Forum der Rasur

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Das leidige Thema Körnung der Schärfsteine

dirk

Gründer FdR
Admin
Es wird einem als Anfänger im Thema Schärfen wirklich nicht leicht gemacht. :mad

Ist es schon schwer genug, die eigene Hemmschwelle zu überwinden, selbst schärfen zu wollen, so wird es Dir noch schwerer gemacht, je mehr Du Dich in das Thema reinliest und Du eigentlich mehr verwirrt wirst, als Du es schon vorher warst. :z04975

Neue Welten tun sich auf, von künstlichen Steinen zu Natursteinen, mit Wasser oder mit Öl, vorher lange in Wasser einlegen oder nur kurz vorher mit Wasser "besprühen" etc. pp.

Und hast Du es bis dahin immer noch nicht aufgegeben, kommt die Killerfrage, die jeden Willen erst einmal in sich zusammenfallen lässt, die Frage nach der richtigen Körnung des Schärfsteins. :eek:

Nein noch schlimmer. Es wird erzählt, man brauche auch noch verschiedene Steine mit verschiedenen Körnungen. Und jeder empfiehlt eine andere Kombination mit anderen guten Argumenten und die meisten haben in sich auch noch Recht damit. Wie soll man das alles verstehen? :Eek

Dann recherchierst Du weiter und stellst auf einmal fest, daß die Herstellerindustrie sich auch noch gegen Dich verschworen hat. Man könnte ja glauben, ein Verkäufer will ein Produkt Dir so einfach wie möglich verkaufen und es würde sich mit der Zeit ein Industriestandard durchsetzen. Eine Art weltweite Norm, so wie bei den CDs früher oder den Videorecordern, als Betamax etc. schnell vom Markt verschwanden. Aber weit gefehlt. So einfach machen wir es Dir nicht... teufel_lachend

Jede Region und sogar jeder Hersteller in seiner eigenen Produktpalette kocht sein eigenes Süppchen.

So gibt es selbst bei ein und demselben Hersteller innerhalb der verschiedenen Produktlinien bei gleicher Kornzahl unterschiedliche Schärfergebnisse. Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht, denkt man sich da? :headwall1

Schon die Lust verloren? :Pcputt

Ich hatte die Diamantplatten und Schleifpasten* und Lederriemen und Leinenriemen noch gar nicht erwähnt... :hinterherjagen1


Cool bleiben... :smoker1

Irgendwann hat man einen Überblick. Manchmal früher, manchmal später. Aber es wird passieren...:baden1

Also versuche ich einmal zumindest ein wenig Licht in diesen dunklen Urwald zu bringen, was mir bei meinen Recherchen so aufgefallen ist, damit es für andere Einsteiger in das Schärfen zumindest etwas einfacher wird, die theoretische Seite zu überblicken.

Ich bin mir sicher, daß einige viel erfahrenere Mitglieder hier im Forum noch viel detaillierter helfen können, als ich als Einsteiger in diese Materie. Dafür sind solche Threads ja da. Also immer fleißig Fragen stellen...

Zunächst gibt es je nach Region auf der Welt unterschiedliche Normen für die Angabe des Korns.

In Europa ist es die
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Norm, in Japan ist es die
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Norm. Siehe eine grobe Übersicht hier:

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In der Tabelle dort kann man auch die Partikelgröße sehen. Das ist schon einmal ein Anhaltspunkt, auch wenn es dort nur bis (japanische) 8000er geht.

Das Prinzip je kleiner die Zahl desto gröber das Schärfen/Schleifen ist klar. Es ist aber nicht so, daß der Sprung von einer "Kornklasse" in die nächste immer linear ist. Je höher die Zahlen werden, desto geringer sind die Unterschiede in der Korngröße.

Um also bei den japanischen Bezeichnungen für künstliche Wassersteine zu bleiben ist der Schritt von 1000 auf 2000 größer, als von bspw. 6000 auf 8000.

Wichtig in diesem System ist es zu verstehen, daß man mit mehreren Steinen in nicht zu großen Abstufungen/Lücken zeitlich schneller zu dem gewünschten Ergebnis kommt, als mit weniger Steinen, dafür aber größeren Schritten/Abstufungen/Löchern.

Die Zahlen sind aber nur Anhaltspunkte. Denn kein Stein besteht nur aus Korn der exakt gleichen Größe. Es handelt sich hier um Durchschnittswerte aus Mischformen. Es gibt also im gleichen Stein unterschiedliche Korngrößen, aber durch ihre Mischung im Stein, erzielt man ein Schärfebild, das - so die Theorie - dem der aufgedruckten Zahl entsprechen sollte.

In der Praxis sieht das aber anders aus. So gibt es bspw. 8.000er die laut Aussagen von erfahrenen Anwendern ein ähnliches Schärfebild wie ein 10.000er haben. Im folgenden benutze ich die Kurzform für die .000er Zahlen in K. Also 8K und 10K.

Und damit es auch nicht langweilig wird, hat auch u.a. das benutzte Bindemittel, um im Stein alles zusammenzuhalten, einen Einfluss auf das Schärfeverhalten. Deswegen sind bei dem gleichen Hersteller trotz gleicher Kornangaben unterschiedliche Produktlinien nicht direkt vergleichbar. Ein 1K Stein aus der Naniwa "Traditional line" ist etwas anderes als ein 1K Naniwa "Chosera" oder 1K Naniwa "Gouken".

Genauso kann man nicht wirklich die Steine verschiedener Hersteller mit gleicher Korngröße gleichsetzen. Ein 1K Naniwa ist etwas anderes als ein 1K Shapton Glass Stone oder ein 1K Shapton Pro Stone oder ein 1K Miyabi oder 1K Wüstenhoff etc. pp

Bei Natursteinen ist es noch schwieriger und ohne die Erfahrungswerte von erfahreneren Usern kommt man da gar nicht weiter in der Frage, wann und ob man Natursteine in den eigenen "Workflow" einbinden sollte. Denn viele Natursteine können je nach Anwendung alles in einem abdecken.

Bspw. ein gelber belgischer Brocken (GBB). Bei viel "Slurry" (feiner Schlamm, der beim Reiben auf dem Stein entsteht) ist das Schärfebild eher wie ein 1K bis 3K. Je dünnflüssiger der "Schlamm", desto feiner das Schärfebild. So kann man im Prinzip durch immer weiteres Verdünnen auf ein Schärfebild von 5K-6K kommen.

Das ist also ein komplexe Sache...:pc2

Wenn man sich viel durch das Internet durchliest und sich viele Youtube Videos ansieht, wird man feststellen, dass es nicht die eine richtige Art und Weise gibt. Es gibt viele Wege, die nach Rom führen, solange man Grundprinzipien beachtet und sich die Zeit nimmt, das Schärfen von der "Technik" - unabhängig von der Steinwahl - zu lernen. Es ist ein Handwerk, kein Hexenwerk. :nic1

Nicht zu unterschätzen sind auch die persönlichen Präferenzen. Das ist sehr subjektiv. Jeder Handwerker hat Vorlieben bei der Wahl seiner Marken, weil er einfach mit derjenigen Marke am besten selber zurechtkommt.

Auch die Ansprüche an die Rasureigenschaften sind unterschiedlich. Der Eine will ultrascharf, der Andere nur sehr scharf, aber dafür auch sanft. Der Eine hat einen "Metallbart", der Andere einen sehr weichen Bart. Der Dritte hat Wuchsrichtungen überall kreuz und quer, der Vierte immer nur in eine Richtung.

Das spielt alles eine Rolle bei der Art, wie das Rasiermesser beim jeweiligen Mann rasieren muss, um ihn zufrieden zu stellen und dementsprechend anders muss das Messer auch geschärft werden mit einem anderen Workflow, anderen Steinen etc.

Man sollte also viel ausprobieren, mit unterschiedlichen Kombinationen experimentieren, um den eigenen, subjektiv bestem "workflow" herauszufinden.

Ein letzter Punkt, der mir momentan noch einfällt: In vielen Anleitungen wird immer gezählt. Wie oft in die eine Richtung, wie oft in die andere. Es dient nur zur Indikation. Mir hat das Zählen nicht geholfen, eher sogar abgelenkt, mich auf die Technik zu konzentrieren. Wenn man in der Technik besser ist/erfahrener ist, ist das dann vermutlich anders :blush

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*= Schleifpasten haben je nach Wahl noch einmal eine viel kleinere Korngröße und können sehr preiswert die teuren Steine von ca. 6k-10k (notfalls) ersetzen oder auch das letzte Quentchen für das "finish" geben.
 
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dirk

Gründer FdR
Admin
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Woran orientiert man sich also als Einsteiger?

Man liest sich am besten die Schärfanleitung hier im Forum einmal durch.

Man braucht für den Anfang schon einmal 2 Steine (oder auch ein Kombistein) mit den Körnungen 1k und 3k. Je nach Produktlinie und Hersteller können die auch eine leicht andere Körnung haben. Aber es sollte ungefähr in diesem Bereich liegen.

Mit dem 1k wird die Grundlage für den Erfolg/Mißerfolg des Schärfergebnisses gelegt.

Macht man es an diesem Stein/ dieser Körnung falsch, kann man es mit den nächsten Abstufungen kaum noch retten. Alle danach kommenden Steine/ Körnungen sind nur noch ein "Abarbeiten" innerhalb der Bahnen, die man mit dem 1k festgelegt hat.

Das Ergebnis auf dem 1k Stein ist das Fundament des Hauses. Wenn das Fundament nicht richtig gebaut wurde, hilft auch kein schöner Balkon mehr. Das Haus wird für immer schief stehen.

In welchen Abstufungen man dann nach 1k und bspw. 3k weiter vorgeht, ist subjektiv und hängt von vielen Parametern, eigenen Vorlieben, dem Budget, aber auch "Kompatibilitäten" einzelner Steine untereinander ab.

Das kann 5k oder 6k gefolgt von 8k und dann 10k oder 12k sein. Das kann aber auch statt des 5k ein GBB oder sonstiger Naturstein sein. Von den verschiedenen Möglichkeiten der Pasten ganz zu schweigen.

So etwas kann man nur durch viele Fragen und Diskussionen hier im Forum und eigenes Ausprobieren für sich selbst herausfinden.

Noch ein Punkt, den ich nicht beachtet hatte:

Achtet auf die Abmessungen der Steine. Rasiermesser haben meist eine 6-7.5cm lange Klinge. Auf einem 4cm breiten Stein ist das schwieriger zu schärfen und erfordert eine andere Technik (Kreuzschliff oder Kreisbewegungen), als wenn der Stein 7cm breit ist.
 
Zuletzt bearbeitet:

Doorsch

Active Member
Nun bei Natursteinen ist keine Körnung gegeben sondern wir haben einfach gesprochen ein Sammelbecken verschiedenster Partikel mit unterschiedlichen Härten und Grössen, deswegen macht es bei Natursteinen in der Regel Sinn Vergleiche der Polierwirkung zu künstlichen Steinen herzustellen (denn mit was soll man sonst am Besten vergleichen). Dazu sollte man ergänzen ob der Stein sehr schnell oder langsam ist....ich habe es bei meiner Seite so gehandhabt das ich Vergleichsbereiche angebe, also ob ein Naturstein grob, mittelgrob, mittelfein, fein, oder sehr fein ist....ein Bezug zu Körnungsgrössen stelle ich nur anhand der Polierwirkung/Riefen her....

Künstliche Steine haben genormte Toleranzen in den sich die Schleifpartikel bewegen dürfen, gutes Beispiel ist ein Schleifpapier. Das sieht recht homogen aus auf den ersten Blick. Nun legt man Bildlich gesehen mal ne Hand Kiessand daneben und wird feststellen das dieser etliche grössere Partikel aber auch viel sehr feine kleine Partikel enthält...das ist das Bild was man dann auf einen Naturstein transferieren kann...
 
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