MaydayGuard
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Rasiermesser der Marke KRON-VEST S.A. genießen in verschiedenen Rasurforen einen ausgezeichneten Ruf und werden häufig für ihre hohe Qualität und ihre guten Rasureigenschaften gelobt. Allgemein wird dabei oft angenommen, dass KRON-VEST ein spanischer beziehungsweise katalanischer Hersteller gewesen sei.
Erstaunlicherweise lassen sich jedoch kaum Informationen über die Firma finden. Angaben zum Gründungsdatum, Firmensitz, Eigentümer oder zur Unternehmensgeschichte fehlen nahezu vollständig. Im Rahmen eigener Recherchen konnte ich einige Hinweise zusammentragen, die möglicherweise etwas Licht in die Geschichte dieser Marke bringen.
Die Warenzeichenanmeldung von 1955
Der erste interessante Fund war eine Warenzeicheneintragung aus dem Jahr 1955.
Diese belegt, dass die Wortmarke „KRON-VEST“ im Jahr 1955 für Heinrich Bettler, wohnhaft in der Rottmannstraße 5 in Heidelberg, eingetragen wurde. Die Registrierung umfasste unter anderem Rasierapparate, Rasierklingen, Rasiermesser, Haarschneidemaschinen sowie elektrische Rasierapparate. Sämtliche Waren waren ausdrücklich für den Export bestimmt.
Produkte dieser Marke sind heute nur noch selten anzutreffen. Mein eigenes KRON-VEST-Rasiermesser erhielt ich von einem spanischen Verkäufer, der insbesondere Rasiermesser mit 14er-Klingen anbietet. Zudem findet sich derzeit auf einer bekannten Auktionsplattform ein Rasierreiseset mit einem KRON-VEST-Hobel. Abbildungen von Rasierklingenverpackungen sind im Internet hingegen nur vereinzelt zu finden.
Für KRON-VEST-Rasierklingen lassen sich vier Marken identifizieren: GRAN MOGOL („Großmogul“), JAGUAR, EMBAJADOR („Botschafter“) und CANCILLER („Kanzler“). Bei Rasiermessern konnte ich bisher hingegen nur die Marken GRAN MOGOL und JAGUAR finden.
Werbung in Spanien
Besonders interessant ist, dass bereits im Jahr 1955 zahlreiche Werbeanzeigen für KRON-VEST-Rasierklingen in spanischen Zeitungen erschienen. Bei meinen Recherchen konnte ich Anzeigen aus diesem Jahr finden, jedoch keine früheren oder späteren.
Beispiele:
Auffällig ist der Werbeslogan: „Con la mejor técnica Alemana“. Übersetzt bedeutet dies: „Mit der besten deutschen Technik“.
Dieser Hinweis legt nahe, dass die Rasierklingen und vermutlich auch die Rasiermesser in Deutschland hergestellt wurden. Da ich bislang ausschließlich KRON-VEST-Rasiermesser mit 14er-Klingen gesehen habe, liegt eine Fertigung in Solingen zumindest nahe.
Wer war Heinrich Bettler?
Auch über den Inhaber der Marke ließ sich einiges herausfinden.
In den Heidelberger Adressbüchern der Jahre 1942 und 1943 erscheint der Familienname Bettler noch nicht. Die nächsten einsehbaren Ausgaben stammen aus den Jahren 1949 und 1951. Dort wird ein Heinrich Bettler als Handelsvertreter geführt, wohnhaft in der Rottmannstraße 5, also genau an der Adresse, die auch bei der Warenzeichenanmeldung genannt wird.
Im deutlich späteren Adressbuch von 1969 findet sich Heinrich Bettler erneut. Zu diesem Zeitpunkt wird er jedoch als Bankbeamter bezeichnet und wohnt in der Handschuhsheimer Landstraße 45a. Das Exportgechäft scheint er zwischenzeitlich aufgegeben zu haben.
Der Weg der Marke nach Spanien
Meine Vermutung ist, dass die unter dem Namen KRON-VEST vertriebenen Waren nach Spanien exportiert wurden, möglicherweise an einen Händler im Raum Barcelona.
Der Grund für diese Annahme ist die weitere Geschichte des Warenzeichens. Die Markenregistrierung mit der Nummer 684469 wurde 1957 auf José Celín Cotó in Santa Coloma de Gramenet (Spanien) übertragen. Als deutscher Vertreter fungierte dabei der Patentanwalt Dr. techn. Dipl.-Ing. Franz Kainer, der ebenfalls in Heidelberger Adressbüchern nachweisbar ist.
Santa Coloma de Gramenet gehört heute zum Großraum Barcelona und zählt mehr als 120.000 Einwohner.
Wer war José Celín Cotó?
Über José Celín Cotó ließ sich nur wenig herausfinden. In einem Verzeichnis schweizerischer und internationaler Uhrenmarken (Marques de fabrique horlogères suisses et internationales) aus dem Jahr 1955 wird sein Name mit dem Ort Barcelona aufgeführt.
Ich halte es für wahrscheinlich, dass José Celín Cotó nicht selbst Uhrenhersteller war, sondern als Händler auftrat und Uhren anderer Produzenten unter eigenem Namen vertrieb. In Analogie dazu könnte er auch die KRON-VEST-Rasierprodukte aus Deutschland bezogen und in Spanien vermarktet haben.
Fazit
Die bislang bekannten Hinweise sprechen meiner Ansicht nach eher gegen einen eigenständigen spanischen Hersteller KRON-VEST. Stattdessen deutet vieles darauf hin, dass es sich ursprünglich um eine deutsche Exportmarke handelte, die von Heinrich Bettler in Heidelberg angemeldet und für den spanischen Markt genutzt wurde.
Ab 1957 ging die Marke offenbar an José Celín Cotó in Spanien über, der vermutlich als Importeur oder Händler fungierte. Die Markenregistrierung Nr. 684469 wurde schließlich am 31. Mai 1966 gelöscht, womit die Geschichte von KRON-VEST spätestens zu diesem Zeitpunkt endete.
Ob die Rasiermesser tatsächlich in Solingen gefertigt wurden, lässt sich mit den bislang vorliegenden Quellen zwar nicht eindeutig belegen. Die zeitgenössische Werbung mit dem Hinweis auf die „beste deutsche Technik“ sowie die Ausrichtung der Marke auf den Export sprechen jedoch durchaus in diese Richtung.
Falls jemand über weitere Unterlagen, Anzeigen, Kataloge oder Rasiermesser der Marke KRON-VEST verfügt, würde ich mich über ergänzende Informationen freuen. Insbesondere wären Hinweise auf den tatsächlichen Hersteller der Messer sowie auf Vertriebswege in Spanien von Interesse.
Zum Abschluss möchte ich mein eigenes Messer anhand einiger Bilder vorstellen:
Die Klingenbreite liegt zwischen 15/16 und vollen 8/8 Zoll.
Erstaunlicherweise lassen sich jedoch kaum Informationen über die Firma finden. Angaben zum Gründungsdatum, Firmensitz, Eigentümer oder zur Unternehmensgeschichte fehlen nahezu vollständig. Im Rahmen eigener Recherchen konnte ich einige Hinweise zusammentragen, die möglicherweise etwas Licht in die Geschichte dieser Marke bringen.
Die Warenzeichenanmeldung von 1955
Der erste interessante Fund war eine Warenzeicheneintragung aus dem Jahr 1955.
Diese belegt, dass die Wortmarke „KRON-VEST“ im Jahr 1955 für Heinrich Bettler, wohnhaft in der Rottmannstraße 5 in Heidelberg, eingetragen wurde. Die Registrierung umfasste unter anderem Rasierapparate, Rasierklingen, Rasiermesser, Haarschneidemaschinen sowie elektrische Rasierapparate. Sämtliche Waren waren ausdrücklich für den Export bestimmt.
Produkte dieser Marke sind heute nur noch selten anzutreffen. Mein eigenes KRON-VEST-Rasiermesser erhielt ich von einem spanischen Verkäufer, der insbesondere Rasiermesser mit 14er-Klingen anbietet. Zudem findet sich derzeit auf einer bekannten Auktionsplattform ein Rasierreiseset mit einem KRON-VEST-Hobel. Abbildungen von Rasierklingenverpackungen sind im Internet hingegen nur vereinzelt zu finden.
Für KRON-VEST-Rasierklingen lassen sich vier Marken identifizieren: GRAN MOGOL („Großmogul“), JAGUAR, EMBAJADOR („Botschafter“) und CANCILLER („Kanzler“). Bei Rasiermessern konnte ich bisher hingegen nur die Marken GRAN MOGOL und JAGUAR finden.
Werbung in Spanien
Besonders interessant ist, dass bereits im Jahr 1955 zahlreiche Werbeanzeigen für KRON-VEST-Rasierklingen in spanischen Zeitungen erschienen. Bei meinen Recherchen konnte ich Anzeigen aus diesem Jahr finden, jedoch keine früheren oder späteren.
Beispiele:
Auffällig ist der Werbeslogan: „Con la mejor técnica Alemana“. Übersetzt bedeutet dies: „Mit der besten deutschen Technik“.
Dieser Hinweis legt nahe, dass die Rasierklingen und vermutlich auch die Rasiermesser in Deutschland hergestellt wurden. Da ich bislang ausschließlich KRON-VEST-Rasiermesser mit 14er-Klingen gesehen habe, liegt eine Fertigung in Solingen zumindest nahe.
Wer war Heinrich Bettler?
Auch über den Inhaber der Marke ließ sich einiges herausfinden.
In den Heidelberger Adressbüchern der Jahre 1942 und 1943 erscheint der Familienname Bettler noch nicht. Die nächsten einsehbaren Ausgaben stammen aus den Jahren 1949 und 1951. Dort wird ein Heinrich Bettler als Handelsvertreter geführt, wohnhaft in der Rottmannstraße 5, also genau an der Adresse, die auch bei der Warenzeichenanmeldung genannt wird.
Im deutlich späteren Adressbuch von 1969 findet sich Heinrich Bettler erneut. Zu diesem Zeitpunkt wird er jedoch als Bankbeamter bezeichnet und wohnt in der Handschuhsheimer Landstraße 45a. Das Exportgechäft scheint er zwischenzeitlich aufgegeben zu haben.
Der Weg der Marke nach Spanien
Meine Vermutung ist, dass die unter dem Namen KRON-VEST vertriebenen Waren nach Spanien exportiert wurden, möglicherweise an einen Händler im Raum Barcelona.
Der Grund für diese Annahme ist die weitere Geschichte des Warenzeichens. Die Markenregistrierung mit der Nummer 684469 wurde 1957 auf José Celín Cotó in Santa Coloma de Gramenet (Spanien) übertragen. Als deutscher Vertreter fungierte dabei der Patentanwalt Dr. techn. Dipl.-Ing. Franz Kainer, der ebenfalls in Heidelberger Adressbüchern nachweisbar ist.
Santa Coloma de Gramenet gehört heute zum Großraum Barcelona und zählt mehr als 120.000 Einwohner.
Wer war José Celín Cotó?
Über José Celín Cotó ließ sich nur wenig herausfinden. In einem Verzeichnis schweizerischer und internationaler Uhrenmarken (Marques de fabrique horlogères suisses et internationales) aus dem Jahr 1955 wird sein Name mit dem Ort Barcelona aufgeführt.
Ich halte es für wahrscheinlich, dass José Celín Cotó nicht selbst Uhrenhersteller war, sondern als Händler auftrat und Uhren anderer Produzenten unter eigenem Namen vertrieb. In Analogie dazu könnte er auch die KRON-VEST-Rasierprodukte aus Deutschland bezogen und in Spanien vermarktet haben.
Fazit
Die bislang bekannten Hinweise sprechen meiner Ansicht nach eher gegen einen eigenständigen spanischen Hersteller KRON-VEST. Stattdessen deutet vieles darauf hin, dass es sich ursprünglich um eine deutsche Exportmarke handelte, die von Heinrich Bettler in Heidelberg angemeldet und für den spanischen Markt genutzt wurde.
Ab 1957 ging die Marke offenbar an José Celín Cotó in Spanien über, der vermutlich als Importeur oder Händler fungierte. Die Markenregistrierung Nr. 684469 wurde schließlich am 31. Mai 1966 gelöscht, womit die Geschichte von KRON-VEST spätestens zu diesem Zeitpunkt endete.
Ob die Rasiermesser tatsächlich in Solingen gefertigt wurden, lässt sich mit den bislang vorliegenden Quellen zwar nicht eindeutig belegen. Die zeitgenössische Werbung mit dem Hinweis auf die „beste deutsche Technik“ sowie die Ausrichtung der Marke auf den Export sprechen jedoch durchaus in diese Richtung.
Zum Abschluss möchte ich mein eigenes Messer anhand einiger Bilder vorstellen:
Die Klingenbreite liegt zwischen 15/16 und vollen 8/8 Zoll.
