Forum der Rasur

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Der Weg zum Rasiermesser, das tatsächlich rasiert

Das Messer betrachte ich guten Gewissens als wieder in Stand gesetzt. ;)

danke für deinen ausführlichen Bericht – sehr interessant zu lesen!

Eine kurze Frage hätte ich noch zu deinem Vorgehen auf dem Schwedenstein:

Du schreibst, dass du „wie beim Ledern“ gearbeitet hast – meinst du damit, dass du ausschließlich mit dem Rücken voran geschärft hast?

Und falls es dir möglich ist:
Mich würde sehr interessieren, wie die Facette am Ende aussieht. Hättest du vielleicht ein Foto von der Klinge?

Gerade der Materialabtrag bei den Ausbrüchen würde mich interessieren – wie viel wirklich nötig war, um das Messer wieder in Stand zu setzen.
 
So, dann berichte ich mal kurz. Heute hatte ich die Zeit das Messer wieder auf die Steine zu jagen. Ich habe die Facette nochmal neu gesetzt, indem ich auf einen 1000er Stein 20x das Messer Auf-ab geschärft habe (also auf hin die Klinge voran, nicht gewendet und auf zurück den Rücken voran). Das gleiche natürlich dann auch mit der anderen Seite und erstmal das Ergebnis überprüft. Es waren noch leichte Ausbrüche zu sehen, aber deutlich weniger als vorher. Also habe ich das Spiel nochmal wiederholt. Da danach keine Ausbrüche mehr erkennbar waren, war für mich die Arbeit mit dem 1000er abgeschlossen. Die Stufe darauf war dann der 6000er, bei dem ich soweit von Schärfvorgang gleich verfahren bin. Auch insgesamt 40x auf-ab pro Seite. Danach kam der Schwedenstein. Hier ein etwas anderes Vorgehen. Der Stein wurde von mir nicht nur gewässert, sondern auch angerieben. Danach 50 Doppelzüge wie beim Ledern, Klinge nochmal etwas gesäubert, Stein nochmal kurz unter Wasser, erneut abgerieben und wieder 50 Doppelzüge wie beim Ledern.
Gerade eben dann die Rasur. Ich habe nochmal mit 100 Doppelzügen geledert und mache es hier mal kurz. Die Rasur verlief völlig reibungslos! Das Messer betrachte ich guten Gewissens als wieder in Stand gesetzt. ;)
Es freut mich zu lesen, dass du das Messer ab 1K neu schärfen konntest. Das war mal genau so auch mein Vorgehen, da man mit Vor- und Zurückbewegungen relativ flott ein Messer durchschärfen kann. Allerdings gibt es etwas zickigere Stahlsorten, die dabei zu Microausbrüchen neigen. Das sieht man zwar nicht, fühlt es bei der Rasur aber schon. Wenn du also bei einem anderen Messer merkst, dass die Schärfe irgendwie nicht wirklich sanft ist, dann könnte es eben an den Microausbrüchen liegen. Außerdem gibt es andere Stahlsorten, bei denen sich bei so einem Vorgehen ein Grat entwickelt. Das merkst du daran, dass du vielleicht einen Super Haartest hast und die erste Züge sich relativ scharf anfühlen, aber die Schärfe plötzlich wegbricht.
 
Eine kurze Frage hätte ich noch zu deinem Vorgehen auf dem Schwedenstein:

Du schreibst, dass du „wie beim Ledern“ gearbeitet hast – meinst du damit, dass du ausschließlich mit dem Rücken voran geschärft hast?
Ja, genau das meine ich.
Es freut mich zu lesen, dass du das Messer ab 1K neu schärfen konntest. Das war mal genau so auch mein Vorgehen,
Und das möglicher Weise bei genau diesen Messer!
Allerdings gibt es etwas zickigere Sta
Habe ich bei dem Messer bis jetzt noch nicht festgestellt :daumenhoch

Und falls es dir möglich ist:
Mich würde sehr interessieren, wie die Facette am Ende aussieht. Hättest du vielleicht ein Foto von der Klinge?
Reicht das?:
1775161039391.jpeg
 
Guten Tag zusammen,
ich habe irgendwann aufgegeben und mir ein Mikroskop gekauft. Es ist irgendein günstiges Teil aus Kleinanzeigen, aber 200× schafft es.

Dann habe ich mehrere Tests gemacht, über die ich euch berichten möchte. Für alte Hasen ist das vermutlich nichts Neues, aber für mich war es sehr lehrreich.

Als Erstes der 1000er Stein:
Ich habe mir die Schneide angeschaut und war ehrlich gesagt erschrocken. Leider kann ich keine Fotos machen, deshalb habe ich versucht, es zu skizzieren. Der 1000er ist wirklich grob – viele Ausbrüche an der Schneide.
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Dann der 3000er:
Sieht immer noch ziemlich grob aus. Die Ausbrüche sind deutlich kleiner, aber immer noch vorhanden. Diese mit feineren Steinen „wegzupolieren“ ist eine mühsame Aufgabe.
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Dann habe ich meinen 8000er genommen und herausgefunden, wo mein Problem lag. Der Stein poliert nur die Bereiche, die ich in der Skizze kreuzschraffiert habe. Ich dachte zuerst, man müsse einfach nur länger schärfen. Pustekuchen, es blieb gleich.
IMG_0014.jpeg

Dann habe ich auf dem 8000er mit einer 400er Diamantplatte Slurry erzeugt – das hat geholfen. Die ganze Schneide wurde gleichmäßig poliert, aber die Ausbrüche waren immer noch da. Schön poliert, aber eben vorhanden.

Dann kam das Messer auf den La Lune, mit Slurry, 50 Doppelzüge:
Ich war angenehm überrascht. Die Schneide war recht gleichmäßig, mit sehr kleinen Ausbrüchen und insgesamt matt.
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Dann habe ich 50 DZ ohne Slurry gemacht, und das Ergebnis war, dass die kreuzschraffierte Oberfläche poliert war.
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Dann noch 50 Doppelzüge unter fließendem Wasser:
Da hat sich nicht mehr viel verändert.

Wichtig: Der Haartest hat vor dem Ledern funktioniert.

Dann habe ich 20 Doppelzüge auf Leinen gemacht – und plötzlich hat der Haartest nicht mehr funktioniert.
Unter dem Mikroskop habe ich wieder Ausbrüche gesehen.
IMG_0017.jpeg

Also wieder von vorne:
Slurry → ohne Slurry → Wasser → Leder.

Die Rasur war dann wirklich sehr gut, hat mir richtig gefallen.
Ich muss sogar sagen: besser als nach dem GBB und sogar besser als nach dem Thüringer – aber das ist natürlich nur mein persönliches Empfinden.

Dann wurde es spannend:
Schafft der La Lune auch ein komplett stumpfes Messer?
Also Schneide mit einer Glasflasche „gekillt“, dann:
50 DZ mit Slurry, 50 DZ ohne, 50 DZ unter fließendem Wasser.
Ergebnis: wieder wie neu. Haartest problemlos bestanden.

Jetzt habe ich die nächste Aufgabe:
Ich möchte die Anzahl der Doppelzüge so gering wie möglich halten, um das Messer zu schonen.
 
Vielen Dank für deinen sehr spannenden Erfahrungsbericht.

Wenn ein Stein nur einen bestimmten Bereich der Schneide erfasst, einen anderen aber nicht, kann daran liegen, dass der Rücken minimal höher oder niedriger ist als beim Stein vorher. Das passiert sehr gerne dann, wenn man den Rücken neu abgeklebt habt. Da gibt es immer minimale Unterschiede.

Mir war bewusst, dass ein Leinenriemen tatsächlich Ausbrüche erzeugen kann. Dazu gibt es Aufnahmen vom Elektronenmikroskop auf scienceofsharp. Allerdings war ich doch überrascht, dass diese Ausbrüche bereits bei 200x Vergrößerung sichtbar sind.
 
Der 1000er ist wirklich grob – viele Ausbrüche an der Schneide.
Ein 1000er ist nicht "grob"; bei den meisten "Standard"-Kochmessern ist das der Abschlussstein.. Und ich frag mich, weshalb man auf feiner Steine geht, wenn mit dem 1000er noch nicht alle Ausbrüche entfernt sind. Da sehe ich das Thema, nicht bei dem ganzen Rest. Nach dem Durchschärfen der gesamten Schneide auf dem 1000er sollte kein Ausbruch mehr auf der Schneide vorhanden sein, den man auf dem Fingernagel spürt (Notfalls "Grad" eliminieren mit dem Fingernagel oder Kork). Erst wenn dass mit dem 1000er erledigt ist, lohnt sich überhaupt der Aufwand, auf einen feineren Stein zu gehen. Just my 2 cents.
 
Zuletzt bearbeitet:
Genau das hat mich überrascht – und danke für den Hinweis, @Hellas . Ich finde die Anmerkung treffend und nehme sie zum Anlass, das etwas genauer zu erklären.
Ich habe mir die Schneide vor dem Schleifen unter dem Mikroskop angeschaut – da waren keine Ausbrüche zu sehen. Erst nach dem 1000er sind sie entstanden.
Unter Vergrößerung sieht man die Schleifspuren vom 1000er sehr deutlich, und genau diese Kratzer enden teilweise in kleinen Ausbrüchen.
Für mich sah das so aus, als würde der 1000er Material abtragen, aber an der Schneidkante wird die Facette so dünn, dass das letzte Stück Metall einfach mit abreißt.

Beim 3000er passiert im Prinzip das Gleiche, nur feiner. Die Ausbrüche sind entsprechend kleiner.
 
Ich habe mir die Schneide vor dem Schleifen unter dem Mikroskop angeschaut – da waren keine Ausbrüche zu sehen. Erst nach dem 1000er sind sie entstanden.
Entweder arbeitest du auf dem 1000er mit Zuviel Druck, oder dein 1000er ist fragwürdig. (Einschlüsse gröberen Korns. Fremdpartikel, etc. gab es sogar mal in einer Naniwa Serie)
 
Aber ein Mikroskop mit 200x Vergrößerung ist ja auch ne Ansage, bzw. etwas übertrieben.
Damit sieht man wahrscheinlich Sachen, die man gar nicht spürt ;)
Ohne jetzt alles gelesen zu haben, ich schaue durch eine 20x China-Lupe (deren Angabe ich sogar noch bezweifle) und rasiere mich ohne Probleme mit meinen Messern.
Falls es das gar nicht das Thema war....habe ich nichts geschrieben ;)
 
@Leach
Damit du mal vergleichen kannst was du siehst!!!!

"Dann habe ich auf dem 8000er mit einer 400er Diamantplatte Slurry erzeug"
Dafür nehmen die meisten NSS - Nutzer den 600 Nagura ( den benutze ich auf allen Steinen)
 
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