Forum der Rasur

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W. PICARD GARANTI

Brille

Very Active Member
Hier ein Picard Nr.53 in 5/8.
Wie ich es damals das erste mal in den Händen gehalten habe, dacht ich "super ein Franzose".
Weit gefehlt, im GRF Forum wird auf Wuppertal (Kronenberg) verwiesen.
Der Name "Picard" ist in Wuppertal auf jeden Fall kein unbekannter Name, denn
seit 1857 werden unter diesem Namen die "Picard Hämmer" hergestellt.

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Gruß Brille
 
Mein letzter Neuzugang, Nr.41 mit entsprechenden "Altersflecken".
Verbleibende Klingengröße zwischen 7/8 und 8/8:)
Die Klinge schließt / läuft schön sauber im Heft .
Leider haben die Schalen etwas an Farbe verloren (müsste glaub ich Horn sein).
Vielleicht hat ja einer von euch einen Tipp bezüglich Pflegen von Hornschalen.
Ich freu mich schon auf die erste Rasur .
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Gruß Brille
 
Habe ein 41'er Picard als Beifang bekommen. Typischerweise aus Belgien, seinem Heimatland. ich denke mal es war vor vielen Jahren so breit wie das Obige teil, aber es sind jetzt "nur" noch 13/16" über geblieben. Dem Radius des spanischen Kopfes nach, könnte es aber auch seine ursprüngliche Breite haben. Keine Ahnung. Das Messer wurde gebraucht, daß sieht man. Und es muß einmal ziemlich angerostet gewesen sein. Das macht mir aber nichts, Narben machen männlich :cool:.
Der Schliff, oder was davon übrig blieb, ist bestenfalls viertelhohl, fast derbe. Die Hornschalen sind dick, die Hintere am Erlniet leider gerissen. Das Messer ist für die Breite sehr schwer.

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Hier mal ein #41 in seiner Ursprungsgröße... mit lächelnder Wate, so wie vom Erfinder vorgesehen... ;)
 

Anhänge

  • Picard,W. Cronenberg #41 StarsInCircle 9-8 (28mm) Spanish Hornheft sw aa.jpg
    Picard,W. Cronenberg #41 StarsInCircle 9-8 (28mm) Spanish Hornheft sw aa.jpg
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    Picard,W. Cronenberg #41 StarsInCircle 9-8 (28mm) Spanish Hornheft sw bbb.jpg
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Ich setzte das Messer mal hier "rein" , vielleicht hat ja einer der "Solinger Spezialisten"
mehr Infos bzw. kann etwas darüber berichten.

Quelle Cutlermarks
W. PICARD GARANTI, with both lines
curved (1904, no. 65961): Carl Greis,
‘Inhaber der Firma W. Picard’, Cronenberg/
Rheinland.

Hier ein Carl Greis 50 3/? in knappe 6/8,
Trotz des alters und der Patina hat das Messer so gut wie kein "verschliff" und
die Klinge läuft sauber ins Heft.
Hat mir schon drei klasse Rasuren beschert :)
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Gruß Brille
 
Ich setzte das Messer mal hier "rein" , vielleicht hat ja einer der "Solinger Spezialisten"
mehr Infos bzw. kann etwas darüber berichten.

Quelle Cutlermarks
W. PICARD GARANTI, with both lines
curved (1904, no. 65961): Carl Greis,
‘Inhaber der Firma W. Picard’, Cronenberg/
Rheinland.

Hier ein Carl Greis 50 3/? in knappe 6/8,

Um mal ein wenig Licht in die Herkunft der CG CARL GREIS und W.PICARD Rasiermesser zu bringen, muß ich etwas weiter ausholen...

Die Famile(n) PICARD (auch PICKART, PICKERT, PICKERTZ geschrieben) waren bereits seit Jahrhunderten am Morsbach bei Remscheid als Hammerschmiede und an der Wupper bei Kohlfurt (Solingen) und Cronenberg (heute Stadtteil von Wuppertal) als Schleifer ansässig.
Ein Großteil der in Remscheid am Morsbach (der bei Müngsten in die Wupper mündet) geschlagenen Ware wurde flußaufwärts in den Schleiferkotten bei Kohlfurt an der Wupper geschliffen und weiterverarbeitet.
Die Kohlfurter Wupperkotten waren teils der Bürgermeisterei Gräfrath (Solingen) und der Bürgermeisterei Cronenberg (Wuppertal) unterstellt, je nach dem auf welcher Uferseite sie sich befanden. Auf der Solinger Seite wurden vereinbarungsgemäß nur Schneidwaren und auf der Cronenberger Seite nur Werkzeuge produziert.

An der Kohlfurter Brücke betreibt Engelbert Picard von 1838-1879 ein Restaurant mit Spezereienhandel und Forellenzucht, das noch 1935 im Besitz von Jonathan Picard ist.

Picard,Engelbert Kohlfurt-Brücke Restaurant 1879, Jonathan Rest.+Forellenzucht 1935.jpg


Der Erste Kotten nach der Kohlfurter Brücke die nach Cronenberg führt, liegt in der PICARDSAUE und gilt gemeinläufig als PICARDSKOTTEN, da er seit dem frühen 19. Jahrhundert in deren Familienbesitz war. 1838 ist hier David Picard als Mühlenbesitzer zu Gräfrath im Rheinischen Adressbuch eingetragen. Die Mühle wird jedoch nicht als Schleiferei, sondern als Fruchtmühle genutzt und beliefert u.a. den Spezereienhandel von Jonathan Picard an der Kohlfurter Brücke.

Picardsaue a.d.Wupper ErsterKotten nach Kohlfurt 1842.jpg


Der Zweite Kotten beherbergte von 1859-1899 Schleifereien von GUSTAV WECK und ABRAHAM KNYN aus Gräfrath. Letzterer ist seit 1849 in Gräfrath zu Katzberg / Ketzberg bekannt als Rasiermesserhersteller. Darauf kommen wir später noch zurück...

Picardsaue ersterKotten,Kohlfurt a.d.Wupper 1838-79.jpg


Der südliche Teil des Dritten Kotten zu Burgholz bei Cronenberg wurde seit den 1840ern vom Schleifer JOHANNES PICARD genutzt, allerdings überwiegend zur Bearbeitung von Sensen und Werkzeugen für den Cronenberger und Remscheider Stahlwarenhandel.

Bereits im Jahr 1838 waren Johannes & Wilhelm Picard zu Cronenberg mit einer Stahl- und Eisenwaarenhandlung registriert, während im selben Jahr Engelbert Picard (der Restaurantbesitzer) mit dem Handel von Stahl- Eisen- und Spezereiwaaren zu Gräfrath im Rheinischen Adressbuch gelistet wird.

1867 gründen Carl Schmahl und die Brüder Wilhelm & Julius Picard die Eisen- und Stahlwarenfabrik SCHMAL & PICARD bei Cronenberg.


Stellt sich nun die Frage, wo die Rasiermesser-Rohlinge der frühen W.PICARD Messer geschlagen, wo sie geschliffen und weiterverarbeitet und von wem sie verkauft wurden,
da der 1851 geborene Carl Greis ja erst 1896 die Marke W.PICARD unter der Nummer 18740 in der Klasse 9b für sich hat eintragen lassen...


Hier liegt die Schlußfolgerung nahe, daß Abraham Knyn als Nachbar im Zweiten Kotten der Kohlfurt im Auftrag der Picards sowohl die Klingen geschlagen, als auch verarbeitet hat.

Picard,W. Cronenberg #41 (4Kreuze) 9-8'' SP Horn sw a.jpg


Im Vergleich sehen sich die Klingen nicht nur ähnlich, sondern tragen sowohl die selbe Nummer #41 und die gleiche Formsprache und Handschrift des Erzeugers...

Knyn,Abraham Gräfrath-Solingen #41 1-4 AK 8-8'' SP Bakelite schwarz 02-2019 a + Box.jpg


Die späteren Klingen dürften dann ab 1867 von SCHMAL & PICARD in Cronenberg weiterverabeitet worden sein.

Hier liegt die Vermutung nahe, daß diese Firma ebenfalls die Klingen für den Export-Händler CHARLES HAKE & CO. aus Remscheid-Haddenbach, der nie eine eigene Fabrik geführt hat, verarbeitet hat.

Hake,Charles Remscheid-Haddenbach ROTTE #57 1-2 FullHollowGround 8-8'' RD Bak sw vs PICARD #57 a.jpg


Hier ein W.PICARD #57 im Vergleich zu einem Charles Hake ROTTE #57 ...

Hake,Charles Remscheid-Haddenbach ROTTE #57 1-2 FullHollowGround 8-8'' RD Bak sw vs PICARD #57 b.jpg


Da Charles Hake vorwiegend im Raum Benelux / Frankreich (mit eigener Niederlassung in Brüssel) unterwegs war, dürfte er anfangs auch für die starke Verbreitung der W.PICARD Rasiermesser auf diesem Markt gesorgt haben, bis schließlich CARL GREIS die Markenrechte und den Vertrieb 1896 übernahm.

Carl Greis (auch Karl Greis geschrieben; * 25. Juli 1851 in Cronenberg) war ein deutscher Kaufmann in Cronenberg (Wuppertal).
In den Jahren 1884–1920 war er Mitglied der Bergischen Industrie- und Handelskammer zu Remscheid.
Von 1886–1919 wirkte er als Stadtverordneter und Beigeordneter in Cronenberg. Er war Mitglied zahlreicher Kommissionen sowie Mitglied des Kreistages des damaligen Landkreises Mettmann.
In 1896 registriert er W.PICARD unter der Nr. 18740 Klasse 9b als seine Handelsmarke.
1901 ist er mit Carl Greis Stahl- und Eisenwaren in Cronenberg gelistet. Ebenso der Bruder Julius Greis mit seiner 1891 gegründeten Eisen- und Metallgroßhandlung Hauptstr.48.
1904 registriert er die Marke PICARD GARANTI unter der Nr.65961 und wird als Inhaber der Firma W.PICARD CRONENBERG / RHLD. genannt.
Ebenfalls von 1904-1959 ist die Carl Greis Stahlwaren-Fabrik Wuppertal-Cronenberg unter HRA7494 und AG Wuppertal Rep.0069 Nr.1920 registriert.
Die Adresse dürften die Betriebsräume des Bruders Julius Greis Hauptstr.48 gewesen sein. Scheinbar erfolgte die Weiterverarbeitung der Klingen jetzt dort.
In dieser Zeit verändert sich auch das Aussehen der Klingen, scheinbar weil man diese nicht mehr vom mittlerweile verstorbenen Abr. Knyn beziehen kann, dessen heruntergekommener Zweiter Kotten 1899 noch vor der behördlichen Stillegung abgebrannt ist, sondern nun von anderen Solinger Gesekschmieden wie Hartkopf oder Herkenrath Standardware abnehmen muß.

Picard,W. Cronenberg #23 (4Kreuze) 5-8'' BN Horn sw a.jpg


Die Klingen werden ab ca. 1910 zusätzlich mit CG gestempelt...

Picard,W. CG Remscheid #45 Rund 6-8'' Bakelite schwarz a.jpg


Ab 1920 fällt der Schriftzug W.PICARD weg und die Rasiermesser wurden nur noch mit CG Carl Greis & Co. gestempelt. Bruder Julius Greis ist jetzt Kommanditist.


Am 24. Juli 1926 erfolgt die Verleihung des Ehrenbürgerrechtes der Stadt Cronenberg.
Zwei Jahre darauf am 19.11.1928 stirbt Carl Greis, sein Grab auf dem Evangelischen und Reformierten Friedhof Solinger Straße wird von der Stadt Wuppertal als Ehrengrab gepflegt. Die Firma Carl Greis & Co. wird anscheinend vom Bruder Julius Greis bzw. dessen Sohn noch bis 1959 weitergeführt.


Es würde mich freuen, wenn @DailyDriver , @MaydayGuard und @Hatzicho's Kotten diese Daten noch ergänzen könnten.

Mit scharfen Grüßen aus der Klingenstadt
Rainer
 
Toller Beitrag, sehr umfassend recherchiert und mit vielen Angaben, die die Zusammenhänge der einzelnen Hersteller durchleuchten.

Es würde mich freuen, wenn @DailyDriver , @MaydayGuard und @Hatzicho's Kotten diese Daten noch ergänzen könnten.
Ich mache gerade einen Kurzurlaub. Wenn ich zurück bin, schaue ich ob ich, was ich in meinen Unterlagen noch finden kann. Aus dem Gedächtnis würde ich sagen, dass ich zu Wilhelm Picard und Carl Greis noch etwas ergänzen kann.
 
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