Ariana & Evans x Daniele Maullu:
Nero e Rosso Legacy
Mit Nero e Rosso hat Ariana & Evans gemeinsam mit Daniele Maullu eine Duftkreation geschaffen, die sich nicht einfach in die bekannte Leder-Tabak-Oud-Schublade stecken lässt. Beim ersten Kontakt scheint genau das zwar der Fall zu sein (Assoziationen zur Tertius oder The Royal werden wach), doch bereits während der Rasur zeigt sich, dass hier deutlich mehr dahintersteckt.
Aus dem Tiegel wirkt die Seife zunächst überraschend rund und beinahe etwas süsslicher als erwartet. Das Aftershave präsentiert sich dagegen sofort von seiner dunklen Seite mit schwarzem Leder, schwarzem Tabak und einer rauchigen Tiefe. Diese bestimmen den ersten Eindruck. Man könnte zunächst an einen klassischen Leder- oder Oudduft denken.
Doch genau hier beginnt die eigentliche Stärke von Nero e Rosso.
Mit dem Aufschäumen und insbesondere beim Auftragen auf die Haut öffnet sich die Komposition immer weiter. Wie schon beschrieben bilden schwarzes Leder, dunkler Tabak und Oud zwar das Fundament, doch darunter arbeitet eine ungewöhnliche und faszinierende Note: Erdbeere.
Wer nun an einen fruchtigen oder gar gourmandigen Duft denkt, liegt völlig falsch. Die Erdbeere ist weder süss noch dominant. Sie dient vielmehr als raffinierter Kontrast zu den dunklen Akkorden. Immer wieder blitzt eine dezente rote Fruchtigkeit auf, die dem Duft Spannung, Tiefe und Dynamik verleiht. Man nimmt sie wahr, ohne sie sofort benennen zu können.
Eine wichtige Rolle spielt dabei auch Osmanthus. Mit seinen lederartigen, leicht fruchtigen und samtigen Facetten verbindet er die dunklen Noten mit dem Erdbeerakkord auf beeindruckend harmonische Weise. Nichts wirkt aufgesetzt oder künstlich. Alles greift nahtlos ineinander.
Im weiteren Verlauf treten gerösteter Kakao, Birkenpech und Virginia-Zeder stärker hervor. Der Kakao sorgt für eine trockene, warme Tiefe ohne zusätzliche Süsse. Das Birkenpech verleiht der Komposition ihren rauchigen Charakter, während die Zeder für Struktur und Eleganz sorgt.
Gerade diese Entwicklung macht Nero e Rosso für mich so spannend. Während viele Leder-Tabak-Düfte recht linear verlaufen, zeigt sich hier eine bemerkenswerte Vielschichtigkeit. Mal stehen die dunklen, rauchigen Noten im Vordergrund, mal taucht die geheimnisvolle rote Fruchtfacette auf. Der Duft bleibt während der gesamten Rasur lebendig und interessant.
Ohne die Erdbeere wäre Nero e Rosso sicherlich ein sehr guter Leder-Tabak-Oud-Duft. Mit ihr wird daraus jedoch etwas Eigenständiges. Sie verändert den Charakter der gesamten Komposition und sorgt dafür, dass der Duft aus der Masse heraussticht.
Als Aftershave hinterlässt Nero e Rosso eine dunkle, elegante und maskuline Signatur, die gleichzeitig Tiefe und Raffinesse besitzt. Kraftvoll, aber niemals grob. Charakterstark, aber dennoch ausgewogen.
Passend dazu habe ich Tabac Wild Ride getragen. Auf den ersten Blick erscheint diese Kombination vielleicht nicht offensichtlich, in der Praxis harmonieren beide Düfte jedoch hervorragend miteinander.
Wild Ride bringt mit Apfel, Kardamom und Rosengeranie eine subtile Frische und Würze ins Spiel, während Weihrauch, Vetiver, Patchouli, Moos und Amber die dunkle Grundstimmung von Nero e Rosso aufgreifen. Besonders der Weihrauch verbindet sich hervorragend mit den rauchigen Facetten von Birkenpech, Leder und Tabak.
Der grosse Vorteil dieser Kombination liegt darin, dass Wild Ride die dunklen Seiten von Nero e Rosso unterstützt, ohne dessen besondere Erdbeer-Osmanthus-Signatur zu überdecken.
Statt einer weiteren schweren Leder-Oud-Wand entsteht ein ausgewogenes Gesamtbild mit Tiefe, Spannung und Eleganz.
Für mich eine aussergewöhnliche Duftkreation, die zeigt, wie spannend Kontraste in der Parfümerie sein können. Dunkelheit mit einem roten Akzent, genau das macht Nero e Rosso in der Legacy Base so besonders.