Der gestern bei mir angekommene Freya von Nord Razors, Platte Standard, den ich hier im Mitgliederhandel erworben hatte, wollte natürlich sofort getestet werden.
Ich hatte diesen wieder mit der in letzter Zeit ständig verwendeten Tiger Platinum Klinge bestückt, zur besseren Vergleichbarkeit mit den die letzten Wochen benutzten Rasierhobeln.
Ich hatte beim Freya spontan den Eindruck, dass hier ein Enthusiast der klassischen Nassrasur die (aus seiner Sicht) Vorzüge verschiedener Rasierhobelkonstruktionen zusammen in einem Design vereinen wollte, also das beste aus verschiedenen Philosophien sozusagen. Das Kopfdesign ist sehr gewichtsreduziert und filigran konzipiert. Hier ist innerhalb des Kopfes irgendwie alles rausgefräst, was nicht notwendig ist. Hieraus resultiert vielleicht auch die Zahnung der Klingenklemmfläche. Ein wenig Tatara und ein wenig Blutt ist in dieser Filigranität zu finden.
Sehr auffällig fand ich auch, dass der Winkelbereich in dem der Freya effizient rasiert eher klein ist. In diesem engen Bereich rasiert er jedoch sehr effizient. Dieser Effizienzbereich ist deutlich zu hören und zu spüren, wobei in diesem Bereich das Klingengefühl nicht stark ausgeprägt ist. Mit diesem engen Rasierbereich erinnert er mich etwas an den Feather AS-D2. Verglichen mit dem Oliworks Meteoriten (ist hier eher das Gegenteil) könnte man sagen: Beim Meteoriten (bzw. generisch Gibbs) verläuft die Kurve der möglichen Klingenwinkel in einer eher flachen Parabel. Beim Freya ist diese mehr steil und an der Spitze abgeflacht.
Im Kopfdesign stecken auch deutliche Anleihen an die Festwinkelrasierer. Hier hat er mich spontan etwas an den RazoRock Daily erinnert. Beim Daily (wie auch beim Henson) ist jedoch die Klinge stärker gebogen. Die Linie entlang Schaumkante und Kappe verläuft beim Daily in einer länger ausgezogenen Geraden. Die Auflagefläche ist beim Daily größer. Beim Freya ist dieses Merkmal deutlich zu finden, jedoch nicht so stark ausgeprägt. Die Kappe ist dann auch oben mehr abgerundet. Die Klingenklemmung ist, wie beim Daily, beim Freya sehr stark ausgebildet und fast bis zur Klingenschneide gezogen.
Beim Rasieren bin ich sofort auf kürzere Polierzüge gegangen. Der Freya fühlt sich sehr mild an. Unter der Nase, wie auch in den Mundwinkeln war dann jedoch eine sehr leichte Gereiztheit spürbar. Also doch etwas direkter als er sich anfühlt. Ich würde sagen, das mit den kürzeren Zügen passt, jedoch ist nur wenig Polieren nötig (wenn man den richtigen Winkel hat).
Beim Griff hatte ich zuerst den Eindruck, dass genau an der Stelle, an der ich ihn halte (im Bereich dieser polierten Kule) leider keine Rändelung vorhanden ist. Im Verlauf der Rasur lagen dann aber Daumen und Mittelfinger zupackend in der Kuhle, der Zeigefinder lag auf der oberen Verdickung auf und der Ringfinger lag an der kurzen Verdickung am Griffende an. Hat also recht gut gepasst, und war auch nicht rutschig.
Ist das jetzt der heilige Gral? Natürlich nicht. Gibt es nicht. Aber eine weitere, etwas eigenwillige, Rasurhobelpersönlichkeit in meiner Rotation. Er braucht, wie so mancher andere Hobel auch, eine auf ihn abgestimmte Rasurtechnik. Ich denke, der Freya ist potentiell leistungsfähiger als ein Hobel aus der Game Changer Klasse (nur ein Vergleich zur Verdeutlichung), jedoch schwieriger zu handhaben. Die Game Changer Hobel sind einfacher und unkomplizierter im Handling und können eine größere Nutzergruppe ansprechen, wie z.B. auch der 6S. Der Freya scheint mir hier potentiell leistungsfähiger, braucht jedoch ein deutlich präziseres Ansteuern des idealen Winkelbereichs. Zeitpunkt Heute würde ich sagen, dass der Freya mit der Standardplatte für mich im passenden Direktheitsbereich liegt. Bei der Efficient Platte wäre vermutlich der Winkelbereich größer, aber auch das Reizpotential.
Alles in allem ein sehr guter Rasierhobel, wie einige andere auch die ich habe. Es bleibt spannend. Mal sehen wie sich das weiter entwickelt mit dem Freya.