Da mir kürzlich auch ein Messer von
PAUL WALDMIN in die Sammlung kam, habe ich mal die Historie recherchiert...
Ich versuche es einigermaßen kurz zu halten...
Es beginnt mit
Wilhelm Waldmin, einem Wirth am Weyer b. Solingen, den sein Falliment 1865-68 nicht weiter in seinem Werdegang stört, da er 1869 noch zwei weitere Gaststätten und Restaurationen in Hilden und Elberfeld eröffnet.
Sein Sohn, der Bäcker
Friedrich Johann Wilhelm hat drei Söhne, 1867
Wilhelm Paul, 1873
Wilhelm August und 1875
Ernst, die alle in die Schneidwarenfertigung gehen.
Wilhelm August betätigt sich erst als Fabrikarbeiter und gründet 1907 die Fa.
WALDMIN & SAAM mit seinem Freund
Friedrich Saam als Partner, der dann später noch seine Nichte
Hedwig Waldmin heiratet.
Ernst betätigt sich als selbstständiger Rasiermesserschleifer an der Ecke Berg- u. WittkullerStr. in Wald b. Solingen, stirbt aber schon 1901 mit erst knapp 26 Jahren.
Wilhelm Paul , erst Rasiermesserschleifer und dann Fabrikant hat mit Auguste Wester ebenfalls drei Söhne, 1892
Carl August, 1893
Paul, 1899
Otto, und 1897 die Tochter
Hedwig, die dann 1920 den fast doppelt so alten
Friedrich Saam heiratet.
Paul, der ebenfalls Rasiermesserschleifer wird, stellt 1905 einen Bauantrag auf einen Neubau an der Baustr. 20 / Ecke Paulstraße und heiratet 1906 Anna Klara Knecht.
1909 übernimmt er vorübergehend die Kolonialwaren- u. Kohlenhandlung Heinr. Hoffmann an der AltenhoferStr. 20, die er aber 1911 bereits zugunsten seiner neuen Rasiermesserschleiferei an Geschwister Lange abgibt.
1913 wird der
Fa.
Paul Waldmin das pitoreske Warenzeichen
"Wald"-MIN eingetragen.
Die Eintragung der Firma
Paul Waldmin ins HRG erfolgt dann Ende 1914.
1918 verlegt
Paul seine Firma zum Weyer 44 und die Brüder
Carl und
Otto werden 1919 als Gesellschafter in die neue
OHG eingetragen.
Von 1920 - 23 werden einige Warenzeichen registriert...
Hier kommt nun mein PAUL WALDMIN 4/8 Schorkopf mit Daumenmulde ins Spiel, das ich zustandsbedingt für Kleingeld in Schweden gefunden habe...
Die schwache Goldätzung war schon bei der ersten Reinigung Geschichte ...
und ließ sich leider nicht retten... vielleicht werde ich sie später mal als Lasergravur wiederherstellen, um die verbliebenen Rostnarben zu kaschieren...
Es trägt rückseitig das schöne Warenzeichen "Stern über Peitsche" von 1920...
1925 eröffnet
Paul Waldmin ein Kolonial- und Delikatesswarengeschäft am Demmeltrath, Hauptstr. 150 in Wald und scheidet aus der OHG seiner Brüder aus...
1928 verlegt
Paul sein Geschäft zur Hauptstr. 150, während seine Brüder
Carl und
Otto im gleichen Jahr mit der OHG einem Vergleichsverfahren zur Abwendung eines Konkurses gegenüberstehen... Paul hatte wohl berechtigte Gründe, warum er die OHG verlassen und sein eigenes Geschäft gegründet hat...
Nach dem Abschluß des Vergleichsverfahrens wird
Carl 1928 die Vertretungsbefugnis für die OHG gerichtlich entzogen und 1930 ist
Paul nach dem Ausscheiden von
Karl und
Otto wieder Alleininhaber seiner Einzelfirma.
1938 tritt
Otto Waldmin nach 10 Jahren wieder als Gesellschafter in die Firma ein, scheinbar ist der Familienstreit nun beigelegt...
1932 wird der Vater
Paul Sr. nachts überfallen und erleidet einen Bauchschuß. 1934 erkrankt Klara Knecht, die zweite Ehefrau von Paul Sr. und verstirbt.
1939 lautet die Firmenadresse Weyerstr. 220, 1948 annonciert die
Rasiermesserfabrik und Holschleiferei Paul Waldmin mit Adresse an der Weyerstr. 161 / 163.
1953 ist die Fa. Paul Waldmin wieder an der Weyerstr. 220 gelistet, wo nur noch
Otto Waldmin als Kaufmann 1961 / 62 aufgeführt wird.
1974 / 75 wird die Fa. Paul Waldmin mit dem Inhaber
H.J. Haug an der KatternbergerStr. 127 / 128 geführt, wo dieser außerdem noch eine illustre Ansammlung von Solinger Schneidwarenfirmen wie Erhard Breit & Söhne, FAMEX GmbH, E. & F. Förster, Ernst Pack & Söhne und die Tanzschule Max Waluga untergebracht hat.
Seither existiert die Fa. Paul Waldmin wohl nur noch auf dem Papier....
Zum Schluß habe ich aber noch ein Rätsel... (gehört eigentlich in die Rubrik "Was ist das für ein Messer")
Das ist ein Spaßmesser, das ich mal vor vielen Jahren "geschossen" habe... Eine Mikrotomklinge in einem "totschicken" Celluloidheft...
an dem zudem die Spitzen abgebrochen waren, die ich dann angeformt habe... vorne viertelhohl, hinten flach Wedge... mittlerweile achtelhohl ausgeschliffen... aber rasiert scharf wie ein Solinger und sanft wie ein Engländer...
Das eigentlich Interessante ist jedoch die Bildmake auf der Heftschale...
"Zwei Vogelköpfe in P.W." ... DOUBLE KOKOO mal anders...? Paul Waldmin...?
...oder liege ich da komplett falsch...???
Mit scharfen Grüßen aus der Klingenstadt
Rainer