vorgestellt hatte, Sie aber bald darauf im Mitgliederhandel zum Verkauf anbot. Das ist aber eine andere Geschichte.
Hier zeige ich nochmal, was ich meine, wenn ich vom „Schaukeln“ einer lächelnden Klinge über den Stein schreibe. Den Schub „hin“ beginne ich mit der Spitze nach vorn und drehe das Messer in der Vorwärtsbewegung so, dass es am Ende des Schubes mit dem Erl noch vorne zeigt. Dann wende ich die Klinge und schiebe sie genauso zurück. Nach einigen Doppelschüben beginne ich mit dem Erl nach vorne usw.
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Tag 3
Es folgt die Kür auf meinem kleinen Escher. Hier schaffe ich natürlich keine komplette Schaukel. Dafür ist der Stein zu klein, aber man kann sich die Bewegung ja auch aufteilen.
Ich mußte ständig an „Mecky Messer“ denken. Der Knabe hat einen Escher von 40, in Worten VIERZIG cm Länge.
Letztlich noch vier oder fünf, oder waren es doch nur drei?, Doppel Züge auf dem Pastenriemen. Das finale Ledern absolviere ich dann vor der jeweiligen Rasur, denn mir würde wohl der Arm abfallen, wenn ich 7 Messer auf einmal ledern würde.
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Fazit:
Es ist auf jeden Fall optimal, wenn man mit mehreren gleichen Klingen hintereinander auf einem Stein arbeitet. So hat man immer eine gleiche Rückmeldung und es „grooved“ regelrecht bei der Bearbeitung.
Es hat auch wieder richtig Spaß gemacht und die Rasur mit dem Montag verlief auch hervorragend.
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Es grüßt
Senser
 
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