Forum der Rasur

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Tückmantel & Martin (Tückmar, Hammond, Helgoland, König-Blaubart, Mangold, Ottacar u.a.)

Heute erreichte mich ein schönes Tückmar No.234 in Carbonstahl, mit Rücken 13/16" breit und bis auf ein paar Flecken super erhalten. Die Serrierung unten ist normal und oben bloß seitlich, wie bei sehr vielen Schulze Messern. Es ist beidseitig reichhaltig punziert. Die Schalen sind super in Ordnung und gerade, das Messer schließt mittig. Die schöne Neusilbereinlage ist top erhalten. Der Schuber ist original und in altersentsprechendem Zustand. Leider ist das Messer stumpf.

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Die Firma Tückmantel & Martin mit Sitz in Ohligs wurde am 1. Juli 1913 gegründet. Gesellschafter waren Otto Tückmantel und Carl Martin.
Das erste eingetragene und wahrscheinlich bekannteste Warenzeichen war „Tückmar“ (1913). Im Anschluss daran folgte eine Reihe weiterer Warenzeichen, deren Auflistung hier den Rahmen sprengen würde. Zeigen möchte ich eins, weil es eine amüsante Abwandlung des Firmennamens Kayser, Ellison & Co. Limited aus Sheffield war.

1916-09-15_Tückmantel & Martin (Ohligs) - Warenzeichen Elli Kayser Sohn.jpg


Wenn ich richtig recherchiert habe, gab es die Firma zuletzt unter der Rechtsform „Tückmantel & Martin GmbH & Co“ bis zum 28.12.2006. Sie war Bestand des Firmenverbundes der Wilh. Werhahn KG, zu der auch Zwilling und die Jaguar Stahlwarenfabrik GmbH & Co KG gehören. Mit Ausscheiden des Gesellschafters Jaguar Stahlwarenfabrik GmbH & Co KG wurde die Firma Tückmantel & Martin zum oben genannten Datum gelöscht, das Warenzeichen „Tückmar“ wurde auf die Jaguar Stahlwarenfabrik übertragen und erst 2017 gelöscht.

Vorstellen möchte ich ein Bartputzer 1927-Rasiermesser. Der erste Eintrag in diesem Strang zeigt ein Bartputzer Modell 1930. Meins müsste das Vorgängermodell sein, für das ein eigenes Warenzeichen eingetragen wurde.

Tückmantel & Martin_Bartputzer 1927_0001.JPG
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Die Bartputzer-Rasiermesser wurden seitens Tückmantel & Martin im Jahr 1929 bis Anfang 1930 stark in Lokalzeitungen als Messer für Selbstrasierer beworben.

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Zwischen den beiden Anzeigen in der obigen Abbildung liegen genau 12 Monate. Das heißt, dass innerhalb eines Jahres über 70.000 Rasiermesser dieses Typs verkauft wurden. Ich finde, das ist eine beachtliche Anzahl.

Interessant auch, dass Tückmantel & Martin diesen Frameback-Schliff als neue Evolutionsstufe der Rasiermesserschliffe (erst derb, dann hohl und schließlich der „Bartputzerschliff“) schmackhaft machen wollte. Wie wir alle wissen, konnte sich dieser Schliff nicht durchsetzen und muss wohl, zumindest was die Solinger Rasiermesser anbetrifft, als kurze Episode und Ausnahmeerscheinung gelten.

Ich hatte heute ein anderes Bartputzer 1927 Rasiermesser gezeigt, das für die Firma Karl Hummel (Karlsruhe) hergestellt wurde: Karl-Hummel-Bartputzer 1927.
Im direkten Vergleich zeigt sich, dass es beim Schleifen der Frameback-Klinge leichte Toleranzen auftraten, was ja bei manueller Herstellung auch nicht anders zu erwarten ist.

Vergleich Bartputzer 1927 klein.jpg


Die Klinge des links gezeigten „Karl-Hummel Bartputzer-Messers“ ist bis oben, wo der breite Rücken anfängt, beinahe parallel geschliffen, während man beim Tückmantel & Martin-Messer einen minimal keilförmigen Schliff erkennen kann. Die linke Klinge ist auch erkennbar dünner ausgeschliffen. Rasiertechnisch dürfte das keine Auswirkungen haben.
 
Sehr gute und interessante Recherche!
Eine Kleinigkeit würde mich noch interessieren zu den Anzeigen, da der Zeitraum sehr interessant ist. Wann genau sind die Anzeigen erschienen? Ohligs wurde am 01. August 1929 nach Solingen eingemeindet. Direkt danach waren die Hersteller angewiesen, den Namen Solingen zuerst zu nennen. Aus Ohligs-Solingen wurde also Solingen-Ohligs.
In beiden der oben gezeigten Anzeigen heißt es aber immer noch Ohligs-Solingen.
Im Mitteilungsblatt für Messerschmiede Anfang 1931 steht bereits Solingen Ohligs.

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Gut scharf! hatzicho
 
Wann genau sind die Anzeigen erschienen?
Die erste (d.h. in der Abbildung linke) Anzeige erschien am 5. Januar 1929, die rechts abgebildete am 4. Januar 1930.
Damit entspricht die linke Abbildung der damaligen Situation, bei der rechten wird man es schlicht versäumt oder vielleicht auch nicht für nötig gehalten haben, den Drucksatz zu ändern.
 
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