Ja Frau hat die geheime Kammer gefunden
Die bunten Dosen flogen raus, der Plastikmüll verließ das Haus.
Kein zischend Schaum mehr, kein Gestank, sie atmet durch und murmelt: „Dank!
Wie aufgeräumt die Fliesen blitzen, wo sonst fünf Wegwerfklingen schwitzen.
Nun herrscht im Bad vollkomm’ne Ruh, und herrlich Platz ist noch dazu!“
Ein schlichter Hobel, blank und rein, ein Dachshaarpinsel, edel, fein,
dazu ein Tiegel Seifenduft – Bescheidenheit liegt in der Luft.
Sie lächelt mild, sie wiegt sich leicht im Glauben, Sparsamkeit sei nun erreicht. „Ein Klingenbriefchen kostet Cent!“– Ein Glück, dass sie das Forum nicht kennt.
Sie ahnt nicht, wie der Wahn beginnt, wenn Chrom im Kerzenscheine rinnt.
Dass jener Griff aus Schlangenholzdes Meisters ganzer, teurer Stolz,
dass dieser Pinsel handgebunden, aus fernen Ländern hergefunden,
und dass der Hobel, matt gefräst, am Kontostand gewaltig fräst.
Fünf Klingenpackungen aus Fernost, drei Tiegel teure Seifenkost, ein Schälchen hier, ein Ständer dort, schon schwimmt das Geld zum Spiegel fort.
Das Zehnfache ist längst versenkt, bevor sie auch nur Böses denkt.
Sie freut sich an der neuen Ruh –er schleicht zum Schrank und macht ihn zu,
versteckt den jüngsten Postversand, geschickt hinter der Seifenwand,
streicht glatt sich übers Kinn und lacht: Die Nassrasur hat reich gemacht.
Zwar nicht die Kasse, doch den Sinn,
er nimmt es schmunzelnd einfach hin.
