Forum der Rasur

Registriere Dich jetzt kostenlos!

Dadurch bekommst Du Zugang zu dem geschützten Mitgliederbereich, kannst beim Gebrauchtmarkt mitmachen und stellst nebenbei auch noch sicher, dass niemand Dir Deinen Wunsch-Usernamen wegschnappt.

Der Weg zum Rasiermesser, das tatsächlich rasiert

Leach

Member
Guten Tag, Freunde.

Ich habe mich für ein neues Thema entschieden, weil ich ehrlich gesagt nicht wusste, wohin damit. Es ist ziemlich viel durcheinander: Facette setzen, Steine, Slurry, Belgische Brocken. Deshalb erzähle ich alles chronologisch.

Ich habe mir ein Rasiermesser von Ralf Aust gekauft. Ein sehr gutes Messer, und ich war auch sehr glücklich damit, solange es scharf war. Die ersten Monate war alles gut. Direkt aus dem Karton hat es locker den Haartest bestanden. Nach dem ersten Leinen- und Lederriemen nicht mehr ganz, aber die Rasur war durchaus angenehm.
IMG_0536.jpeg

Irgendwann wurde es nicht mehr angenehm. Ich bin Schreiner, deshalb hatte ich bereits Naniwa Super Stones in 1000 und 8000. Ich habe Videos geschaut und Artikel gelesen, also mich mental vorbereitet. Auf dem 1000er habe ich die Facette gesetzt und auf dem 8000er poliert. Der Haartest war nicht gut. Nur bei einem bestimmten Winkel und nur direkt am Finger. Rasieren konnte ich mich, aber angenehm war etwas anderes.

Also habe ich mir zusätzlich 3000 und 12000 Naniwa gekauft, weil ich dachte, das sei das Problem. Wie sich herausstellte: nein, das war nicht der Grund.

Nach 1000, 3000, 8000 und 12000 sieht die Schneide wie ein Spiegel aus, aber rasieren ist nicht einmal annähernd angenehm.

Also habe ich weiter recherchiert. Ich habe über Grat und „Folie“ gelesen und verstanden, dass ich unbedingt einen Naturstein brauche. Ich habe mir einen La Veinette Coticule gekauft und angefangen zu üben. Leider wurde das Ergebnis noch schlechter als nach dem 8000er.
IMG_0538.jpeg

Ich habe alles Mögliche ausprobiert: mit Slurry, ohne Slurry, mit Wasser, ohne Wasser. Ich bekomme um nichts in der Welt einen vernünftigen Haartest hin. Ich kann mich mit dem Messer rasieren, aber angenehm ist das nicht.

Meine Vorgehensweise:
  1. Ich mache die Schneide mit Glas bewusst stumpf.
  2. Auf dem Naniwa 3000 setze ich eine neue Schneide.
Wie arbeite ich mit dem 3000er? Der Stein ist nass. Das Rasiermesser liegt mit etwa 45 Grad zur Bewegungsrichtung auf dem Stein. Ich mache etwa 20 Vor- und Rückbewegungen, dann drehe ich das Messer und wiederhole es. Auf dem Stein bildet sich deutlich Abrieb, den ich zwischendurch abspüle. Nach ungefähr 200 Vor- und Rückbewegungen pro Seite rasiert das Messer Armhaare. Die Schneide ist gleichmäßig und zeigt gleichmäßige Schleifspuren vom 3000er.
  1. Danach gehe ich auf den Belgischen Brocken, gleiche Bewegungen wie mit dem Naniwa. Wieder sichtbarer Abrieb. Die Schneide wird glänzender. Auch hier etwa 200 Vor- und Rückbewegungen pro Seite.
  2. Anschließend benutze ich den Belgischen Brocken unter fließendem Wasser, ohne Druck. Das Messer gleitet fast nur mit Eigengewicht über den Stein. Etwa 500 Vor- und Rückbewegungen.
Ergebnis: Ich kann mich rasieren, aber kein Haartest. Und angenehm ist etwas anderes.
IMG_0537.jpeg

Ich habe im Forum gelesen und vermute, dass mein Problem die Vor- und Rückbewegungen sind. Ich werde sie durch Wechselzüge ersetzen und es erneut versuchen.

Langsam bin ich am Verzweifeln. Wenn ihr einen Rat für mich habt, wäre ich unendlich dankbar.

Mein Ziel ist es, mit dem Belgischen Brocken ein Rasiermesser rasurfertig zu machen und eine wirklich angenehme Rasur zu bekommen.
 
Langsam bin ich am Verzweifeln. Wenn ihr einen Rat für mich habt, wäre ich unendlich dankbar.
Der erste und wichtigste Rat wäre imho, sich ein günstiges "Opfermesser" anzuschaffen und erst einmal mit dem zu üben. Das Aust ist dafür zu schade. Das würde ich einem der Experten hier zum Schärfen schicken.

Ansonsten, nein, Du benötigst keinen Naturstein. Das geht auf den Naniwas wunderbar, solange sie plan und nicht von Küchenmessern o.ä. verhunzt sind. Dann aber noch einen zweiten Winkel drauf am Ende oder pasten. Dazu solltest Du genug in den bestehenden Threads finden.

Am besten auch nochmal die SuFu mit "Schärfanleitung" und User "Senser" bemühen. ;)
 
Warum machst du das Messer bewusst stumpf? Das ist unnötig und eher kontraproduktiv.

Du musst nicht immer eine neue Facette aufbauen, auffrischen ist angesagt und ausreichend.

45 Grad, warum denn das? Das Messer muss beim schärfen mit dem (abgeklebten) Rücken aufliegen.

Mit dem Belgischen Brocken schärft man normalerweise von Anfang bis zum Finish.

Lass das Messer am beten mal von einem der vielen Kollegen hier, wieder von Grund auf schärfen, oder schick es Herrn Aust, der kann das :)
Schau dir mal Handwerkskunst an, Mediathek, vor einiger Zeit zeigte dort Herr Aust wie er ein Messer herstellt, einschließlich schärfen.

Noch ein Ratschlag, der HHT ist gut, aber er sagt nicht aus das die Rasur auch gut und angenehm wird.
Eigentlich ist ein Rasiermesser gut schärfen keine Raketentechnik, und wenn man es drauf hat, zumindest für mein Dafürhalten, einfacher als ein Brotmesser zu schärfen. Denn, der Winkel wird hier vom Rücken vorgegeben.

Ich benutze 4 Steine, jeweils ein 1000 er und ein 5000 er Naniwa, einen Mustang Schiefer und einen Gray Slate. HHT, kein Problem, gute Rasur, what else. Fürs Auffrischen benutze ich nur den Mustang und den Grey Slate.

Das wichtigste Werkzeug das Messer lange und gut schnitthaltig zu halten ist und bleibt der Riemen.
 
Hi,

schön das du dich an die Messer Rasur gewagt hast. Ich sehe mehrere Fehlermöglichkeiten.

1. Du hast keine Übung beim ledern. Das solltest du auf jeden Fall üben. Wenn dein Messer vorm Ledern den Haartest besteht und danach nicht mehr, dann ist da schon mal was nicht richtig gelaufen.

2. Rasiermesser sind keine Stemmeisen oder Hobelmesser. Deine Fotos zeigen am Schliffbild, dass du wahrscheinlich mit zu viel Druck auf der Klinge arbeitest. Nur mit dem Schneidengewicht und der Hand als Führung arbeiten. Mit zuviel Druck hast du das Messer wegradiert bevor es scharf ist.

3. Probier dich erstmal mit deinen Naniwas. Natursteine können manchmal richtige Zocken sein. Einen Belgier am Anfang finde ich auch schwierig. Gerade die aktuellen neuen Steine sind nicht alle für Rasiermesser geeignet, selbst wenn du eine gute Schicht ausgewählt hast.

Hol dir erstmal ein Opfermesser und übe damit und lass dir in der Zwischenzeit, das Messer von einem Forumskollegen schärfen.

Wenn du es mit deinen Naniwas hinbekommst und es dann auf dem Leder nicht wieder versaust, dann kannst du dich auf dem Spielfeld der Natursteine umschauen.

Ich wünsche dir viel Erfolg und viel Spaß dabei, auch wenn es am Anfang frustrierend sein kann. Willkommen im Kaninchenbau ;)

Viele Grüße Marko
 
ja ein “übungsmesser” oder “opfermesse” macht da mehr als sinn. ich hatte eins für nen 20er bei ebay gekauft. und los ging die reise. hier im forum nach “anleitungen” geschaut und YT video’s.
mitlerweile habe ich mit @Wassermeister mich lange ausgetauscht (wir haben beide einen kiita j-nat) und seit dem ist meine rasur hammer. die wate ist sanft und scharf. haartest hatte ich versucht klappt allerdings nur bedingt. dies hat keinerlei einfluss auf die super rasuren welche ich mitlerweile habe seit ein paar wochen sogar eine tägliche rasur.
 
Ich danke euch vielmals für eure Ratschläge.

Die Tatsache, dass das Messer nach dem Ledern den Haartest nicht bestanden hat, hat mich ebenfalls überrascht. Deshalb habe ich es extra erwähnt.

Ich benutze einen Riemen von der Firma Herold. Ich spanne den Riemen mit der linken Hand und lege das Messer mit Rücken und Schneide auf den Riemen. Dann ziehe ich es mit Bewegungen von mir weg und zu mir hin, wobei der Rücken immer in Bewegungsrichtung zeigt. Der Druck ist sehr leicht. Ich mache etwa 40 solcher Doppelzüge und danach das Gleiche auf der Lederseite.
IMG_0539.jpeg

IMG_0540.jpeg

Zur Frage, warum ich das mit dem Ralf-Aust-Messer mache:

Dafür gibt es mehrere Gründe. Als ich damit angefangen habe, wollte ich nicht üben, sondern einfach kurz das Messer schärfen und weiter rasieren.

Als ich festgestellt habe, dass es nicht so einfach ist, wie ich es mir vorgestellt habe, habe ich überlegt, ein Übungsmesser zu kaufen. Ich habe das günstigste Timor bestellt. Leider kam es leicht verbogen an und ich habe es zurückgeschickt.

Beim Ralf-Aust-Messer bin ich mir sicher, dass die Geometrie stimmt, dass das Messer grundsätzlich scharf sein kann und dass das Problem bei mir liegt und nicht am Messer. Wenn ich ein Messer bei eBay kaufe, weiß ich nicht einmal, ob es überhaupt schärfbar ist.

Allerdings gefällt es mir auch nicht, ein gutes Messer als Testobjekt zu benutzen, und ich suche daher nach einer Alternative, weil ich sehe, dass das Ganze länger dauern wird.

Zum Rat, das Messer zum Schärfen einzuschicken: Das würde das Messer rasierfertig machen, aber es würde nicht mein eigentliches Problem lösen, nämlich dass ich selbst Rasiermesser schärfen können möchte.

Ich möchte es tatsächlich mit dem Gelben Brocken schaffen. Es ist zu einer Herausforderung geworden, und ich möchte sie lösen. Ich weiß genau, dass es möglich ist. Ich habe alles, was ich brauche, außer Kenntnissen. Und genau das ist mein Problem.

So wie ich es herausgelesen habe, liegt mein Problem wahrscheinlich an zu viel Druck. Ich werde den Druck reduzieren und mit einem Testmesser weiter üben.

Falls jemand noch etwas Verdächtiges oder Auffälliges in meiner Beschreibung entdeckt, wäre ich sehr dankbar für eine Rückmeldung.
 
Die Leinenseite würde ich nur sporadisch benutzen.

Mit dem Belgischen Brocken ist so eine Sache. Naturstein, er hat Granat Einschlüße. Diese schärfen den Stahl. Du musst am Anfang viel Slurry erzeugen und dann immer weiter verringern.

Aber, bei einen neuen frisch geschärften Messer von Aust brauchst du die nächste Zeit noch nicht mal ans schärfen und Steine zu denken.
Darf man fragen was du für den GBB bezahlt hast?
 
Hallo @Leach

Also @BoSs hat dir schon mal den groben Rahmen geliefert. Gerade das richtige Ledern wir unterschätzt und genau da bekommt man ein gutes Messer wieder Ruiniert.

Du hast super Naninaws und mit denen würde ich arbeiten bis zum 12k.
Nur Schneide voraus, nicht hin und her und mit wenig bis garkein Druck. Danach kannst du deinen GBB nutzen als Finish Stone. Der nimmt dir die Aggressivität der Schneide, sodass dir nach der Rasur nicht der Hals brennt.

Den GBB NICHT anreiben, nur nass machen und das Messer ca 30-50x von jeder Seite abziehen rein mit Eigengewicht des Messers und dann Ledern ebenfalls nur mit Eigengewicht des Messers, den Riemen wirklich straff spannen und dann minimal Spannung raus nehmen, dann sollte es klappen

Solltest du das hin bekommen kann man sich, am besten mit einem günstigen eBay Messer daran versuchen rein auf dem GBB zu schärfen mit Slurry und Verdünnung bis auf Wasser.

Dein Equipment ist gut, der Rest hängt an Technik.

Beste Gruße
 
Zwei Ratschläge:

1.) Wenn Du Angst hast, dass ein EBay-Messer nicht schärfbar bzw. nicht mit Ledern rasurfertig zu bekommen ist:
Dann gib hier im MH eine Suchanfrage nach einem günstigen Übungsmesser auf.

Hier im Forum haben manche eine dreistellige Anzahl an RM herumliegen. Und viele haben ein Herz für Anfänger. Da wirst Du bestimmt fündig.

2.) Wenn Du das Schärfen nicht mit Einlesen und YouTube-Videos lernen möchtest, frag doch unter Angabe Deiner „Wohnregion“, ob ein erfahrener Kollege in der Nähe wohnt, der bereit wäre, Dich mal zu einer „Lehrstunde“ einzuladen.

Gab es hier alles schon…
 
Zurück
Oben