Ich habe vor längerer Zeit im Nachbarforum den Hersteller vorgestellt.
Ich ziehe den Bericht mal unverändert hierher.
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Ich habe mich in der letzten Zeit mit Rasiermessern von verschiedenen Firmen mit dem Namen Lütters beschäftigt und möchte hier etwas davon vorstellen.
Am bekanntesten (wahrscheinlich auch deshalb, weil sie immer noch aktiv ist) ist die Firma C. Lütters & Cie. (Löwenwerk) in der Bismarckstraße 3 in Solingen. Das C. steht für Carl, der die Firma 1840 gegründet hat und die sich bis heute in Familienbesitz befindet.
Lütters war ein verbreiteter Name in Solingen und so überrascht es nicht, dass es einige weitere Firmen mit diesem Namen gab, ja sogar mehrere, in deren Firmennamen der Vorname Carl vorkam.
Unter anderem die Firma Carl Lütters, die ihren Sitz in Wald hatte und Messer der Marke „LÜKO“ hergestellt hat. Obwohl „LÜKO“-Messer gar nicht so selten sind, scheint die Geschichte dieser Firma relativ unbekannt zu sein und in Foren wird oft ein Zusammenhang mit der o.g. Firma C. Lütters & Cie vermutet. Das kann eigentlich nicht sein, denn die Firma C. Lütters & Cie hatte in ihrer Geschichte den Firmensitz ein paarmal gewechselt, war aber nie in Wald ansässig.
Ich habe mich länger ohne Erfolg abgemüht, den Hersteller zu identifizieren. Manchmal fehlt nur ein Puzzle-Stückchen. Das fand ich vor einigen Wochen, indem ich die Anmeldung des Warenzeichens „LÜKO“ fand. Es ist angegeben, dass es am 29. Mai 1920 für Karl Lütters in der Locherstraße in Wald eingetragen wurde. Ich habe eine Kopie der Warenzeichenanmeldung weiter unten in das erste Rasiermesser-Foto eingefügt. Damit konnte ich schließlich anhand der Solinger Adressbücher die Historie etwas rekonstruieren.
In Zusammenhang mit der Locherstraße taucht der Name Lütters zuerst 1896 auf. Ein Ernst Lütters, von Beruf Spezereihändler und Glockenschleifer, wohnt in der
Locherstraße 88. (Beim Recherchieren in alten Adressbüchern ist es immer wieder interessant, welche Berufe es früher gab

)
So sieht das Fachwerkhaus in der Locherstraße 88 heute aus:
Im Adressbuch von 1901 wird die Liste länger und neben Ernst Lütters sen. (der genannte Spezereihändler und Glockenschleifer) werden nun auch seine Söhne Ernst Lütters jun. (Messerschleifer), Friedrich Lütters (Rasiermesserschleifer) und Karl Lütters (ebenfalls Rasiermesserschleifer) genannt.
1905 wohnen von denen nur noch die Witwe von Ernst Lütters (Spezereihandlung) und Karl Lütters in der Locherstraße 88.
1907 sind dann laut Adressbuch die drei Brüder mit ihrer Mutter wieder in der Locherstraße 88 vereint.
Um 1909 zieht Ernst aus und wohnt in der Stübbener Straße.
1921 ist aus Carl ein Fabrikant geworden und in der Locherstraße 88 wohnen jetzt neben ihm, seiner Mutter (Kolonialwarenhändlerin) auch der Schleifer Paul Lütters, der ihn vom Wohnsitz her Zeit seines Lebens begleitet. Ob es Carls Sohn oder ein weiterer Bruder war, weiß ich nicht.
Die drei (von denen Karl manchmal mit C und manchmal mit K geschrieben wird) sind auch 1931 noch im gleichen Haus.
Irgendwann zwischen 1931 und 1938 zieht die Familie in die
Locher Straße 36 um, in der die Rasiermesserfabrik weiter betrieben wird.
So sieht das Haus Locher Straße 36 heute aus:
1953 gehört die Carl Lütters Rasiermesserfabrik Carl Lütters zusammen mit Artur Wirtz.
1961 scheint Carl nicht mehr zu leben, das Gebäude gehört nun zum Teil der Witwe Mathilde Lütters.
Artur Wirtz ist Inhaber der Rasiermesserfabrik bis 1969. Danach erscheint sie nicht mehr in den Solinger Adressbüchern.
Paul Lütters lebte noch bis mindestens 1976 in der Locherstraße 36, in dem zeitlich darauffolgenden verfügbaren Adressbuch von 1982 wird sein Name nicht mehr erwähnt.
Hier ein 4/8“-Messer mit der Klingennummer 84. Von der Klinge her ist ein typischer Stoßer. Ich konnte ganz günstig bekommen und neben dem Schärfen hielt sich die Aufarbeitung in Grenzen. Die Rasur mit ihm empfinde ich als sehr angenehm. Das gezeigte Etui konnte ich gebraucht bei Revisor kaufen.
Und hier gleich noch ein weiteres Messer, das ich NOS bei Revisor kaufen konnte. Es ist bisher unbenutzt. Die Prägung am Erl schreibt „LUKO“ ohne die Pünktchen über dem O.
Die vollhohl ausgeschliffene Klinge ist 5/8“ breit und hat eine sehr schöne farblich unterlegte Verzierung. Laut Angabe von Revisor soll das Messer ungefähr 1953 hergestellt worden sein, was anhand der oben beschriebenen Firmengeschichte absolut plausibel ist.
Auch hier habe ich das Etui gebraucht von der Firma Revisor dazu kaufen können.