Forum der Rasur

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Heute habe ich ein Messer geschärft...

Und die man meist eh nicht merkt

Aber ja leider sieht :weihnachtsmann_grins
Apropos sehen, das Thema Lupe / Mikroskop ist auch gut.
Eine Lupe muss ich mir wirklich besorgen ,mag auch den analogen Gedanken dahinter unabhängig von elektronischen Hilfsmitteln zu sein.
Ein Mikroskop wäre eher um auch hier mit den Leuten sowas zu teilen und dadurch zu lernen.
Es ist schon genial was manche hier für Bilder Posten und was mit relativ erschwinglichen Mitteln heutzutage so möglich ist.
 
Heute war mal etwas anderes an der Reihe, nämlich einer meiner neuen Stechbeitel, die mir ab Werk nicht scharf genug vorkamen. Das Thema kennen wir ja.

Zum Schärfen habe ich meine neuen Skerper Steine genommen, in der Körnung 1K und 5K. Die Steine scheinen für den Preis absolut in Ordnung zu sein. Das Schärfen an sich ging relativ flott. Etwas länger hat die Konstruktion gedauert, um den Schärfwinkel möglichst gleich zu halten:

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Die Steine sahen hinterher relativ versaut aus, was aber zeigt, dass die gut Stahl weggenommen haben:

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Das Ergebnis gefällt mir ganz gut:

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Ab Werk sind die Stechbeitel anscheinend nur grob geschärft worden zu sein. So wie die Fläche mit den diagonalen Schärfspuren war der gesamte vordere Bereich, wie der auch immer bei Stechbeitel heißt. Nach dem 5K spiegelt die Phase sehr schön. Armhaare sind auch kein Problem, auch wenn nicht wie bei einem Rasiermesser nach einem 5K Stein. Mag an dem deutlich größeren Winkel liegen.

Heute Abend werde ich mal paar Tests mit dem Beitel machen. Freue mich schon.
 
Zuletzt bearbeitet:
Einmal Thüringer mit Mische bitte…


Wie ja schon in den neuesten RdT angedeutet, habe ich zur Zeit zwei „Gast-Steinchen“ bei mir zu Besuch um sie ausgiebig zu testen. Beides sind Thüringer und der wohl als „Blauer Thüringer“ zu bezeichnende Stein hat mir in den ersten beiden Progressionen (ausschließlich mit klarem Wasser) wirklich zwei Messer beschert, die im Rasurverhalten fast nichts zu wünschen übrig lassen. Hier und heute kommt der Stein zu seinem dritten Einsatz und selbiger unterscheidet sich im Ansatz nur durch ein anderes Schleifmedium aus, bei dieser Progression verwende ich beim Thüri ausschließlich ein Glycerin/Wasser-Gemisch im Verhältnis von 50/50.
polish_save 5.png


Die Progression:


  • SHAPTON Glass (1 x Tape) 4 & 8k zum Auffrischen der Facette (klares Wasser)
  • Thüringer mit 1 x Tape bis zum Pre-Finish
  • Thüringer mit 2 x Tape beim Finish
  • Geledert ausschließlich auf dem QUERCUR Cordovan (der Spanier)

Bevor es so weit war, habe ich das Messer mit jeweils einem kompletten Durchgang „16⇅ & 3⇅“ * auf dem Shapton Glass 4 & 8 k aufgefrischt. Hierbei kam allerdings klares Wasser zum Einsatz.

Eins vorweg: Das G/W-Gemisch unterstützt vom Handling her die Homogenität des Thüri ungemein. Vom Gefühl her: ein seidenweiches Gleiten mit wunderbarer, tiefer Akustik. Das Gefühl & die Akustik nützen aber nix, denn obgleich schon bei den anderen beiden Messern festgestellt, gibt hier der Thüri gefühlt noch weniger Rückmeldung an mich weiter. Ein weiteres, aber eher nur mich persönlich betreffendes „Problemchen“, ist die Größe des Thüri, mit seine ca. 14,5 x 5cm ist dieser Stein ganze Maßeinheiten von meinen bevorzugten „Wohlfühlen-Maßen“ entfernt. Grob geschätzt, bleibt da eine reine Arbeitsfläche (Länge) von vielleicht gerade mal 7-8cm übrig. Wie da so manch anderer mit noch kleineren Steinchen bestens zu Rande kommt, ist und bleibt mir vorerst immer noch ein Rätsel. Allerdings gebe ich da im wahrsten Sinne nicht „klein“ bei, ich übe weiter, denn das zweite Steinchen , welches schon in den Startlöchern wartet, hat schon vor seiner ersten Benutzung von mir einen passenden Spitznamen bekommen: „Das Fischstäbchen“

Durch die fehlende Rückmeldung durch den Stein habe ich dann auch nach gut 3 Sätzen Wechselschübe (Anm.: Auf dem Thüri habe ich nur Wechselschübe gemacht.) bereits mal unter dem Mikro geschaut, was denn der Stein da so macht. Meiner Meinung nach sind die Schleifspuren/Riefen im Vergleich zur Progression mit klarem Wasser etwas feiner und nicht ganz so „tief“. Heißt für mich aber im Umkehrschluss: Mit dem G/W-Gemisch wird es evtl. feiner, dauert aber evtl. auch etwas länger (Bild 2). Nach insgesamt gut 8 Sätzen (Bild 3) ging es erst einmal unter fließendem Wasser um die Klinge komplett vom Gemisch zu reinigen, dann ging es zum ersten HT, und zwar ohne Zwischenledern. Was soll ich sagen, wider Erwarten zeigt sich ein wirklich guter HT über die gesamte Schneidkante. Trotz vermuteter Langsamkeit zeigt sich hier im Zwischenergebnis gegenteiliges … Mag es am Messer liegen, am G/W-Gemisch, an beidem oder am Wetter oder … oder … oder … es ist definitiv eine kleine Überraschung für mich.
Bild 1
R.Aust Thüri1.png


Bild2
R.Aust Thüri2.png

Ich entschied mich, das Finale einzuläuten. Hierzu bekam das Messer ein 2. Tape und es ging für knappe 6 Sätze über den Thüri. Um richtig beurteilen zu können, der Stein meldet mir immer noch überhaupt gar nix, ging es kurz zum Abwasch ins kleine Lesezimmer und dann direkt ohne Zwischenledern zum HT … WOW! … ein sehr gutes Ergebnis über die gesamte Schneidkante. Die Kontrolle unterm Mikroskop zeigte zwar einen nicht ganz so deutlichen Unterschied wie beim A. Schnittert (6/8), sprich 2. Winkel, dennoch aber erkennbar (Bild 5). Ich entschied mich, es hierbei zu belassen und vom Stein zum finalen Ledern überzugehen. Geledert habe ich nur auf dem Spanier, es mögen gute 8 Sätze gewesen sein, dann ging es erneut zum (finalen) HT. Da gibt es nix zu mäkeln: ein Top-Ergebnis. Im hinteren Drittel der Klinge wird das Haar sogar von beiden Seiten her ohne Zug mit einem Haltepunkt von ca.3cm sauber gekappt, das verspricht schon mal einiges für die erste Rasur…
Bild 3
R.Aust Thüri3.png


Bild 4
R.Aust Thüri4.png


Bild 5
Hier der Vergleich zwischen dem Finish fließend Wasser und Glycerin/Wasser-Gemisch

R.Aust Thüri5.jpg



Die erste Rasur (zur RdT bitte hier entlang…)
GlaRdT031225a 2.png
Da das Messer bei meinen bisherigen Progressionen bis zum ersten Einsatz meines Nakayama Asagi immer wieder ein recht harsches Verhalten zeigte, bin ich umso mehr auf das heutige Ergebnis gespannt. Ich möchte da aber auch erneut den Hinweis geben, dass gerade die erste Rasur nach einer Steinzeit auch „nur“ einen ersten Eindruck wiedergibt. Erst die nachfolgenden Rasuren werden ein sicheres Ergebnis bringen…das Messer und das Rasurverhalten werden sich erst „einrasieren“ müssen.

Die ersten kurzen Züge mit dem Strich zeigen bereits, das sonst recht „harsche“ Messer hat eine sehr gute Sanftheit angenommen, die Schärfe ist auch sehr gut. Einzig „gegen“ den Strich fehlt es ein klitzekleines Fitzelken an der Schärfe, dennoch alles in allem hat das Messer ein sehr gutes, sanftes und gründliches Rasurverhalten.


Fazit

Die Kombination Stein & Glycerin/Wasser-Gemisch funktioniert mit diesem Stein sehr gut. Ich behaupte, dass es ein wenig an der Geschwindigkeit des Steines gebracht hat. Was das letzte „Fitzelken“ an der Schärfe angeht, werde ich beim nächsten Messer die ersten Runden nur mit Wasser machen, erst zum eigentlichen Finish werde ich auf das Glycerin/Wasser-Gemisch gehen…dann schäumen wir mal…

Immer neugierig bleiben!!


Danke und Gruß
Gregor

__________________________________________
Schärf-Legende:

1 Satz sind immer 10 Wiederholungen (10x), egal ob Einzelschübe, Wechselschübe, Doppelzüge oder was auch immer womit wodrauf gemacht wird.

*) Ein Durchgang „16⇅ & 3⇅“ bedeutet:
16 Schübe/Züge auf einer Seite, dann Seitenwechsel und 16 Schübe/Züge auf dieser Seite. Dann geht es alternierend jew. -2 Schübe/Züge bis runter auf die 0.

Die 3 bedeutet 3 Sätze á 10 Wechselschübe/-Züge
 
Glycerin ist kein Öl, das weiß ich, aber ich wurde so sozialisiert, dass ich ein Thüringer nur mit Wasser verwende. Ein Thüringer soll nie und nimmer mit Öl benutzt werden, das hatte ich auch für Glycerin so ausgelegt. Umso schöner, dass das bei dir @DailyDriver funktioniert.
 
Sehr sehr genial, danke dass Du Deinen Ablauf im Detail beschreibst und zeigst @DailyDriver
Ich habe heute das Rasiermesser aus dem MH bekommen,top !
Und die Diskussion gestern regt mich an heute auch erneut zu starten.

1000076124.jpg


Diesmal soll der Naniwa 8k mit dazu.
Und ich überlege folgendes:

1000076126.jpg


Das Zwilling liegt einseitig im markierten Bereich nicht plan auf.
Ich gedenke es mit abgeklebter Schneide einmal über 800 & 1k zu ziehen, wirklich vorsichtig,in der Hoffnung es dadurch zu richten.


Ich hatte Glycerin gestern gemischt,und habe mir den Rest abgefüllt.
Und auf dem La Lune hat es bisher nach Reinigung keine sicht- oder spürbaren Rückstände hinterlassen.
 
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1000076145.jpg


Ich glaube diese Mini Ecke ist der Grund, warum das Messer auf einer Seite bis vorne Plan aufliegt und die Spitze scharf wird ( Grün ), und die andere Seite vorne einfach auf den letzten mm nicht ( Rot ).
Es ist einfach ungleichmäßig.
Mache es extrem vorsichtig , deswegen habe ich heute wohl zu wenig gemacht.
Denke so ein Hauch,dann könnte es passen.
Und danach muss ich es erstmal auf Rasurschärfe bringen,ich bin gespannt teufel_lachend
 
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Ich glaube diese Mini Ecke ist der Grund, warum das Messer auf einer Seite bis vorne Plan aufliegt und die Spitze scharf wird ( Grün ), und die andere Seite vorne einfach auf den letzten mm nicht ( Rot ).
Es ist einfach ungleichmäßig.
Mache es extrem vorsichtig , deswegen habe ich heute wohl zu wenig gemacht.
Denke so ein Hauch,dann könnte es passen.
Und danach muss ich es erstmal auf Rasurschärfe bringen,ich bin gespannt teufel_lachend
Wie führst du das Messer auf dem Stein beim Schärfen? Du kannst das Problem sehr einfach lösen, indem du die Klinge bei einige Zügen am Erl minimal anhebst. Als ob die Klinge ein Lächeln hätte.
 
Genau das habe ich auch im Ansatz versucht @sakaltras.
Hat auch ein wenig was gebracht,aber es braucht insgesamt noch ein klein wenig mehr.
Mache trotzdem aber nicht nur punktuell, sondern über die ganze Flanke bzw den Rücken,damit es so gleichmäßig wie möglich wird.
Und halt extrem vorsichtig,dann hoffentlich mit nur minimalem Abtrag insgesamt :)Morgen kommt Runde 2.,ich bin motiviert es hinzubekommen.
Es liegt schon flach auf , aber ich sehe es wenn ich über den Stein fahre wie die Feuchtigkeit genau auf diesen mm in eine Richtung nicht verdrängt wird.
Und beim Tomatenhaut Test spürt man exakt in diesem Bereich auch keine ausreichende Schärfe.
So lokalisiere ich es bisher.
 
Ich meinte ohne Tape auf der Schneide und gleich das Messer richtig schärfen, als ob es ein Lächeln hätte. An dem Rücken würde ich nichts machen. Du kannst damit die gesamte Geometrie versauen.
 
Ich glaube diese Mini Ecke ist der Grund, warum das Messer auf einer Seite bis vorne Plan aufliegt und die Spitze scharf wird ( Grün ), und die andere Seite vorne einfach auf den letzten mm nicht ( Rot ).
Es ist einfach ungleichmäßig.
Dann arbeite die Ecke doch einfach vorsichtig nach.
Erstmal den Rücken auflegen und mit der Taschenlampe kontrollieren ob die Ecke vorsteht.
Wenn ja einfach vorsichtig auf der schmalen Seite eines Steines nacharbeiten
 
So,finally ist die Möglichkeit vorhanden sich die Schneiden anzuschauen:
1000076380.jpg


Cooles Teil, danke an @DailyDriver für die Empfehlung zum Eschenbach.
Ich habe direkt die 15er Version genommen, das obere Glas kann man anschrauben,und hat so quasi eine 2in1 Lupe,sehr genial !


1000076382.jpg


Hier direkt mal ein Bild vom Zwilling aktuell.

Es schaut schon relativ smooth aus, ich bin aber auf der Haut noch absolut nicht zufrieden.
Nun kann ich aber der Sache auch auf den Grund gehen, eröffnet definitiv neue Möglichkeiten !
Einen schönen Nikolaus @all !
 
Dieses Dovo habe ich von meiner Freundin vor 2 Jahren zum Geburtstag geschenkt bekommen.

Erst würde es mit 2 Kagen Tape auf einem Jnats aufgefrischt(Hatte mich damals nicht getraut an der Geometrie oder Facette etwas zu verändern.
1-2x rasiert und war Okay.
Warum 2 Lagen? Weil Dovo bei der Fertigung den Rücken leicht anhebt (ca. 3/10mm)

Heute Nachmittag (Nach der Nachtschicht kann man ja nicht schlafen und hat Langeweile :D)
Beschloss ich mit nur einer Lage Tape 0,08mm erneut das RM zu schärfen.

Da ich eiglt nur mit Jnats arbeite, wollte ich Mal wieder etwas das Spielkind rauslassen, also den Coti genommen.

Feste angerieben, und losgeschärft, bis einmal auf der ganzen Länge, beiden Seiten die Facette ganz durchgeschliffen war.

Am Ende habe ich etwas probiert, was ich sonst nur beim Olympus gemacht habe: Rasierschaum Finish. Eiglt wollte ich Glycerin nutzen, aber hab das dann doch wieder verworfen.

Die Erkenntnis: die Schneidfase ist poliert, wie nach einem 8K Finisher. (Sonst war ja die Schneidfase nach dem GBB eher Matt)
Auch ist mir direkt vom Stein ein HHT gelungen, ohne vorher zu Ledern.
Beim abschließendem Ledern war der HHT unverändert, mit Wuchsrichtung weg von der Wurzel, ebenfalls noch möglich (Juhuuu ich kann ledern) :D
IMG_20251208_175655.jpg


Soll vll eine kleine Animierung dazu sein, dass das jemand von euch auch probiert :D

Sofern Interesse besteht, kann ich Mal noch eine Mikroskop Aufnahme nachliefern
 

Neuigkeiten aus dem Natursteingarten – es kommt (doch) nicht immer auf die Größe an!


Bin ich schon Captain Iglo?

oder

Wie ich anfing, Fischstäbchen zu mögen …


Als ich den Abziehstein zum ersten Mal gesehen habe, hatte ich an zwei Dinge gedacht … „Das ist der Anreiber, o. k., wo bitte ist denn jetzt der richtige Stein?“ Und dann habe ich sofort an ein Fischstäbchen gedacht, denn die Größe passt schon dazu, aber ja, a bisserl länger ist er schon, dafür wird er aber weniger appetitlich sein als sein gedankliches Abbild.
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Zum Abziehstein selbst …

Von den Maßen her passt er definitiv in die alten Listen (Bild A), er ist 12,5 cm lang und 2,5 cm breit, sein Gewicht beträgt 144 g. Umgerechnet in die seinerzeit übliche Maßeinheit in Zoll kommt dabei 5 × 1 Zoll heraus. Lediglich die Dicke des Steins verwundert mich immer noch. Hier ist der Stein tatsächlich unterschiedlich, d. h., er ist schief geschnitten, verläuft von 1,5 cm auf 2,0 cm. Das ist meiner bescheidenen Meinung nach ein sehr fragwürdiges Maß, denn soweit ich weiß, wurde beim Zuschnitt, genau wie beim Material an sich, stets auf sehr hohe Qualität gesetzt. Dass dieser Stein dennoch in den Handel ging, zeigt für mich aber die Tatsache, dass er in einer Pappschachtel mit extra Platz für einen (leider fehlenden) Anreiber verpackt ist. Es gibt zwar Reste eines Aufklebers, daraus lassen sich aber hier und jetzt durch mich keine Rückschlüsse auf den Anbieter/Hersteller ziehen. Die Farbe ordne ich irgendwo zwischen hellem Blaugrün und Hellgrün ein, für mich doch recht schwierig, da exakter zu sein. Wo ich aber exakter sein kann, ist die Feinheit des Steins … die ist wohl das Feinste, was ich bis dato in Sachen Thüringer Abziehstein in Händen halten durfte. Ich bin hier fast schon gewillt, den Lütten in den Bereich eines Eschers zu heben, so stelle ich mir zumindest einen „Papperlstein“ vor.

Vielleicht kann ja jemand etwas zum Stein anhand der Bilder vom „Restettikett“ beitragen…vielen Dank schon einmal im Voraus.
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Die Progression:
  • SHAPTON Glass 4 k & 8 k —> zur Auffrischung (jeweils 1 x 16⇅ & 3⇅ *)
  • Thüringer Abziehstein
  • QUERCUR Shell Cordovan (der Spanier)
Nachdem ich ja bereits ein Messer, das Böker King Cutter (5/8) darauf geschärft hatte, wurde trotz der Umstände in Bezug auf Größe und Form des Steins natürlich auch mein Spieltrieb geweckt. Beim Böker hatte ich zu Anfang den Thüringer auch in meinen Steinhalter „gespannt“, da kam aber das Handling ziemlich schnell an ein „praktisch unzweckmäßig“, denn der Stein ist ja auf der Rückseite quasi schief. Anfangs mit einem kleinen Keil versehen (eine halbe Wäscheklammer aus Holz) ging es beinahe, er fing aber sofort das Kippeln an. Also blieb nur noch die Variante „freihändig“ übrig. Diese bereits gewonnenen Erfahrungen haben mir dann heute auch gewissermaßen Zeit und Bastelversuche gespart, ich habe ohne Umwege mit dem freihändigen Schärfen begonnen. Ich habe zwar bei meinen bisherigen Progressionen hier und da bereits mal freihändig gearbeitet, allerdings mit wirklich deutlich größeren Steinen. Wie sich meine ersten „freihändigen Runden“ mit dem Böker darstellten, verhieß zu Anfang auch nicht wirklich große Erfolge. Kippelte der Stein zu Anfang auf dem Steinhalter, so kippelte ich beim „Freihändig“ jetzt umso mehr und es folgten auch unmittelbar erste „Entgleisungen“ (siehe dazu Bild A), aber zum Ende hin, wurde es schon deutlich besser.
BildB.png

Mit dem Friodur hatte ich aber von Anfang an ein weitaus besseres Gefühl für Messer und Stein, vielleicht lag es an der Größe und somit an der etwas breiteren Auflagefläche. Die etwas breitere Auflagefläche hat aber definitiv auch einen Nachteil: Sie verringert auch die mögliche Arbeitsfläche des ohnehin kleinen Fischstäbchens. Auch meine normale Vorgehensweise habe ich der Größe geschuldet, etwas abgewandelt. Zum einen habe ich nur Wechselschübe/-züge gemacht, zum andern habe ich auf jegliches Zählen verzichtet. Es war dann auch einiges an Zeit und Bewegung notwendig, bis ich so halbwegs gleichmäßige Schübe und Züge hinbekommen habe. Im Großen und Ganzen konnte der geneigte Betrachter Ähnlichkeiten zu den bekannten „X-Strokes“ festgestellt haben, manchmal sah es aber einfach nur wie „gewollt und nicht gekonnt“ aus. Was sich ebenfalls erneut zeigte, war die Tatsache, dass der Thüri keinerlei Rückmeldung gab. Er war und blieb da halt „stumm wie ein Fisch(stäbchen)“. Somit ging alles nach Gefühl, ab und an eine Kontrolle unter dem Mikro, gefolgt vom HT. Hier zickte dann auch das Messer, das Friodur wurde seiner ach so bekannten Zähigkeit gerecht, es dauerte gefühlt ewig, bis dann endlich mal ein HT auch funktionierte, allerdings auch nur partiell auf gut 1 cm.
Bild 1 (Li) : Messer vor Beginn ; Bild 2 (re) : Nach dem Auffrischen mit dem SHAPTON Glass 4 & 8k, jew. 1 x 16/3
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Es folgten Züge auf Schübe, Schübe auf Züge … Irgendwann wurde dann der HT besser und ich machte mir schon Gedanken zum eigentlichen Finish. Hier sollte wieder ein 2. Tape am Ende der Wate einen feineren Winkel geben, das war schon mal klar. Unklar war, ob ich es erneut unter fließendem Wasser versuchen sollte. Beim Böker hatte das Finish unter fließendem Wasser fast desaströs geendet. Hier kippelten nicht nur ich, hier kippelten der Stein, das Messer und ich … gefühlt alle in andere Richtungen. Hier hat sich meine körperliche Einschränkung im linken Arm als zu großes Handicap erwiesen. Stationär am Tisch konnte ich ja sitzen und den (linken) Ellenbogen

ja auf dem Oberschenkel abstützen, im stehen vor dem Wasserhahn ging das nicht. Aufgrund dieser Erfahrung habe ich heute mit dem Friodur gleich auf den Gang unter fließendem Wasser verzichtet und es ging bzw. blieb dann bei einem 2. Tape und reichlich stationären Schüben und Zügen. Nachdem unterm Mikroskop die Veränderung an der Wate erkennbar war, wurde auch der HT gleich besser. Hier war das Messer bzw. der Stahl nicht mehr ganz so zickig. Im Vergleich zur vorherigen Dauer der Progression konnte man hier schon von einem Spurtverhalten sprechen. Zum finalen Ledern ging es dann auf den Spanier und nach gut 8–10 Sätzen folgte dann ein letzter HT mit sehr gutem Ergebnis … na bitte, geht doch.​

Bild 3 (Li) : Die ersten „Doppelschübe“ auf dem Fischstäbchen. ; Bild 4 (re) : Am Ende der Progression
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Bild 5: Finish m. 2 x Tape
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Wie lange habe ich denn nun insgesamt gebraucht? Gefühlt war ich „ewig“ unterwegs, der Blick auf meine Uhr zeigte da gute 80 min. an, alles zusammen, inkl. dem Auffrischen auf den SHAPTON, Kontrollen unter dem Mikro, die HTs und letztendlich auch das Ledern. Die Vorbereitungen sind hier natürlich nicht mit einbezogen. Ob sich das Ganze gelohnt hat? Auch wenn die RdT nicht ganz so gut ausfällt, hat es auf jeden Fall Spaß gemacht und meinen Erfahrungsschatz erheblich vergrößert.

Ich bin da mal sehr auf das Ergebnis gespannt …

Die erste Rasur
RdTklein.png

Bereits der 1. Durchgang „mit dem Strich“ zeigte, dass es hier zwar einen sehr kleinen, dennoch bemerkbaren Unterschied zum Böker KC gibt. Keine Frage, ein sehr gutes Rasurverhalten allemal, in Sachen Sanftheit wohl das beste Ergebnis, welches ich je mit diesem Friodur hinbekommen habe, aber ein klitzekleines Manko in der Schärfe bleibt. Der Fühltest am Kinn zeigt ein (sehr) leichtes Plus in Sachen „Nacharbeit“ an. Gegen den Strich in den Bereichen unter der Nase und unterhalb der Unterlippe gibt es hingegen nix zu meckern, kein Ziepen, kein Tugging. Alles in allem bin ich sehr zufrieden und es soll bei weitem keine Entschuldigung sein, dennoch darf man eins nicht vergessen, es sind hier zwei vom Stahl und Schärfen her, sehr unterschiedliche Messer am Start…

Zum „freihändig“ Schärfen möchte ich sagen, dass mich das Ergebnis äußerst positiv überrascht und gleichermaßen beeindruckt hat…eine Technik, die es weiter zu erkunden gilt.

Zur RdT bitte hier entlang…



Danke und Gruß
Gregor


____________________

Schärflegende:

1 Satz sind immer 10 Wiederholungen (10x), egal ob Einzelschübe, Wechselschübe, Doppelzüge oder was auch immer womit wodrauf gemacht wird.
*) Ein Durchgang „16⇅ & 3⇅“ bedeutet:
16 Schübe/Züge auf einer Seite, dann Seitenwechsel und 16 Schübe/Züge auf dieser Seite. Dann geht es alternierend jew. -2 Schübe/Züge bis runter auf die 0.
Die 3 bedeutet 3 Sätze á 10 Wechselschübe/-Züge
 
Zuletzt bearbeitet:
Sehr schön beschrieben.
Ich hab auch so ein Fischstäbchen rumliegen. Allerdings nicht in grün, sondern ein schwar-gestreifter Escher aus den späteren Jahren. Das gekippel kenn ich von dem auch. Allerdings hat es einen Vorteil, bei diesen schmalen Steine, freihändig zu arbeiten. Denn wenn die fest aufliegen ist die Wahrscheinlichkeit recht hoch, dass man die Schneide über den Rand "verkantet" und die dann ruiniert. Durch das lockere freihändige Aufliegen in der Hand folgt der Stein auch mehr dem Messer. Ich persönlich halte auch meinen Daumen von der Seite fern und lass das Fischstäbchen in meiner Hand mehr "schwimmen" (schönes Wortspiel :lol) und man schneidet sich nicht so schnell selbst in den Daumen.
Die Ergebnisse sprechen ja für sich, auch solch kleinen Steine bieten eine tolle Schärfe. Es muss nicht immer der 20" Riesen Stein sein.
Mein Fischstäbchen nehme ich gerne mit in den Urlaub, um im Notfall einen Finisher dabeizuhaben und auch für Küchenmesser lässt sich das anwenden. Etwas ungewohnt, aber machbar.
 
Das ist der Dude von dem mein Leder Stropping Video ist, der ist auf YouTube ewig dabei.
Bin zwar von diesen Skills weit entfernt, aber es inspiriert und macht Spaß anzuschauen :)
 
und man schneidet sich nicht so schnell selbst in den Daumen.
Oh ja, das waren auch meine ersten Erfahrungen mit diesem Stein und dem „freihändig“ schärfen. Man(n) kennt
das auch vom Radfahren und den Straßenbahnschienen…das eine kann man, das andere sieht man, bewegen
sich aber beide auf Kollisionskurs, bringt sie beinahe nix mehr auseinander, es zieht sie quasi zueinander hin.

Bei mir war es allerdings nicht der Daumen, da habe ich vorsorglich die 2cm dicke Seite des Steins genommen,
bei mir war es (beinahe) mehrfach der Ansatz zum Handballen. Allen Schärfgeistern sei Dank, ist aber nix passiert. :happy
 
Der Begriff ist geil :D

Bin letztens auf ein Video gestoßen, welches eine ziemlich interessante Technik zeigt:

Er schärft es quasi nicht Längs sondern Quer, dabei ist die Gefahr dass es zur Seite kippelt wesentlich geringer

interessante Technik. Kann man machen. Aber ich sehe für mich da 2 Probleme.
1. Man übt zu viel Druck aus. Besonders bei Vollholen RM wichtig. Die sind flexibel. Man will ja normalerweise nur die Schneide scharf bekommen, bei zu viel Druck biegt sich diese aber weg vom Stein und die Spitze berührt den dann nicht mehr. Ich für meinen Teil rasiere mich lieber mit der Spitze und nicht mit der Seite der Facette. ;)
Das 2. ist die Richtung. Es macht einen essentiellen Unterschied in welche Richtung das RM über den Stein geschoben respektive gezogen wird. Bei Bewegungen mit Rücken voran (edge-trailing) entsteht immer ein Grad. Den will man nicht haben, oder muss dann zusehen, wie man den wieder weg bekommt.
So wie der Gute im Video den Stein führt würde ich nicht ausschließen wollen, dass partiell einer entstehen könnte.
Bei großen Klingen kann die Technik aber durchaus sinnvoll sein. Versuch mal eine Sense oder Schwert über die gesamte länge über einen Stein zu ziehen. Da braucht man lange Arme :lol
 
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