Forum der Rasur

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Von „irgendwann mal“ direkt zur ersten Messerrasur

shavin'nic

Active Member
Liebe Mitinsassen,

lange hab ich's mitverfolgt, lange hab ich's abgestritten die Messerrasur jemals auch nur anpacken zu wollen, dann dieser kleine Funken Interesse. Wie wäre das wohl...rasierensmilie

Dieser sollte 'aufgeschoben' werden, denn besonders hatte ich vor, mich ordentlich einzulesen, damit bei der Messerei nix schiefgehen kann... tja, Pläne und so.... also 4 Tage später (heute) :lol

Da stellt man eine harmlose Frage im Thread „Empfehlungen für erstes (brauchbares) Messer“, eigentlich nur mit dem Gedanken, eben irgendwann mal mit ggf dem Aust-Einsteigeset zum rasieren und einen Gold Dollar zum Schärfen üben zu starten......
So in 6 Monaten oder einem Jahr wollte ich mich der Sache widmen....wie gesagt 4 Tage später :daumenhoch

...jedenfalls ging es in dem Thread ab. (Am Samstag war dieser 4 Seiten, inzwischen hat er 8 :kaputtlachen1)

Keine zwei Stunden nach meinen Post X kam das Angebot: Ich würde ein geschliffenes Gold Dollar samt Riemen gegen Versandkosten geschenkt bekommen.

Ein Mafiosi würde sagen: Ein Angebot, das man nicht ablehnen kann. ;)

Heute war dann der Tag der Wahrheit. Das Paket war im Haus. Zum ersten Mal das Ding in der Hand, Grifftechnik geübt, nochmal ein paar YouTube-Videos zur korrekten Technik angeschaut und abschließend noch einmal in den Anfänger-Thread „Rasieren mit dem Messer – Technik, Handhabung“ geschaut... keine Ausrede stand mehr bereit...

DIE RASUR:

Zur Rasur kam mein Standard-Hobel-Test-Setup zum Einsatz: Omega-Borste und die schöne Cella.

Ansonsten Alaun und AS schon mal bereitgelegt und auch in den R89 Grande zum Ausputzen eine neue Astra Grün (russisch) eingelegt.
1000017931.jpg

Während der Pinsel wässerte, wurde – trotz Hitze – warm geduscht, um den extra hierfür gezüchteten Dreitagebart schon mal etwas vorzubereiten.

Dann die Cella wie gewohnt im Gesicht aufgeschäumt und ungefähr doppelt so lange einwirken lassen wie sonst.

Währenddessen wurde die "Technik" nochmal mit drei Zentimetern Abstand zum Gesicht geübt, als sei ich eine besonders motivierte Pantomime. Es wurde mental durchgegangen, dass anders als der "Rangierbahnhof" an Narben unter meinen Haupthaar hier wirklich nix ernsthaftes passieren könnte, solange ich mit Zen-artigen Fokus bei der Sache bliebe....soweit die vernünftige Theorie

Der Moment der Wahrheit: Adrenalin im Blut, das Messer in der Hand, die Koteletten vom Schaum befreit.

Der erste Kontakt. Die Klinge ist gelandet. Ein kleiner Schritt für das FdR, ein großer für den shavin'nic – in der Hoffnung, nach über zehn Jahren Hobelrasur einem ordentlichen 'shaving nick' durch's Messer entgehen zu können.

Das Herz pocht. Die Wangen sind dran – erst links mit der linken Hand und dann rechts mit der nicht-dominanten.

Im Kopf immer das Mantra: „Handhabe das Messer zunächst so, als wolltest du dein Gesicht nur vom Rasierschaum befreien.“ Irgendwann ging das Nachdenken dann unbemerkt nicht mehr, und ein seltsamer Automatismus mit Tunnelblick ergriff Besitz von mir.

Zunächst eben die Wangen. Millimeter für Millimeter, ein ganz anderes Feedback der Klinge.....

Dann erstmal das restliche Gesicht neu eingepinselt (selbst die Gute Cella kam bei meinen Schneckentempo an ihre Grenzen was Standhaftigkeit angeht)

Anschließend die Unterlippe bis zum Kinn. Grimassen ziehend, um alles auf Spannung zu halten, wurde hier das Werk vollrichtet.
Eine einzige Stelle erwischte das Messer – so klein, dass sich nicht einmal ein Blutstropfen bildete. Kleiner als mancher Kratzer, den ich mit dem treuen R89 sonst gar nicht bemerken würde. Durch den Fokus fühlte es sich aber deutlich "präsenter" an.

Weiter ging es unter der Nase. Soweit, so gut.

Dann der Moment, vor dem ich mich eigentlich drücken wollte: alles unter dem Kinn. Erstmal wieder links.
Der Plan, der etwas krummen Wuchsrichtung zu folgen, klappte nicht. Das Messer im richtigen Winkel und gleichzeitig anders als halbwegs waagerecht zu halten, wurde einfach nichts.

Also ohne Druck und ohne Hast, schleichend ein Zwischending aus mit und quer zum Strich rasiert. Rechts dann mit etwas gewonnen Selbstvertrauen das Gleiche.

Dann der letzte noch unberührte Teil: das Kinn und die "Krümmung", um die man das Messer führen muss. Hier war die einzige Stelle, an der konsequent ein dünner Streifen des Dreitagebartes stehen blieb – trotz Ansätzen des "Schabens".

Dann der zweite Durchgang mit dem Messer. Vorsichtiges Ausputzen an bisher nicht gründlich erwischten Stellen, wieder soweit möglich mit dem Strich.
Dann im letzten Zug, Fokus auf Wange und Kinn..... berührte die Messerspitze minimal mein Ohrläppchen – der erste richtige Tropfen Blut lief.

Ein letzter Versuch im Kinnbereich?... die Vernunft siegte. Der bereitgelegte R89 Grande vollendete an den Problemzonen die Rasur im dritten Durchgang nach erneutem Einpinseln.

NACH DER RASUR
Dann Alaun zur Rückmeldung: deutlich merkbar, aber nicht schlimmer als nach meiner ersten Hobelrasur mit einer Feather-Klinge – wenn auch bei Weitem nicht so gründlich.

Der erste Blick in den Spiegel auf das Gesamtbild: ein gestoppter Blutpunkt am Ohr und zwei bis drei winzige Pünktchen am Kinn, die sich erst nach zwei bis drei Minuten gebildet hatten.:daumenhoch

Dann zur Pflege: Erstmal schön das AS eingeklopft und nach einer weiteren Minute des Betrachtens nach verbliebenen Stoppeln schließlich das ASB aufgetragen.

Nach dem Reinigen und Trocknen des (höhö... ich wollte schon automatisch "Hobel" schreiben) Messers dann noch ein Klacks Feuchtigkeitscreme.

An dieser Stelle nochmals besonderen Dank an @Ni3mand , ohne dessen Hardware-Spende es ganz sicher nicht heute – oder vielleicht sogar dieses Jahr – zur ersten Messerrasur meines Lebens gekommen wäre. Da kommt neben den Versandkosten genug für ne Kiste Bier zurück (Bierempfehlungen aus dem schönen Bayernland mit guter Verfügbarkeit sonst wo in Deutschland schreibe ich dir dann)

Weiterer Dank natürlich auch an alle anderen, die Gespräche über Messer ausleihen, Hilfestellung usw. proaktiv mit mir losgetreten haben. (Da war meine Angst, ich könnte es fallen lassen – auch wenn mir das noch nie passiert ist – einfach zu groß.)

(Einigermaßen) glatt rasiert verbleibt
Nico (shavin'nic)
 
@Eisenkopf ich hoffe das freut dich schonmal, dass das Messer welches du für mich vorbereiten wolltest, jetzt durch die erste positive Bestätigung auch sicher seinen festen Platz bei mir finden wird.

Ich jedenfalls freue mich schonmal darauf auch eine etwas andere Geometrie und ein altes Solinger Messer versuchen zu können und mit den beiden dann erstmal etwas geübter und flinker zu werden
 
@shavin'nic Das liest sich wie eine gelungene Premiere. Wenn die unproblematischen Bereiche gut funktionieren, dann diese immer wiederholen. Nach und nach die Problemzonen angehen und nichts erzwingen. Lieber nochmal mit dem Hobel nacharbeiten. Übung macht auch hier die Erfolge.
Dann kann man jetzt mit Fug und Recht sagen: "Willkommen bei der Messerfraktion!"
 
Herzlichen Glückwunsch zur bestandenen Feuertaufe goodjob!

Wir haben heute übrigens den gleichen Jahrestag, meine erste Messerrasur war am 05.08.25 ;)
 
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