Forum der Rasur

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Heute habe ich ein Messer geschärft...

Mit denen Du angefangen hattest. Dem hatte ich mir erlaubt, meine Mutmaßungen ohne Belege entgegenzuhalten. ;)
DIe Schneide ist dünner und dort wird im Verhältnis mehr Material abgetragen als am Rücken. Wenn du mit Tape schärfst ist dieser Effekt sogar noch stärker ausgeprägt. Nochmals stärker zeigt sich dieser Effekt, wenn das mit gröberen Körnungen passiert. Soll doch jeder schärfen wie er / sie mag.
 
Nur zum Verständnis: Auch je 1x mit 1 und 1x mit 2 Lagen Tape?
Ja, ich hab ja auch die Facette so gesetzt. Sonst macht das ja auch keinen Sinn, wenn ich die Spitze nicht treffe. Ich oute mich mal und sage, dass ich zu der Fraktion gehöre, die den Abrieb am Rücken nicht mag :proud . Außerdem übe ich gerne zu viel Druck auf den Rücken aus, sodass sich der schnell zurückbildet (zumindest früher, als ich noch beidhändig geschärft habe).
 
Es gibt Neues aus dem Natursteingarten …


…das japanische Dreigestirn

550x413.png
Keine Sorge, der Titel ist nur aus aktuellem Anlaß gewählt, bedeutet aber nicht, dass ich ein bisschen jeck bin, naja, vielleicht ein kleines bisserl …
Gemeint sind natürlich meine drei neuen NAGURA, welche ich mit und durch tatkräftige Unterstützung eines sehr kundigen Mitforisten direkt in Japan geordert habe und die heute zu ihrem ersten Einsatz kommen.​

Ich darf vorstellen … BOTAN [ボタン], TENJYO [天上] und KOMA [コマ]

IMG_1228 2.jpg


Die Progression

Als Basisstein für die Premiere der drei neuen NAGURA habe ich meinen NAKAYAMA ASAGI gewählt. Weiterhin kommen ein TOMO-NAGURA (auch von einem NAKAYAMA ASAGI, allerdings nicht von meinem) und ganz zu Anfang ein BAN-NAGURA zum Einsatz. Neben den drei neuen Japanern hat ebenfalls der BAN heute seine Premiere, denn ich werde mich zum ersten Mal in einer kompletten Progression mit NAGURA versuchen, inklusive dem Setzen der Facette an dem bereits genutzten BÖKER King Cutter (6/8). Mit einem BAN habe ich noch nie gearbeitet, den hier verwendeten Stein habe ich als Teilabschnitt von einem, ebenfalls direkt in Japan erworbenen, BAN-NAGURA bekommen und bin wirklich sehr gespannt, ob dieser kleine Kamerad an die „Leistung“ eines 1K herankommt. Alles in allem ist bis auf einen kleinen Teilabschnitt in der geplanten Progression alles irgendwie Neuland und ich werde das Ganze unter dem beliebten und oft zitierten Motto angehen …

… Learning by doing

Ban バン

Nachdem ich die Schneidkante des BÖKER (schweren Herzens) an der Kante des NAKAYAMA ASAGI mit 2–3 Zügen „genullt“ habe, geht es mit dem Anreiben des BAN los. Da ich absolut keine Erfahrung mit diesem NAGURA habe, wähle ich beim Slurry eine eher dünnere, sprich wässrigere Konsistenz, vergleichbar mit einer etwas verdünnten H-Milch. Als Vorgehensweise wähle ich mein bewährtes „16⇅ & 3⇅“-System*, zumindest für den ersten Durchgang. Nicht lange und der erste Durchgang ist geschafft. Mit Spannung kommt eine erste Kontrolle unter dem Mikroskop. Doch das, was ich da erblickte, versetzte mich gleichermaßen in Freude und in ein wenig Schrecken. Liebe Leute, dieser kleine BAN hat, auf entsprechende Größe projiziert, das Potenzial einer Tomek mit Schruppscheibe. Ich hätte nie gedacht, dass man mit dem doch sehr fein anmutenden Stein bzw. mit dem Abrieb desselben mit den wenigen Zügen derart ins Material einer gehärteten Stahlklinge gehen kann. Das Schliffbild erinnert mich sehr an einen 800er NANIWA oder einen 1k SHAPTON. Als Konsequenz ändere ich mein weiteres Vorgehen und wende ab jetzt nur noch Wechselschübe an. Gezählt habe ich hier (und auch bei der gesamten nachfolgenden Progression) nicht, alles ein wenig nach Gefühl und natürlich dem Ergebnis der Kontrollen. Es dauerte auch nicht wirklich lange, bis die (noch spärlich vorhandenen) Armhaare bei aufgelegtem Messerrücken fielen und ich mich zum nächsten Schritt entschlossen habe, es geht auf den…
Nach dem BAN…
Böker1_Ban1.png

BOTAN ボタン

Genau wie beim BAN habe ich auch jetzt wieder einen eher dünneren Slurry gewählt. Auch bei der Vorgehensweise beginne ich mit meinem „16⇅ & 3⇅“-System, werde aber aus den Erfahrungen beim BAN wohl öfter mal unter dem Mikro kontrollieren. Nach dem ersten Durchgang sind Änderungen am Schliffbild unter dem Mikro deutlich erkennbar und ich habe mich auch hier entschieden, nur noch mit Wechselschüben weiterzumachen. Trotz anfänglicher, klar zu erkennender Verfeinerung des Schliffbildes stagnierte es nach gut 3 Sätzen (±), also entschied ich mich, zum nächsten Stein, dem TENJYO, zu wechseln. Hier möchte ich aber auch auf meine fehlenden Erfahrungen im Umgang mit NAGURA hinweisen, denn wie im Foto zu sehen ist, ist kaum was zu sehen. Mag sein, dass ich zu früh gewechselt habe. Genauso kann es aber auch sein, dass die Konsistenz vom Slurry unzweckmäßig gewählt war. Es kann aber auch sein, dass … Kurzum, es gibt da noch so einiges zu erlernen und kennenzulernen und das bezieht sich natürlich nicht nur auf den BOTAN, sondern auf das gesamte Prozedere mit den jNats.
Nach dem BOTAN
Böker1_Botan2.png

TENJYO 天上

Beim TENJYO habe ich mich entschieden, gleich von Anfang an „nur“ mit Wechselschüben zu arbeiten. An der Konsistenz und Menge des Slurrys hat sich ebenfalls eine Änderung ergeben: Ich habe nach den ersten 3 Sätzen begonnen, den Slurry mit Wasser Stück für Stück in Richtung „klares Wasser“ herunterzudünnen. Bei den Kontrollen via Mikro konnte ich zwar auch bei diesem Teilabschnitt der Progression die Veränderungen im Schliffbild erkennen, jedoch waren selbige recht fein. Als sich das Schliffbild m. E. ausreichend fein zeigte, kam voller Neugier neben den optischen Kontrollen erstmals mein Hauptindikator zum Einsatz, der Haartest. Jedoch blieb der erste HT erfolglos und weitere Wechselschübe folgten, bis das Slurry nur noch aus klarem Wasser bestand. Meine „normale“ Vorgehensweise bei einem erwarteten, aber dann doch nicht erfolgreichen HT ist meist ein kurzes Zwischendern, also, warum nicht auch hier … Siehe da, wenn auch nur partiell, aber immerhin funktionierte jetzt der HT. Ob aus Ungeduld oder Erwartung, egal, es folgte der Wechsel zu dem NAGURA, auf den ich am meisten gespannt war, dem
Nach dem TENJYO
Böker1_Tenjyo3.png

KOMA コマ

Der KOMA macht im Vergleich der bisherigen Abschnitte (abgesehen von der Schruppscheibe BAN) wohl die schönsten Sprünge. Zuerst recht weniger klar zu erkennen, aber nach den ersten Sätzen doch sehr viel deutlicher. Die Schwierigkeit für mich dabei ist es, das Verändern bildlich so darzustellen, wie es sich meinen Augen mit Hilfe des Mikroskops darstellt. Da sind bereits die Grenzen einzelner Komponenten erreicht, aus denen sich mein Foto-Equipment zusammensetzt. Hier ist als Beispiel nicht zwingend die Beleuchtung oder der (sehr wichtige) richtige Blickwinkel zu benennen, sondern die generelle Tatsache, dass alles „nur“ zweidimensional dargestellt werden kann. Denn obwohl sich die Schliffbilder zum Teil kaum unterscheiden, sieht das dreidimensional schon sehr viel anders aus. Mit dem KOMA verändern sich die feinen Riefen nicht unbedingt zu deutlich feineren Riefen, aber sie sind deutlich abgeflachter, die feinsten Kanten verrundet. Nicht nur visuell überzeugt der Stein, nein, auch der HT klappt nun bereits ohne weiteres Zwischenledern. Wenn ich mir das Ergebnis des KOMA anschaue, verstehe ich schon, warum gerade dieser NAGURA zu den teureren Steinchen zählt. Wenn die Qualität stimmt, und das tut sie m. E. bei diesem hier, beginnt mit dem KOMA die tatsächliche Fein(s)tarbeit … ein feines Steinchen!!
Nach dem KOMA
Böker1_Koma4.png

TOMO-NAGURA

…ist der einzige der heute verwendeten NAGURA, den ich schon einige Male benutzt habe. Hier habe ich schon einige, wenn auch spärliche, Erfahrungen gemacht und weiß grob, wo die Reise hingeht. Der Stein ist sehr fein und recht schnell, daher erfolgen hier wenige Sätze Wechselschübe, dafür von Anfang an ein kontinuierliches Verdünnen des Slurrys Ab jetzt kann ich mich bereits dem eigentlichen Finish widmen.
Nach dem TOMO-NAGURA
Böker1_Tomonagura5.png

Das Finish auf dem NAKAYAMA ASAGI

Der Stein hat mir schon so einige Male erfolgreich als Finisher gedient und die Vorgehensweise ist so gesehen kein Problem mehr. Zuerst geht es stationär mit Wechselschüben mit klarem Wasser weiter, im Anschluss geht es unter fließendem Wasser weiter und zum Finale kommt ein 2. Tape zum Einsatz. Wie immer erfolgt als letzter Schritt in der Progression ein ausgiebiges Ledern, heute mit dem Spanier und meinem SM-Riemen Nr. 4.
NAKAYAMA ASAGI fließend Wasser
Böker1_NakayamaFLIESSENDwasser7.png


NAKAYAMA ASAGI 2.WINKEL fließend Wasser
Böker1_2.WinkelFinal8.png

Die RdT

GlaRdT550x413.png

Das Ergebnis stellt mich mehr als zufrieden, ein sehr sanftes und gründliches Rasurverhalten über drei komplette Durchgänge. Auch in meinen „Problemzönchen“ gab es nicht wirklich was zu meckern, das „Zaubern“ verlief auch gegen den Strich sanft und gründlich. Ich bin mit dem Gesamtergebnis äußerst zufrieden!

Zur RdT bitte hier entlang…


…ein kleines Fazit

Was fehlt, ist logischerweise die Erfahrung und somit die Erkenntnis, wo ich evtl. etwas verändern muss, um das Erreichte zu verbessern. Die heutige Premiere mit den NAGURA war definitiv ein Erfolg, das steht für mich fest. Dennoch muss einiges beachtet bzw. bedacht werden. So wirkt z. B. der verwendete, ja eher als mittelharter Stein (im Vergleich zu meinem OZUKU) zu betrachtende NAKAYAMA wohl mit Sicherheit bei den NAGURA mit. Bei einem härteren Stein wird das anders sein. Was mich total überrascht hat, war der BAN. Mir ist es bisher noch nie gelungen, mit einem Naturstein in so kurzer Zeit eine arbeitswillige Facette zu setzen. Was kommt als Nächstes? Zuerst erfolgt ein direkter Vergleich mit der gleichen Progression auf meinem OZUKU, und das Beste daran: sogar mit einem identischen Messer. Es war schon immer gut, für solche Fälle zwei identische Klingen zu haben.


In diesem Sinne … immer neugierig bleiben!


Vielen Dank und Gruß
Gregor


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Schärf-Legende:

1 Satz sind immer 10 Wiederholungen (10x), egal ob Einzelschübe, Wechselschübe, Doppelzüge oder was auch immer womit wodrauf gemacht wird.
*) Ein Durchgang „16⇅ & 3⇅“ bedeutet:
16 Schübe/Züge auf einer Seite, dann Seitenwechsel und 16 Schübe/Züge auf dieser Seite. Dann geht es alternierend jew. -2 Schübe/Züge bis runter auf die 0.
Die 3 bedeutet 3 Sätze á 10 Wechselschübe/-Züge
 
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