Forum der Rasur

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Neues aus der Werkstatt - Mein erstes Rasiermesser-Heft

Neues aus der Werkstatt …

Gla-Design Nr. II

Anhang anzeigen 185487

Ich möchte euch hier mein 2. neu beschaltes Rasiermesser zeigen. Als Klinge habe ich eine sehr schön geätzte Klinge in 13/16 (mit Rücken gemessen) von Revisor gewählt. Der geübte Beobachter wird sich vielleicht an die eine oder andere RdT & Rasurbilder erinnern. Richtig, die Klinge war ursprünglich mit einem Wenge-Heft verheiratet. Allerdings war das Heft doch etwas „überdimensioniert“, war zudem auch recht grob verarbeitet und wies (auf der Rückseite) sogar noch erkennbare Sägespuren auf. Als ich das Messer vor knapp 2 Jahren (neu) erwarb, war ich mehr auf das Erlernen und Üben der Messerrasur fixiert und habe diese Mängel schlichtweg verdrängt.

Wie habe ich gewerkelt und auf was muss geachtet werden…

Als Material für die Schalen habe ich erneut Holz gewählt, in diesem Falle ist es europäische Räuchereiche. Da ich meinen Werkzeugpark in jüngster Zeit zweckmäßig erweitert habe, wollte und konnte ich den Umstand von zu starkem Ausgangsmaterial und somit sehr zeitintensivem Abschleifen umgehen. Bei meinen ersten Schalen waren es 5mm, hier habe ich mich entschieden, das Rohmaterial auf 3mm Stärke zu sägen *. Die Form der Schalen habe ich mit Hilfe einer selbsterstellten Schablone auf die mit doppelseitigem Klebeband zusammengefügten Rohlinge übertragen und mit der Dekupiersäge ausgeschnitten. Beim Zusammenbringen der beiden Holzbrettchen bitte auf die Maserung achten, so ist gewährleistet, dass die Vorder- und Rückseite der fertigen Heftschalen einen gleichen Verlauf der Maserung haben. Dann folgte die Anpassung der Heftschalen (immer noch verklebt) durch Schleifarbeit, vorwiegend händisch. Ich bohre auch die Nietlöcher, solange die Rohlinge noch mit dem Klebeband verbunden sind, so kann ich einen etwaigen Versatz verhindern.

Da die Klinge trotz ihrer (schönen) Breite im Bereich von Erl und Ansatz relativ schlank ist, muss bei diesem Messer auch der Keil bzw. Abstandshalter nicht ganz so stark ausfallen wie bei meinem ersten Messer. Somit habe ich mich nicht für einen Keil/Abstandshalter in „Sandwich-Bauweise“ entschieden, sondern ich habe selbigen aus 2mm Neusilber angefertigt. Auch hier ein Hinweis, der die Sache erleichtert… …Denkt bitte daran, die Nietbohrung vor dem Ausschneiden aus einer Platte zu machen, da hat man noch genug „Material“ zum Festhalten und somit sicheres Bohren. Macht man das Bohren erst nach dem Ausschneiden, könnte das Bohren unter Umständen recht schwierig werden. Die eigentliche Anpassung an die Form der Schalen erfolgte im Groben mit einem Band- und Tellerschleifer, die Feinarbeit wiederum händisch mit Schleifpapier. Da die Flanken des Abstandshalters gerade sind, habe ich zur Weitung des Heftes am Ende einen von außen nicht sichtbaren Abstandshalter (vergleichbar mit einer Erlbremse) aus Kunststoff eingesetzt.

Um die Holzschalen auf ihren Einsatz im kleinen Lesezimmer vorzubereiten und beständig gegenüber Feuchtigkeit zu machen, habe ich selbige mehrfach mit orig. DanishOil behandelt. Zwischen dem jeweiligen Neuauftrag habe ich mindestens 12 Std. Trockenzeit verstreichen lassen und dann die Oberfläche mit feinem Schleifpapier (400er bis 800er) überarbeitet. Hier noch ein wichtiger Hinweis … Eiche, bzw. die Gerbsäure der Eiche, reagiert mit Metall, selbst wenn das Holz schon Jahre getrocknet wurde. Daher sollte gerade bei Verwendung von Eichenholz unbedingt auf eine zweckmäßige „Versiegelung“ bzw. Stabilisierung geachtet werden, da sich sonst das Holz (z. B. an den Nieten) verfärben kann.


*) Hier ein Hinweis … Es ist zwar gefühlte 100 Jahre her, aber ich bin gelernter Bau- und Möbeltischler (und habe noch alle 10 Finger!), d. h., ich bin mit dem Umgang einer Tischkreissäge und dazugehörigen Sicherheitsvorkehrungen vertraut. Ungeübte sollten sich gerade in diesem Fall (der 3mm Schalen) unbedingt über notwendige Sicherheitsvorkehrungen ausreichend informieren!

Das Material:

Die Nieten…

Das Holz…


Danke und Gruß
Gregor​

Ist dir wirklich toll gelungen. Mein Respekt.

Wo hast du denn die Langmutter und die Schrauben her? Genau sowas suche ich, aber finde nichts in der Bucht und wo ich auch immer schaue.
 
Wo hast du denn die Langmutter und die Schrauben her?
Als ich mir letztes Jahr dachte, ein wenig Heft-Bastelei könnte <Spaß machen, habe
ich auch begonnen entsprechendes Material zu erwerben. Dabei war ein Händler
in der Bucht, der Nietsätze und diese praktischen Helferlein anbot, leider ist der
Verkäufer wohl nicht mehr aktiv (…habe erst die Tage geschaut…nix mehr zu finden).
 
Als ich mir letztes Jahr dachte, ein wenig Heft-Bastelei könnte <Spaß machen, habe
ich auch begonnen entsprechendes Material zu erwerben. Dabei war ein Händler
in der Bucht, der Nietsätze und diese praktischen Helferlein anbot, leider ist der
Verkäufer wohl nicht mehr aktiv (…habe erst die Tage geschaut…nix mehr zu finden).
Ja, bei ihm habe ich die Nieten bestellt...
 
Sehr begeistert von dem, was du, lieber @DailyDriver, uns hier vorgestellt hast, habe ich mich auch mal an einem Ersatzheft für eine Klinge versucht, die schon länger bei mir ganz nackt rumlag. Leider war das Originalheft nicht nur verzogen, sondern so in der Länge durch Hinzueinwirkung geschrumpft, dass nichts zu machen war.

Als Ausgangsmaterial habe ich statt Holz Acryl genommen. Dazu hatte ich mir bereits eine 2mm Dicke Platte aus gegossenem Acryl in der Bucht bestellt. Da ich keinerlei Ahnung hatte, mit welchen Werkzeugen ich überhaupt Acryl bearbeiten kann, habe ich die einzelnen Schritte auch nicht fotografiert, da ich auch einige Sackgassen unterwegs hatte.

Das Ergebnis ist doch besser geworden, als ich zwischenzeitlich gedacht hatte:

1000067868.jpg


Da Acryl offensichtlich sehr schnell zerkratzt, habe ich mich entschlossen dem Heft ein "Gebraucht-Finish" zu geben. Ich habe das Heft mit 1200er Papier abgeschliffen. Auf dem ersten Blick könnte man meinen, das Heft wäre aus Horn :)

1000067866.jpg


Am Anfang war mir auch nicht klar, ob 2mm Acryl stabil genug sein wird. Ist es auf jeden Fall. Und gleichzeitig immer noch schön dünn, was mir ebenso wichtig war.

1000067867.jpg


Die heutige Rasur hat bestätigt, dass sich die halbe Tag Arbeit voll gelohnt hat. Die Weltmeister-Klinge ist wirklich sehr toll ausgeschliffen.

Mein Beitrag ist doch etwas länger geworden. Ich hoffe, @DailyDriver , du bist mir nicht böse, dass ich mich einfach mal mit meiner Werkelei hier drangehangen habe.
 
du bist mir nicht böse, dass ich mich einfach mal mit meiner Werkelei hier drangehangen habe.
Natürlich nicht!! ;)

Das ist sehr schöne Arbeit, die Du uns zeigst. :daumenhoch Was das polieren von Acryl angeht, habe ich nach
dem Schleifpapier (>800) sehr gute Erfahrung mit feiner Stahlwolle (0000) und anschließendem polieren
mit UNIPOL Blau gemacht.

Gruß
Gregor
 
Natürlich nicht!! ;)

Das ist sehr schöne Arbeit, die Du uns zeigst. :daumenhoch Was das polieren von Acryl angeht, habe ich nach
dem Schleifpapier (>800) sehr gute Erfahrung mit feiner Stahlwolle (0000) und anschließendem polieren
mit UNIPOL Blau gemacht.

Gruß
Gregor
Ich habe tatsächlich versucht mit Autosol das Heft zu polieren, allerdings nur mit mäßigem Erfolg. Auch mit dem Feinbohrschleifer hat Autosol nicht viel gebracht, im Gegenteil beinahe hätte die Hitze das Heft versaut. Auf die Idee mit stahlwolle es zu versuchen, bin ich gar nicht gekommen.
 
Ich habe tatsächlich versucht mit Autosol das Heft zu polieren, allerdings nur mit mäßigem Erfolg.
Ich bin der Meinung, dass UNIPOL Blau um einiges feiner ist als Autosol u/o. ähnliches.

IMG_4612.jpg


Hier mal ein Beispiel von einem RM-Heft, bei dem ich beim entfernen der Vernietung mit
der Feile ein wenig ins Heftmaterial „abgedriftet“ bin. Da habe ich zuerst die Schadstelle
mit 800‘er Schleifpapier, dann mit der 0000-Stahlwolle und anschließend mit UNIPOL Blau
bearbeitet…

(Sorry für die Bildqualität, aber es geht ja um die Schadstellen…)
polish_save.png
 
Unipol habe ich auch, als ich noch mit Pastenriemen gearbeitet habe :) Ich habe tatsächlich häufiger alte Gillette Dosen aus Kunststoff mit Autosol aufpoliert, was immer gut funktioniert hat. Vermutlich hat bei mir zuletzt die feinere Vorstufe, also eben 800er Papier o.ä., gefehlt. Auf Hochglanz möchte ich das Heft aber nicht polieren, da vermutlich nach kurzer Zeit sofort wieder feine Kratzer entstehen werden. Allerdings ist Hochglanz schon etwas besonderes...
 
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