Es gibt neues aus der Werkstatt…
Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute (Holz) doch so nah…Ich darf vorstellen, das
GlaDesign VI - Fesche Esche
(Dreidecker #63, vollhohl in 13/16 mit Eschenholz-Heft)
Wie der Eingangstitel schon erahnen lässt, bin ich bei diesem Messer nicht dem allgemeinen Trend nach exotischem Holz für die Griffschalen gefolgt, sondern bin in heimischen Landen geblieben. Bei den Gedanken zu dem Messer habe ich mich gefragt, welches Holz denn überhaupt in Frage käme, denn es gibt reichlich einheimische bzw. europäische Holzarten, die grundlegend überhaupt gar nicht zum Heftbau geeignet sind, so z. B. Nadelhölzer wie Tanne oder Kiefer. Dann sollte das Holz auch optisch ein wenig ansprechend sein. Ich wollte von Anfang an, dass die Maserung rein optisch ins Gesamtbild passt, aber nicht wie ein Zebra daherkommt. In Anlehnung an meine Lehrzeit zum Bau- und Möbeltischler und mein damaliges Gesellenstück (1984) habe ich mich für eins meiner Lieblingshölzer entschieden … die Esche.
Die Esche ist ein kompaktes, hartes, aber gleichzeitig dennoch sehr flexibles Holz und gerade diese Eigenschaften haben es z. B. für Werkzeugstiele und Hefte zur 1. Wahl gemacht. Es ist äußerst robust und seine Oberfläche bleibt auch bei großer Querbelastung splitterfrei. Das Farbenspiel der Maserung bzw. der verschiedenen Jahresringe ist allerdings z. T. sehr kontrastreich. Bei einem Hammerstiel o. ä. ist das ja völlig egal, bei meinem Heft für ein Rasiermesser aber nicht. Im Normalfall wird das Holz ja mit stehenden Jahresringen verarbeitet. Dies würde allerdings in meinem Fall einen gewissen „Zebra-Effekt“ zeigen, genau das wollte ich ja nicht. Die Lösung ist eigentlich ganz einfach: Ich nutze das Holz mit „liegenden“ Jahresringen, d. h., wenn man auf die Seiten der Heftschalen schaut, schaut man auf den sog. „Spiegel“ der Maserung.
Sieht besser aus, kann aber zum Nachteil sein, denn so können sich bei einer starken Belastung einzelne Holzfasern aufrichten. Um dies zu verhindern, habe ich viel Zeit und Mühe in die Oberflächenbehandlung investiert und das Holz mehrfach befeuchtet und immer wieder fein an- bzw. abgeschliffen … natürlich alles mit der Hand. Letztendlich habe ich das Holz mit mehreren „Lagen“ DanishOil versiegelt und zum Finale noch meinen selbstgemachten Holzschutz mit Carnaubawachs aufgetragen und das Heft final per Hand nachpoliert. Die Vernietung habe ich wieder mit den Standard-Nietsätzen aus dem Hause KORAAT gemacht und sie haben einen stattlichen Durchmesser von 2 Der Abstandshalter im Heck ist entgegen meiner Planung diesmal nicht in Sandwich-Bauweise, sondern aufgrund der recht schlanken Klinge „nur“ aus einlagigem Neusilber gefertigt. Geplant war auch die Einarbeitung der bereits bei meinem GlaDesign V verwendeten TRIQUERA (keltisches Symbol), allerdings haben mir auch hier die recht schlanke Klinge und das daraus resultierende, eher schlanke Heft einen Strich durch meine Rechnung gemacht. Da die geringe Breite und die Stärke von nur knapp Ø 2,6 mm durch eine mittige, 5 mm große Bohrung doch m. E. zu stark geschwächt werden würden, habe ich darauf verzichtet, zumal das Heft an besagter Stelle auch unter Spannung gehalten ist.
Ich finde, durch die helle, frische Farbe des Holzes mit seiner dezenten Maserung, die Akzentuierung durch den Abstandshalter aus Neusilber und nicht zuletzt die Größe der Nieten ist mal ein wenig Abwechslung in die ja sonst eher dunkel und einfarbig gehaltene Welt der Holzhefte gekommen.
Das Messer im Detail:
Heft: Esche
Klinge: Dreidecker #63, vollhohl in 13/16 (gemessen ab Rückenkante) aus dem Hause
@Revisor
Nieten: Standard-Niet-Sätze aus dem Hause
@Koraat
Abstandshalter: Neusilber, einteilig
Holzversiegelung: orig. Danish Oil & DIY Spoon-Butter
Danke und Gruß
Gregor