Neuigkeiten aus dem Natursteingarten – es kommt (doch) nicht immer auf die Größe an!
Bin ich schon Captain Iglo?
oder
Wie ich anfing, Fischstäbchen zu mögen …
Als ich den Abziehstein zum ersten Mal gesehen habe, hatte ich an zwei Dinge gedacht … „Das ist der Anreiber, o. k., wo bitte ist denn jetzt der richtige Stein?“ Und dann habe ich sofort an ein Fischstäbchen gedacht, denn die Größe passt schon dazu, aber ja, a bisserl länger ist er schon, dafür wird er aber weniger appetitlich sein als sein gedankliches Abbild.
Zum Abziehstein selbst …
Von den Maßen her passt er definitiv in die alten Listen (Bild A), er ist 12,5 cm lang und 2,5 cm breit, sein Gewicht beträgt 144 g. Umgerechnet in die seinerzeit übliche Maßeinheit in Zoll kommt dabei 5 × 1 Zoll heraus. Lediglich die Dicke des Steins verwundert mich immer noch. Hier ist der Stein tatsächlich unterschiedlich, d. h., er ist schief geschnitten, verläuft von 1,5 cm auf 2,0 cm. Das ist meiner bescheidenen Meinung nach ein sehr fragwürdiges Maß, denn soweit ich weiß, wurde beim Zuschnitt, genau wie beim Material an sich, stets auf sehr hohe Qualität gesetzt. Dass dieser Stein dennoch in den Handel ging, zeigt für mich aber die Tatsache, dass er in einer Pappschachtel mit extra Platz für einen (leider fehlenden) Anreiber verpackt ist. Es gibt zwar Reste eines Aufklebers, daraus lassen sich aber hier und jetzt durch mich keine Rückschlüsse auf den Anbieter/Hersteller ziehen. Die Farbe ordne ich irgendwo zwischen hellem Blaugrün und Hellgrün ein, für mich doch recht schwierig, da exakter zu sein. Wo ich aber exakter sein kann, ist die Feinheit des Steins … die ist wohl das Feinste, was ich bis dato in Sachen Thüringer Abziehstein in Händen halten durfte. Ich bin hier fast schon gewillt, den Lütten in den Bereich eines Eschers zu heben, so stelle ich mir zumindest einen „Papperlstein“ vor.
Vielleicht kann ja jemand etwas zum Stein anhand der Bilder vom „Restettikett“ beitragen…vielen Dank schon einmal im Voraus.
Die Progression:
- SHAPTON Glass 4 k & 8 k —> zur Auffrischung (jeweils 1 x 16⇅ & 3⇅ *)
- Thüringer Abziehstein
- QUERCUR Shell Cordovan (der Spanier)
Nachdem ich ja bereits ein Messer, das
Böker King Cutter (5/8) darauf geschärft hatte, wurde trotz der Umstände in Bezug auf Größe und Form des Steins natürlich auch mein Spieltrieb geweckt. Beim Böker hatte ich zu Anfang den Thüringer auch in meinen Steinhalter „gespannt“, da kam aber das Handling ziemlich schnell an ein „praktisch unzweckmäßig“, denn der Stein ist ja auf der Rückseite quasi schief. Anfangs mit einem kleinen Keil versehen (eine halbe Wäscheklammer aus Holz) ging es beinahe, er fing aber sofort das Kippeln an. Also blieb nur noch die Variante „freihändig“ übrig. Diese bereits gewonnenen Erfahrungen haben mir dann heute auch gewissermaßen Zeit und Bastelversuche gespart, ich habe ohne Umwege mit dem freihändigen Schärfen begonnen. Ich habe zwar bei meinen bisherigen Progressionen hier und da bereits mal freihändig gearbeitet, allerdings mit wirklich deutlich größeren Steinen. Wie sich meine ersten „freihändigen Runden“ mit dem Böker darstellten, verhieß zu Anfang auch nicht wirklich große Erfolge. Kippelte der Stein zu Anfang auf dem Steinhalter, so kippelte ich beim „Freihändig“ jetzt umso mehr und es folgten auch unmittelbar erste „Entgleisungen“ (siehe dazu Bild A), aber zum Ende hin, wurde es schon deutlich besser.
Mit dem Friodur hatte ich aber von Anfang an ein weitaus besseres Gefühl für Messer und Stein, vielleicht lag es an der Größe und somit an der etwas breiteren Auflagefläche. Die etwas breitere Auflagefläche hat aber definitiv auch einen Nachteil: Sie verringert auch die mögliche Arbeitsfläche des ohnehin kleinen Fischstäbchens. Auch meine normale Vorgehensweise habe ich der Größe geschuldet, etwas abgewandelt. Zum einen habe ich nur Wechselschübe/-züge gemacht, zum andern habe ich auf jegliches Zählen verzichtet. Es war dann auch einiges an Zeit und Bewegung notwendig, bis ich so halbwegs gleichmäßige Schübe und Züge hinbekommen habe. Im Großen und Ganzen konnte der geneigte Betrachter Ähnlichkeiten zu den bekannten „X-Strokes“ festgestellt haben, manchmal sah es aber einfach nur wie „gewollt und nicht gekonnt“ aus. Was sich ebenfalls erneut zeigte, war die Tatsache, dass der Thüri keinerlei Rückmeldung gab. Er war und blieb da halt „stumm wie ein Fisch(stäbchen)“. Somit ging alles nach Gefühl, ab und an eine Kontrolle unter dem Mikro, gefolgt vom HT. Hier zickte dann auch das Messer, das Friodur wurde seiner ach so bekannten Zähigkeit gerecht, es dauerte gefühlt ewig, bis dann endlich mal ein HT auch funktionierte, allerdings auch nur partiell auf gut 1 cm.
Bild 1 (Li) : Messer vor Beginn ; Bild 2 (re) : Nach dem Auffrischen mit dem SHAPTON Glass 4 & 8k, jew. 1 x 16/3
Es folgten Züge auf Schübe, Schübe auf Züge … Irgendwann wurde dann der HT besser und ich machte mir schon Gedanken zum eigentlichen Finish. Hier sollte wieder ein 2. Tape am Ende der Wate einen feineren Winkel geben, das war schon mal klar. Unklar war, ob ich es erneut unter fließendem Wasser versuchen sollte. Beim Böker hatte das Finish unter fließendem Wasser fast desaströs geendet. Hier kippelten nicht nur ich, hier kippelten der Stein, das Messer und ich … gefühlt alle in andere Richtungen. Hier hat sich meine körperliche Einschränkung im linken Arm als zu großes Handicap erwiesen. Stationär am Tisch konnte ich ja sitzen und den (linken) Ellenbogen
ja auf dem Oberschenkel abstützen, im stehen vor dem Wasserhahn ging das nicht. Aufgrund dieser Erfahrung habe ich heute mit dem Friodur gleich auf den Gang unter fließendem Wasser verzichtet und es ging bzw. blieb dann bei einem 2. Tape und reichlich stationären Schüben und Zügen. Nachdem unterm Mikroskop die Veränderung an der Wate erkennbar war, wurde auch der HT gleich besser. Hier war das Messer bzw. der Stahl nicht mehr ganz so zickig. Im Vergleich zur vorherigen Dauer der Progression konnte man hier schon von einem Spurtverhalten sprechen. Zum finalen Ledern ging es dann auf den Spanier und nach gut 8–10 Sätzen folgte dann ein letzter HT mit sehr gutem Ergebnis … na bitte, geht doch.
Bild 3 (Li) : Die ersten „Doppelschübe“ auf dem Fischstäbchen. ; Bild 4 (re) : Am Ende der Progression
Bild 5: Finish m. 2 x Tape
Wie lange habe ich denn nun insgesamt gebraucht? Gefühlt war ich „ewig“ unterwegs, der Blick auf meine Uhr zeigte da gute 80 min. an, alles zusammen, inkl. dem Auffrischen auf den SHAPTON, Kontrollen unter dem Mikro, die HTs und letztendlich auch das Ledern. Die Vorbereitungen sind hier natürlich nicht mit einbezogen. Ob sich das Ganze gelohnt hat? Auch wenn die RdT nicht ganz so gut ausfällt, hat es auf jeden Fall Spaß gemacht und meinen Erfahrungsschatz erheblich vergrößert.
Ich bin da mal sehr auf das Ergebnis gespannt …
Die erste Rasur
Bereits der 1. Durchgang „mit dem Strich“ zeigte, dass es hier zwar einen sehr kleinen, dennoch bemerkbaren Unterschied zum Böker KC gibt. Keine Frage, ein sehr gutes Rasurverhalten allemal, in Sachen Sanftheit wohl das beste Ergebnis, welches ich je mit diesem Friodur hinbekommen habe, aber ein klitzekleines Manko in der Schärfe bleibt. Der Fühltest am Kinn zeigt ein (sehr) leichtes Plus in Sachen „Nacharbeit“ an. Gegen den Strich in den Bereichen unter der Nase und unterhalb der Unterlippe gibt es hingegen nix zu meckern, kein Ziepen, kein Tugging. Alles in allem bin ich sehr zufrieden und es soll bei weitem keine Entschuldigung sein, dennoch darf man eins nicht vergessen, es sind hier zwei vom Stahl und Schärfen her, sehr unterschiedliche Messer am Start…
Zum „freihändig“ Schärfen möchte ich sagen, dass mich das Ergebnis äußerst positiv überrascht und gleichermaßen beeindruckt hat…eine Technik, die es weiter zu erkunden gilt.
Zur RdT bitte
hier entlang…
Danke und Gruß
Gregor
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Schärflegende:
1 Satz sind immer 10 Wiederholungen (10x), egal ob Einzelschübe, Wechselschübe, Doppelzüge oder was auch immer womit wodrauf gemacht wird.
*) Ein Durchgang „16⇅ & 3⇅“ bedeutet:
16 Schübe/Züge auf einer Seite, dann Seitenwechsel und 16 Schübe/Züge auf dieser Seite. Dann geht es alternierend jew. -2 Schübe/Züge bis runter auf die 0.
Die 3 bedeutet 3 Sätze á 10 Wechselschübe/-Züge