Forum der Rasur

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J.A. Henckels Zwillingswerk, Solingen (Zwilling, Wotan, Friodur u.a.)

Danke für eure Tipps :)
Und genau, mir fehlen die Steine fürs Finish.
Für das eine Messer was ich aus Nostalgie hin und wieder mal schwingen werde, lohnt so ein invest glaube ich eher nicht.
Werde es demnächst aber definitiv mal zum schärfen abgeben, hab wieder Lust drauf bekommen.
 
Heute ein richtig altes #44 Spanisch von J.A. Henckels aus Schweden bekommen... hat wohl vorher mal in Wetzlar seinen Dienst verrichtet...

Henckels,J.A. Solingen #44 ZWILLING 6-8 SP Bak sw a0.jpg


...noch mit der alten Adresse ohne den Zusatz "Zwillingswerk" , also ca. 1895-1915 ...mit den kleinen Rostschatten an der Nase und am Erl kann ich leben...

Henckels,J.A. Solingen #44 ZWILLING 6-8 SP Bak sw b00.jpg


Der Breitenverlauf der Hohlung war ursprünglich 6/8 auf 7/8 und ist nun durch die Angleichung eines kleinen Ausbruches unter der dem Schulteransatz nochmals etwas verjüngt worden, sieht aber für meinen Geschmack gar nicht schlecht aus und steht dem alten Messer vorzüglich.

Mit scharfen Grüßen
Rainer
 
Zuletzt bearbeitet:
Was bedeuten eigentlich die eingestanzten Zahlen bzw. Nummern?
Lassen die auf das Alter zurückführen oder die Klingengeometrie?
 
Was bedeuten eigentlich die eingestanzten Zahlen bzw. Nummern?
Lassen die auf das Alter zurückführen oder die Klingengeometrie?

Eine Frage die gar nicht so leicht zu beantworten ist, denn der Hersteller J.A.Henckels produziert schon seit über 100 Jahre Rasiermesser und über diesen langen Zeitraum gab und gibt es immer wieder Änderungen und/oder Neuerungen. Im Normalfall beziehen sich die Nummern auf verschiedene Modelle und/oder Modellreihen. Ließt man die Nummern in Bezug zu einzelnen Modell, kann man auch auf Größe oder in Kombination auf Form, hier speziell die Kopfform schließen. Allerdings sind auch hier zusätzliche, oft nicht generell verwendete Zusatzinformationen über den Schliff der Klinge und/oder Material und verwendeten Stahl möglich. Bzgl. des Stahls sei hier als Beispiel die sog. „FRIODUR“ - Messer genannt, da handelt es sich um Stahl, der nach eigenem, patentierten Verfahren eisgehärtet wird und als Rostfrei (Rostträge) gekennzeichnet sein kann.

Weiterhin gibt es bei J.A.Henckels Rasiermessern auch die Besonderheit, dass die Nummern nicht nur vorn am Erl/Klingenansatz zu finden sind, sondern auch auf der obersten Vorderseite der Angel.

Einige Beispiele…
  • Kleinere Nummern wie z.B. die 50 sind eher Messer in kleiner Größe (5/8)
  • Dies muss aber nicht sein, denn z.B. die 14 oder 17 weisen auf sehr breite Klingen hin, hier ist besonders die 14 gemeint, eine 14‘er Klinge ist so etwas wie der Gral, da geht es bis 8/8 hoch. Solche Modelle sind sehr selten und (leider) auch sehr teuer.
  • Wobei eine 70 oder 72 auf größere Modelle zeigt, 6/8, 13/16 oder auch 7/8
  • Auch Buchstaben fanden Verwendung, dies weist auf den verwendeten Schliff der Klinge hin, ein „V“ steht hier z.B. für eine Klinge mit Viertelhohlem Schliff hin.

  • Einige Klingen weisen zusätzlich hinter der Modellnummer noch weitere Zahlen und/oder Kennzeichnungen auf, so z.B. ein 1/2, hier kann man es auf die Kopfform beziehen, die 1/2 weißt auf einen Rundkopf hin. So kann, wie im Bild zu erkennen ist, eine 72 1/2 auf ein Modell 72 in 7/8 mit Rundkopf sein.

polish_save 6.png



Alle Angaben ohne Gewähr!!


Ich hoffe, ich konnte deine Frage halbwegs befriedigend beantworten.


Gruß
Gregor
 
Vielen Dank für deine ausführlich Antwort. Es beruhigt mich etwas, dass es scheinbar doch keine "simple" Struktur zu geben scheint, die ich nur nicht verstanden habe.

Was ich glaube erkannt zu haben, ist, dass die "Friodure" nicht aus Carbonstahl im üblichen Sinne gefertigt sind. Das ist schon mal hilfreich zu wissen. Auch die diversen Prägungen, die u.U. auf das Alter Hinweisen, fand ich sehr interessant (weiter vorne in Beiträgen).

Auf meiner Suche nach einem ersten Messer bin ich eben auch auf (ältere) J. A. Henckels gestoßen. Ich vermute, dass man hier ein brauchbares und erschwingliches Messer für den Einstieg bekommt, mit dem erste Versuche starten kann.

Rasieren und Schärfen lernen. Das hätte ich gerne, bevor ich mir eines zulege, das mir so wirklich in allen Belangen gefällt.

Ich liebäugle mit einem schwarzen #78. Es ist hier im MH zu finden und ich habe schon ernstes Intresse angemeldet. Es könnte ein 5/8 sein, vielleicht auch etwas breiter.
Mal sehen ob es hinhaut und den Weg zu mir findet. Dann stelle ich es hier auf jeden mal vor.
 
Eingeschlagene Nummern auf Rasiermessern sind historisch gesehen zunächst einmal grundsätzlich Modellnummern. Und zwar Modellnummern der Klingenrohlinge der Gesenkschmiede.
Deshalb erklärt sich auch, dass viele Rasiermesser von unterschiedlichen Herstellern die gleiche Nummer besitzen, wie z.B. die sehr beliebte 14er Variante.

Henckels nimmt hier eine Sonderstellung ein, da sie zum einen eine eigene Gesenkschmiede betrieben und zum anderen die Varianten so umfangreich waren, wie bei keiner anderen Rasiermessermanufaktur.
Bei den alten Henckels-Modellen, die vor WK2 produziert wurden, beschreibt die Modellnummer exakt die Form, Breite und den Schliff der Messer, die Oberflächenbehandlung (gepliestet oder poliert) sowie das Material der zugehörigen Schalen. Hier mal ein Beispiel aus dem Musterbuch von 1905:

Henckels_MB_1905_268.jpg


Die Variantenvielfalt hat sich insbesondere zum Ende des 19. Jahrhunderts/ Anfang 20 Jh. stark vergrößert. Gab es bis etwa 1880 nur etwa 26 unterschiedliche Formen, so wuchs die Zahl auf weit mehr als hundert in den 1920er Jahren an.
Dabei wurden um 1890 auch die Nummern geändert, wie der folgende Auszug aus dem Preisbuch von 1890 zeigt:

Henckels PB_1890_78.jpg


Um 1920 herum fing man an, verschiedene beliebte Geradkopf-Modelle auch mit Rundkopf anzubieten. Daraus resultiert der Zusatz ½ zu der Modellnummer. Hier ein Beispiel aus dem Katalog von 1930.

Preisbuch Zwilling 1930_Ausschnitt.jpg


Andere Zusätze, wie z.B. das V für Keilschliff sowie die Variation der Klingenbreite erfolgten nach WK2.

Gut scharf! hatzicho
 
Das ist sehr intressant, danke!

Schade, dass die obere Liste bei #75 aufhört.Ein #78 könnte bald bei mir einziehen.

Die bei diesem Modell schlicht gehaltene Klinge und das schwarze Heft finde sehr ansprechend.
 
Wow, danke!

Dann könnte das ja ein wirklich altes Messer sein. Die Prägung der Zwillinge scheint aber eine jüngere...

Soblad ich mehr weiß, bzw. das Messer da ist, lade ich Fotos hoch.

Ich habe mich für den Kauf entschieden und warte nun auf eine Versandbenachrichtigung :breakdance1
 
Ja die verschiedenen Warenzeichenprägungen lassen einen gewissen Rückschluss zu, wann das Messer entstanden ist, da die Modellnummern über Jahrzehnte die gleichen blieben.
Auf der Musterbuchseite ist das Zeichen so geschlagen, wie es dem Warenzeicheneintrag von 1898 entspricht:

Henckels_Warenzeichen1898.jpg


Aber auch diese Form hat sich über die Jahre dann mehrfach geändert:


Henckels_Warenzeichen_k.jpg


Gut scharf! hatzicho
 
Das ist sehr intressant, danke!

Schade, dass die obere Liste bei #75 aufhört.Ein #78 könnte bald bei mir einziehen.

Die bei diesem Modell schlicht gehaltene Klinge und das schwarze Heft finde sehr ansprechend.
Ein Mitforist, hat mal den halben Katalog aus den 30ern hochgeladen.
Guck mal hier, eventuell wirst du ja fündig

 
Ein Mitforist, hat mal den halben Katalog aus den 30ern hochgeladen.

Den halben Katalog ist gut ....;)

Die Musterbücher der Firma Henckels in der ersten Hälfte des 20. JH umfingen mehr als 300 Seiten, die Preisbücher waren extra und nochmals über 100 Seiten stark. Das betraf natürlich alle Schneidwaren, die Rasiermesser machten nur einen sehr untergeordneten Anteil aus....

Gut scharf! hatzicho
 
Den halben Katalog ist gut ....;)

Die Musterbücher der Firma Henckels in der ersten Hälfte des 20. JH umfingen mehr als 300 Seiten, die Preisbücher waren extra und nochmals über 100 Seiten stark. Das betraf natürlich alle Schneidwaren, die Rasiermesser machten nur einen sehr untergeordneten Anteil aus....

Gut scharf! hatzicho
Ja, "halb" war etwas überspitzt. :flucht1
Falls jemand den vollständigen als pdf hat... Ich würde mich drüber freuen :proud
 
Was ich glaube erkannt zu haben, ist, dass die "Friodure" nicht aus Carbonstahl im üblichen Sinne gefertigt sind.
Der Friodurstahl ist kein spezieller Carbonstahl sonder das ist der rostfreie Stahl von Zwilling. Quasi die INOX-Variante. Gibt es heute z.B. noch Kochmesser raus. Ich habe zwei davon und kann sie empfehlen. Die Produktion von Rasiermessern ist m.W.n. mittlerweile eingestellt.
 
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