HGS
Gold FdR-Pate
Eine große Geste - ChapeauNein, heute ist nicht Sonntag. Und nein, das hier ist auch kein Bernhard-„Pinseltime“-Drop.
Aber ich darf ausnahmsweise einen RasurKult-Pinsel aus der Kategorie „nur schauen, nicht anfassen“ vorstellen.
Und das Beste (bzw. vlt Bitter-Süsse) daran: Er gehört nicht einmal mir. Der Pinsel heisst "Urgentas Gift" - Ein Geschenk!
Denn kein Lebenszeichen. Ungewissheit. Und dieser liebe Mensch, der mir die Welt der Blackbirds eröffnet hat, seinen Blutt verkauft hat, als der lange nicht lieferbar war, hat plötzlich gefehlt. Diese wunderbaren in blaue und kursiv gehaltenen Einträge im RdT, einfach: nüüt.
Umso mehr freut es mich, dass wir unseren Urgenta, Hans wieder öfter lesen. Das FdR ist halt nicht dasselbe, wenn gewisse Stimmen fehlen.
Zusammen mit Bernhard haben wir darüber nachgedacht, und ich habe mich entschlossen, a) Urgentas vierjährige Mitgliedschaft im FdR, b) seine Gesundheit und c) seine Rückkehr zu feiern.
Und wie geht das besser als mit dem 8. RK-Pinsel für Hans?
„Urgenta’s Gift“ aus stabilisierter Erle, mit einem Underdog 3-Band Dachsknoten. Ich hoffe sehr, dass er ihm viele gute Dienste leistet.
Der Griff ist bewusst so gestaltet, dass er oben an seinen geliebten M7 anknüpft und unten mit dem grösseren Abschluss mehr Halt bietet. Gerade wegen seiner motorischen Einschränkung war das das Ziel: ein Pinsel, der sicher in der Hand liegt, nicht rutscht und einfach funktioniert. Verankert, sozusagen.
Und weil sein Rufname nicht zufällig entstanden ist, sondern aus dem Leben kam, aus einem schlichten Kartoffelsack, der plötzlich zum Zeichen wurde, trägt dieser Pinsel für mich denselben Geist: ehrlich, bodenständig, charaktervoll. Nicht geschniegelt, sondern echt.
Der Urgenta’s Gift hat inzwischen bereits bravourös zwei Rasuren gemeistert und ich darf ihn heute präsentieren:
O hört die Vorgeschichte, wie sie sich ziemt: nicht geschniegelt, sondern wahr, und darum umso schöner.
Als Hans im Jahre Achtzig den Äther betrat, verlangte das Amt nach einem Namen.
Ein Rufzeichen, das man sauber führen und im Funkeralphabet wie eine Fanfare setzen konnte.
Er sann und sann, bis ihm der Alltag selbst die Antwort reichte: nicht aus Elfenbein, nicht aus Gold, sondern aus einer Palette im Coop:
Kartoffeln, rot beschalt, in schlichter Aktion: Urgenta.
Und da, zwischen Kisten und Preisen, ward der Name geboren, nicht bloss gesehen, sondern buchstabiert wie ein Schwur:
Uniform – Romeo – Golf – Echo – November – Tango – Alpha.
Klar im Klang, sicher im Griff, vom Amt gesegnet und später auch von uns im Forum angenommen, als wär’s stets so bestimmt gewesen.
CB-Funk, das ist Vergangenheit, doch der Geist blieb. Heute trägt er seit beinahe zwanzig Jahren die Amateurfunk-Lizenz und wer die Luft zu lesen lernte, der liest auch Stahl.
So kam Hans, pensionierter Informatiker, aus Belp im Gürbetal, zur Nassrasur. Erst mit System, dann mit Pinsel, Creme und dem wachsenden Wunsch nach Echtheit.
Nur ein Monat genügte, und aus einem Hobel wurden drei, ein vierter trat den Weg bereits an und Seifen mussten folgen, Klingen in Hundertern, und eine Schale auf Reisen wie ein verspäteter Bote.
Und nun dieser Pinsel: Urgenta’s Gift
Als hätte das Holz selbst zugehört.
Die Erle, stabilisiert, doch nicht geglättet bis zur Lüge, trägt ihre Maserung wie ein altes Logbuch:
Spuren, Wirbel, kleine Unruhen! Nicht als Makel, nein, sondern als Charakter, als Beweis des Gelebten.
Denn Urgenta ist „alt und gezeichnet“, ja. Doch nie unnütz, nie unbrauchbar.
Und gerade das Unperfekte macht ihn spannend, wie ein Mann, der nicht geschniegelt sein muss, um standfest zu sein.
Der Griff ist ein Anker in der Hand:
der breite Knubbel unten ist nicht Zierde, sondern Halt.
„Sitzt, rutscht nicht“, wie ein guter Ruf im Äther.
Und die Gravur, der Anker, ist doppelt wahr:
Andenken an «ankerbart», aber auch Anker in der Hand zugleich! Symbol und Funktion in einem Zug.
So steht dieser Pinsel da wie Urgenta selbst:
Kartoffel im Namen, Gentleman in der Haltung, Hobler aus Überzeugung, Funker im Herzen und nun, im Bad, ein Werkzeug, das Geschichten erzählt, ohne ein einziges Wort zu sagen
