Was soll das denn jetzt?!

Wird der Gute zum Rasur-Alkoholiker oder will er fein ziselierte Figuren in die Schneewände reinhobeln?

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Nein, ihr braucht euch keine Sorgen um mich zu machen.

Gestern war hier im Unterengadin weder mit den Skating- noch den klassischen Latten was auf den Loipen zu holen - wir wurden auf prächtigste Weise frisch eingeschneit, was dem für diese Sportart unerlässlichen Gleiten alles andere als zuträglich ist. Das Freischaufeln der Dachterrasse und das Wirken in der Küche (u.a. gab's einen Tag nach ihrem Geburtstag ein Tiramisù für die Freundin) dauerte jetzt nicht sooo lange, also war viel Zeit fürs bedächtige Nachsinnen über verschiedenste Themen da - unter anderem über die klassische Nassrasur. So konnte ich mir nun nach einem sehr intensiven Januar in der Fastnachtsferienwoche endlich diesen Thread vornehmen, den ich von Beginn an mit Interesse mitverfolgt habe. Gestärkt von einer schneegekühlten Hopfenkaltschale liess ich die Gedanken fliessen. Ich interpretiere "Planungen" mal etwas grosszügiger und werde deshalb nicht gross über konkret anstehende Rasurartikel-Anschaffungen sprechen bzw. schreiben.
Erstens habe ich fürs 2026 fest vor, das Element der Konstanz in meinem Rasur-Alltag weiter zu verankern. Wie bereits
hier erwähnt bleibe ich aktuell jeweils während einer Woche bei einem Hobel, einem Pinsel, einer Seife/Creme und einem Preshave. Beim alkoholhaltigen Aftershave-Splash habe ich nach zwei Mal "Reste-Aufbrauchen" und somit längeren Zyklen in der Rotation aktuell wieder mehr Lust auf Abwechslung. Dafür bleiben das vorgeschaltete alkoholfreie Aftershave und die nachgelagerte Gesichtscreme stets dieselben. Mein Eindruck ist, dass meine Rasuren dadurch merklich besser werden: Der zunehmend vertrautere Hobel wird öfter im richtigen Winkel und mit dem korrekten Mass an (minimalem) Druck geführt, das Wassermanagement stimmt für die jeweilige Rasierseife eher als bei ständigen Wechseln. Für Viele mag das eine Binsenweisheit sein, für mich war's im 2025 nach von "Wechsellust & Sprunghaftigkeit" geprägten Jahren eine wichtige Erkenntnis. Danke an dieser Stelle an
@Nargothrond - du hast mich mit deiner längeren Phase mit konstantem Aufbrauchen von Rasierseifen, bevor's zur jeweils nächsten ging, inspiriert, es mal mit mehr Konstanz zu probieren.

Wie alles, was ich hier schreibe, gilt auch hier: Your mileage may vary. Vielleicht ist für dich das tägliche Durchrotieren der Utensilien die bessere Wahl.
Mein zweites Ziel ist es, mich weiter selektiv von euch hier im Forum anfixen zu lassen.

Bei manchen Trends, deren Funken hier geschlagen wurden, war ich äusserst leicht entflammbar. Das hat sich dann in meiner Rotation niedergeschlagen, die heute deutlich "moderner" ausgeprägt ist als in meinen Anfangsjahren der klassischen Nassrasur nach 2012. Ohne das Forum hätte ich bspw. keinen Wald-Puschel (Merci an
@n-doc fürs Anfixen

), keinen Vector, keinen Amakuni, keinen Alpha Spirit, keinen Titanium-Blackbird, aber auch keine Ethos, Abbate y la Mantia oder Saponificio Varesino Rasierseifen. Da hätte ich definitiv etwas verpasst! Bei anderen "Hot Topics" mag der Funke bei mir überhaupt nicht zu springen, bspw. bei ATT und Kämpfe generell oder dem 23er Inox im Besonderen.
Das bringt mich zum letzten Punkt dieses Romans: Ich nehme mir fürs immer noch recht junge Jahr vor, mich weiter mit unterschiedlichsten visuellen Eindrücken von Rasurartikeln im Netz zu konfrontieren, um dann in mich hineinzuspüren, ob sich da was tut. Hier unterscheide ich mich wohl doch ziemlich vom sonst sehr geschätzten Kollegen
@Elbe, der wiederholt den Werkzeugcharakter von bspw. Hobeln betont. Klar muss etwa ein Hobel letztlich für mich funktionieren und das heisst bei mir: Eine tägliche, ausreichend gründliche Rasur damit muss möglich sein, ohne dass es meine seit der Roaccutan-Behandlung im Jugendalter zu Trockenheit neigende Haut übermässig belastet. Jetzt das grosse ABER: Erreichen würde ich das mittlerweile auch mit einem schnöden Mach3 inkl. Plastikgriff aus dem Supermarkt. Als "Augentier" und in all meinen Hobbys von Leidenschaft Getriebener ist mir das aber nicht genug. Wenn sich beim Betrachten von Bildern eines Rasurartikels bei mir nichts tut, dann lass ich eine Anschaffung bleiben - und das, obwohl ich weiss, dass einem Manches, wenn man es dann in Händen hält, besser gefällt als auf einem Foto (das Umgekehrte gibt's ja leider auch, für mich bisher glücklicherweise eher selten). Kurz und bündig: Als Nassrasur-Aficionado muss mich jeder Bestandteil meiner Rotation auch in seiner Optik zumindest ein wenig erfreuen. Wenn sich diese kleine Freude in Einzelfällen zur grossen Begeisterung auswächst, gebe ich auch gerne etwas mehr aus und für mich stimmt das persönliche PLV dann letztlich. Ein gutes Beispiel dafür ist der Wald Nimbus auf dem obigen Bild, den ich mir zum Geburtstag gegönnt habe. Diese persönliche Betrachtungsweise möchte ich mir auf jeden Fall weiterhin erhalten. Und so kann ich mir etwa gut vorstellen, dass mit Abschluss meines berufsbegleitenden Masterstudiums - im Sommer 2027 - ein Tedalus hier Einzug halten wird. Dieser stammt aus Luzern, meinem Studienort, und wäre definitiv etwas Besonderes für eine besondere Gelegenheit. Ich stelle es mir schön vor, bei den potenziellen künftigen Rasuren damit einige Erinnerungen an die Studienzeit und die kennengelernten Menschen aufkommen zu lassen. Aber ja, à voir, wird werden sehen. Dies nur zum Schluss dieser Betrachtungen als kleiner Kontrapunkt zu für mich allzu vernunftgeleiteten Preis-Leistungs-Diskussionen, die von Zeit zu Zeit hier im Forum aufkommen. Ich kann diese Argumentionen nachvollziehen, sehe aber keinen besonderen Reiz darin. Und um Reize geht's für mich im Hobby-Bereich. Ganz nach Oscar Wilde: "Ich kann allem widerstehen, außer der Versuchung." In diesem Sinne: Auch künftig werde ich meinen Widerstand sporadisch mit Vergnügen in sich zusammenfallen lassen und der ein oder anderen Versuchung nachgeben.
Danke allen, die bis hier durchgehalten haben.
