SolingerStahl
Hersteller/Händler
Rasiermesser der Hersteller KRAEMER aus Wald oder Haan sind recht selten zu finden und bitte nicht zu verwechseln mit denen der Gebr. Cremer Haan.
Zur Historie:
Der 1851 in Wald zu Solingen geborene Kaufmann und Agent der Leipziger Feuerversicherungs-A.G. Johann Franz Kraemer heiratet 1875 seine Cousine Emma Kraemer.
1876 wird der erste Sohn Wilhelm Kraemer geboren, es folgen 1880 Kuno, 1882 Paula, 1885 Oscar und 1887 Alma.
1891 gründet Johann Franz als persönlich haftender Gesellschafter die KRAEMER & CIE. Kommanditgesellschaft mit einem unbekannten Kommanditisten.
1896 tritt dieser unbekannte Kommanditist aus der KG aus und Franz Johann Kraemer ist Alleininhaber mit seinem Sohn Wilhelm als Commis.
Das Gebäude an der WiedenkamperStr. 6 in Wald nahe der Altstadtmitte existiert heute noch, hat sich aber durch linksseitige und hintere Erweiterungen, sowie einer später aufgesetzten Giebel- und Dachkonstruktion stark im Laufe der Zeit verändert.
1897 versucht sich Franz Johann im stark konkurrenzbehafteten Exporthandel von Solinger Stahlwaren, von denen er auch scheinbar einige selbst herstellt und inseriert europaweit, z.B. in Ungarn
Aus dieser Zeit stammt mein KRAEMER & CIE. Wald-Solingen #27 Geradkopf-Rasiermesser, das sich F. William Stein durch eine Blattgravur personalisieren läßt.
Eine GARANTIE gibt es auch auf das Messer...
Eigentlich braucht es diese Garantie nicht, denn gut abgezogen ist es ein ausgezeichnetes Rasurwerkzeug mit lang anhaltender Schnitthaltigkeit.
Die Garantie ist allerdings 1898 nicht mehr so viel wert, denn in diesem Jahr wird bereits ein Konkursverfahren gegen Franz Johann Kraemer eröffnet...
1899 werden die Warenbestände und die Geschäftseinrichtung versteigert und 1901 ist das Konkursverfahren abgeschlossen, der älteste Sohn Wilhelm übernimmt das Geschäft unter Ausschluß der evtl. noch offenstehenden Forderungen und führt es scheinbar erfolgreicher als sein Vater fort, denn 1907 läßt er als Gebrauchsmuster ein Rasiermesser mit auswechselbarer Klinge eintragen.
Da der jüngere Sohn Kuno Kraemer 1898 durch den Konkurs des Vaters seine Ausbildungsstelle verliert, tritt er bei DARMANN & CIE. in Wald als Handlungsgehilfe ein und erhält dort nach bestandener Kaufmannsprüfung bereits 1903 Prokura.
1904 unterläuft ihm ein Kalkulationsfehler in Höhe von 10.000 Mark, der ihm von anonymen Denunzianten der "Arbeiterstimme" als Unterschlagung ausgelegt wird.
Zwar veröffentlicht er noch ein Dementi, das ihm aber nicht viel hilft, denn nur wenige Tage später verliert er seine Prokura bei DARMANN & CIE. und tritt dann in die Firma KRAEMER & CIE. des Bruders Wilhelm Kraemer ein.
1910 übernimmt er dann die Firmenleitung von KRAEMER & CIE. mit Sitz an der Schützenstr. 18 in Wald.
Da KRAEMER & CIE. wohl immer schon mehr vom Handel und Export, als von der eigenen Herstellung gelebt hat, stellen die Kriegsjahre 1914-18 eine Herausforderung dar, da der Exporthandel fast vollständig wegbricht. Scheinbar wird deshalb die Fa. KRAEMER & CIE. in Wald aufgelöst.
Die Firma wechselt in dieser Zeit an einen neuen Standort in Haan, Rhld. an der Wilhelmstraße 7, einem reinen Wohnhaus, das nur der Verwaltung der Firma dient.
1919 wird die Firma unter KUNO KRAEMER im HRG von Haan neu eingetragen.
Als der Exporthandel wieder in Schwung kommt, fehlt die benötigte Handelsware und Wilhelm Kraemer hält die Firma mit der Ausstellung von Anträgen auf Ausfuhrerlaubnis in drei Sprachen bei den englischen und französischen Besatzungsverwaltungen über Wasser. Ihm wird in der neuen Firma seines jüngeren Bruders Prokura erteilt. In der Folge sucht man Material, Personal und Fabrikationsräume, um die Firma wieder ans Laufen zu bekommen.
1922 findet man schließlich einen neuen Fabrikationsstandort an der Turnstraße 38 in Haan.
1924 und 1925 sind für Kuno Kraemer eher tragische Jahre... erst stirbt im Februar 1924 der Bruder Wilhelm mit nur 48 Jahren...
und 1925 der Vater Johann Franz Kraemer, der ebenfalls mit nach Haan an die Schulstr.14 gezogen ist, und mit seiner Ehefrau Emma am Vortag noch Goldene Hochzeit gefeiert hat...
Die jüngeren Geschwister Paula, Oscar und Alma arbeiten nun mit in der Firma KUNO KRAEMER Haan-Solingen, die in dieser Zeit mein #29 KK 6/8 Rundkopf Rasiermesser mit Doppelschulter herstellt..
Einen Eintrag für das Warenzeichen KK "gespeigeltes K im Zahnkranz" konnte ich leider nicht finden...
Der weitere Werdegang der Fa. KUNO KRAEMER ist schnell erzählt...
1931 verstirbt die Mutter Emma Kraemer mit 80 Jahren an der Schulstr. 14.
Seit der Machtübernahme 1933 gibt es keine Eintragungen mehr für die Fa. KUNO KRAEMER... scheinbar hat die Familie jüdische Wurzeln oder hat sich politisch unbeliebt gemacht...
1936 wird plötzlich Kuno Kraemer, der nun an der Talstr.41 wohnt, nach einem Besorgungsgang vermißt...
Solche Vermißtenanzeigen werden damals immer dann geschaltet, wenn die "Behörde" einer Person nicht habhaft werden kann...
Am Abend "dem Tage seines Verschwindens" wird Kuno Kraemer noch in der Nähe des Düsseldorfer Hauptbahnhofes gesehen, von wo sich aber jegliche Spur verliert...
...wer kennt ihn dort, außer der Gestapo oder einem Bahnpolizisten mit einem vorliegenden Steckbrief...?
1937 wird dann die Firma "BRUNO KRAEMER" (die es nie gab) unter der gleichen HRG-Nr. 279 von KUNO KRAEMER "von Amtswegen" gelöscht...
Da bin ich doch froh, daß ein weiteres KK Rasiermesser von KUNO KRAEMER Haan-Solingen aktuell im Zulauf zu mir ist, denn andere als meine oben gezeigten konnte ich nicht finden...
Sobald dieses Messer eingetroffen und aufgearbeitet ist, werde ich es hier natürlich vorstellen.
Habt ihr vielleicht auch noch welche zum Zeigen...?
Mit scharfen Grüßen aus der Klingenstadt
Rainer
Zur Historie:
Der 1851 in Wald zu Solingen geborene Kaufmann und Agent der Leipziger Feuerversicherungs-A.G. Johann Franz Kraemer heiratet 1875 seine Cousine Emma Kraemer.
1876 wird der erste Sohn Wilhelm Kraemer geboren, es folgen 1880 Kuno, 1882 Paula, 1885 Oscar und 1887 Alma.
1891 gründet Johann Franz als persönlich haftender Gesellschafter die KRAEMER & CIE. Kommanditgesellschaft mit einem unbekannten Kommanditisten.
1896 tritt dieser unbekannte Kommanditist aus der KG aus und Franz Johann Kraemer ist Alleininhaber mit seinem Sohn Wilhelm als Commis.
Das Gebäude an der WiedenkamperStr. 6 in Wald nahe der Altstadtmitte existiert heute noch, hat sich aber durch linksseitige und hintere Erweiterungen, sowie einer später aufgesetzten Giebel- und Dachkonstruktion stark im Laufe der Zeit verändert.
1897 versucht sich Franz Johann im stark konkurrenzbehafteten Exporthandel von Solinger Stahlwaren, von denen er auch scheinbar einige selbst herstellt und inseriert europaweit, z.B. in Ungarn
Aus dieser Zeit stammt mein KRAEMER & CIE. Wald-Solingen #27 Geradkopf-Rasiermesser, das sich F. William Stein durch eine Blattgravur personalisieren läßt.
Eine GARANTIE gibt es auch auf das Messer...
Eigentlich braucht es diese Garantie nicht, denn gut abgezogen ist es ein ausgezeichnetes Rasurwerkzeug mit lang anhaltender Schnitthaltigkeit.
Die Garantie ist allerdings 1898 nicht mehr so viel wert, denn in diesem Jahr wird bereits ein Konkursverfahren gegen Franz Johann Kraemer eröffnet...
1899 werden die Warenbestände und die Geschäftseinrichtung versteigert und 1901 ist das Konkursverfahren abgeschlossen, der älteste Sohn Wilhelm übernimmt das Geschäft unter Ausschluß der evtl. noch offenstehenden Forderungen und führt es scheinbar erfolgreicher als sein Vater fort, denn 1907 läßt er als Gebrauchsmuster ein Rasiermesser mit auswechselbarer Klinge eintragen.
Da der jüngere Sohn Kuno Kraemer 1898 durch den Konkurs des Vaters seine Ausbildungsstelle verliert, tritt er bei DARMANN & CIE. in Wald als Handlungsgehilfe ein und erhält dort nach bestandener Kaufmannsprüfung bereits 1903 Prokura.
1904 unterläuft ihm ein Kalkulationsfehler in Höhe von 10.000 Mark, der ihm von anonymen Denunzianten der "Arbeiterstimme" als Unterschlagung ausgelegt wird.
Zwar veröffentlicht er noch ein Dementi, das ihm aber nicht viel hilft, denn nur wenige Tage später verliert er seine Prokura bei DARMANN & CIE. und tritt dann in die Firma KRAEMER & CIE. des Bruders Wilhelm Kraemer ein.
1910 übernimmt er dann die Firmenleitung von KRAEMER & CIE. mit Sitz an der Schützenstr. 18 in Wald.
Da KRAEMER & CIE. wohl immer schon mehr vom Handel und Export, als von der eigenen Herstellung gelebt hat, stellen die Kriegsjahre 1914-18 eine Herausforderung dar, da der Exporthandel fast vollständig wegbricht. Scheinbar wird deshalb die Fa. KRAEMER & CIE. in Wald aufgelöst.
Die Firma wechselt in dieser Zeit an einen neuen Standort in Haan, Rhld. an der Wilhelmstraße 7, einem reinen Wohnhaus, das nur der Verwaltung der Firma dient.
1919 wird die Firma unter KUNO KRAEMER im HRG von Haan neu eingetragen.
Als der Exporthandel wieder in Schwung kommt, fehlt die benötigte Handelsware und Wilhelm Kraemer hält die Firma mit der Ausstellung von Anträgen auf Ausfuhrerlaubnis in drei Sprachen bei den englischen und französischen Besatzungsverwaltungen über Wasser. Ihm wird in der neuen Firma seines jüngeren Bruders Prokura erteilt. In der Folge sucht man Material, Personal und Fabrikationsräume, um die Firma wieder ans Laufen zu bekommen.
1922 findet man schließlich einen neuen Fabrikationsstandort an der Turnstraße 38 in Haan.
1924 und 1925 sind für Kuno Kraemer eher tragische Jahre... erst stirbt im Februar 1924 der Bruder Wilhelm mit nur 48 Jahren...
und 1925 der Vater Johann Franz Kraemer, der ebenfalls mit nach Haan an die Schulstr.14 gezogen ist, und mit seiner Ehefrau Emma am Vortag noch Goldene Hochzeit gefeiert hat...
Die jüngeren Geschwister Paula, Oscar und Alma arbeiten nun mit in der Firma KUNO KRAEMER Haan-Solingen, die in dieser Zeit mein #29 KK 6/8 Rundkopf Rasiermesser mit Doppelschulter herstellt..
Einen Eintrag für das Warenzeichen KK "gespeigeltes K im Zahnkranz" konnte ich leider nicht finden...
Der weitere Werdegang der Fa. KUNO KRAEMER ist schnell erzählt...
1931 verstirbt die Mutter Emma Kraemer mit 80 Jahren an der Schulstr. 14.
Seit der Machtübernahme 1933 gibt es keine Eintragungen mehr für die Fa. KUNO KRAEMER... scheinbar hat die Familie jüdische Wurzeln oder hat sich politisch unbeliebt gemacht...
1936 wird plötzlich Kuno Kraemer, der nun an der Talstr.41 wohnt, nach einem Besorgungsgang vermißt...
Solche Vermißtenanzeigen werden damals immer dann geschaltet, wenn die "Behörde" einer Person nicht habhaft werden kann...
Am Abend "dem Tage seines Verschwindens" wird Kuno Kraemer noch in der Nähe des Düsseldorfer Hauptbahnhofes gesehen, von wo sich aber jegliche Spur verliert...
...wer kennt ihn dort, außer der Gestapo oder einem Bahnpolizisten mit einem vorliegenden Steckbrief...?
1937 wird dann die Firma "BRUNO KRAEMER" (die es nie gab) unter der gleichen HRG-Nr. 279 von KUNO KRAEMER "von Amtswegen" gelöscht...
Da bin ich doch froh, daß ein weiteres KK Rasiermesser von KUNO KRAEMER Haan-Solingen aktuell im Zulauf zu mir ist, denn andere als meine oben gezeigten konnte ich nicht finden...
Sobald dieses Messer eingetroffen und aufgearbeitet ist, werde ich es hier natürlich vorstellen.
Habt ihr vielleicht auch noch welche zum Zeigen...?
Mit scharfen Grüßen aus der Klingenstadt
Rainer
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