Forum der Rasur

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Karl Hummel Karlsruhe

Fila Brasileiro

Gold FdR-Pate
Habe vor zwei Jahren in einem Karlsruher Messer Laden dieses 4/8
Messer gekauft.Es ist vollhol geschliffen und und lag nur zu Deko Zwecke in der Vitrine.
Das Messer an sich ist ja nicht so spektakulär zumal ich 4/8 auch nicht so mag.
Aber von einer Karlsruher Messerfabrik die auch Rasiermesser herstellt hatte ich nie was gehört.
Vielleicht einer von euch, und vielleicht schwirren hier im Forum auch noch ein Paar „ Hummel" rum.
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Schönes Messer - meinen Glückwunsch! :daumenhoch
Irre ich mich, oder schaut der Rücken recht dick aus?

Wie auch immer, es gefällt mir wegen seiner Schlichtheit, und der Schönheit seiner Schalen :)
 
Dafür macht der Hohlschliff aber auch einen sehr "hohlen" Eindruck.
Gerne eine Nummer größer, aber solche eher schlicht gehaltenen Messer gefallen mir sehr! :daumenhoch
 
Servus Ich hab vor schon mehr als zwei Jahren ein Barbierset mit Scheren und Messern vererbt bekommen (da mein Urgroßvater eben Barbier war) alles waren Produkte von Karl Hummel aus den späten 20ern. Ich hab mich kurz darauf über die Marke informiert und fand heraus, dass diese Produkte speziell in „Sets“ an Barbiere und Frisöre verkauft wurden und aufgrund ihrer Langlebigkeit im Dauereinsatz glänzten. Aus Interesse wurde das 4/8 zum Schleifen geschickt und ich war schlußendlich mehr als absolut begeistert. (ja gut mir gefallen aber auch kleinere, handliche Messer ist aber jedem seine Sache und es ist super dass es breitgefächerte Geschmäcke gibt).

Endresultat: Dafür dass es kein Solinger Messer ist (oder auch gerade deswegen) ist es ein wunderschönes, schlichtes und hochfunktionelles Messer, welches sich vor keiner anderen Marke verstecken braucht und dazu eine echte Rarität☺️

Schönes Messer!

Gruß aus Niederbayern,

Korbirasierensmilie
 
@Korbi McEckl
Bin eigentlich kein Freund von 4/8 aber dieses „Hummeichen“ mag ich .
In Solingen gab es so viele Rasiermesser Hersteller die bekommt kaum jemand zusammen ,aber ein Messer aus Karlsruhe ist schon was seltenes.
Mein Hummel rasiert auch ganz hervorragend kommt bei mir aber selten zum Einsatz.
Das war früher nicht so 4/8 und 5/8 waren eigentlich Standart ,allein schon aus Kostengründen.
Schön was du über die Historie dieser Marke heraus gefunden hast ,ist mir nicht gelungen:daumenhoch.
 
Hier mal noch drei Hummelchen.....
Sind selten geworden heutzutage, sowohl die aus Stahl als auch die in freier Natur. Kann mich nicht erinnern dieses Jahr eine einzige gesehen zu haben, auch nicht kürzlich beim Grummet machen.

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Die Rasiermesserfabrik von Karl Hummel war etwas Besonderes. War sie doch eine der ganz wenigen Werkstätten, die Rasiermesser auf Hamburger Art in größerem Stil herstellte. Zwar gab es viele Schleifer, die nach Hamburger Art Rasiermesser fertigten, jedoch handelte es sich meist um Einzelanfertigungen oder sehr geringe Stückzahlen. Regelrechte Manufakturen wie in Solingen gab es hier - zumindest nach den Weltkriegen, nicht. Die Schleifer waren meistens Reparaturschleifer für Messer, Scheren und sonstige Schneidwerkzeuge und fertigten auch mal Rasiermesser.

Einer der letzten Schleifer für Karl Hummel war Geza Kapetz. Über ihn gibt es ein kurzes Filmdokument, welches die Hamburger Art zu Schleifen zeigt. Ich hatte es schon mal an anderer Stelle verlinkt:

Zu sehen kurz vor Ende des Films ist auch der Einsatz der sogenannten Hexe mit thüringer Wasserabziehsteinen. Wobei diese Bezeichnung für die Abziehmaschinen ausschließlich in Solingen gebräuchlich ist.

Gut scharf! hatzicho
 
Hier mal noch drei Hummelchen.....
Sind selten geworden heutzutage, sowohl die aus Stahl als auch die in freier Natur. Kann mich nicht erinnern dieses Jahr eine einzige gesehen zu haben, auch nicht kürzlich beim Grummet machen.

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Die Rasiermesserfabrik von Karl Hummel war etwas Besonderes. War sie doch eine der ganz wenigen Werkstätten, die Rasiermesser auf Hamburger Art in größerem Stil herstellte. Zwar gab es viele Schleifer, die nach Hamburger Art Rasiermesser fertigten, jedoch handelte es sich meist um Einzelanfertigungen oder sehr geringe Stückzahlen. Regelrechte Manufakturen wie in Solingen gab es hier - zumindest nach den Weltkriegen, nicht. Die Schleifer waren meistens Reparaturschleifer für Messer, Scheren und sonstige Schneidwerkzeuge und fertigten auch mal Rasiermesser.

Einer der letzten Schleifer für Karl Hummel war Geza Kapetz. Über ihn gibt es ein kurzes Filmdokument, welches die Hamburger Art zu Schleifen zeigt. Ich hatte es schon mal an anderer Stelle verlinkt:

Zu sehen kurz vor Ende des Films ist auch der Einsatz der sogenannten Hexe mit thüringer Wasserabziehsteinen. Wobei diese Bezeichnung für die Abziehmaschinen ausschließlich in Solingen gebräuchlich ist.

Gut scharf! hatzicho
Die Wissensdichte mit der du bei historischen Themen immer glänzt ist sogar für mich als „Nicht-Messerer“ jedesmal eine helle Freude! :respect_schild
 
Einer der letzten Schleifer für Karl Hummel war Geza Kapetz. Über ihn gibt es ein kurzes Filmdokument, welches die Hamburger Art zu Schleifen zeigt. Ich hatte es schon mal an anderer Stelle verlinkt:
Ich beschäftige mich gerade mit der Firma Karl Hummel und werde dazu in den nächsten Tagen etwas schreiben.
Ich habe mir gerade das verlinkte Video noch einmal angeschaut. Es scheint, daß ich noch nicht richtig verstanden habe, wie nach "Hamburger Art" geschliffen wird. Ich dachte, dabei wir in Längsrichtung, also parallel zum Messerrücken geschliffen. Das ist aber in dem Video nicht der Fall.
Vielleicht kann es mir jemand noch einmal erklären.
Vielen Dank im voraus.
 
Im Buch von Max Schmidt - Das Rasiermesser wird die Hamburger Art zu schleifen genau beschrieben:

Die Hamburger Art war sowohl in Norddeutschland - daher der Name, als auch im Osten Deutschlands sehr verbreitet. Im Süden Deutschlands dominierte die Tuttlinger Art und in Solingen - na klar.
Beide Meister, von denen ich die Art zu schleifen noch lernen konnte, kamen aus Thüringen und haben ihr Handwerk ziemlich genau so wie im Buch beschrieben, gelernt. Das Rasiermesserschleifen wurde übrigens im Handwerk Messerschmied und Instrumentenschleifer im Osten Deutschlands noch in den Spezialisierungsgewerken Hohlschleifer sowie Instrumentenschleifer zur Meisterprüfung bis in die 1970er Jahre noch geprüft!

Die Hamburger Art unterscheidet sich von der alten Solinger Art (Handschliff - kein Maschinenschliff) nur unwesentlich. Beim Rasiermesser wird nach den Basisarbeiten am Erl/ Rücken zunächst die Wate mit großem Stein (9-10 fache Breite des Messer) geschliffen. Danach wird sich mit immer kleineren Steinen bis in die Hohlung vorgearbeitet. Dabei entstehen kleine Absätze (in Solingen Bördchen genannt), die den Wall vorformen. Dieser wird dann beim nachfolgenden Pliesten rund gemacht. Dann wird die Wate so dünn gepliestet, das sie sich beim Nageltest bis in die Hohlung hinein beugt. Das ist praktisch schon alles (wenn's mal so einfach wäre, haha).

Der Unterschied zwischen Solingen und Hamburg besteht in den Schleifmaschinen und der Drehrichtung der Scheiben. Bei der Hamburger Art verwendet man Holzböcke und Spindeln. Die Spindel laufen nicht in Lagern, sondern mit Spitzen in Holz. Das ist in dem Video gut zu sehen. Die Schleifscheibe dreht sich vom Schleifer weg, man schleift oben auf der Scheibe. Es wird im Stehen geschliffen.
Bei der Solinger Art laufen Wellen, auf denen die Schleifscheiben montiert sind, in Lagern (früher Bleilager). Die Scheiben drehen sich auf den Schleifer zu, geschliffen wird nach unten.

Ich weiß nicht was Du mit in Längsrichtung schleifen meinst....wie soll das gehen mit runden Schleifscheiben?
Die Hohlung wird aber bei beiden Schleifarten in Längsrichtung, also gegen die Schleifriefen, mit speziellen Scheiben längs gepliestet. Danach wieder quer.

Das mal in absoluter Kurzfassung zu den Schleifarten.

Gut scharf! hatzicho
 
Super erklärt, @Hatzicho's Kotten . Vielen Dank dafür, jetzt ist mir einiges klarer geworden.
Ich weiß nicht was Du mit in Längsrichtung schleifen meinst....wie soll das gehen mit runden Schleifscheiben?
Irgendwie bin ich dem Irrtum aufgesessen, daß False Framebacks nach Hamburger Art geschliffen werden. Aber den Irrtum hast Du gerade ausgeräumt.
Trotzdem oder gerade deshalb noch eine Frage: Werden False Framebacks parallel zum Rücken ausgeschliffen und mit welchen Schleifgeräten erfolgt das.
Ich frage, weil ich ein solches Messer, das für Hummel in Solingen hergestellt wurde, besitze und das hier vorstellen möchte.
 
Bei falschen Framebacks bleibt einem in der Tat nichts anderes übrig. Allerdings wurden diese in Deutschland nur in sehr geringer Stückzahl gefertigt.
Du willst ja dabei einen Rücken in der notwendigen Stärke haben, der vom Rest der Klinge stark abgesetzt ist. Die Klinge selbst soll nicht hohl geschliffen sein, sondern plan, praktisch "true-wedge". Das geht mit keinem Schleifstein der quer zur Messerachse bewegt wird. Hier bleibt nur der Längsschliff. Deswegen haben diese Messer auch keinen Ansatz sondern laufen zur Angel frei aus oder in einer Art Ansatzhohlspiegel, da ich ja mit der Schleifscheibe irgendwo auslaufen muss.

Gut scharf! hatzicho
 
Vor ein paar Tagen, die Temperaturen gingen wieder leicht nach oben, da hat sich eine Hummel aufgemacht und sich ein neues Nest gesucht. Ungewöhnlich, so früh im Jahr die ersten Hummeln zu sehen, aber die Freude darüber war umso größer.

Es handelt sich um eine Hummel der Spezies „Bombus immaculatus ferro“ mit einer Flügelspannweite von 4/8“, also eher um ein kleineres Exemplar. Der deutsche Name müsste sich mit „Edelstahl-Hummel“ übersetzen lassen.

Überraschenderweise bekam ich ein Paket eines lieben Forums-Kollegen, mit diversem Zubehör für unser Hobby, u.a. dieses feine Rasiermesser.
Fotos hatte @Fila Brasileiro bereits oben gezeigt, ich möchte nur eines ergänzen, welches die Feinheit der Hohlschliffes der Klinge zeigt, der den Solingern in nichts nachsteht.

Karl Hummel_Bombus Edelstahl_0004.JPG


Grund genug für mich, in einer Kiste zu kramen und ein weiteres Rasiermesser der Fa. Karl Hummel hervorzuholen, das noch darauf wartet, in Gebrauch genommen zu werden.
Hierbei handelt es sich um ein False Frameback der Marke Bartputzer 1927. Die Schalen und die Prägung auf der Rückseite des Erls weisen es als Hummel aus.

Karl Hummel_Bartputzer 1927_0001.JPG
Karl Hummel_Bartputzer 1927_0002.JPG
Karl Hummel_Bartputzer 1927_0003.JPG
Karl Hummel_Bartputzer 1927_0005.JPG
Karl Hummel_Bartputzer 1927_0006.JPG


Um wieder in die Sprache der Biologie abzudriften, liegt hier ein klarer Fall von Mimikry vor. Aus Wikipedia: „Die Mimikry bezeichnet in der Biologie eine Form der Nachahmung visueller, auditiver oder olfaktorischer Signale….“.
Das ist hier eindeutig gegeben, denn dieses kleine Messerchen möchte sich zwar als Hummel ausgeben, ist aber nicht in Karlsruhe, sondern in Solingen entstanden.
Näheres zu diesem Modell schreibe ich unter dem Hersteller „Tückmantel & Martin“.

Wie ein paar Beiträge weiter oben angekündigt, möchte ich noch zur Geschichte der Firma Karl Hummel ein paar Informationen liefern:
Der gelernte Hohlschleifer Karl Hummel stammte aus Vaihingen (Enz). Er kam 1903 im Alter von 24 Jahren nach Karlsruhe und gründete in der Werderstraße 41 eine Präzisionsschleiferei. 1907 verlegte er seinen Betrieb, dem mittlerweile eine Handlung für Stahlwaren und Friseurbedarfsartikel angeschlossen war, in die Werderstraße 13. Aus dem Handwerksbetrieb wurde ein Unternehmen, das seine Artikel weltweit exportierte.
Die Eintragung in das Handelsregister von Karlsruhe erfolgte erst 1925, vier Jahre später trat sein Sohn, Karl Hummel junior, in die Firma ein.
1942 wurde eine Zweigstelle in Straßburg eröffnet.
Die Bombenangriffe auf Karlsruhe im Jahr 1944 zerstörten den Sitz der Firma vollständig. Während des Neuaufbaus der Firma verstarb der Seniorchef am 20. Juli 1951.
Im Jahr 1953 wurden zwei Jubiläen gefeiert: Das 50-jährige Bestehen der Firma Karl Hummel und die 40-jährige Betriebszugehörigkeit des weiter oben genannten Gesza Kapetz.
 

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Nur der Vollständigkeit halber:

Es gab in Karlsruhe neben Karl Hummel noch eine zweite Hohlschleiferei, die Rasiermesser selbst produzierte: Die Firma Heinrich Tintelott.
Ich habe gesehen, daß es im Nassrasur-Forum ein Mitglied gibt, das ein Messer dieses Herstellers besitzt.
Heinrich Tintelott (Jahrgang 1888) war Hohlschleifer, stammte ursprünglich aus Düsseldorf und zog später nach Karlsruhe. Sein Geschäft war in der Amalienstraße 43 in Karlsruhe.
In einer Fundquelle aus den 1920er wird geschrieben, dass Heinrich Tintelott zur damaligen Zeit der einzige Hohlschleifermeister in Baden war.

Ich möchte hier nur eine Werbeanzeige aus den 1920ern zeigen und es dabei belassen.

Heinrich Tintelott.jpg


Vielleicht ergibt es sich einmal, dass jemand ein entsprechendes Messer besitzt und hier zeigt.
 
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