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Kamisori richtig schärfen und benutzen – Grundverständnis, Praxis & offene Fragen

Wassermeister

Very Active Member
Hallo zusammen,


ich beschäftige mich seit einiger Zeit intensiver mit Kamisori und merke, dass es gerade beim Schärfen und der späteren Nutzung sehr viele unterschiedliche Ansätze gibt – teils auch widersprüchliche. Bevor ich mir weitere „Gewohnheiten“ angewöhne, möchte ich meine bisherigen Beobachtungen schildern und ein paar konkrete Fragen in die Runde geben.


Grundsätzlich unterscheidet sich ein Kamisori ja konstruktiv deutlich von westlichen Rasiermessern. Die Schneide ist asymmetrisch ausgeführt, mit einer hohlen, härteren Kanji-Seite und einer nahezu flachen anderen Seite (Ura). Die Schneide liegt dabei bewusst nicht mittig, sondern näher an der Ura. Das ist kein Fertigungsfehler, sondern Teil des Konzepts und beeinflusst sowohl das Schärfen als auch das Rasurgefühl.


Was mir dabei immer wieder auffällt: Viele behandeln Kamisori trotzdem wie symmetrische Messer – gleiche Zugzahlen, gleiche Behandlung beider Seiten, oft sogar identische Schärfroutinen wie bei westlichen Messern. In der Praxis funktioniert das zwar irgendwie, aber oft mit dem Ergebnis „sanft, aber wenig effizient“ oder umgekehrt „scharf, aber unangenehm“.


Besonders spannend finde ich den Umgang mit synthetischen Steinen, da viele Kamisori heute darauf geschärft werden. Synthetische Steine arbeiten sehr gleichmäßig und verzeihen Asymmetrie meiner Erfahrung nach weniger als Natursteine. Hier stellt sich mir die Frage, wie ihr konkret verhindert, dass sich die Schneide bei synthetischen Steinen langsam „zentriert“. Arbeitet ihr bewusst mit stark ungleichen Zugzahlen? Oder seht ihr synthetische Steine eher als grobe Vorarbeit und weniger fürs Finish?


Ein weiteres Thema ist der Einsatz von Nagura / Tomo, gerade bei sehr feinen Natursteinen. Häufig liest man „feiner = schärfer“, in der Praxis habe ich aber eher den Eindruck, dass zu viel Politur zwar Sanftheit bringt, aber Effizienz kostet – gerade bei Kamisori. Mich würde interessieren, ob ihr bei Kamisori bewusst mit Tomo arbeitet oder eher nur mit Wasser, um Struktur zu erhalten.


Auch beim Ledern scheint es keine einheitliche Praxis zu geben. Gleich viele Züge auf beiden Seiten? Oder asymmetrisch – und wenn ja, in welchem Verhältnis? Nutzt ihr Leinen überhaupt beim Kamisori oder nur Leder? Und ledert ihr direkt nach der Rasur oder erst vor der nächsten?


Zuletzt noch zur Rasur selbst: Manche beschreiben Kamisori als extrem sanft und „unsichtbar“, andere empfinden das Rasurgefühl eher als trocken oder sehr direkt. Seht ihr das primär als Schärfethema oder eher als Frage von Technik, Winkel und Hautspannung? Nutzt ihr Kamisori bewusst anders als westliche Messer?


Mir geht es nicht darum, eine „eine richtige Methode“ zu finden, sondern besser zu verstehen, wann man ein Kamisori eigentlich wartet und wann man aktiv korrigiert – und wie man vermeidet, durch gut gemeinte Politur die eigentliche Stärke des Kamisori zu verlieren.


Ich freue mich über eure Erfahrungen und Einschätzungen, gern auch mit technischer Begründung aus der Praxis.


Viele Grüße
Wassermeister
 
Grundsätzlich unterscheidet sich ein Kamisori ja konstruktiv deutlich von westlichen Rasiermessern. Die Schneide ist asymmetrisch ausgeführt, mit einer hohlen, härteren Kanji-Seite und einer nahezu flachen anderen Seite (Ura).
Ist die Ura (=Rücken) nicht die Seite mit den Kanji?
Vielleicht liegt hier der grundlegende Fehler, dass die Schärfe nicht so hinhaut. Seiten verwechselt? :proud

Ich weiß nicht, ob sich die Schneide, bzw. die harte Seit zentriert, denn die weiche Omote Seite (Eisen) dürfte ja immer stärker weggenommen werden. Die Schneide die unten rausschaut ist m.M.n immer nur der harte Stahl.
Vielleich in etwas vergleichbar, wie bei westlichen RM, wenn der Rücken immer dünner wird und so die zurückgehende Breite ausgleicht, damit der Facettenwinkel somit konstant bleibt. Ich hoffe du weiß, was ich sagen möchte.
 
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