DailyDriver
FdR-Pate
Der
KITAYAMA 8K
Eine Kurzvorstellung & erste Erfahrungen
KITAYAMA 8K
Eine Kurzvorstellung & erste Erfahrungen
Heute möchte ich euch einmal einen synthetischen Stein aus Japan vorstellen, den KITAYAMA (8k)
Die ersten Hinweise auf diesen Stein habe ich weder hier noch im Nachbaruniversum gelesen bzw. gefunden, sondern in einem Forum jenseits des kleinen Lesezimmers, nämlich im „Kochmalscharf-Forum“, in dem es, wie der Name es schon beschreibt, um scharfen Stahl in und für die Küche und das Kochen geht. Dort und in anderen vergleichbaren Foren & Co. wird der KITAYAMA 8k nahezu einhellig als guter bis sehr guter synthetischer Finisher beschrieben und zum Teil hoch gelobt. Allerdings, und das ist sehr interessant, wird der Stein an anderen Stellen im Netz auch als guter Schärfstein für Rasiermesser genannt.
Da ich mich seit geraumer Zeit neben dem Schärfen von Rasiermessern auch etwas intensiver mit Koch- und Küchenmessern und deren Schärfung beschäftige, hatte ich mich dazu entschlossen, diesen doch recht erschwinglichen Stein zu erwerben und zu probieren. Wie in der kleinen Einleitung beschrieben, bringen mich und mein Spieltrieb die Aussagen, die im Netz zu finden sind, natürlich in helle Aufregung, denn hier sind wir in einem Forum der Rasurkultur, u. a. ja mit dem Rasiermesser. Es gibt aber auch Themenbereiche, die die andere Seite, sprich das Kochen und somit auch das Schärfen von anderen Dingen, zeigen. Um hier einen vernünftigen Kompromiss einzugehen, habe ich den Stein in beiden Bereichen probiert und eingesetzt. Dementsprechend stelle ich auch zwei verschiedene Ergebnisse meiner ersten Erfahrungen mit dem Synthie dar: einmal in der Verwendung innerhalb einer Progression mit dem Rasiermesser und einmal in der Verwendung einer Progression mit dem Küchenmesser.
Allgemeines zum Stein
Der hellgelbe Stein wird in zwei verschiedenen Ausführungen angeboten, einmal auf einem Holzsockel, mit dem er fertig verklebt geliefert wird, und einmal ohne diesen Holzsockel. Mit den Maßen (nur der Stein) von 205 × 75 × 25 mm und einem Gewicht von ca. 1000 g ist das doch ein recht imposantes Kerlchen und erinnert ein wenig an die (ältere) NANIWA-PRO-Serie mit ihren 20 mm dicken Steinen. Erfreut man sich an dem Stein mit dem Holzsockel, sind die Maße natürlich anders. Ich habe bei meinem Exemplar nachgemessen und der Sockel hat die Maße von ca. 255 × 82 × 33 mm. Der (vermutlich gebeizte) Holzsockel ist meiner bescheidenen Meinung nach nicht aus Hartholz, ich ordne das Holz eher in die Reihe der Zedernhölzer, wie z. B. der Red Zeder, ein. Wie gesagt, ist dies aber meine Meinung als Tischler. Im Netz habe ich leider keine genauen Angaben zum Holzsockel finden können. Kauft man die Ausführung mit dem Holzsockel, wird neben dem Stein auch gleich ein passender Anreiber mitgeliefert. Einerseits dient er dazu, den Slurry zu produzieren, andererseits dient er auch dazu, den evtl. zugesetzten Stein zu reinigen. Ob es mittlerweile auch Angebote gibt, bei denen zum Stein ohne Sockel auch ein Anreiber mitgeliefert wird, entzieht sich leider meiner Kenntnis, da müsste man im Netz gezielt schauen. Was auffällt, sind neben den stattlichen Dimensionen natürlich die ebenso imposanten Schriftzeichen/Stempel auf dem Stein. Diese sind „nur“ simpel aufgedruckt und lassen sich z. B. beim Planen mit einer ATOMA sehr schnell und einfach entfernen. Was die Bedeutung der Schriftzeichen angeht, habe ich das mal von Prof. Dr. Google übersetzen lassen. Das Ergebnis ist als Hardcopy unten im Anhang zu sehen (Angaben ohne Gewähr).
Seitens der Anbieter/Hersteller wird der Stein als Finisher beschrieben und dient vornehmlich zum Schärfen kohlenstoffhaltiger, japanischer Kochmesser und weist eine Feinheit von 8000 JIS (R6001?) auf, was in etwa einem F2000 nach FEPA F gleicht. Die Korngröße wird mit ca. 1,2 (± 0,3) Mikron (mm) angegeben. Das Abzugsverhalten ordne ich als ein eher weiches, in Richtung samtiges Verhalten ein. Bei den Kochmessern tritt dieses Gefühl aber in höherem Maße auf als bei den Rasiermessern. Allgemein zähle ich den synthetischen Stein als mittelhart ein. Als Vergleich setze ich hier die NANIWA-Pro-Serie. Doch nun zu den verschiedenen Verwendungen …
Rasiermesser – hier ein DOVO Best Quality in 6/8
Bei dieser Progression kam es mir darauf an, zu testen, ob der KITAYAMA 8K als Finisher bzw. Pre-Finisher genutzt werden kann oder eher nicht, denn, so der Hersteller, ist er gem. Beschreibung für den Einsatz zum Schärfen von japanischen Kochmessern vorgesehen. Als Protagonisten kamen ein DOVO Best Quality (Vollhohl; 6/8) und ein BÖKER King Cutter (Vollhohl; 5/8) zum Einsatz, wobei ich hier nur das Ergebnis in Wort & Bild vom DOVO darlege. Bitte beachtet, dass ich die Messer nicht bis zu einem Naturfinisher o. ä. durchschärfe, sondern nur bis zum KITAYAMA 8K, denn ich möchte sehen, was der Stein schafft bzw. kann, und ich möchte erfahren, inwieweit es sich damit dann auch rasieren lässt. Wie allgemein bekannt, ist es ja bekanntlich der letzte Stein einer Progression, der das Rasurverhalten bestimmt, also würde ein durchschärfen bis zu einem Naturfinisher hier das Ergebnis verfälschen.
Das Messer war vor der Progression definitiv rasurbereit, wurde aber nicht „genullt“, sondern quasi nur aufgefrischt. Begonnen habe ich auf dem SHAPTON Glass 4K, bis die gesamte Facette die Spuren der Ausgangslage verloren und das Schliffbild vom 4K angenommen hat. Nach dem 4K war auf nahezu der gesamten Facette ein HT möglich, wenn auch mit kurz gefasstem (ca. 1–2 cm) Haar. Dann ging es mit klarem Wasser auf den KITAYAMA. Zuerst alternierend von 15 hinab auf die 1, dann folgten ca. 2 Sätze Wechselschübe und anschließend ging es zur ersten Kontrolle unter das Mikro. Gleichermaßen erstaunt und etwas erschreckend konnte ich erkennen, dass das Schliffbild nicht feiner, sondern meiner bescheidenen Meinung nach sogar minimal gröber als beim SHAPTON Glass 4K wurde. Der Eindruck verstärkte auch die Tatsache, dass ein HT nur noch an 1–2 Stellen der Facette funktionierte. Nachdem ich dann den Durchgang wiederholt hatte, musste ich leider feststellen, dass sich das Ergebnis nicht sonderlich verbessert hatte. Erst nachdem ich das Messer gut 5–6 Sätze geledert hatte, verbesserte sich der HT ein wenig. Letztendlich blieben das Schliffbild und das Ergebnis vom HT um Meilen hinter dem Ergebnis von meinem SHAPTON Glass 8K zurück. Was folgte, war nun der Test des „Rasurverhaltens“ im Gesicht. Auch hier enttäuschte das Ergebnis doch recht klar, selbst mit den 1-Tages-Stöppelkes hat das Messer große Probleme. Das Rasurverhalten bzw. das Ergebnis vom KITAYAMA 8K ist zwar relativ angenehm, aber es fehlt gehörig an Schärfe. Zugegeben, der Stein ist nun nicht unbedingt als Finisher für Rasiermesser gedacht, aber als ein 8K sollte er zumindest schon eine gewisse Schärfe an den Stahl bringen, was er aber definitiv nicht tut. Mit dem Strich noch halbwegs in Ordnung, funktioniert beim Durchgang gegen den Strich für mich nix mehr und ich breche auch hier erstmal ab.
Das doch „ernüchternde“ Ergebnis der Progression
Ein Vergleich von KITAYAMA 8K (links) & SHAPTON Glass 8K (rechts)
Ein Vergleich von KITAYAMA 8K (links) & SHAPTON Glass 8K (rechts)
Anm.: Beim BÖKER King Cutter zeigte sich ein nahezu identisches Ergebnis.
Küchenmesser – ein japanisches Santoku und ein Wüsthoff-Kochmesser
Eins vorweg: Ich nutze zum Schärfen meiner Kochmesser mittlerweile das Schärfsystem PRO von KEENMATIC.
Bei beiden Kochmessern wurde die Facette neu gesetzt und eine nahezu identische Progression ausschließlich mit klarem Wasser gewählt:
– SHAPTON Pro 1K zum Setzen der Facette
– SHAPTON Glass 1K & 4K
– KITAYAMA 8K
Schärfwinkel (gemessen mit der Bevel-Box, Nullpunkt war der Stein):
– Santuko: 12,5°
– Wüsthoff: 19°
Ich muss zugeben, meine Erfahrungen mit dem verwendeten Schärfsystem sind noch nicht so umfangreich, wie ich sie mittlerweile beim Schärfen meiner Rasiermesser habe. Dennoch bin ich in der Lage, ein gleichmäßiges, reproduzierbares Ergebnis bei meinen Kochmessern zu erzielen, was nicht zuletzt auf das verwendete Schörfsystem mit Winkelführung zurückzuführen ist. Mit den Ergebnissen bin ich sehr zufrieden, mit beiden Messern war am Ende das Rasieren von Armhaaren kein Problem. Das Wüsthoff wurde mittlerweile auch bei der Speisezubereitung, vornehmlich Gemüse wie z. B. Zwiebeln, Paprika, Schnittlauch etc., genutzt. Auch beim berühmten Tomatenschnibbeln bin ich absolut zufrieden, selbige lassen sich ohne Druck zerteilen. Für mich ist es bei den Kochmessern vor allem wichtig, dass am Ende eine lange nutzbare Gebrauchsschärfe entsteht, die länger als zwei Tomaten und eine Zwiebel hält … und das ist bisher zu meiner vollsten Zufriedenheit gelungen.
Die sehr guten Ergebnisse bei den Kochmessern
Der (mitgelieferte) Anreiber
Ich persönlich sehe den Anreiber nur als Reinigungsmittel für den etwaig zugesetzten NIKAYAMA, für die Verwendung als NAGURA, d.h. um innerhalb einer Progression den Slurry zu erzeugen, ist mir dieser einfach zu grob. Dies bezieht sich auf die Verwendung mit dem Rasiermesser, bei der Verwendung mit Kochmessern mag er funktionieren, ausprobiert habe ich dies aber bisher noch nicht.
Ein kleines Fazit zum KITAYAMA 8K
Nach mehrmaligem Einsatz mit Kochmessern und zwei Rasiermessern komme ich für mich zu dem Schluss, dass der KITAYAMA bei der Verwendung mit Koch- bzw. Küchenmessern vollends ein sehr gutes Ergebnis erzielt. Bei der Verwendung mit Rasiermessern fällt er aber durch, doch Obacht, dafür ist er lt. Hersteller auch nicht gedacht. Auch bei der Geschwindigkeit liegen die Kochmesser deutlich vor den Rasiermessern, was meiner bescheidenen Meinung nach natürlich auf die unterschiedlichen Stahlarten und vor allem die unterschiedlichen Härtegrade der Stähle zurückzuführen ist.
Bei der Verwendung mit Kochmessern bestätigt der Stein die doch einhellig verfassten Lobeshymnen, die im Netz zu finden und zu lesen sind. Hier ist der Stein eine klare Empfehlung. Eine Verwendung mit Rasiermessern empfehle ich persönlich nicht, da sollte doch eher in Richtung eines 8K aus den Häusern SHAPTON, NANIWA & Co. gesetzt werden.
Die Bezugsquelle zum Stein: Japan-Messer-Shop
Danke und Gruß
Gregor