Forum der Rasur

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KRAEMER & CIE. Wald-Solingen 1891-1918, KUNO KRAEMER Haan-Solingen KK 1919-1937

SolingerStahl

Hersteller/Händler
Rasiermesser der Hersteller KRAEMER aus Wald oder Haan sind recht selten zu finden und bitte nicht zu verwechseln mit denen der Gebr. Cremer Haan.

Zur Historie:

Der 1851 in Wald zu Solingen geborene Kaufmann und Agent der Leipziger Feuerversicherungs-A.G. Johann Franz Kraemer heiratet 1875 seine Cousine Emma Kraemer.
1876 wird der erste Sohn Wilhelm Kraemer geboren, es folgen 1880 Kuno, 1882 Paula, 1885 Oscar und 1887 Alma.

1891 gründet Johann Franz als persönlich haftender Gesellschafter die KRAEMER & CIE. Kommanditgesellschaft mit einem unbekannten Kommanditisten.

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1896 tritt dieser unbekannte Kommanditist aus der KG aus und Franz Johann Kraemer ist Alleininhaber mit seinem Sohn Wilhelm als Commis.

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Das Gebäude an der WiedenkamperStr. 6 in Wald nahe der Altstadtmitte existiert heute noch, hat sich aber durch linksseitige und hintere Erweiterungen, sowie einer später aufgesetzten Giebel- und Dachkonstruktion stark im Laufe der Zeit verändert.

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1897 versucht sich Franz Johann im stark konkurrenzbehafteten Exporthandel von Solinger Stahlwaren, von denen er auch scheinbar einige selbst herstellt und inseriert europaweit, z.B. in Ungarn

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Aus dieser Zeit stammt mein KRAEMER & CIE. Wald-Solingen #27 Geradkopf-Rasiermesser, das sich F. William Stein durch eine Blattgravur personalisieren läßt.

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Eine GARANTIE gibt es auch auf das Messer...

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Eigentlich braucht es diese Garantie nicht, denn gut abgezogen ist es ein ausgezeichnetes Rasurwerkzeug mit lang anhaltender Schnitthaltigkeit.

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Die Garantie ist allerdings 1898 nicht mehr so viel wert, denn in diesem Jahr wird bereits ein Konkursverfahren gegen Franz Johann Kraemer eröffnet...

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1899 werden die Warenbestände und die Geschäftseinrichtung versteigert und 1901 ist das Konkursverfahren abgeschlossen, der älteste Sohn Wilhelm übernimmt das Geschäft unter Ausschluß der evtl. noch offenstehenden Forderungen und führt es scheinbar erfolgreicher als sein Vater fort, denn 1907 läßt er als Gebrauchsmuster ein Rasiermesser mit auswechselbarer Klinge eintragen.

Da der jüngere Sohn Kuno Kraemer 1898 durch den Konkurs des Vaters seine Ausbildungsstelle verliert, tritt er bei DARMANN & CIE. in Wald als Handlungsgehilfe ein und erhält dort nach bestandener Kaufmannsprüfung bereits 1903 Prokura.

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1904 unterläuft ihm ein Kalkulationsfehler in Höhe von 10.000 Mark, der ihm von anonymen Denunzianten der "Arbeiterstimme" als Unterschlagung ausgelegt wird.
Zwar veröffentlicht er noch ein Dementi, das ihm aber nicht viel hilft, denn nur wenige Tage später verliert er seine Prokura bei DARMANN & CIE. und tritt dann in die Firma KRAEMER & CIE. des Bruders Wilhelm Kraemer ein.

1910 übernimmt er dann die Firmenleitung von KRAEMER & CIE. mit Sitz an der Schützenstr. 18 in Wald.

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Da KRAEMER & CIE. wohl immer schon mehr vom Handel und Export, als von der eigenen Herstellung gelebt hat, stellen die Kriegsjahre 1914-18 eine Herausforderung dar, da der Exporthandel fast vollständig wegbricht. Scheinbar wird deshalb die Fa. KRAEMER & CIE. in Wald aufgelöst.

Die Firma wechselt in dieser Zeit an einen neuen Standort in Haan, Rhld. an der Wilhelmstraße 7, einem reinen Wohnhaus, das nur der Verwaltung der Firma dient.

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1919 wird die Firma unter KUNO KRAEMER im HRG von Haan neu eingetragen.
Als der Exporthandel wieder in Schwung kommt, fehlt die benötigte Handelsware und Wilhelm Kraemer hält die Firma mit der Ausstellung von Anträgen auf Ausfuhrerlaubnis in drei Sprachen bei den englischen und französischen Besatzungsverwaltungen über Wasser. Ihm wird in der neuen Firma seines jüngeren Bruders Prokura erteilt. In der Folge sucht man Material, Personal und Fabrikationsräume, um die Firma wieder ans Laufen zu bekommen.
1922 findet man schließlich einen neuen Fabrikationsstandort an der Turnstraße 38 in Haan.

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1924 und 1925 sind für Kuno Kraemer eher tragische Jahre... erst stirbt im Februar 1924 der Bruder Wilhelm mit nur 48 Jahren...

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und 1925 der Vater Johann Franz Kraemer, der ebenfalls mit nach Haan an die Schulstr.14 gezogen ist, und mit seiner Ehefrau Emma am Vortag noch Goldene Hochzeit gefeiert hat...

Die jüngeren Geschwister Paula, Oscar und Alma arbeiten nun mit in der Firma KUNO KRAEMER Haan-Solingen, die in dieser Zeit mein #29 KK 6/8 Rundkopf Rasiermesser mit Doppelschulter herstellt..

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Einen Eintrag für das Warenzeichen KK "gespeigeltes K im Zahnkranz" konnte ich leider nicht finden...

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Der weitere Werdegang der Fa. KUNO KRAEMER ist schnell erzählt...

1931 verstirbt die Mutter Emma Kraemer mit 80 Jahren an der Schulstr. 14.

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Seit der Machtübernahme 1933 gibt es keine Eintragungen mehr für die Fa. KUNO KRAEMER... scheinbar hat die Familie jüdische Wurzeln oder hat sich politisch unbeliebt gemacht...
1936 wird plötzlich Kuno Kraemer, der nun an der Talstr.41 wohnt, nach einem Besorgungsgang vermißt...
Solche Vermißtenanzeigen werden damals immer dann geschaltet, wenn die "Behörde" einer Person nicht habhaft werden kann...
Am Abend "dem Tage seines Verschwindens" wird Kuno Kraemer noch in der Nähe des Düsseldorfer Hauptbahnhofes gesehen, von wo sich aber jegliche Spur verliert...
...wer kennt ihn dort, außer der Gestapo oder einem Bahnpolizisten mit einem vorliegenden Steckbrief...?
1937 wird dann die Firma "BRUNO KRAEMER" (die es nie gab) unter der gleichen HRG-Nr. 279 von KUNO KRAEMER "von Amtswegen" gelöscht...

Da bin ich doch froh, daß ein weiteres KK Rasiermesser von KUNO KRAEMER Haan-Solingen aktuell im Zulauf zu mir ist, denn andere als meine oben gezeigten konnte ich nicht finden...

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Sobald dieses Messer eingetroffen und aufgearbeitet ist, werde ich es hier natürlich vorstellen.

Habt ihr vielleicht auch noch welche zum Zeigen...?


Mit scharfen Grüßen aus der Klingenstadt
Rainer
 
Zuletzt bearbeitet:
Sehr interessanter Beitrag.

Seit der Machtübernahme 1933 gibt es keine Eintragungen mehr für die Fa. KUNO KRAEMER... scheinbar hat die Familie jüdische Wurzeln oder hat sich politisch unbeliebt gemacht...
1936 wird plötzlich Kuno Kraemer, der nun an der Talstr.41 wohnt, nach einem Besorgungsgang vermißt...
Solche Vermißtenanzeigen werden damals immer dann geschaltet, wenn die "Behörde" einer Person nicht habhaft werden kann...
Am Abend "dem Tage seines Verschwindens" wird Kuno Kraemer noch in der Nähe des Düsseldorfer Hauptbahnhofes gesehen, von wo sich aber jegliche Spur verliert...
...wer kennt ihn dort, außer der Gestapo oder einem Bahnpolizisten mit einem vorliegenden Steckbrief...?

Allerdings erscheint das schon stark spekuliert...


Ich habe Zweifel, ob das stimmt, weil Kuno Kraemer 1940 in einer Todesanzeige seiner Schwiegermutter erwähnt wird:

1940-12-21_Todesanzeige Witwe Albert Iserloh - FdR.jpg
 
Allerdings erscheint das schon stark spekuliert...


Ich habe Zweifel, ob das stimmt, weil Kuno Kraemer 1940 in einer Todesanzeige seiner Schwiegermutter erwähnt wird:

Da habe ich allerdings spekuliert... Die Vermißtenanzeigen waren ja auch zu eindeutig politisch gefärbt und nicht von der Familie aufgegeben...

Jedenfalls hat Kuno Kraemer wohl nicht freiwillig seine Firma aufgegeben und der mysteriöse Löschungseintrag der Fa. Bruno Kraemer unter der Haaner Registernummer 279 von Kuno Kraemer läßt auch vermuten, daß hier die Obrigkeit ihre Hand im Spiel hatte... denn es gab vorher keine Hinweise auf eine Umfirmierung auf einen Bruno Kraemer... wer auch immer das gewesen sein soll... In Solingen Wald an der HeckenerStr. gab es damals lediglich eine Rasiermesserschleifer Bruno Kramer, aber der wird wohl kaum etwas damit zu tun gehabt haben.

Was auch immer das 1936 für eine Eskapade war und ob Kuno Kraemer sich was hat zu Schulden kommen lassen oder nicht, es kostet ihn seine Firma und seinen Wohnsitz in Haan...

Jedenfalls ist Kuno Kraemer nach der Löschung seiner Firma 1937 tatsächlich 1938 an der Elisenstr. 26 in Solingen Höhscheid als Mieter des Klempners Jul. Fiene zu finden, wo er mit seine Schwiegermutter, der Witwe Alwine Iserloh wohnt und als Angestellter eingetragen ist. Auf der Elisenstraße wohnen damals auch noch weitere Kraemer's... vielleicht hat er deshalb diese Wohngegend gewählt...

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1940, als seine Schwiegermutter dort verstirbt, ist er bereits 60 Jahre alt. Im nächst verfügbaren Solinger Adressbuch von 1953 ist er nicht mehr aufgeführt.
Auch vom Sohn Oscar keine Spur...
 
Die Vermißtenanzeigen waren ja auch zu eindeutig politisch gefärbt und nicht von der Familie aufgegeben...

Jedenfalls hat Kuno Kraemer wohl nicht freiwillig seine Firma aufgegeben und der mysteriöse Löschungseintrag der Fa. Bruno Kraemer unter der Haaner Registernummer 279 von Kuno Kraemer läßt auch vermuten, daß hier die Obrigkeit ihre Hand im Spiel hatte...
Ich will die Schlußfolgerungen Deiner Recherche nicht zerreden, aber noch ein Kommentar:

Eine politische Färbung in der Vermißtenanzeige kann ich nicht herauslesen.

Bei dem Löschungsantrag der Firma "Bruno Kraemer" vermute ich einen Schreibfehler, zumal Du ja geschrieben hast, daß die Registriernummer der Firma eindeutig die ist, unter der die Firma ursprünglich eingetragen wurde.
Die für die Firma relevanten Zeitungsanzeigen, die Du oben gezeigt hast gehen bis in das Jahr 1922. Die Anzeige aus 1930 den Kinderwagen betreffend sagt nicht aus, ob es die Firma da überhaupt noch gab oder nicht (ich hoffe, ich habe da nichts übersehen). Du schreibst oben, daß es seit der Machtübernahme 1933 keine Eintragungen über die Firma Kuno Kraemer mehr gab. Hast Du denn noch welche nach 1922 gefunden?

Meine Vermutung ist, daß die Firma nach 1922 nicht mehr erfolgreich war und nach längerer Zeit der Inaktivität "von Amts wegen gelöscht" wurde. Das kam öfter vor und war ein reiner Verwaltungsakt. Irgendwo habe ich einmal gelesen, daß eine Löschung von Amts wegen nach 15 Jahren Inaktivität angestoßen werden konnte. Ich weiß nicht mehr genau wo, vielleicht täusche ich mich auch.
Die Suche in Google gibt mit KI folgendes aus: "Eine Firma wird von Amts wegen gelöscht, wenn sie vermögenslos ist und kein Liquidationsverfahren mehr sinnvoll erscheint, oft nach Insolvenz oder wenn sie ihre Tätigkeit vollständig eingestellt hat und keine wesentlichen Aktiva mehr besitzt. Das Registergericht leitet das Verfahren ein, benachrichtigt die Verantwortlichen und gibt eine Frist zum Widerspruch, bevor die Löschung im Handelsregister vorgenommen wird, was die Firma als juristische Person beendet." Das dürfte aber die heutige Rechtslage sein. Ob das um 1930 genauso war, vermag ich nicht beurteilen. Auf jeden Fall hatten wir das Thema schon einmal bei Hardt & Co diskutiert.
 
Hier noch ein Auszug aus dem Adressbuch von Haan aus 1953:
Dort erscheint ein Buchhalter namens Kuno Kraemer und auch ein Oskar Kraemer wohnt in Haan.
Ob das die gleichen waren?

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