Bei dem kürzlichen Besuch eines Solinger WÜSTHOFF Mitarbeiters, der den Sammelsurium-Nachlaß seines Schwiegervaters verhökerte, hatte ich das Glück ein paar Belegstücke aus der Musterschublade eines Solinger Rasiermesserherstellers für kleines Geld als Beifang mitzunehmen.
Darunter befanden sich u.a. auch zwei GEVOSO Rasiermesser, auf denen diverse Beschriftungen mit rotem Markierstift hinterlassen wurden.
Solche Musterstücke aller möglichen Marken fanden und finden sich immer noch bei Betriebsauflösungen in den Schubladen des Muster- oder Besprechungszimmers der Hersteller... zuletzt habe ich sowas noch bei einem Besuch anläßlich der Betriebsauflösung von DOVO in Solingen-Wald gesehen...
Es handelt sich erstens um ein vollhohles
GEVOSO 5/8 Rundkopf mit Doppelschulter ohne Nummer in Hornimitat Acrylat-Heftschalen.
Von der auf dem Vorderheft erwähnten Ätzung
FACHARBEIT ist leider so gut wie nichts mehr zu erkennen. Hat wohl in den 1960ern mal 6,50 Mark gekostet.
Die Rückseite ist unspektakulär mit SOLINGEN gestempelt.
Zum Zweiten handelt es sich ebenfalls um ein unnummeriertes
GEVOSO Solingen 5/8 Rundkopf, auch vollhohl, aber mit Einfachschulter geschliffen.
Der Erlschriftzug ist nicht gestempelt, sondern elektroerodiert, wohl in den 1970ern, als Rasiermesser schon dem Preisverfall mangels Nachfrage unterlagen.
Entsprechend hat dieses Messer nur noch 6,- Mark gekostet.
Von der auf dem Vorderheft erwähnten Ätzung
GEVOSO EXTRA ist auch hier fast nichts mehr übrig.
Die Rückseite des Messers ist schmucklos blank.
Dennoch hat es wohl ein Solinger Rasiermesser-Hersteller für nötig gehalten, diese beiden Konmkurrenz-Exemplare in seiner Mustersammlung zu bevorraten...
Bei mir werden sie nun ihren Lebensabend als Belegstücke in der Sammlung verbringen dürfen.
Durch den Zulauf der Messer inspiriert und neugierig geworden, habe ich kurzerhand mal die Geschichte des Herstellers
Gebrüder Voosholz recherchiert.
Die Firma wird von den Brüdern Erich und Eugen Voosholz am 31. Dezember 1919 als
Gebr. Voosholz zu Wald bei Solingen gegründet und im März 1920 im Handelsregister eingetragen.
Im April 1920 wird dann das Warenzeichen GEVOSO eingetragen, wie üblich ein Akronym aus
Gebrüder
Voosholz
Solingen.
Im April 1921 folgt die Eintragung des viel schöneren Warenzeichens mit einem
Fuchs (alt Solinger Platt
Voos) der eine erlegte Gans durchs Unter
holz trägt
Dieses Warenzeichen ist mir allerdings nur als Goldätzung auf dem #74 Kullenrücken-Messer bekannt...
...als geschlagenes Warenzeichen habe ich bisher nur GEVOSO gesehen, so wie auf dieser Werbeanzeige aus den 1920er Jahren.
Die Gebrüder Voosholz stellen hauptsächlich Rasiermesser her, die sie u.a. auch nach Nord- u. Südamerika exportieren.
Im Gegensatz zu vielen anderen Solinger RM-Herstellern stellt GEVOSO in der Zeit des 2. WK scheinbar keine Dolche oder Blankwaffen her.
Bis 1953 ist die Firma weiterhin mit den Inhabern Erich und Eugen Voosholz an der SchnepperterStr. 14 in Solingen-Wald gelistet.
Vor 1969 stirb dann wohl Eugen Voosholz , der Bruder Erich ist Alleininhaber und zieht einige Häuser weiter zurück an die SchnepperterStr. 8 aufs Altenteil.
Ob er im Alter von ca. 75 Jahren dort noch Rasiermesser herstellt ist fraglich. Etwa fünf Jahre später verstirbt auch Erich Voosholz dort.
1974 ist die Fa. Gebr. Voosholz schließlich im Besitz des
Firmensammlers Hans-Jürgen Haug an der KatternbergerStr. 128 in Solingen-Höhscheid, wo dieser außerdem bereits eine illustre Ansammlung von Solinger Schneidwarenfirmen wie Paul Waldmin, Erhard Breit & Söhne, FAMEX GmbH, E. & F. Hörster, Ernst Pack & Söhne und die Tanzschule Max Waluga untergebracht hat.
Rasiermesser werden hier allerdings zu dieser Zeit dort nicht mehr hergestellt.
Mit scharfen Grüßen aus der Klingenstadt
Rainer