Nachtrag zur gestrigen Rasur:
Auf der "Anrichte" diesmal:
Anhang anzeigen 217931
-DOVO Schalenset "Shave Ritual"
-RasurKult "Tectonic Drift" 24mm 3-Band-Silberspitz
-Alexander Simpson "Sandalwood ultra-glide"
-Portionierlöffel
-Thiers-Issard 5/8 mit französischem (oder Schorkopf?) Kopf
-Berthelot a Orleans Frameback mit spanisch anmutendem Kopf
vorsorglich:
-PRORASO Alaunstein
-HEMO STOP Stick
nicht im Bild:
-NIVEA MEN After Shave Balsam "Sensitive Cool"
-Microfaser Poliertuch (ohne Randnaht) zur abschließenden Messertrocknung
Los geht's:
Das Anrühren der Seife zu absolutem Premium-Schaum gelingt heute wie von selbst und in Rekordzeit, nachdem ich anders als beim letzten mal ZUERST -statt mit Wasser beginnend- mit dem Portionierlöffel etwas Simpson "Sandalwood ultra-glide" in den Mug gebe und dann mit dem vollgesogenen RasurKult "Tectonic Drift" aufmische.
Nur winzige Spuren zusätzlichen Wassers und am Ende habe ich eine Schaumkonsistenz im Mug, wie ich sie mir schöner nicht wünschen könnte.
Der Silberspitz von
@RasurKult ist "geladen" und wiedereinmal stelle ich fest, welch gute Entscheidung es war, mir diesen traumhaft schönen Pinsel von Bernhard anfertigen zu lassen!
Er kreist so butterweich an den Spitzen und dennoch mit dem nötigen Backbone um nicht als "Waschlappen" daherzukommen durch den 2-Wochen-Bart und gibt dabei den aufgenommenen Schaum so bereitwillig an die jeweiligen Gesichts- und Halspartien ab, daß es einfach nur eine wahre Freude ist!
1. Runde MIT dem Strich:
Nach kurzer Einwirkzeit nehme ich das Thiers-Issard zur Hand, welches zwar ein Heft mit deutlichem Spiel am Erl-Niet aufweist, jedoch stört mich dies bei meiner etwas speziellen Handhabung und Klingenhaltung ohnehin kein bisschen.
Wer das obige Bild aufmerksam betrachtet hat, wird feststellen, daß heute erneut gleich ZWEI Messer zum Kennenlernen vorgesehen sind (welche zusammengenommen beeindruckende gut FÜNFMAL so alt sein dürften wie ich selbst mit meinen gerade mal 45 Lenzen! Deshalb zur Sicherheit auch heute erneut die Simpson "Sandalwood ultra-glide" im Einsatz, denn jedes bisschen extra Gleitreserve soll mir bei diesen beiden durchaus respekteinflößenden Messern willkommen sein.).
Thiers-Issard also für rechtsseitig (meine Standard-Anfangsseite, denn als konsequenter NUR-Linkshänder tue ich mich mit der linken Seite etwas schwerer).
Der erste Zug (oder Züglein?) vom Kotelettenansatz die Wange abwärts...
Naja, daß es kein 7/8 Koraat ¼ hohl ist war mir klar.
Aber in WIE kurzen Einzelzügen ich heute vorgehen werden muß hätte ich so nicht erwartet!
Immer wieder bleiben einzelne Härchen oder kleine Gruppen einfach stehen...
Die Klinge fühlt sich zuerst deutlich rupfig auf der Haut an, bis ich den richtigen Winkel finde und es erheblich besser wird.
Aber die KOPF-FORM...
...
GNADENLOS.
BRUTAL.
UNERBITTLICH.
Verzeiht auch nicht den winzig kleinsten Fehler in Ansatz oder Klingenführung!
Und so ist es nicht verwunderlich, daß ich bereits nach nur der RECHTEN (ziemlich mühsamen) Gesichtshälfte -wohlgemerkt nur MIT dem Strich- erstmal gleich an mehreren Stellen (v.a. Oberlippe und ein Pickelchen auf der Wange, welches mich nun wochenlang plagte, das Koraat bei der letzten Rasur aber spielend überging!) zum Alaun greife.
Sicherheitshalber gleich zum HEMO STOP Stick.
Dieser Klingenkopf ist wirklich einfach nur ein gefährliches und zickiges Biest!
Aber irgendwann ist es dann eher weniger gründlich überstanden und ich kann mich der linken Gesichtshälfte zuwenden und zum Berthelot a Orleans Frameback greifen, bevor in Runde 2 noch einiges an Nacharbeit wartet.
Das Berthelot a Orleans Frameback funtioniert Wangen- und Halsseitig so intuitiv und sanft (auch wenn hier ebenfalls einige Härchen erstmal stehenbleiben), daß man schnell Gefahr läuft übermütig zu werden.
Und so gibt es auch hier schnell ein, zwei winzige Cuts, welche aber nicht mit Alaun behandelt werden mußten.
Auch diese Klinge kann in der Gründlichkeit weder mit dem Ralf Aust, noch dem Koraat konkurieren, ist aber DERART Fehler verzeihend gutmütig, daß man sich hinterher fragt, WIE man zu Werke gegangen sein muß, daß man es schlußendlich DOCH geschafft hat, sich zwei vernachlässigbare Cuts einzufangen.
Womit das Berthelot a Orleans allerdings erhebliche Probleme zu haben scheint ist das harte Barthaar an der Oberlippe und rund ums Kinn!
Was sich gleich GEGEN den Strich noch DEUTLICH verschärfen wird...
2. Runde GEGEN den Strich:
Erstmal neuen Schaum erzeugen und neu einpinseln.
Erneut eine wahre Freude und ein Kinderspiel!
Dieser Mug, der "Tectonic Drift" und die Simpson-Seife harmonieren wirklich spielend miteinander.
Wieder beginne ich rechtsseitig mit dem Thiers-Issard.
Wenn auch deutlich weniger mühsam als beim 1. Durchgang, so habe ich hier doch noch einiges "auszubügeln", was besonders an Oberlippe und seitlich am Hals einige Schwierigkeiten in der Klingenführung erzeugt, kennt und fürchtet (!) man inzwischen doch die äußerst unnachgiebig aggresive Spitze am Klingenkopf...
Die endgültige Gründlichkeit ist dann auch eher ein "naja, nicht überall berauschend, aber kann man lassen".
Linke Seite, Berthelot a Orleans Frameback.
Schon nach den ersten Zügen an der Wange merke ich:
Oha, das wird EINE MENGE ARBEIT!
Und schwierig.
Hilft nix, da muß ich jetzt durch.
Selbst an den einfacheren Stellen will das Frameback nur wiederwillig gegen den Strich.
Rund ums Kinn dauert gefühlt eine kleine Ewigkeit bis ein "naja, kann man lassen" überhaupt in prüfende Tastweite kommt.
Und die Oberlippe?
Vergiss es!
Alles gute Zureden ohne Aussicht auf Erfolg!
Ich begnüge mich damit nochmal erneut MIT dem Strich so viel wie möglich "abzutragen" und muß an einzelnen Stellen nachträglich sogar noch zum Systemie (!!!) greifen um am Ende wenigstens zwei EINIGERMASSEN gleich glatte Gesichtshälften aufzuweisen.
Fazit:
Ob das Thiers-Issard und ich noch Freunde werden, bleibt ob der blutigen ersten Bekanntschaft und der schon jetzt gefürchteten Klingenspitze bis auf weiteres erstmal fraglich.
Das war schon SEHR speziell...
MIT dem Strich wirklich gutmütig und sanft rasiert das Berthelot a Orleans fast von selbst, wenn auch nicht überall makellos gründlich.
GEGEN den Strich ist das Berthelot a Orleans allerdings ziemlich zickig und schwierig bis hin zu unmöglich (Oberlippe) handhabbar und ich werde noch so EINIGE Rasuren brauchen, um mich damit anzufreunden.
Aber irgendwie mag ich es einfach.
Alles in allem meine am wenigsten gründliche und im Nachhinein am deutlichsten spürbare Rasur (wenn auch nur für eine kurze Dauer) bisher.
Dafür mache ich immer bessere Fortschritte bei der Abnahme und Dauer der Hautrötung, was wohl nicht zuletzt erneut auf die hervorragende Simpson-Seife und eine immer weiter erlernte Sauberkeit in der Klingenführung zurückzuführen sein dürfte.
Von Routine bin ich allerdings auch weiterhin naturgemäß nach der erst 4. Messer-Rasur noch deutlich entfernt.
Abschließend gab's nach dem Highlight des Auftragen kühlenden ASB's und der Reinigung der Arbeitsgerätschaften (das vom geschätzten Forums-Kollegen
@Bavaria Blade empfohlene nahtlose Microfasertuch ist dabei immer wieder eine GROSSE Hilfe!) diesmal auch nicht nur EIN Tequilachen (Das "Ritual" startet immer zuallererst einmal mit EINEM Iron Maiden "The rum of the ancient mariner" Caribbean Dark Rum, danach folgt Tequila und/oder Mezcal. Wenn ich allerdings von EINEM Rum/Tequila/Mezcal spreche... dann ist damit übrigens ein DOPPELTER gemeint, denn: WAS BITTE sollen den 2cl sein?! Da spuckt der Barkeeper ja mehr ins Glas zum Auswischen!) sondern EINEN Rum und DREI Tequila (also DOPPELTE jetzt...

), weswegen das Schreiben des "Berichtsheftes" sich auch bis zum jetzigen Zeitpunkt hinausgezögert hat.