Aus fernen Landen zu Besuch,
ein NAKYAMA KIITA
Dieser Tage sind nach langer Exkursion gleich zwei Reisende aus dem fernen Japan zu einem längeren (Arbeits)Urlaub bei mir eingetroffen. Wie erwähnt sind die beiden Steinchen ja nicht nur zum Vergnügen unterwegs, sondern sie dürfen sich ausführlich in meine Rasurkultur einbringen…
Heute darf nun der erste der beiden, ein wunderschöner NAKAYAMA KIITA (?), zeigen, was er denn zu bieten hat. Beim ersten kennenlernen stellt sich der wunderschöne, gelbe Geselle als äußerst feiner, aber auch wirklich sehr harter Brocken vor. Der Stein ist völlig frei von Einschlüssen und zeigt ein äußerst kompaktes, sehr homogenes Gesamtbild. Für den „Erstkontakt“ habe ich schon etwas länger überlegt, welche Messer es denn sein sollen, warum Plural? Ich dachte mir, es ist wie immer sehr sinnvoll nicht gleich mit einer komplexen, mehrstufigen Progression zu beginnen, sondern hier eine relativ einfache Progression zu wählen, die mit dem Finish als Solo-Stein ohne Nagura etc. abschließt. Eine zweite Progression, hier unter Verwendung der drei Nagura, Botan, Mejiro und Koma soll erst nach dem ersten kennenlernen erfolgen. Ausgewählt habe ich meine beiden King Cutter in 6/8, die von der Klinge her, völlig identisch sind, so fällt ein Vergleich der Ergebnisse um ein vielfaches einfacher aus, als mit 2 verschiedenen Messern oder mit nur einem Messer, welches dann hintereinander geschärft wird.
Progression I, das schwarze King Cutter (1 x Tape):
-SHAPTON Glass 4 & 8k zum Auffrischen der Facette
-Nakayama Kiita nur mit klarem Wasser, stationär
-Nakayama Kiita unter fließendem Wasser, dann im Anschluß unter
-fließendem Wasser
-aufbringen eines 2.Tape, Finish unter fließendem Wasser
-geledert auf dem SM-Riemen Nr.IV, QUERCUR Shell Cordovan & Rind (Natur)
Progression II, das weiße King Cutter (1 x Tape):
-jeweils stationär mit klarem Wasser & Slurry, jeweils am Ende bis zum klaren Wasser herunterverdünnt mit
-Botan
-Mejiro
-Koma
--Nakayama Kiita nur mit klarem Wasser, stationär
-Nakayama Kiita unter fließendem Wasser, dann im Anschluß unter
-fließendem Wasser
-aufbringen eines 2.Tape, Finish unter fließendem Wasser
-geledert auf dem SM-Riemen Nr.IV, QUERCUR Shell Cordovan & Rind (Natur)
Die ersten Züge boten mir zu Beginn ein, zugegebenermaßen nicht erwartetes, sehr hartes, fast metallisch klingendes Feedback des Steines. Ich hatte da ein eher weiches, samtiges Verhalten erwartet, wie ich es von meinem Nakayama Asagi her kenne. Da spiegelt sich gleich zu Anfang die Härte des Steins wieder, die mir der Besitzer dieses schönen Steinchens aber auch im Vorfeld bereits angekündigt hatte. In unserem Vorgespräch gab er auch zu verstehen, dass die Qualitäten des Japaners als Basisstein im Zusammenspiel mit entsprechenden Nagura zu finden seien. Nichtsdestotrotz habe ich aber zum ersten Kennenlernen eine andere Progression gewählt. Das Messer ging zum Auffrischen der Facette zuerst über die SHAPTON Glass 4 & 8k und danach ausschließlich mit klarem Wasser auf den Kiita. Auch hier erwartete ich zumindest nach einigen Sätzen ein ähnliches Verhalten, wie bei meinem eigenen Nakayama, doch weit gefehlt, dieser Japaner blieb stumm, gab keinerlei Rückmeldung. Als ich die Facette mehrfach unter dem Mikro betrachtete, kamen mir die spärlichen Veränderungen so vor, wie ich sie von meinem OZUKU her kenne…wie Schärfen auf einer Fensterbank aus künstlichem Marmor. Nach einigen Sätzen entschloss ich mich zu 1-2 Sätzen Zwischenledern und…na was wohl? Richtig, zu einem ersten HT. Was soll ich sagen, der HT funktionierte bereits über die gesamte Schneidkannte hinweg, es wurde also Zeit das Ganze in Richtung Wasserhahn zu verlagern. Zu Anfang noch mit einfachem Tape, zum Schluß wie fast schon gewohnt, das Finish mit einem 2.Tape. Kaum habe ich die ersten Doppelschübe gemacht, begann der Stein bereits mit zaghafter Rückmeldung, die mit fortschreitenden Anzahl immer klarer und deutlicher wurde. Bereits nach kurzer Zeit platzierte ich das 2.Tape und es reichten knapp 2 Sätze, da signalisierte die Klinge mit klarem Widerstand, dass es wohl reicht. Es folgte die Begutachtung unter dem Mikro und das Finale Ledern. Letztendlich konnte ich am Ende dieser Progression diese mit einem hervorragenden HT abschließen.
Progression I, das Endergebnis:
Die zweite Progression unterschied sich dann doch erheblich von der ersten, hier durchlief das Messer eine nahezu komplette NAGURA-Progression, nahezu deshalb, da mir ein passender TOMO-NAGURA zu dem Kiita fehlt. Da werde ich aber in den nächsten Progression mal ein wenig in meinem japanischen Natursteingarten schauen, was ich da zum experimentieren finde. Bei den drei NAGURA habe ich darauf geachtet, jeweils immer eine nahezu identische Konsistenz des Slurry zu erhalten, hier habe ich diesmal eine etwas dünnere Mischung, vergleichbar mit H-Milch gewählt. Das jeweilige Anreiben ging auch ohne Probleme, da waren bei allen drei NAGURA nur wenige Bewegungen notwendig, um den notwendigen Abrieb zu erzeugen. Das Ganze verlief dann auch ohne große Probleme, einzig die akustische und haptische Rückmeldung vom Stein war dann schon etwas gewöhnungsbedürftig, ein eher metallisches, leicht „schabendes“ Geräusch war zu vernehmen, das aber jeweilig mit der steigenden Anzahl der Wechselschübe doch immer freundlicher wurde. Ein samtiges, eher weiches Verhalten entstand da aber in keinem Falle…vielleicht schaffe ich das ja bei den nächsten Progressionen. Nach dem letzten NAGURA, dem KOMA ging es dann identisch wie in der ersten Progression bis zum Finish weiter, wobei hier allerdings die gesamte Schneidkannte bzw. Facette nicht so schön poliert erschien. Was allerdings genauso schön war, war der obligatorische HT am Ende, auch hier kann ich ein „hervorragend“ vergeben.
Mit dem BOTAN
MIT dem MEJIRO
Mit dem KOMA
Progression II, das Endergebnis
Die RdT
Ich habe mich entschlossen, da ich beide Messer quasi gleichzeitig geschärft habe, auch beide Messer gleichzeitig zu verwenden, so fällt auch ein Vergleich viel einfacher und unmittelbarer aus. Die rechte Hälfte durfte das schwarze KC, die linke Seite durfte das weiße KC übernehmen. Was soll ich schreiben, trotz anfänglicher Skepsis aufgrund dieses blechernden Klang und Haptik auf dem Stein, erwiesen sich die ersten Züge mit beiden Messern gleichsam als äußerst sanftes und gründliches Rasurverhalten. Die Messer glitten beide ohne Probleme durch die Zwei-Tage-Stöppelkes und machten einen richtig tollen Job, ob mit oder gegen den Strich…kein ziehen oder ziepen, kein Tugging. Im direkten Vergleich, ist aber schon fast logisch, gebe ich dem weißen Messer mit seiner NAGURA-Progression in Sachen Schärfe ein paar Pünktchen mehr, als dem Zwillingsbruder. Vom Rasurverhalten tuen sich beide Messer nix, super sanft und gründlich, da gibbet absolut nix zu mäkeln, ein erstes kennenlernen mit sehr gutem Endergebnis.
Zur RdT bitte
hier entlang…
…immer neugierig bleiben!
Danke und Gruß
Gregor