Wir bearbeiten bei uns kein Titan, oder Edelstahl, wir sind auf Alu spezialisiert aber das nachfolgende gilt universell:
Die Sache ist eigentlich rein wirtschaftlich, nicht "technisch unmöglich". Bei CNC-Fertigung von Kleinteilen wie einem Rasierhobel-Stand verteilen sich die Kosten grob in zwei Blöcke: die einmaligen Rüstkosten (die "Fixkosten" pro Auftrag) und die reinen Maschinenlaufzeiten pro Stück. Das Problem ist, dass der erste Block bei einem Einzelstück genauso hoch ist wie bei 20 Stück, nur dass er sich dann nicht auf 20 Teile verteilen kann, sondern komplett auf das eine Stück fällt.
Was in diesen Rüstkosten steckt:
Programmierung:
Auch wenn das CAM-Programm für das Modell schon mal existiert hat, heisst das nicht, dass es einfach "abgespielt" werden kann. Maschinen, Werkzeuge, Rohmaterial-Chargen oder sogar die Software-Version können sich seit der letzten Fertigung geändert haben. Das Programm muss oft angepasst, simuliert und neu verifiziert werden, bevor überhaupt ein Span fällt. Das gilt für AD. Ein Drittanbieter muss komplett von 0 Anfangen und reversengineeren, wenn Du exakt eine bestimmt Form willst. Also (3D-)zeichnen, ins CAM übertragen und dann der Ganze Rest wie oben
Aufspannung/Vorrichtung:
Das ist oft der teuerste Punkt. Damit ein Rohling exakt positioniert und während der Bearbeitung (meist mehrere Seiten/Umspannungen) nicht verrutscht, braucht es eine passende Spannvorrichtung. Bei einer Kleinserie wird die einmal gebaut und dann für alle Teile wiederverwendet. Bei einem Einzelstück muss sie trotzdem komplett neu gebaut oder zumindest neu eingerichtet werden, und danach landet sie im Schrank, weil sie für nichts anderes mehr gebraucht wird.
AD könnte ihre schon entsorgt haben. Für alle andere ist das unattraktiv, wo kein Markt ist, hier zu investieren.
Einrichten/Nullpunkte setzen:
Werkzeuglängen vermessen, Nullpunkte auf der Maschine setzen, Referenzläufe fahren, eventuell einen Testlauf in billigerem Material vor dem eigentlichen Rohling (gerade bei Titan, wo Material und Werkzeugverschleiss teuer sind) – das alles ist Rüstzeit, die bei der Stückzahl 1 genauso anfällt wie bei 20.
Werkzeuge:
Titan ist zudem ein notorisch schwer zu zerspanendes Material – hohe Schnittkräfte, viel Wärme, schneller Werkzeugverschleiss. Wenn spezielle Fräser/Wendeplatten nur für dieses eine Profil eingesetzt werden und sonst nicht im Standardsortiment der Werkstatt sind, kommen die Anschaffungskosten dazu, auch wenn man am Ende nur ein Werkstück damit macht. AD im Vorteil, es sei den Du findest einen, der Ti schon bearbeitet.
Nur der eigentliche Frässpan (Maschinenlaufzeit) ist linear:
20 Stück kosten zwar mehr Maschinenzeit als 1, aber eben nicht 20x mehr Rüstaufwand. Der Rüstaufwand wird nur einmal gemacht und auf alle Stück umgelegt.
Aber auch bei 20 Stück rechnet sich das hier nicht, und zwar aus zwei weiteren Gründen, die zusammenkommen:
Der Markt ist zu klein. Selbst wenn die Rüstkosten sich auf 20 Stück verteilen würden, müsste der Hersteller diese 20 auch tatsächlich verkaufen können. Bei einem Nischenprodukt wie einem Rasierhobel-Stand für ein bereits ausgelaufenes Modell ist die Zielgruppe verschwindend klein. Das hat Augustin ja selbst bestätigt, dass nur eine Handvoll in Titan sandgestrahlt verkauft wurden. Wenn man 20 Stück produziert, aber nur 5 davon in absehbarer Zeit verkauft, liegt das Kapital im Lager fest, und die Kalkulation pro Stück wird trotzdem schlecht, weil man die übrigen 15 möglicherweise nie los wird oder nur mit Verlust.
Materialkosten bei Titan skalieren auch. Anders als die Rüstkosten ist der Materialeinkauf nicht "einmalig". 20 Titan-Rohlinge kosten 20x so viel wie einer. Bei einem Material, das schon im Einkauf teuer ist und zusätzlich wegen der schlechten Zerspanbarkeit hohen Werkzeugverschleiss verursacht, steigen die variablen Kosten pro Stück kaum, aber die Gesamtsumme, die der Hersteller vorfinanzieren muss, wird schnell unattraktiv hoch für ein Produkt mit so geringer Nachfrage.
Hinzu kommt noch ein dritter Faktor, den man leicht übersieht: das unternehmerische Risiko der Geometrie-Entscheidung selbst. Wenn der Hersteller das alte Design absichtlich eingestampft und durch das "Matching"-Design ersetzt hat, signalisiert das meist eine bewusste Designentscheidung (vielleicht Rückmeldungen zu Stabilität, Optik im Vergleich zu den restlichen Linien, oder schlicht Vereinheitlichung der Produktpalette). Eine Neuauflage des alten Designs würde dieser Entscheidung widersprechen und könnte aus Sicht des Herstellers auch ein Statement sein, das er gar nicht senden will, unabhängig von der reinen Kostenfrage.
Deshalb bleibt am Ende nur der Sekundärmarkt – und genau der ist hier durch die extrem kleine Stückzahl praktisch ausgetrocknet.
Bei Atelier Durdan kommt vermutlich noch dazu, dass sich das alte Design vom "Matching"-Stand unterscheidet (andere Geometrie, andere Aufspannung nötig) und dass Titan sandgestrahlt eine zusätzliche Nachbearbeitung (Strahlen) bedeutet, die ebenfalls separat eingerichtet und durchgeführt werden muss. Eine Werkstatt, die für einen einzigen Sonderwunsch eine eigene Vorrichtung bauen, das alte Programm reaktivieren/anpassen und eine Sandstrahl-Nachbearbeitung einrichten müsste, kalkuliert das schnell im dreistelligen oder höheren Bereich, nur für die Werkstattleistung, ganz unabhängig vom Materialwert.
Es ist also nicht "technisch unmöglich", sondern wirtschaftlich unattraktiv: Der Aufwand steht in keinem Verhältnis zum Verkaufspreis, den ein Hersteller realistisch verlangen könnte, ohne dass es absurd teuer wirkt, egal ob für 1 oder für 20 Stück.
Eine Zahl kann ich Dir nicht nennen, aber Dein einziges Stück käme wohl in einen hohen 3 bis niedrigen 4 stelligen Bereich, grob geschätzt.
Tante Edit:
Bei Edelstahl findest Du eher einen, der Dir das macht, weil die Nachfrage danach breiter ist und Du eher einen mit passendem Werkzeug findest. Zudem, wenn einer aus Hobby das als Gefälligkeit für jemanden macht, ist das wieder eine andere Sache. Würde er es kalkulieren, würde sich das nicht lohnen. Und... man kann das Ganze auch ohne grosse CNC-Maschine versuchen, freihand sozusagen. Das ist dann wieder eine andere Geschichte.