Forum der Rasur

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Luckhaus & Günther Remscheid LA CRUZ, AGNUS DEI 1834-1960s

SolingerStahl

Hersteller/Händler
Luckhaus & Günther Remscheid LA CRUZ 1834-1960s

Eigentlich ist Luckhaus & Günther kein Hersteller von Rasiermessern, aber sie lassen diese in Solingen mit ihrem Zeichen LA CRUZ schlagen und verdienen daher hier ebenfalls Erwähnung.


1750 ca. verlegt sich der gelernte Schraubstock- und Windenschmied Engelbert Luckhaus (1708-94) am Großenbüchel zu Remscheid ganz auf den Handel mit Eisen- und Stahlwaren und besucht die Werkzeugmessen in Frankfurt und Leipzig.

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Er begründet ca. 1780 mit Peter Caspar Luckhaus, der bereits eine Eisen- u. Stahlwaaren-Handlung besitzt, die Gebr. Luckhaus als Export-Handelsgesellschaft.

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1834 entsteht daraus die Luckhaus & Günther Eisen- u. Stahlwaarenfabrik und Handelsgesellschaft, mit Franz Luckhaus Sr. und Franz Günther als Gesellschaftern.

1844 stellt Luckhaus & Günther auf der Berliner Gewerbeausstellung aus.

1851 erzielt man in London auf der Ausstellung beachtliche Erfolge.

1859 tritt der Großkaufmann Carl Friedrichs als Gesellschafter ein, der bereits einschlägige Erfahrungen im Exporthandel mit Spanien und Cuba hat.
Er heiratet im gleichen Jahr Johanna, die Tochter des Teilhabers Franz Günther. In den 1870ern wird er zum Remscheider Stadtverordneten benannt.

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1872 wird der Firma das Warenzeichen „heiliges Lamm mit Fahne“ auch „Agnus Dei“ oder „Lamb of God“ genannt, zuerkannt.

In den folgenden Jahren bis 1899 werden unzählige Warenzeichen für L&G eingetragen… Hier nur die Wichtigsten, die jedoch fast ausschließlich auf Werkzeugen und Geräten verwendet werden und über die Jahre wieder verfallen, lediglich das AGNUS DEI (Lamm mit Fahne) und das LA CRUZ (Kreuz im Kreis), welche auf Schneidwaren geschlagen werden, bestehen auch bis zum Ende.

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Auf den Rasiermessern wird ausschließlich die Zeichen LA CRUZ (Kreuz im Stern) und AGNUS DEI (Lamm mit Fahne) gestempelt.

Hier ein recht altes LA CRUZ... wohl aber erst nach 1900 gefertigt... frühere L&G Rasiermesser zu finden ist recht schwierig...

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1876 erringen die Blankwaffen der Firma auf der Internationalen Ausstellung in Santiago de Chile den ersten Preis nach einem Elastizitäts-Härtetest auf einer Stahlplatte durch chilenische Offiziere, bei dem die amerikanisch Klingen nur leidlich aushalten und die französischen jämmerlich zugerichtet werden und brechen. Die Solinger Klingen weisen keinerlei Schäden auf...

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1879 scheidet Peter Caspar Luckhaus Jr. aus und die Gesellschaft wird von Carl Friedrichs und Ernst Luckhaus geführt.

1880 tritt der Kaufmann Hugo Friederichs als Gesellschafter ein.

1883 gründen Hermann Günther und Carl Krebs die Gesellschaft Günther & Cia. mit Niederlassung in Santiago de Chile.
Diese wird von der Agentur Alberto Junge e‘ Hijo an der Sto.Domingo 59B vertreten.

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1885 tritt der Kaufmann Gustav Schürmann bei L&G als Teilhaber ein.

1888 wird das Warenzeichen „Kreuz im Kreis“ LA CRUZ eingetragen.

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1893 tritt Hermann Günther als Gesellschafter bei L&G ein.

1894 scheidet Hugo Friedrichs durch Tod aus der Gesellschaft aus, die durch Carl Friedrichs, Ernst Luckhaus, Gustav Schürmann u. Hermann Günther weitergeführt wird.

1903 scheidet Gustav Schürmann aus. Die Gesellschafter sind nun Hermann Günter Sr. und Jr., Wilhelm und Franz Günther, Hans und Ernst Luckhaus.
Carl Friedrichs hat sich wohl ebenfalls aus der Gesellschaft zurückgezogen, ist aber noch Teilhaber.

1904 scheidet Ernst Luckhaus wegen Krankheit aus der Gesellschaft aus.

1905 verstirbt Ernst Luckhaus, die Witwe Wilhelmine Honsberg und Franz Luckhaus Jr. treten in die Gesellschaft ein, dem Kaufmann Dietrich Wieda wird Prokura erteilt.

In diesem Jahr exportiert L&G sein No.8000 Rasiermesser nach Südamerika und warnt im Anschreiben vor Imitationen...

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Mein eigenes No.8000 kommt leider "nur" im Pappschuber...

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hat aber dafür gleich zwei LA CRUZ Sterne auf der Erlrückseite...

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1906 verstirbt Carl Friedrichs, dem ein seitenlanger Nachruf gewidmet wird, in dem seine Verdienste in der Handelswirtschaft und politischen Ämtern gewürdigt werden.

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L&G wird 1906 in eine Kommanditgesellschaft mit zwei Kommanditisten umgewandelt.

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Im gleichen Jahr verwüstet ein Erdbeben der Stärke 8,2 Valparaiso de Chile, wo L&G ein großes Geschäftshaus mit Warenlager betreibt, das komplett niederbrennt.

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1909 blickt L&G bereits auf eine 75-jährige Geschichte zurück. Die Witwe Ernst Luckhaus scheidet aus und Ernst Luckhaus Jr. tritt in die Gesellschaft ein.

Das Hauptgeschäft besteht aus dem Export von Werkzeugen , Schneidwaren und Geräten in die südamerikanische Märkte.

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1917 wird dem Kaufmann Alfred Flasche Prokura erteilt.

1920 tritt ein Kommanditist aus und L&G ist wieder eine offene Handelsgesellschaft mit Franz Luckhaus Jr. als Inhaber.

In dieser Zeit werden die meisten Rasiermesser produziert und exportiert, hier eine kleine Auswahl ...

Ein FIRST CLASS mit AGNUS DEI Lamm als Warenzeichen...

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mit original Schuber...

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und ein No.8000 LA CRUZ mit zeittypischem Gunstock-Dekorheft aus Celluloid, das eine Elfenbeinschnitzerei imitiert...

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und ein No.8008 mit Zierrücken im Buckelsheft aus geprägtem Gallalith...

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1921 treten Hans Luckhaus und Hermann Günther Jr. in die Gesellschaft ein.

1930 scheidet Ernst Luckhaus durch Tod aus der Gesellschaft aus.

1933 ist L&G wieder eine KG, Hans Luckhaus tritt aus der Gesellschaft aus.

Im gleichen Jahr befördert das Luftschiff Graf Zeppelin auf seiner 5. Atlantikfahrt einen Luftpostbrief nach Rio de Janeiro in Brasilien zu dem Kunden Jose‘ Bräutigam, was satte 5,25 Reichsmark an Porto kostet.
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1940 verstirbt der Seniorchef Hermann Günther.

1943 tritt nach 65 Jahren Tätigkeit für L&G der Prokurist Alfred Flasche mit 82 Jahren in den Ruhestand. Der Kaufmann Hugo Hembach erhält Einzelprokura.
Firmensitz ist die Horst-Wessel Str. 27 in Remscheid-Hasten.

1955 lautet die Adresse wieder Hastener Str. 27

Hier ein L&G Rasiermesser, daß wohl noch in der Nachkriegszeit gefertigt wurde, es trägt beide Warenzeichen, das AGNUS DEI Lamm und das LA CRUZ Kreuz im Stern.

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1958 sind noch Geschäfte mit Venezuela dokumentiert.

Dieses Rasiermesser aus später Fertigung könnte noch in dieser Zeit verkauft worden sein...

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1961 scheint die Firma noch im Geschäft zu sein, da es eine Stellungnahme des Bundesministers für Wirtschaft zum Währungsrecht gibt, in der Luckhaus & Günter erwähnt werden.

Dieses knapp 8/8 Rundkopf ohne Nummer oder Zeichen ist wohl eines der letzten Rasiermesser von L&G...

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Für den Zeitraum danach finde ich keine Nachweise mehr für eine Geschäftstätigkeit.


Ich bin mir sicher, daß hier noch einige Mitglieder ein L&G Rasiermesser zeigen können... Ich weiß z.B. von einem schönen Nr.14 von @Nightdiver ... aber das soll er gerne selbst zeigen...

Mit scharfen Grüßen aus der Klingenstadt
Rainer
 
Lieber Rainer, wieder einmal ein toller Bericht mit viel Historie & Hintergrundwissen - Vielen Dank ! :daumenhoch

bei dem die amerikanisch Klingen nur leidlich aushalten
Wahrscheinlich ein Grund dafür, dass die Säbel dann aus Solingen kamen und wohl immer noch kommen…:proud

Die Fa. WKC (Weyersberg, Kirschbaum &Co) stellt m.W.n. die Offizierssäbel u.a. auch für US-Militärakademie West Point her…
 
Ich bin mir sicher, daß hier noch einige Mitglieder ein L&G Rasiermesser zeigen können... Ich weiß z.B. von einem schönen Nr.14 von @Nightdiver ... aber das soll er gerne selbst zeigen...
Ich bin überrascht, dass du meine Messer besser kennst als ich. :eek:
Ich musste selbst schauen, ob deine Aussage tatsächlich stimmt, denn ich selbst konnte mich nicht an das Messer erinnern.
Aber ein Blick in meine Galerie der Rasurbilder offenbarte tatsächlich ein 14er von L&G. Eines der Messer, die ich schon länger nicht benutzt habe.

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