Rasur am 13.09.2026
Basic-Care: Weleda Calendula Pflegeöl
Pre-Shave: Proraso Crema Pre Barba, Grün
Rasierseife: Hags Orbit Grove
Rasierpinsel: Omega Borste 10098
Rasierhobel: Nord Razors, Freyja, mit Platte "Mild"
Rasierklinge: Wizamet - Super Iridium (2)
After-Shave: Adidas Ice Dive
Dank der großzügigen Leihgabe von
@Garagenparker (Danke!!!) konnte ich heute die "Mild" Platte beim Freyja testen. Einfach so bestellt hätte ich mir die jetzt nicht. So kann man sich täuschen.
Ein Rasierer der mir nach den ersten Zügen sofort in den Sinn kam, ist der RazoRock Daily Standard (mit dem ich mich sehr gerne rasiere). Die Gemeinsamkeiten im Rasiergefühl und der hierfür erforderlichen Rasiertechnik sind für mich recht deutlich vorhanden. Beide Rasierer verfügen über eine sehr exakte CNC-gefräste Kopfgeometrie mit ausgezeichneter Klingenklemmung, sehr geringem Klingenüberstand (gegenüber der Klemmebene) und nur sehr geringem (Daily Standard) oder neutralen (Freyja Mild) Blade Exposure (beim Daily ist die Klinge vielleicht ganz leicht auf der Haut zu spüren, beim Freyja gar nicht). Beide Rasierer benötigen eine sehr ähnliche, eher spezielle Rasiertechnik. Dies vorausgesetzt, sind beide Rasierer, trotz der "niedrigen" Geometrie-Spezifikationen sehr gründlich und bleiben dabei äußerst sanft und komfortabel. Beide Rasierer benötigen beim Rasieren einen eher geringen Aufmerksamkeitsaufwand. Gehen also immer, 7/52.
Sehr ähnlich fand ich auch die Akustik. Bei beiden Rasierern ist so ein hoher, sirrender und metallisch klingender Ton zu hören. Das ist mir bei der Efficient Platte gar nicht so aufgefallen. Man hört also beim "Mild" sehr gut, ob der Winkel stimmt.
Ich habe mich also heute mit der gleichen Technik rasiert, mit der ich das beim Daily Standard auch mache. Sehr ausgeprägte Poliertechnik mit kurzen, sich wiederholenden (mehrmals über eine Stelle) überlappenden Zügen. Auch hier völlig ohne Druck. Mit traumhaft gründlichem und sanftem Ergebnis. Es wird ja zur Beurteilung von Rasiergerät immer der Begriff "Effizienz" herangezogen. Diesen Begriff halte ich, insbesondere im Hinblick auf diese neuen hochpräzisen Fertigungsmöglichkeiten und Materialien, mitunter für irreführend. Versteht man "Effizienz" als das Vermögen eines Rasierers mit einem Zug möglichst viele Barthaare möglichst nah an der Haut zu entfernen, dann ist der Freyja mit der Platte "Mild" kein effizienter Rasierer (ins Verhältnis gesetzt zu seiner Milde natürlich schon auch). Das sind Rasierer wie der Daily oder der Design94 dann auch nicht. Der Weg zur samtigen Glätte ist hier ein anderer. Mehr Stück um Stück, statt direkter Angriff. Man könnte auch sagen, es sind mehr die "diplomatischen" Rasiergeräte.
Jetzt könnte man natürlich sagen. Wenn sich der Daily Standard und der Freyja Mild so ähnlich rasieren, der Daily jedoch so viel günstiger ist, warum soll ich mir dann den Freyja kaufen? Der Daily hat diese, vom Henson inspirierte, deutlich Festwinkel-Kopfgeometrie. Diese hat jedoch den Nachteil, dass sich der Rasierer, je nach Seife und Druck, durch diese große plane Auflagefläche an der Haut "festsaugen" kann, was als stark bremsend empfunden wird. Ich habe das Problem weder mit dem Henson noch mit dem Daily, da ich als notorischer Kantengleiter diese plane Fläche mehr Richtung Schaumkante hin neige. Der Druck dann also eher auf der Schaumkante liegt. Auch kann diese Festwinkelgeometrie, bei zu geringem Gewicht (also eigentlich hauptsächlich beim Henson) eher auf dem Schaum "aufschwimmen".
Eine gewisse "Festwinkligkeit" steckt auch in der Kopfgeometrie des Freyja. Jedoch nicht so stark ausgeprägt. Aufgrund der Ausrundung der Kappe an der oberen Kante, und der Ausformung der Schaumleiste, hat der Freyja diese Problematik nicht. Der Schaum den ich heute mit der HAGS aufgeschlagen hatte, war von eher cremiger Konsistenz. Der Freyja Mild hatte hier keinerlei Probleme, weder mit Aufschwimmen noch mit Festsaugen. Die Zahnung der Klemmkante soll wohl die Schaumableitung beim Rasieren verbessern (so habe ich das für mich den Diskussionen im Netz entnommen). Ich hatte schon den Eindruck (aus der Erinnerung), dass ich beim Daily öfter ausspülen muss. Bin mir dessen jedoch nicht ganz sicher.
Nutzer die diese mild abgestimmte Präzision von Rasierern wie dem Henson mögen, jedoch ein Problem mit diesem "Festsaugen" und "Aufschwimmen" haben, wären mit dem Freyja "Mild" sehr gut bedient. Wirklich erstaunlich finde ich, wie es Nord Razors geschafft hat mit den drei Platten des Freyja (nur über die verschiedenen Basis-Platten) im Grunde drei eigenständige Rasierer zu kreieren, von denen jeder für sich, in dem Segment in dem er sich positioniert, eine beachtlich hohe Leistung erbringt.
Fazit: Diplomat in Perfektion