Hallo zusammen, nach ein paar Runden mit dem
Freyja möchte ich hier auch noch meine Meinung kundtun.
TL;DR: Toller Hobel der wirklich gut rasiert, aber dennoch einige Minuspunkte hat und deswegen nicht einziehen wird.
Den Hobel hat mir ein geschätzter und überaus großzügiger Mitforist zum testen ausgeliehen. Tausend Dank
Meine RdT-Posts mit dem Freyja sind
hier,
hier,
hier,
da und
dort. (In diesen habe ich mich aber mit Feedback zum Hobel etwas zurückgehalten)
Zu Beginn gleich mal ein Rasurbild:
Geliehen wurde mir der Freyja mit der Standard- (••) und der Efficient- (•••) Grundplatte.
Das bei mir Hobel, die eine stramme Klingenspannung haben, ganz gut funktionieren, wusste ich schon länger (bspw. Karve Christopher Bradley). Ich habe die Entwicklung des Freyja mit Spannung verfolgt (hier auch nochmal der
ganze Thread bei ATG).
Das Finish des Hobels ist wirklich makellos, man sieht zwar ein paar Bearbeitungsspuren, diese geben ihm aber sogar noch ein bisschen mehr Charme, als ein komplett totpolierter Kopf zum Beispiel.
Benutzt habe ich den Hobel ausschließlich mit „meiner“ Klinge für große Gaps, der Personna GEM DE.
Mein Resümee aus meinen 4 Rasuren mit der
Standard-Platte:
Sehr wenig, aber vorhandenes Bladefeel, den Klingenspalt von 1,50 (?) mm bemerkt man eigentlich überhaupt nicht. Einmal habe ich mich etwas eingehangen, das wäre wohl mit einem kleineren Spalt nicht passiert. Er räumt gnadenlos ab, ist dabei aber wirklich unfassbar sanft zur Haut.
Bei der Rasur mit der
Efficient-Platte:
Hier etwas mehr Bladefeel, aber selbst für mich immer noch im absolut erträglichen Bereich. Mit der Efficient ist er aber so effizient, dass ich mich a) nach 2 Tagen noch fast nicht rasieren brauche und b) das glaube ich auf Dauer auf die Haut geht.
Es war schon verrückt - jedes Mal hatte ich während bzw. nach der Rasur das Gefühl, dass der Geselle meine Haut stresst, diese hat das aber null gezeigt. Weder Feedback vom Aftershave, noch gerötete Stellen, nix.
Summa summarum waren das 5 schöne, sehr gründliche und v. a. mit der Efficient-Platte nachhaltige Rasuren, deren Ergebnis mich durchaus zufrieden hat sein lassen. Die Haut war null beansprucht (vgl. mit SE AC Rasur) und superduperglatt.
Für mich hat der Hobel aber auch einige
Minuspunkte:
1. Der Preis!
Ja, der Hobel ist schick und toll gefertigt, es steckt Hirnschmalz drin, er rasiert gut. Aber einen 304 Edelstahlhobel für 300 Euro - selbst wenn der in der EU gefertigt ist - kaufe ich nicht. Ich bin gespannt, ob es Nord in Zukunft schafft, den Hobel günstiger anzubieten, indem man sich nochmal überlegt, wie man ihn kostengünstiger herstellen kann. Der innenliegende „Zahnkamm“ wird ewig brauchen auf der Fräse und ist meiner Meinung nach in dem Umfang gar nicht nötig.
2. Die Balance
Der Hobel ist für einen Edelstahlhobel nicht allzu schwer mit seinen etwa 90 Gramm, jedoch sind diese wie ich finde sehr unvorteilhaft verteilt. Ich fand ihn sehr kopflastig, was ich als unangenehm empfinde. Es wurde zwar mit der Zeit besser, jedoch hat mich das durchgehend gestört.
3. Der Griff
Der Griff ist schön, aber für mich leider nicht funktional genug. Durch die Kopflast hatte ich oft das Gefühl, er könnte mir gleich auskommen, v. a. wenn ich ihn am ungeriffelten/ungerillten Bereich genommen habe bzw. nehmen musste. Ich müsste wohl einen anderen Griff verwenden, da mich dieser auf Dauer nerven würde.
4. Der nach oben ausladende Kopf
Das ist fast das K.O.-Kriterium für den Freyja. Durch die Geometrie des Kopfes ist sehr viel Material zwischen Oberkante und Klinge, ich versuche das mal auf dem Screenshot hier darzustellen:
Dieser Umstand macht es mir fast unmöglich, die Barthaare die quasi schon an der Nase herauswachsen, zu erwischen. Ein ähnliches Problem hatte ich auch mit dem La Faulx, dort gelang es mir aber dann irgendwann schon. Super nervig und echt ärgerlich, wenn der Rest sauber rasiert ist und da komme ich ums Verrecken nicht ran.
Vielleicht rede ich mir den Hobel auch madig, aber ein wirklicher Haben-Wollen-Reflex kam nicht auf.
Mein Bericht soll auch niemand davon abhalten, sich den Hobel zu beschaffen - man merkt, dass er mit Liebe zum Detail entwickelt wurde.
Vielen Dank nochmal an den Leihgeber!