So, dann will ich mich auch mal zum Atelier von Aylsworth äußern.
Ich hatte ja das Vergnügen, den Hobel im Rahmen des Passarounds von
@Maaa kennenzulernen, deshalb auch hier nochmal herzlichen Dank an
@Maaa für die Organisation und das Vertrauen in uns. Ist ja keine Selbstverständlichkeit, einen neuen Hobel direkt auf die Reise zu schicken, um auch andere daran teilhaben zu lassen.
Zwischenzeitlich habe ich vier Gesichts und eine Kopfrasur hinter mir, die mir für eine Beurteilung reichen. Der Hobel ist auch schon wieder unterwegs und kann bald vom Nächsten auf der Liste getestet werden.
Nach den ersten Berichten war ich etwas voreingenommen und bin sehr vorsichtig in die erste Rasur gestartet. Tatsächlich kam er mir etwas direkt vor, aber als sehr aggressiv empfand ich ihn erstmal nicht.
Ungewohnt war zunächst vor allem der Winkel.
Im Gegensatz zu meiner gewohnten Griffhaltung, musste ich den Griff im ersten Durchgang (von oben nach unten) sehr nah ans Gesicht halten, um, von der Schaumkante ausgehend, den richtigen Winkel zu finden. Schnell ertappte ich mich, mehr auf der Kappe, als auf der Schaumkante unterwegs zu sein, wenn ich den Griff gewohnheitsmäßig etwas anhob.
Im Durchgang von unten nach oben musste ich dagegen immer wieder bewusst den Griff näher ans Gesicht bringen, da ich bei diesem Durchgang den Griff normalerweise etwas weiter vom Gesicht weghalte und hierdurch der Atelier schnell den Kontakt der Klinge zur Haut verlor. Man gewöhnt sich aber schnell an den ungewohnten Winkel, so dass ich bei den folgenden Rasuren weniger darauf achten musste.
Beim Durchgang quer, insbesondere am Hals und unter der Nase, bekam ich das zu spüren, was auch schon in den Beiträgen vor mir bemängelt wurde: Die spitzen Ecken der Grundplatte piken regelrecht, wenn sie irgendwo hängenbleiben. Ich habe tatsächlich nach der ersten Rasur geprüft, ob die Klinge irgendwo an der Seite herausschaut, was aber nicht so war. Hier würde ich auf jeden Fall nacharbeiten und die Ecken entschärfen.
Bei der Nacharbeit an meinen störrischen und/oder empfindlichen Stellen, hatte ich zunächst das Gefühl, die Klinge reizt die Haut mehr, als es meine anderen SE-Hobel tun.
Nach der ersten Rasur war ich überzeugt, der Hobel ist nichts für jeden Tag. Das Ergebnis war aber gründlich und glatt und das AS hat zum Glück nicht übermäßig angeschlagen. Lag wohl in erster Linie an der frischen Schick
Am nächsten Tag war ich wieder zur Rasur bereit, und so habe ich mich nun 4 Tage am Stück mit dem Atelier rasiert. Das Handling wurde immer besser/gewohnter und eine besondere Vorsicht habe ich auch nicht mehr walten lassen. Die Rasuren empfand ich auch von Mal zu Mal sanfter.
Die Rasuren waren alle gut bis sehr gut, eine Bissigkeit konnte ich glücklicherweise nicht feststellen. Unter der Nase kommt man gut an der Haaransatz und auch bei meiner Königsdisziplin, Oberlippe gegen den Strich, kam ich gut zurecht.
Die Nachhaltigkeit bei den Rasuren war bei mir jetzt nicht außergewöhnlich hoch, da sind der Vector und auch der Amakuni gleichwertig bzw. nachhaltiger. Die beiden Rasierer sind mir aber auch schon in Fleisch und Blut übergegangen

) so dass es wahrscheinlich nur etwas mehr Übung mit dem Atelier braucht, um hier mitzuhalten. Tendenziell kann er es.
Die eine Kopfrasur war sehr gut, da ich hier tendenziell den Griff näher zum Kopf halte und ich so den effektiven Winkel sofort getroffen habe. Sehr angenehm und gründlich.
Rasiert habe ich mich bei allen Rasuren mit der Schick Proline, wobei ich beim ersten Einlegen die Befürchtung hatte, die Klinge rutscht mit der einen Aussparung über den den dünnen Klingenhalter(nubsi) und könnte schief sitzen (siehe Bild). Das war aber nicht der Fall, die Klinge saß absolut parallel zum Deckel und Schaumkante (bei den anderen Klingen stellt sich diese Frage sowieso nicht).
Was hat mir am Atelier gefallen:
- Die Verarbeitung ist sehr gut
- Das geringe Gewicht unterstreicht die Zierlichkeit und kommt mir sehr entgegen (muss wohl mal über Titan Vector und Amakuni nachdenken...)
- Sehr gute Wendigkeit trotz etwas größerem Kopf (im Vergleich zu Vector und Amakuni)
- Für mich für die tägliche Rasur geeignet
- Der Griff rollt nicht weg

Was hat mir nicht gefallen:
- Die scharfen/spitzen Ecken der Grundplatte, die auf jeden Fall entschärft gehören
Würde/werde ich mir den Aylsworth kaufen? Mit meiner Ausstattung eher nicht, hier bin ich zu sehr zufrieden. Wäre das nicht der Fall, ja/vielleicht, aber dann müsste ich vorher noch weitere Hobel testen (z. B. Alpha Spirit, La Faulx, Horizon), um eine Entscheidung zu treffen. Insgesamt fand ich den Aylsworth Atelier aber sehr gut und mit zunehmender "Gewöhnung" immer besser.