RasurKult "Lapis Philosophorum"
Ein Pinsel von Bernhard und der Versuch ihn nach der Kunst des Paracelsus zu beschreiben.
Was ihr nun lesen werdet, ist nach dem Vorbild jener alten Schriften verfasst, die der Meister Paracelsus , Arzt, Alchemist und Wanderer, im 16. Jahrhundert hinterliess. Er glaubte, dass alle Dinge eine verborgene Kraft in sich tragen. Man muss nur lernen, sie zu lesen.
Die kursiven Einschübe in eckigen Klammern sind für jene, die den alten Alchemistenlehren nicht ganz so mächtig sind.
Vom Grossen Werk und seiner Vollendung in Holz, Harz und Haar
Es sprach Paracelsus, genannt Theophrastus Bombastus von Hohenheim, Arzt zu Basel und Wanderer durch alle Lande:
«Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift. Allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist.»
So ist es auch mit dem Handwerk. Zuviel davon, und es wird Kälte. Zuwenig, und es bleibt Rohheit. Nur der Meister kennt das rechte Mass.
Bernhard kennt es.
§ I Nigredo. Die Schwärzung. Der Anfang aller Dinge.
[Nigredo: Das erste Stadium des Grossen Werks «Magnum Opus» der Alchemie. Die rohe, unverwandelte Materie. Erde. Ursprung. Das Holz so, wie der Baum es hinterlassen hat.]
Die Materia Prima, der Urzustand, aus dem alles Grosse entsteht, trug hier einst die Gestalt eines Manzanita-Wurzelknotens. Ein Knorren aus den kargen Hügeln Kaliforniens, durchzogen von Maserungen wie Adern, verwittert, rissig, dunkel an den Rändern. Unfertig. Wartend.
Der uneingeweihte Blick sähe darin nichts als Holz.
Der Meister sah darin einen Pinsel.
§ II Albedo. Die Weissung. Die Reinigung.
[Albedo: Das zweite Stadium. Die «ablutio», wörtlich: die Abwaschung. Das Weiss, das nach dem Chaos kommt. In mittelalterlichen Texten symbolisiert durch die Taube.]
Wo der Manzanita aufhört, wo also die natürliche Baumkante zerfranst und ausbricht wie eine alte Küstenlinie, beginnt das Weiss.
Nicht aufgesetzt. Nicht überdeckend. Es fliesst in die Lücken des Holzes, füllt, was die Natur offenliess. Eine Vereinigung von Gegensätzen, wie Paracelsus sie beschrieb:
«Das Verborgene und das Offenbare, das Dunkle und das Helle. Beides muss eins werden, ehe das Grosse Werk gelingt.»
Das weisse Resin ist die Albedo. Die Reinigung. Das Licht, das in die Prima Materia tritt.
§ III Rubedo. Die Rötung. Die Vollendung.
[Rubedo: Das letzte Stadium. Das tiefe Rot als Zeichen der Vollendung, der Vereinigung aller Gegensätze im Lapis, dem Stein der Weisen.]
Und dann: das Bordeaux-Rot des Manzanita, poliert bis zur Tiefe eines Granatsteins. Hier ist das Rohmaterial nicht verschwunden, es ist verwandelt. Das Makellose und das Verwachsene, das Glatte und das Rissige, Natur und Hand des Menschen und alles hat sich zu einem einzigen Objekt vereint.
Rubedo. Die Rötung. Das Ziel des Grossen Werks.
Bernhard hat transmutiert, was kein Feuer kennt: er hat aus Erde Kunst gemacht.
§ IV — Der Knoten. Der Lapis selbst.
[Lapis Philosophorum: Der «Stein der Weisen». Nicht ein Stein im wörtlichen Sinn, sondern das vollendete Ergebnis der Transmutation. Bei Paracelsus auch «Panacea» genannt, das Allheilmittel.]
Was sitzt nun auf diesem Werk?
Ein Private Selection 3-Band Silvertip-Knoten, so dicht befüllt, dass er im trockenen Zustand explodiert wie eine Sonnenkorona, ein Fächer von atemberaubender Dimension. Nass legt er sich zu einem makellosen, weichen Kissen, weiss wie die Albedo selbst.
Paracelsus rühmte sich, im Besitz des Lapis philosophorum als einer allheilenden Panacea zu sein, ein Mittel, das alle Ungleichgewichte auflöst, alle Widersprüche vereint.
Dieser Knoten ist die Panacea des Rasierens.
Epilog
An den Leser:
Der Pinsel trägt seinen Namen nicht als Schmuck.
Er trägt ihn als Beschreibung.
Nigredo, Albedo, Rubedo. Drei Farben, drei Stadien, ein Handle. Ein Griff, der das Grosse Werk in Holz und Harz eingefroren trägt, für jeden sichtbar, der gelernt hat hinzuschauen.
«Einem andern gehöre nicht, wer sein eigener Herr sein kann», schrieb Paracelsus.
Dieser Pinsel gehört sich selbst.
Anmerkung des Chronisten
RasurKult Nr. 19.
Neunzehn Pinsel tragen diese Signatur in meiner Sammlung, jeder davon ein Werk für sich.
Dieser hier aber hat sich nach nur einer Rasur von null auf Platz Eins katapultiert. Kein Anlauf. Keine Eingewöhnungszeit. Einfach: sofort.
Haptik. Optik. Knoten. Alles in einer Harmonie, die für sich selbst spricht... Rundum vollkommen!
Das Grosse Werk ist vollbracht.
ankerbartcensis
Griff: Manzanita Wurzelknoten & weisses Resin aus Bernhards Werkstat
Knoten: Private Selection 3-Band Silvertip, dichtes Kissen, perfekte Weisse