Forum der Rasur

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Daniel Peres

sakaltras

FdR-Pate
Mit Erstaunen habe ich festgestellt, dass wir bisher nichts über Daniel Peres an dieser Stelle haben. Dabei ist er doch einer der großen Persönlichkeiten in der Geschichte der Herstellung von Rasiermessern in Solingen. Zu seiner Geschichte finden sich schon aber einige Infos, so dass ich mich auf mein Daniel Peres Messer beschränken möchte. Ein schönes 6/8er Rasiermesser mit Bakelit-Heft, das mal eine Ecke breiter war. Die Breite konnte ich aber nicht erhalten. Dazu gleich noch ein Bild, aber erst einmal der jetzige Zustand:

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Ich habe das Rasiermesser in einem relativ schlechten Zustand erhalten:

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Ich hätte gerne die Ätzung erhalten, allerdings musste ich doch der Empfehlung von @SolingerStahl folgen und die Klinge abschleifen. Die schwarzen Flecken in der Mitte unterhalb der Ätzung hat sich auch noch als etwas tieferer Rest erwiesen. Es sind Rostnarben zurückgeblieben, was ich aber auch nicht schlimm finde. Das gehört eben zur Geschichte des Messers.

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Mit Erstaunen habe ich festgestellt, dass wir bisher nichts über Daniel Peres an dieser Stelle haben. Dabei ist er doch einer der großen Persönlichkeiten in der Geschichte der Herstellung von Rasiermessern in Solingen. Zu seiner Geschichte finden sich schon aber einige Infos,

Na dann will ich mal meine Erkenntnisse teilen...

Quelle: deutsche-biographie.de (überarbeitet und ergänzt)

  • Johann Peter Daniel Peres
  • Kaufhändler und Fabrikant, * 22.6.1776 Solingen, † 6.3.1845 Solingen. (evangelisch)

    Vater Johann Hermann Peres (1745–1820), aus Essen, Büchsenmacher, seit 1765 in Solingen
    Mutter Helene Catharina (1752–1811), T d. Wilhelm Wolffertz (1702–54), Besitzer eines Kolonialwarengeschäfts in Solingen u. der Margarete Bauermann (1712–65), Witwe des Johann Peter Nacken (1703–39)

  • Peter Daniel heiratet 1797 in Solingen die Anna Gertrud Koch (1768–1849), aus Wevelinghoven
    Sie haben einen Sohn Carl August (1799–1862), Kaufhändler und drei Töchter.

    Daniel Peres wendet sich nach dem Besuch der Handelsschule in Mülheim/Rhein dem Stahlwarenhandel zu.
  • Die ausländische, vor allem engl. Konkurrenz (Sheffield) sind damals den in Solingen hergestellten Stahlwaren durch besseren Stahl und schönere Politur überlegen. Die sog. „engl.“ Politur, eine Erfindung des schwed. Ingenieurs Christopher Polhem (1661–1751), besteht aus Feinschliff mit Schmirgel und anschließender Politur mit Eisenoxyd, die besseren Korrosionsschutz und einen matten Glanz bewirkt. Noch vor den Gebrüdern Küller, den Gründern der „Walder-Guss-Stahl-Erfindungs Gesellschaft“, ist Daniel Peres, der auf Erfahrungen in der Altenaer Nadelindustrie und auf die lehrbuchmäßige Darstellung des Polierverfahrens in dem 1787 in dt. Übersetzung erschienenen Werk des schwedischen Metallurgen Sven Rinman (1721–92) zurückgreift, nach achtjährigen Versuchen als erster erfolgreich in der Nacherfindung dieser Politur.
  • Um die Fabrikation aufnehmen zu können, informiert er sich in England und bringt zwei Ingenieure mit, die 1801 mit englischen Arbeitern, die am Grünewald wohnen, aus dem Peres-Kotten eine Fabrikanlage am Weinsberger Bach mit in Solingen bisher nicht angewandten Arbeitsgängen und einer ihrer Zeit weit vorausgreifenden Betriebsordnung errichten. Die Fabrikanlage ist daraufhin allgemein bekannt als "Am Birmingham".
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  • Gegen heftigen Widerstand der Zünfte erhält Daniel Peres als Unprivilegierter 1801 die Konzession zur Fabrikation von Scheren, 1805 auch für Taschen- und Rasiermesser. Die hierfür benötigten Stanzplatten bezieht er aus Lüttich. Nur kurz verfügt Peres über die alleinige Kenntnis der Politur, die sich nach Aufnahme der Fabrikation 1803 schon 1804 verbreitet. Entsprechend bleiben ihm die Gewinne für seine erheblichen Investitionen aus diesem Geschäft versagt.
  • Erfolg und Niedergang der Fabrik werden bestimmt durch die englische Kontinental-Sperre. 1809 beschäftigt Daniel Peres 200 Arbeiter und Heimarbeiter am "Grünen Baum" bei Höhscheid und in der Fabrikanlage am Weinsberger Bachtal. 1814 bekommt er noch öffentliche Belobigungen für sein Schaffen, was ihn aber nicht rettet...

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  • 1819 muß Daniel Peres die Fabrikation von Taschen- und Rasiermessern einstellen, die Maschinen und Vorrichtungen werden an den Konkurrenten Ignaz Rösler (1765–1837) in Nixdorf (Sudetenland) verkauft.
  • Der Erfolg stellt sich erst mit der Rückkehr zum Kaufhandel mit Stahlwaren wieder ein. 1830 beträgt die Bilanzsumme wieder rund 15 000 Thaler.
  • 1838 meldet er sein Warenzeichen STERN ÜBER D an

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  • 1845 verstirbt Daniel Peres im Alter von 69 Jahren.

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  • Die Witwe Anna Gertrud Koch verkauft das Gut mit den Immobilien am Grünenwald bei Höhscheid und der Sohn Carl Peres führt das Geschäft weiter.
  • Er meldet 1846 sein eigenes Warenzeichen an

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  • 1850 macht der Umsatz mit 150.000 Thalern bereits das Zehnfache von 1830 aus.
  • 1864 verstirbt Carl Peres und das Geschäft geht über auf die Witwe Johanna Wilhelmine geb. Zapp

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  • 1869 lautet die Anschrift Casernenstr. 560-562 in Solingen. Der Kaufmann Bruno Noot ist Mitinhaber, Carl's Sohn Ernst Peres ist jetzt Handlungsgehilfe.

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  • Im gleichen Jahr wird das Warenzeichen "Geflügeltes Rad" eingetragen

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  • 1873 tritt Bruno Noot aus der Gesellschaft aus und Ernst Peres übernimmt mit seiner Mutter die Geschäfte.

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  • 1878 kehren nach langer Periode des Kaufhandels Max und Franz Peres, die Enkel von Daniel Peres, wieder zur eigenen Fabrikation zurück.

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  • Im gleichen Jahr wird das neue Warenzeichen "Krone über D neben zwei gekreuzten Haken" eingetragen

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  • 1884 orienteren sich Ernst und seine Söhne stark auf den Export der eigenen Produkte und der Handelswaren, so auch mit England

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  • 1885 wird das berühmte Warenzeichen "Faß" eingetragen (und 1895 erneuert)

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  • 1888 scheidet Ernst Peres aus dem Unternehmen aus.

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  • 1894 beabsichtigt die Fa. Peres zwei Friktionshämmer an der neuen Firmenadresse Friedrichstraße 24 a aufzustellen, die Nachbarschaft hat 14 Tage Einspruchsfrist...

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  • 1895 wird das Warenzeichen "Einhorn mit Dreizack" angemeldet und das 1875 eingetragene WZ "geflügeltes Rad" verlängert.

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  • 1899 wird die Marke "MAGNETIC STEEL" für Rasiermesser eingetragen. Gleiche Eintragungen erfolgen für Klappmesser und Scheren.
  • In dieser Adressbuchwerbung von 1903 sind alle Warenzeichen abgebildet. Im gleichen Jahr wird dem Kaufmann Friedrich Meurer Prokura erteilt.

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  • 1912 wird noch das Warenzeichen BARBER'S KING angemeldet. Die Söhne von Max und Franz Peres, Walter und Werner Peres sind nun ebenfalls im Unternehmen tätig.

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  • 1918 verstirbt Walter Peres... wohl im 1. WK an der Front. Franz und Werner Peres setzen das Geschäft fort.

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  • 1921 tritt der Kaufmann Kurt Peres als persönlich haftender Gesellschafter ein.
  • 1923 scheidet Werner Peres aus dem Unternehmen aus und dem Kaufmann Ernst Maußner wird Prokura erteilt.
  • 1934 wird Max Broch aus Solingen Einzelprokura erteilt und 1935 verstirbt der Altprokurist Friedrich Meurer.
  • 1936 + 1938 ist Kurt Peres noch als Inhaber der Fa. Daniel Peres an der Friedrichstr. 26 gelistet. Er wohnt im Nebenhaus Nr. 28 und ist der einzige Peres im Adressbuch von Solingen.

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  • 1953 gibt es die Fa. Daniel Peres noch an der Friedrichstr. 26, wo aber nur noch die Witwe Marianne vom mittlerweile verstorbenen Kurt Peres wohnt.

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  • 1969 Ist die Fa. Daniel Peres Stahlwarenfabrik & Export immer noch dort gelistet, eine Elsa Peres wohnt im Stadtteil Ohligs am Botenweg 6.
  • 1972 erfolgt die Übernahme der Fa. Daniel Peres durch den Einzelunternehmer Kurt-Reiner Witte und die Zusammenlegung der Standorte mit der ebenfalls übernommenen Fa. DIRLAMS FISCHERWERK an die Friedrichstr. 26.
  • 1974 + 1976 ist Daniel Peres eine Kommanditgesellschaft unter der Leitung von K.R. Witte und Eigentümer am Standort Friedrichstr. 24 - 28. Dort sind ebenfalls die Firmen Emil Thiel Rasiermesserfabrik und Cürten & Höltgen mit der Daniel Peres Stahlwarenfabrik zusammen gelistet.

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  • K.R. Witte vertreibt noch heute Scheren mit der Marke DANIEL PERES, aber die Rasiermesserproduktion ist schon seit langer Zeit aufgegeben worden.


Soviel zum industriekulturhistorischen Teil... wer bis hier durchgehalten hat, wird nun noch mit zwei Belegstücke aus meiner Sammlung belohnt... :flucht1

Ein DANIEL PERES #45 mit Faß-Marke und vollhohler 6/8 Geradkopfklinge im beinfarbigen Galalithheft

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im Original DANIEL PERES Schuber

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und ein DANIEL PERES #86 mit Faß-Marke und 4/8 vollhohler Klinge mit spanischem Kopf und Erlbelag

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der Erlbelag ist allerdings nicht aus Elfenbein, sondern aus beinfarbigem Micarta

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trotzdem ein sehr ansehnliches und elegantes Messer, das im Übrigen hervorragend rasiert

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Mit scharfen Grüßen aus der Klingenstadt
Rainer
 
Lieber Rainer,

wieder einmal hochspannend und lehrreich. Du kennst ja mein besonderes Interesse an osmanischen und orientalischen Rasiermessern. Etwas überrascht war ich vom Warenzeichen, das sich Carl Peres 1846 hat eintragen lassen:
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Die Ähnlichkeit zur osmanischen Tuğra ist sicher kein Zufall:

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Die Tuğra war eine Art Unterschrift bzw. Siegel der osmanischen Sultane auf offiziellen Dokumenten. Passt auch zu der Zeit des Warenzeichens und zeigt sehr schön die engen Beziehungen auch schon zu der Zeit.

Vielen Dank, wieder einmal auch so früh morgens etwas gelernt.

Sami
 
Lieber Rainer,

wieder einmal hochspannend und lehrreich. Du kennst ja mein besonderes Interesse an osmanischen und orientalischen Rasiermessern. Etwas überrascht war ich vom Warenzeichen, das sich Carl Peres 1846 hat eintragen lassen:Anhang anzeigen 209031

Die Ähnlichkeit zur osmanischen Tuğra ist sicher kein Zufall:

Anhang anzeigen 209032
Die Tuğra war eine Art Unterschrift bzw. Siegel der osmanischen Sultane auf offiziellen Dokumenten. Passt auch zu der Zeit des Warenzeichens und zeigt sehr schön die engen Beziehungen auch schon zu der Zeit.

Vielen Dank, wieder einmal auch so früh morgens etwas gelernt.

Sami

Sami, da sei dem Fachmann ein lobender Dank ausgesprochen ! :daumenhoch
...ich konnte mir da keinen Reim drauf machen, deswegen hatte ich es nicht weiter beschrieben.

LG Rainer
 
Sami, da sei dem Fachmann ein lobender Dank ausgesprochen ! :daumenhoch
...ich konnte mir da keinen Reim drauf machen, deswegen hatte ich es nicht weiter beschrieben.

LG Rainer
Das Lob gebührt ausschließlich dir, für deine tolle Recherche. Ob ich mich bei dir bedanken soll, weiß ich nicht so wirklich. Ich habe jetzt so einen zwingenden Drang so ein Messer haben zu müssen. Das kostet mich vermutlich viel Zeit und noch schlimmer viel Geld :)
 
Das Lob gebührt ausschließlich dir, für deine tolle Recherche. Ob ich mich bei dir bedanken soll, weiß ich nicht so wirklich. Ich habe jetzt so einen zwingenden Drang so ein Messer haben zu müssen. Das kostet mich vermutlich viel Zeit und noch schlimmer viel Geld :)

Sami, ein Rasiermesser von 1846 - 1878 mit dem TUGRA Zeichen zu finden, dürfte eine unerfüllbare Lebensaufgabe werden, zumal ja Carl Peres und sein Sohn Ernst in dieser Zeit nicht mehr selbst hergestellt, sondern nur mit Fremdware gehandelt haben... In dieser Zeit wurden in Solingen aber nur wenige englische Gußstahl-Klingen als Rasiermesser gefertigt und selten mit Solinger Zeichen gepunzt. Ob sein Vater Daniel vorher überhaupt Rasiermesser gefertigt hat ist fraglich... er war auf Scheren und Klappmesser spezialisiert...
Erst Daniel's Urenkel Max und Franz haben die Produktion 1878 wieder aufgenommen und ab 1885 Rasiermesser mit dem FASS als Zeichen geschlagen.

Mit scharfen Grüßen
Rainer
 
Zuletzt bearbeitet:
Sami @sakaltras zum Trost habe ich hier ein Rätsel für Dich, das vielleicht nur Du lösen kannst...

In meinem Foto-Archiv habe ich ein #33 EFENDI Messer mit PERES Faß auf den Heftschalen, die wahrscheinlich gar nicht da dran gehören...

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Die frage ist nun, wer dieses EFENDI Messer hergestellt hat...

Mit scharfen Grüßen
Rainer
 
@sakaltras hier nochmal das Zeichen im Detail...

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Die Messer gab es als #22 ohne Ätzung und #33 mit SOLINGEN Ätzung... immer als STAINLESS... immer als 6/8 Rundkopf...

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...angeblich in Solingen hergestellt... es war jedoch bis 1978 nie eine Fa. EFENDI im Solinger Adressbuch gelistet...

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Hatte wohl nie etwas mit DANIEL PERES zu tun...


Mit scharfen Grüßen
Rainer
 
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