Forum der Rasur

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Wie scharf ist scharf?- Ursachen und Wirkungen beim Schärfen mit Mikroskopaufnahmen

dirk

Gründer FdR
Admin
Hallo,

wie Ihr ja wisst, bin ich immer neugierig und offen für Neues. Ein Beitrag von Batou bzgl. 3M Schärfepapieren hatte gestern sofort mein Interesse geweckt. Batou hat mir daraufhin einen Link zu einer sehr interessanten Webseite geschickt, die ich Euch hier vorstellen möchte.

Auf dieser Webseite will der Autor durch wissenschaftliche Vorgehensweise herausfinden, warum wir ein Rasiermesser als scharf und/oder sanft empfinden. Er will die Ursachen finden um daraus dann ableiten zu können, wie man möglichst einfach zu dieser "Wunschschärfe" kommt.

Der Autor hat dafür sein Elektronenmiskroskop benutzt. Dank diesem kann man wunderbar in der Vergrösserung sehen, wie die Schneide nach den verschiedenen Schärfestufen aussehen. Unglaublich tolle Bilder. Sogar den Winkel kann er dadurch messen.

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Oft wird ja in Foren diskutiert, welcher Schärfestein für welche Stufe ambesten geeignet ist, oder welche Alternativen Schärfemöglichkeiten es sonst noch so gibt. Hier haben wir meiens Wissens zum ersten Mal eine wirklich fundierte Vorgehensweise mit hervorragendem Bildmaterial.

Das ist nicht nur für die Profis, sondern vor allem auch für Anfänger interessant, sobald sie überlegen wie sie schärfen wollen und mit was sie schärfen wollen. Selbst das Ledern wird dort behandelt.

Auch Hobler kommen hier nicht zu kurz. Wer weiß schon oder kann es gar bewisen, daß ein Rasiermesser teilweise schärfer ist als eine Feather Rasierklinge oder warum kleine Schnitte einer Rasierklinge vermutlich länger bluten als vergleichbare Schnitte eines Rasiermessers?

Diese Webseite ist leider auf Englisch. Damit aber alle Mitglieder etwas davon habe, werde ich hier die wichtigesten Punkte auf Deutsch zusammenfassen und auch Bilder mit Quellenangabe einfügen.

Ich habe selber erst angefangen zu lesen, weil diese Webseite doch sehr umfangreich ist, also wird dieses Posting hier von mir immer aktualisiert werden, soweit es meine Zeit erlaubt. Ihr könnt aber schon jetzt Fragen hier stellen bzw. darüber diskutieren.

Also fangen ich einmal an....

Einführung

Quelle:
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Laut Autor (leider ist nirgendwo sein Name angegeben) muss ein Rasiermesser (RM) an der Spitze der Schneidfläche ca. 100nm (1/10 eines Microns) dünn sein, um sich angenehm rasieren zu können.

(1 Mikron = 1 Mikrometer = 0,001 Millimeter)

Das Äußerste (=Dünnste), das man mit Schärfen und Ledern erreichen kann sind ca. 50nm.

Hier sind SEM Bilder, um einmal die Unterschiede sehen zu können. Jeweils die Schneide nach oben gehalten. Immer 10k Vergrösserung (also 10.000x) der Schneide.

1_gmn200.jpg
RM mit einem Gokumyo 20k geschärft




2_cho1k_10k.jpg
RM mit einem Chosera 1k geschärft.

Laut Autor lässt sich aber zuwenig über die Schärfe eines RM sagen, wenn man nicht auch Daten über den Winkel und die Dicke der Schneide zur Verfügung hat.



3_dmt1200_x_measured.jpg
In diesem Bild ist der Winkel der Facette 19 Grad (=Aa rechts) und die Schneide ist bei einem Abstand von 3 Mikronen (=0,003mm) zur Kante (=H1) nur 1,664 Mikronen dünn (=V1 links).

Diesen misst er mit fokussierte Ionenstrahlen ("Focused Ion Beams" = FIB). Dadurch kann er die Dicke der Schneide an einem bestimmten Punkt bzw. in einem bestimmten Abstand zu der äußersten Kante der Schneide und den Winkel der Facette bestimmen.


Scharf ist nicht gleich scharf

Quelle:
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Der Autor unterscheidet zwei Arten von Schärfen und wie man sie misst.

Sharp = scharf bzgl. der Dicke der Schneide gemessen ca. 3 Mikronen (=0,003mm) hinter der Spitze der Schneidkante

Keen = scharf bzgl. der Dicke und Feinheit direkt an der Spitze der Schneidkante/Facette

Der HHT (= hanging hair test) soll dies verdeutlichen.

Quelle:
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Der HHT lässt sich in 2 Vorgänge unterteilen. Das "Ergreifen" des Haares und das Durchtrennen des Haares.

Allgemein soll der HHT zeigen, ob das RM scharf genug ist, um den harten Mantel des Haares zu durchdringen (=Ergreifen) aber auch scharf genug, um das Haar mit minimalen Kraftaufwand zu durchtrennen.

Für beide Schritte werden beide Schärfepunkte untersucht.

Für den ersten Schritt, das "Ergreifen" des Haares, also nur das Einschneiden in den harten Mantel des Haares, wird nur das letzte Mikron an der Spitze der Schneidkante benötigt. Die Dünne/Dicke an dieser Stelle ist also für das Ergreifen alleine verantwortlich.

Der zweite Schritt, das Durchtrennen des Haares, benötigt aber mehr. Für das Durchtrennen des Haares ist darüber hinaus noch der Facettenwinkel und damit die Dicke der Schneidkante etwas hinter (3 Mikronen) der Spitze/des Scheitels und die Reibung bzw. fehlende Reibung (durch Polieren etc.) auf einem Durchmesser von ca. 100nm (= Dicke des Haares).

Der HHT zeigt relativ einfach auf, ob die Schneide den erforderlichen Grenzwert an der Spitze der Facette über- oder unterschreitet. Wenn diese Spitze/Scheitelpunkt der Schneide nur 50nm (=0,05 Mikronen) dicker ist als der Grenzwert, kann das RM das Haar nicht mehr durchtrennen, obwohl es nach allen Standards immernoch sehr scharf ist.

Hier sind Bilder, die das sehr gut veranschaulichen:

1_feather_01.jpg
Das ist ein der Querschnitt eines durchschnittenenn Barthaares.


2_feather_03.jpg
Der harte Mantel des Haares ist nur ca. 5 Mikronen dick


3_feather_04.jpg
Die einzelnen Schichten in dem Haar sind jedoch viel dünner. Weniger als 1 Mikrone dick.

Die eigenen Experimente des Autors haben gezeigt, daß eine Shcneide mit einer Dicke/Dünne vpn ca. 100nm erforderlich ist, um sich gut rasieren zu können. Das ergibt einen Schneidkantenradius von 50nm, was bspw. auch einem
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entspricht, in dem ein angetsrebter Wert von 20-30nm für den Radius angestrebt wird.

Selbst künstliche Steine mit der feinsten Körnung erreichen beim RM Schärfen nur diesen Wert von Schärfe. Sehr leichte Züge beim Schärfen können dann noch einmal dies verfeinern/verdünnen. Aber eine facette mit 16 Grad Winkel ist normalerseise zu schwach, um damit eine normale Rasur zu überleben.

Das Abziehen des RM wird die Schärfe wieder unter den Grenzwert zurückbringen und gleichzeitig die Schneidkante robuster machen.

Es gibt ein Mythos, daß ein mit der Hand geschärftes und geledertes RM nicht so "scharf" sein kann, wie ein in der Fabrik geschärfte Rasierklinge. Die Bilder unten beweisen das Gegenteil. Das RM ist schärfer in beiden Messpunkten ("keener and sharper") als eine Feather DE Klinge auf der Fläche der ersten 50 mn von der Schneidenspitze gemessen.


4_featherde_edge01.jpg
Feather DE Rasierklinge. Allgemein sagt man, dies sei die schärfste verfügbare Rasierklinge



5_keen_straight_edge01.jpg
Mit der Hand geschärftes und geledertes RM. Schneidkante von 30-40nm (Scheitelradius von 15-20nm)



6_featherde_vs_straight_01.jpeg
DE Feather. Die weisse Linie zeigt darauf im Vgl. das Profil des RM. Die ersten 50nm ist das RM dünner, weiter weg von der Schneidkante ist dann die Rasierklinge dünner.



Irrtümlicherweise glaubt man, daß Steine mit feinerer Körnung auch automatisch schärfere Schneidkanten bringen würden. Das stimmt aber nicht. Ein RM geschärft mit einem 12K Stein ist nicht unbedingt schärfer als dasjenige mit einem 10K Stein geschärftes.

Hier kommt noch später ein Verweis auf andere Untersuchungen hin, die das belegen.


The difference between edge-leading and edge-trailing strokes, shown in
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, and the results from coarse diamond plates in
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, have already shown how misleading this concept is.

Das Bild unten ist von einem RM, das mit einem belgischen Coticule geschärft wurde. Ohne es danach zu ledern. Das Schleifmittel des belgsichen Coticule ist ca. 5-10 Mikronen im Durchmesser. Das entspricht ungefähr einem Shapton 2K Schleifstein.

Aber im Vgl. zu dem Schärfeergebnis des Shapton 2K, kann man sich nach dem Schärfen mit dem GBB einwandfrei rasieren.

Die Partiklegröße eines Steines alleine sagt also nichts darüber aus, wie scharf ein Messer an der Schneidkantenspitze (keenness) werden kann. In diesem speziellen Fall ist die Spitze der Schneidkante dermaßen "micro-convexed" wie der Autor es nur bei
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kennt und was im Ergebnis bei Ihm zu sehr angenehmen, fast perfekten Rasuren führte.



7_unicot_p.jpg
Seitenansicht: RM, das mit einem GBB geschärft wurde (Belgian Coticule)



8_unicot_x.jpg
Querschnitt: RM, das mit einem GBB geschärft wurde (Belgian Coticule)

Zusammenfassend kann gesagt werden, daß "Schärfe" nicht zwingend korreliert mit der Körnung des Schärfesteins.


Vergleich verschiedener Rasierklingen


Quelle:
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Hier zeigt der Autor anhand verschiedener Aufnahmen, dass bspw. Skalpelle direkt hinter der Schneidkante nicht so scharf (=dünn) sind wie die Rasierklingen.

Noch interessanter finde ich den Vergleich einer Feather Super Pro Artist Club Klinge vs. einem normalen RM.

Das FSPAC ist an der Schneidkante schärfer, aber nach ca. 3 Mikronen von der Schneidkante weg nicht so scharf wie ein normales RM.

1_feather_ac_sp_01.jpg
Die Dicke des Scheitelpunkts der Schneidkante der FSPAC beträgt ca. 50nm. Das ist dünner/schärfer als irgendeine kommerzielle Rasierklinge. 3 Mikronen davon enfernt beträgt die Dicke aufgrund des 19 Grad Winkels der Facette dann 1,4 Mikronen.



2_shap16k_x.jpg
Bild eines normalen RM, das bis hoch zu einem 16K Schärfestein geschärft wurde (vor dem Ledern). Die Dicke des Scheitelpunkts der Schneidkante des RM beträgt ca. 100nm (also mehr als das FSPAC). Die Dicke 3 Mikronen davon enfernt ist aber nur 1,05 Mikronen, also deutlich dünner und damit schärfer als das FSPAC. Der Winkel bei dem RM beträgt nur 16,2 Grad.
 
Zuletzt bearbeitet:

dirk

Gründer FdR
Admin
Fortsetzung:

Facette setzen


Man setzt die Facette bei einem Rasiermesser ja mit Steinen niedriger Körnung. Aber was passiert da genau und ist das Schärfen mit einem Chosera 1K das Gleiche wie mit einer Diamnatplatte bspw. DMT1200? Das wird im folgenden besprochen.

Quelle:
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Hier wird je ein RM mit einem Chosera 1K und eine DMT 1200 geschärft und unter dem Elektronenmiskroskop betrachtet. Man beachte, daß hier beim Schärfen die Bewegung "gegen die Schneidkante führen" (edge-leading) ausgeführt wird, so wie es die meisten wohl kennen. Die Auswirkungen beim Schärfen, wenn man in die andere Richtung "zieht" (edge-trailing, wie beim Ledern) wird später noch näher untersucht.

Chosera 1k und DMT 1200 sind die erzeugten Krater am RM ca. 1 Mikron groß und ein paar hundert Nanometer tief.

1_dmt1200_p.jpg
5k Vergrösserung, Seitenansicht, DMT 1200

2_cho_1k_p.jpg
5k Vergrösserung, Seitenansicht, Chosera 1K

Der Chosera 1k erzeugt eine Schneidkante im Bereich von 0.5 μm, während die DMT 1200 eine schärfere/dünnere Schneidkante von ca. 0.1μm erzeugt. Bei beiden Schärfungen gibt es deutliche Abweichungen entlang der Schneidkante.


3_cho1k_10k.jpg
Chosera 1k


4_dmt1200_e.jpg
DMT 1200

Die Biegung der Kratzer nahe am Scheitelpunkt weisen auf eine bessere Schärfe / Dünne bei Schärfung mit dem DMT1200 hin. Durch eine höhere Konvexität.


5_cho_1k_x.jpg
Chosera 1k



6_dmt1200_x.jpg
DMT 1200

Beide Bilder zeigen, daß in beiden Fällen die Schneidkante convex verläuft. Dies kann man messen. Mit diesen Daten und kombiniert mit den Messungen der Schneidkantenbreite an der Spitze ermöglicht quamtifizierbare Vergleiche von Schneidkanten, die mit unterschiedlichen Steinen, Bändern oder sonstigen Schärfemitteln erzeugt werden.


Wenn es keine Konvexität geben würde, sollte der Winkel in der Schnittkante genau 16 Grad betragen. Dieser Winkel wiederum wird bestimmt durch die Dicke des Rückens und die Breite des RM. Hier 4,35mm und 15,5mm.


7_bevel_angle_x_measured.jpg
In der 3k Vergrösserung sieht man den Facettenwinkel von 16 Grad

Um die Konvexität zu quantifizieren, misst man den Scneidkantenwinkel zwischen 2 und 5 Mikronen enfertnt von der Schneidkantenspitze/Scheitelpunkt.


8_dmt1200_x_measured.jpg
DMT1200


9_cho_1k_x_measured.jpg
Chosera 1k

Die gemessenen Winkel sind 17,5 Grad (Chosera 1K) und 19,0 Grad (DMT1200)

Die Dicke bei 3μm vom Scheitelpunkt entfernt sind 1.4 μm (Chosera 1K) und 1.65μm (DMT1200).

Zum Vergleich: Ein exakter 16 Grad Winkel mit Null Schneidkantendicke an der Spitze (a perfect triangle) hätte eine Schneidkantendicke bei 3μm von 0.85μm.

Diese Ergebnisse beweisen, daß die dünneer Schneidkante der DMT1200 nur durch die grössere Konvexität and der Spitze der Schneidkante zustande kommt.

Nach den beiden unterscheidlichen Schärfebegriffen im ersten Posting ist also das mit DMT1200 geschärfte RM an der Spitze der Schneidkante dünner/schärfer, jedoch bei 3 Mikronen (0,003mm) weiter weg dicker als die Schneidkante am gleichen Punkt mit dem Chosera 1k geschärften Messer.

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.

Oft wird gesagt, daß 90% der Schärfung eines RM auf dem 1K Level gemacht wird. Der Autor dieser Untersuchung ist der Meinung, daß dies noch untertrieben sei.

Durch diese Art von Messungen kann man sogar RM miteinander vergleichen, die mit unterschiedlichen Steinen & Methoden gefinished wurden.

Egal ob Coticule, JNat, Escher, Lapping Film, Charnley Forrest, Zulu Grey, Shapton 16k, Gokumyo 20k oder Apache Strata.
 

dirk

Gründer FdR
Admin
Fortsetzung;

Die unterschiedlichen Schärfesteine - ab wann nicht mehr sinnvoll?

Jetzt geht es weiter. Nachdem die Facette auf dem Chosera 1K und DMT1200 gesetzt wurde, wurden die Rasiermesser weiter mit anderen Steinen und immer höherer Körnung geschärft. Shapton Glass Stones 2K, 4K, 8K und 16K. Bei jeder neuen Stufe wurden Bilder gemacht.

Quelle:
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Es sind zu viele Bilder. Deswegen hier nur eine Zusamenfassung der Untersuchungsergebnisse:

1. Die groberen Steine mit den grösseren Körngrössen machen nicht die grösseren Kratzer

2. Die Kratzer bei den Kunst- und Natursteinen sind kleiner als die Korngrösse selber (ca. 1/10). Bei DMT Platten jedoch umgekehrt, da die Diamanten dort nicht so dicht verteilt sind (!).

3. Die Facette wird nur bei den Steinen bis einschl. 4K noch beeinflusst (unten bis zur gestrichelten Linie)

Alles über 4K hat keinen Einfluss mehr auf die Facette, es sei denn man würde extremen Druck beim Schärfen ausüben und gleichzeitig sehr lange damit schärfen.

Aber: Je höher die Schärfesteinzahl, desto dünner wird auch jenseits von 4K die Schneidkantenspitze.

Werte an der Schneidkantenspitze vs. 3 Mikronen (0,003mm) von der Spitze entfernt

Stein = Wert Spitze // Wert 0,003mm von Spitze weg (Facette)

Schaerfen_einfluss_facette_science_of_sharp.jpg



Schlussfolgerung:

Die Konvexität nahe des Scheitelpunktes wird spätestens auf dem 4K Level eliminiert. Die gemessene Geometrie bleibt ab da unberührt (rot), egal wie hoch man mit der Körnung geht (!).

Nur die Spitze der Schneidkante selber wird dann noch poliert und die Dicke verringert auf bis zu 0,1 Mikronen (grün).
 

dirk

Gründer FdR
Admin
Es kommt noch mehr. Es ist keine leichte Kost, aber man versteht danach besser die möglichen Ursachen, wenn es nach dem Schärfen nicht so ist, wie man es gerne hätte.

Es wird auch noch ein paar Überraschungen diesbzgl geben...
 

Alvaro

Writes More Here Than At Work
Ich bin zwar noch nicht wirklich zu lesen gekommen, finde den Strang aber ABSOLUT SPITZE daumenh!
(Ich hoffe ich finde morgen die Zeit dazu)
 

dirk

Gründer FdR
Admin
Ich denke es hangt auch davon ab, wie wir mit den Beobachtungen aus diesen Untersuchungen umgehen und unsere eigenen Schlußfolgerungen für unsere Einsatzzwecke daraus ziehen.

Ich habe ja noch nicht alles von dieser Webseite hier vorgestellt. Das kommt noch nach und nach. Ist ziemlich viel Arbeit.

Aber wenn man sich bspw. einen Teilbereich rauspickt und den für die Praxis interpretiert, kann es bei Problemen weiterhelfen.

Praxisbeispiel HHT

Mal klappt er, mal klappt er nicht. Trotzdem gute Rasuren möglich. Keiner weiß genau warum.

Jetzt kann man die oben zitierten Beobachtungen nehmen und versuchen die Ursachen dafür zu finden und eigene Schlußfolgerungen daraus ziehen.

Laut den Beobachtungen bzgl. HHT. brauchen wir an 2 unterschiedlichen Stellen des RM eine bestimmte Schärfe/Dünne.

Die äußerste Scheidkante, die "Spitze" (keen, nennen wir es einfach mal Punkt A), die für das " Ergreifen" des Haares am dicken Mantelhaar zuständig ist und von dort in Richtung Rücken 0,003mm weiter davon weg die Schärfe/Dünne der Facette an diesem anderen Punkt (sharp, Punkt B), um das Haar komplett durchtrennen zu können.

Rasiermesser_Aufbau_punktAB.png

Vereinfachte Markierung der oben beschriebenen Punkte A und B. Natürlich sind sie viel näher zusammen, bei nur 0,003mm Entfernung zueinander ;)


Ergreift Dein RM das Haar also erst gar nicht, ist das RM nicht dünn/Scharf genug an Punkt A.

Hakt sich das RM in das Haar ein, durchtrennt es aber nicht oder knickt es maximal nur, ist es am Punkt B zu dick/ zu unscharf.

Hier ein vereinfachte Darstellung der Punkte A und B, wenn das Rasiermesser im Querschnitt auf dem Rücken liegend gezeigt wird, so wie es auch bei den Mikroskopbildern weiter oben dargestellt wird:

Schneidkante_und_facette.png

Jetzt wissen wir durch die anderen Beobachtungen auch, dass die Facette (Punkt B) nur mit den ersten Steinen gesetzt wird. Am meisten mit dem 1K Stein und maximal hoch bis zum 4K. (Messwerte waren 1,4/1,2/1,05 für 1k, 2k, 4k). Siehe oben mein Beitrag #3 mit grün und rot als Hinweis ab wann/bis wohin sich an welcher Stelle A oder B etwas ändert.

Wenn wir in dem beschriebenen gescheiterten HHT dann nachschärfen wollen, wird es nur etwas bringen, wenn wir es mit Steinen mit einer Körnung von 4K oder weniger machen, denn nur die haben einen spürbaren Einfluss auf die Facette und die ist wichtig fur den Punkt B, der ja offensichtlich noch zu dick ist.

Wenn der HHT also mal nicht klappen sollte, ist es Zeitverschwendung das RM nochmal auf Steinen größer/feiner als 4 K zu schärfen. Das wird nichts am Ergebnis für den HHT ändern.

So würde ich das aus den bisherigen Beobachtungen der Mikroskopaufnahmen interpretieten.

Das müssten wir jetzt durch Praxistests bestätigen oder wiederlegen :)


Praxisbeispiel Schnittwunden Hobel vs. RM

Eine andere für mich wichtige Schlussfolgerung bei dem Vgl. verschiedener Klingen bezieht sich auf die Cuts beim Rasieren.

Ich war bei meinen RM immer verwundert, warum die Cuts sofort aufhörten zu bluten, bei meinen Hobeln aber nicht.

Aufgrund der oben zitierten Untersuchungen liegt die Schlussfolgerung nahe, daß die Ursache dafür in der Dünne der Rasiermesserklinge an Punkt B (nach ca. 0.003mm von der Schneidkante enfernt) liegt.

Die Rasierklinge ist ja am Anfang an der Spitze dünner, wird dann in Richtung Rücken aber am Punkt B dicker (1,4) während das RM aufgrund des Winkels am Punkt B nur 1,05 dick ist.

Wenn man also ohne Druck rasiert und sich schneidet, wird der Hobel immer mit einem "breiteren Keil" in das Fleisch einschneiden als das Rasiermesser. Dadurch blutet meines Erachtens die Wunde mehr/länger, denn es verschliesst sich bei grösseren Wunden ja schlechter/langsamer.

So zumindest meine Schlussfolgerung als Laie...
 
Zuletzt bearbeitet:

dirk

Gründer FdR
Admin
Fortsetzung.

(Anmerkung: Ich versuche es jetzt immer etwas kürzer zu halten und werde auch die Formulierungen etwas freizügiger übersetzen, damit es leichter lesbar ist, ohne jedoch die Erkenntnisse dadurch zu verfälschen. Die früheren Übersetzungen oben werde ich später auch noch einmal in den Formulierungen vereinfachen, soweit ich die Zeit über die nächsten Wochen dazu habe).


Die Steigerung bei Diamantplatten

Quelle:
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In den bisherigen Untersuchungen wurde bewiesen, daß ein Rasiermesser immer schärfer an den beiden gemessenen Punkten A (= Spitze/Schneidkante) und Punkt B (= 0,003mm von Spitze entfernt/Facette) wurde, je feiner die Körnung des Schärfesteins wurde/ je höher die K-Zahl auf dem synthetischen Stein wurde.

Bei Diamantplatten ist das nicht zwingend der Fall. verallgemeinernd kann man sagen, daß bei Diamantplatten ab einer bestimmten Korngröße unerwünschte Auswirkungen auf das Rasiermesser haben.

(Anmerkung: Die Betonung liegt hier auf Diamantplatten. Derzeit gehe ich nicht davon aus, daß die im folgenden beschriebenen negative Effekt auch auf Diamantspray oder Diamantemulsionen zutreffen)

Es wurden Tests durchgeführt mit Diamantplatten (DMT) der Körnung 325, 600, 1200 und 8000.

Wenn man sich die Bilder bei 5000x Vergrösserung ansieht, sieht man, daß das Rasiermesser an der betroffenen Stelle umso rauher wird, je feiner die Körnung der Diamantplatte wird. Das ist also ein vollkommen anderes Ergebnis als bei den normalen synthetischen Schleifsteinen.

dmt325_p_05.jpg
Geschärft mit DMT 325, 5k fache Vergrösserung



dmt600_p_04.jpg

Geschärft mit DMT 600, 5k fache Vergrösserung, Die Kratzer sind schmaler, aber tiefer als beim DMT 325-



dmt_1200_45_02.jpg

Geschärft mit DMT 1200, 5k fache Vergrösserung. Kratzer sind breiter und tiefer als bei den vorherigen DMTs mit niedrigerer Körnung.


dmteef_p_04.jpg


Geschärft mit DMT 8000, 5k fache Vergrösserung. Kratzer sind schmaler, aber tiefer als beim DMT 1200.

Bilder der Schneidkante von oben zeigen, daß die Kante "unlogischerweise" unschärfer wird, je feiner die Körnung des DMT wird.

dmt325_01.jpg

10k-fache Vergrößerung der Schneidkante, nachdem mit dem DMT325 geschärft wurde.

dmt600_x_04.jpg

10k-fache Vergrößerung der Schneidkante, nachdem mit dem DMT600 geschärft wurde.


dmt1200_e.jpg

5k-fache Vergrößerung der Schneidkante, nachdem mit dem DMT1200 geschärft wurde. Die Vergrößerung wurde hier von 10k auf 5k ggü dem 325 und 600er Bild reduziert, um besser die Unförmigkeit der Kante sehen zu können.


dmteef_x_02.jpg

5k-fache Vergrößerung der Schneidkante, nachdem mit dem DMT8000 geschärft wurde. Die Vergrößerung wurde hier von 10k auf 5k ggü dem 325 und 600er Bild reduziert, um besser die Unförmigkeit der Kante sehen zu können.

Weitere Bilder erspare ich uns jetzt :)


Diese Resultate sind auf den ersten Blick unlogisch und überraschend. Der Autor begründet diese Ergebnisse damit, daß die Herstellung der Diamantplatten dafür verantwortlich sind.

Diamantplatten höherer Körnungen haben nicht nur kleinere Korngrößen, sie sind auch aufgrund der Kosten nicht so dicht beisammen aufgetragen. Es gibt also größere Abstände von Korn zu Korn.

Wenn man immer vom gleichen Anpressdruck ausgeht bedeutet dies, daß das gleiche Gewicht über einen kleinere Fläche des Korns in den Stahl gepresst wird als bei Platten mit größeren Diamant-Korngrößen und dichterer "Belegung".

Dadurch entstehen tiefere Kratzer.

Aber es geht noch weiter :pc2

Wenn man sich die Schneidkante jetzt im Querschnitt nach der jeeeiligen Schärfebehandlung ansieht, kommen noch überraschendere Ergebnisse heraus:

dmt325_x_08.jpg

10k -fache Vergrößerung nach Schärfung mit dem DMT325. Die Breite der Spitze im Querschnitt ist weniger als 100nm.

dmt600_2_04.jpg

10k -fache Vergrößerung nach Schärfung mit dem DMT600. Die Breite der Spitze im Querschnitt ca. 100nm. Der Winkle in der Spitze ist hier jetzt 14 Grad. Der Winkel der Facette jedoch 16,5 Grad. Das ist per Definition eine "foil-edge" (Folienrand? ich suche noch nach einer besseren Übersetzung).

dmt1200_x_measured.jpg

10k -fache Vergrößerung nach Schärfung mit dem DMT1200. Die Breite der Spitze im Querschnitt ist unter 100nm aufgrzund der Konvexität auf dem letzten Micron an der Spitze.

Der Winkel der Facette (3 Mikronen von der Spitze entfernt) ist 19 Grad und wird deutlich größer zur Spitze hin.


dmt_eef_04.jpg

10k -fache Vergrößerung nach Schärfung mit dem DMT8000. Die Breite der Spitze im Querschnitt kannman nicht mehr betsimmen, weil die Spitze viel zu unförmig/uneinheitlich geworden ist.

Man sollte diese Ergebnisse nicht sofort verallgemeinern und auf alles blind übertragen. Aber man kann manche Schlussfolgerungen daraus ziehen.

Es ist erstaunlich zu sehen, daß die Spitze konvex werden kann, obwohl mit Diamantplatten geschärft wurde, die gar keinen Schärfschlamm (slurry) entwicklen können.

Noch erstraunlicher ist, daß die Stärke der Konvexität (also wie rund die Spitze werden kann) sich nicht mit der Körnung der Diamantplatten ändert.

Der Autor hat hier eine Theorie als Begründung mit Skizzen dazu, auf die ich aber aus Zeitgründen jetzt nicht eingehen werde.

Wichtig ist zu wissen, daß der Autor festgestellt hat, daß eine echte Rasur mit demjenigen Rasiermesser, daß nur mit dem DMT325 geschärft wurde sehr gut war. Sie war sehr sanft und sehr scharf. Man könne sich also fast das Weiterschärfen auf den anderen DMts sparen.

Zitat:

"...The 325 DMT finished edge (shown below) has the characteristics of an ideal straight razor shaving edge. Three different straight razors were honed on this DMT plate and confirmed to provide an excellent straight razor shave, as would be expected from the highly refined apex profile. A remarkable result, but unlikely to start a trend among straight razor users to finish their honing with a DMT 325 plate….."


dmt325_06.jpg

30k-fache Vergrößerung (!). Querschnitt der Spitze von oben nach Schärfen nur mit dem DMT325.

Zum Vergleich ein RM, das mit einer Atoma 400 Diamantplatte geschärft wurde. Diese Platte wurde nur zum Begradigen von Schärfsteinen benutzt. Dadurch entstand eine rauhere, weniger polierte Fläche.

atoma400_e_01.jpg
Querschnitt Spitze von oben. 10k-fache Vergrößerung nach Schärfung mit Atoma 400


atoma400_p_02.jpg

Seitennansicht Spitze. 5k-fache Vergrößerung nach Schärfung mit Atoma 400
 

dirk

Gründer FdR
Admin
Fortsetzung.

Wie groß sollen/dürfen die Abstände zwischen den einzelnen Korngrößen bei Schärfesteinen sein?

Quelle:
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Hier erspare ich Euch moentan erst einmal die ganzen Bilder.

Die Erkenntnis ist uns nicht neu: Man kann ein RM mit einem groben Schärfestein bspw. ein 320er schärfen und danach direkt auf eine 16K Finisher gehen. Solange man lange genug mit dem 16K Finisher schärft, wird man das gleiche Ergebnis erzielen wir wenn man Zwischenschritte mit anderen Körnungen einbaut. Es ist nur eine Frage des Zeitaufwandes, was schneller zum gewünschen Ziel führt.
 
Zuletzt bearbeitet:

Wassermeister

FdR-Pate
Man verzeihe mir falls das schon geklärt wurde, aber nun wissen wir was die Schärfe ausmacht. Aber was genau verursacht eine sanfte Rasur? Meine selbst geschärften Messer sind allesamt sehr scharf, aber teilweise weit weg von sanft rasierensmilie. Liegts am Messer? Habe mit meinen Naniwas das "billige" Dovo eines Freundes geschärft unf das war die sanfteste Rasur von allen.
Danke schon mal.
 

Hellas

Klingenflüsterer
Moderator
Gold FdR-Pate

Ich interpretiere mal etwas um: "Was verursacht eine sanfte Schneide?" (denn die sanfte Rasur setzt eine solche voraus, aber die sanfte Schneide allein wird keine sanfte Rasur bescheren, wenn man sein Messer (noch) nicht beherrscht)

Die Antwort ist für mich sehr einfach: Ein Finish auf einem guten/feinen Naturstein, vorzugsweise auf einem Thüringer oder einem Gelben belgischen Brocken.

Naniwa kommt mit dem neuen 12k (Gouken oder "New Supersone") zwar schon sehr nah an eine Natursteinschärfe heran, aber noch nicht ganz. Alles unter dem 12k Naniwa ist mir in der Schärfe zu aggressiv (also keine "Sanfte Schneide"). Alternativ mag es zur Not auch ein Pastenriemen tun, aber diese "Not" habe ich nicht und habe auch nie gelernt mit Pastenriemen zu hantieren. :weihnachtsmann_grins
 

Alvaro

Writes More Here Than At Work
Diese Frage wird dir niemand mit 100% Sicherheit beantworten können.
Die einen sprechen von "überschärft", oder eben nicht genug geschärft (schließe ich jetzt mal aus).
Die anderen denken es liegt eher am Messer oder dem Stahl.
Wiederum andere sprechen quasi von "besänftigen" des Messers mit wenigen Zügen auf dem richtigen Naturstein.
Dann gibt es noch die Pastennutzer die eben Pastenriemen zum sanft machen benutzen, diese liegen wiederum mit der "Steinfraktion" im Clinch.

Ich habe hier einen Finisher Test gemacht.


Dort sind auch Bilder zu sehen.
Aber nicht die "schönste" Facette hat das Rennen bei dem Test gemacht.

Deshalb sieht meine Theorie wie folgt aus:
Eine Facette darf nicht "ideal" sein, aber auch nicht zu rau.
Ist die Facette zu stark poliert wird das Messer oft als aggressiv empfunden.
Ist die Facette zu rau wird sie als stumpf oder zu reizend empfunden.
Ich denke also ich benötige genau dieses Mittel die eine Rasur scharf aber auch sanft wirken lässt.

Ich vergleiche es einmal mit einem Tomatenmesser (ich weiß ein seltsamer Vergleich)
Ein Tomatenmesser ist nicht glatt wie ein "normales" Küchenmesser, aber auch nicht so grob wie ein Brotmesser, es hat eine feine Verzahnung.
Diese feine Verzahnung ermöglicht das schneiden der Tomatenhaut ohne die Tomate zu "zerfetzen" wie ein grobes Brotmesser, aber auch nicht zu quetschen wie es bei (doch eher stumpfen) normalen Küchenmesser der Fall wäre.
 

Wassermeister

FdR-Pate
Vielen Dank fürs erklären. Ich finishe mit einem 10k Naniwa. Aber habe je nach Messer eben andere Ergebnisse. Aber, ein 12k Naniwa poliert die Schneide doch nur noch mehr, ergibt aber ein sanftere Rasur? Vll sollte ich doch mal mit meinem Pastenriemen experimentieren. Oder lieber doch Geld investieren einen 12k:cowboy1?
 

Wassermeister

FdR-Pate
Euer Wort in Gottes Ohr daumenh! Macht preislich glaub eh keinen großen Unterschied. Die Frage welcher Stein wurde ja geklärt. Endlich mal Antworten die brauchbar sind goodjob!:proud
 

Alvaro

Writes More Here Than At Work
Der Unterschied zwischen NSS 10 k und dem neuen Gourken 12k ist für mich nicht so groß, dass es sich lohnen würde.
Eher, wie beschrieben, einen guten Naturstein oder einen Pastenriemen.
Das ist dann Geschmacksache.
 
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