Es gibt Neues aus dem Natursteingarten…ein Solinger sieht
rot eh grün.
Der
Green Welsh Slate (?)
Warum die Steinbezeichnung mit einem Fragezeichen?
Als ich den Stein letztes Jahr bekommen und auch hier im
Forum vorgestellt habe, war mir nicht klar, um welchen Stein es sich überhaupt handelt. Natürlich hatte ich diese Frage auch im Zuge der Vorstellung gestellt und unser lieber Marco (
@BoSs) hatte ihn als möglichen walisischen Schiefer, sprich einen Welsh Slate, erkannt. Mittlerweile habe ich „ein wenig“ Recherchen angestellt und ich bin gleicher Meinung in Bezug auf die Herkunft und Bezeichnung des Steines, allerdings gibt es immer noch keinen 100%igen Beweis bzw. Nachweis. Sei's drum … Er ist grün, er ist (wohl) ein Schiefergestein und er liegt in meinem Natursteingarten auf der linken Seite. Das alles ist mir Englisch genug.
Bei meinen Recherchen zum Walisischen Schiefer als Schärfstein bin ich immer und immer wieder darauf gestoßen, dass (nicht nur) diese Steine sowohl mit Wasser als auch mit Öl betrieben werden können. Heute werde ich da wieder meinen oft angewendeten Kompromiss eingehen und das eigentliche Finish mit einem Glycerin/Wasser-Gemisch (½ : ½) absolvieren.
Die Progression (1 × Tape):
- SHAPTON Glass 1K → neue Facette gesetzt
- SHAPTON Glass 4 & 8k
- Green Welsh Slate mit klarem Wasser als Pre-Finish
- Green Welsh Slate mit Glycerin/Wasser-Gemisch (½ : ½) als Finish
- geledert auf meinem Self-made-Riemen IV (Cordovan/Rind)
Eigentlich hatte ich nicht vor, eine neue Facette zu setzen, denn in meinen Erinnerungen hatte das Messer bisher immer gute Rasurergebnisse abgeliefert. Als ich dann aber wie immer vor dem ersten Steinchen eine Kontrolle der Schneidkante mit Hilfe des Mikros mache, hat sich mein Plan sehr schnell geändert. Der Grund dafür ist auszugsweise in den u. a. Bildern zu sehen. Dieser erschreckende „Lochfraß“ setzte sich, wie in kleinen Nestern verteilt, über die gesamte Breite der Klinge fort. Also ging es anstatt zur Auffrischung auf dem 4K zuerst einmal auf den SHAPTON Glas 1K.
Die Schäden, welche sich vereinzelt über die gesamte Länge der Klinge zeigten…
Es bedurfte dann doch einiger Schübe, um diesem Lochfraß einigermaßen Herr zu werden. Angefangen mit alternierendem Vorgehen standen am Ende vorzugsweise die Wechselschübe. Letztendlich konnte ich zumindest eine durchgängig „saubere“ Schneidkante/Facette erzeugen, welche am Ende auch die angestrebte Schärfe (Armhaare) hatte. Die Kritiker unter uns werfen jetzt natürlich ein, dass die Größe und Ausdehnung dieser Schäden wohl bei der Rasur nicht störend seien. Die knapp 300-fache Vergrößerung des Mikroskops lässt das alles schlimmer aussehen, als es in der Realität sei. Da mögen sie Recht haben, allerdings, und das weiß ich aus Erfahrung, breitet sich bei „Nichtbehandlung“ solcher Schäden selbiges unweigerlich weiter aus und kann ganz schnell zu größeren, dann sehr wohl bemerkbaren Schäden führen. Aus dieser neuerlichen Erfahrung heraus kann ich nur jedem empfehlen, seine Messer öfters einmalig kontrollieren, vor allem, wenn der Bestand etwas größer ist und somit eine Rotation länger dauert.
Der weitere Weg vom SHAPTON Glass 1K nach dem Setzen der neuen Facette bis zum SHAPTON Glas 8 war dank des „willigen“ Stahls und der nahezu perfekten Messergeometrie ohne weitere Probleme recht zügig und mit gutem Ergebnis abgearbeitet. Ich wäre ja nicht ich, wenn ich nicht zu den optischen Kontrollen unter dem Mikro auch meinen Lieblingsindikator, den Haartest, probiert hätte. Selbiger war nach dem 4k bereits möglich, allerdings noch nicht wirklich durchgängig über die gesamte Länge. Das änderte sich aber im Zuge der Wechselschübe auf dem 8k. Nun sollte es zum Finish auf den walisischen Schiefer gehen, zuerst, quasi als Pre-Finish, nur mit klarem Wasser (nur stationär) und zum eigentlichen Finish dann mit meiner Lieblingsmische, dem Glycerin/Wasser-Gemisch (½ : ½).
Nach dem 1K (links) und dem 4k (rechts)
Um die Veränderungen der Facette/Schneidkante besser und genauer im Blick zu haben, habe ich auf dem Stein sowohl mit dem klaren Wasser als auch mit der Mischung nur mit Wechselschüben gearbeitet. Was mir bereits nach den ersten Wechselschüben aufgefallen ist, war der doch etwas „metallische“, fast schon spröde Klang, der sich mir da bot. So hatte ich den Stein gar nicht mehr in Erinnerung. Sei‘s drum, das Ergebnis am Ende zählt. Ich habe nicht gezählt, aber eine Veränderung der Schneidkante war recht zügig zu erkennen. Die Flanken wiesen ggü. dem Ergebnis vom 8k feine Kratzspuren auf. Auch war ich der Meinung, dass sich an der vordersten Schneidkante eine leichte „Zahnung“ entwickelte, wie sie auch u. a. bei einem Thüringer zu erkennen ist. Tja, nun stellt sich aber ein kleines Problem … Wann ist das Messer soweit, um zum eigentlichen Finish, sprich auf das Glycerin/Wasser-Gemisch, umzuschwenken? Der Engländer ist stumm wie ein Fisch (& Chips), gibt keinerlei Rückmeldung, außer diesen leicht blechernen Klang …
Nach dem 8k (links) und dem Pre-Finish mit klarem Wasser (rechts)
Ich entschied, mich ungefähr an dem LaLune zu orientieren. Dieser bietet ungefähr das gleiche Gefühl und mit dem habe ich schon gleiche Finishes höchst zufrieden hinbekommen. Nach gut 5–6 Sätzen (ca.-Angabe) ging es mal zum Zwischenledern mit anschließendem Haartest. Letzterer funktionierte ganz gut, aber da geht mehr, also noch mal das Ganze und siehe da, der HT war definitiv besser. Nu‘ ist es soweit, es erfolgt der Wechsel vom klaren Wasser zu meiner Mischung. Das Handling auf dem Stein wurde nicht nur angenehmer, samtiger, sondern vor allem ruhiger. Unterm Mikro konnte ich nach den ersten „Runden“ nicht unbedingt eine klar erkennbare Veränderung feststellen, vielleicht ein bisserl „polierter“, ja, das kann aber auch nur einem gewissen Wunschdenken geschuldet sein. Ähnlich wie beim LaLune, hier sind doch deutlich Parallelen festzustellen, dauerte es. Wie sagt da Mr. Miyagi … vor und zurück … vor und zurück … vor und …
Nach gut 10–12 Sätzen reinigte ich die Klinge unter fließendem Wasser und es folgte, was folgen musste … Richtig, ein Haartest, und siehe da, ohne Ledern klappte selbiger mit einem Haltepunkt von gut 2–3 cm über die gesamte Länge. Das genügte mir, habe fertig …Final folgte ein ausgiebiges Ledern und natürlich eine mit Spannung erwartete RdT.
Die RdT
Wow, das war schon eine Überraschung! Ich hatte zwar ein vernünftiges Rasurergebnis erwartet, das war mir einfach der HT schuldig. Dass es jedoch so gut ausfiel, hatte ich nicht erwartet. Da passte alles … scharf, sanft, gründlich. Ich behaupte auch einmal, dass das Ergebnis dem meiner Thüris absolut gleichwertig ist. Ich bin sehr gespannt, wie lange sich dieses tolle Rasurverhalten halten wird.
Zur RdT bitte
hier entlang…
Kleines Fazit
Dieser grüne Engländer lag wohl zu lange eher unbeachtet in meinem beschaulichen Natursteingarten, das tolle Ergebnis schreit quasi nach mehr. Ich werde das Steinchen definitiv auch mit anderen Messern probieren und vergleichen, allen voran mind. ein FRIODUR, welche sich ja auf manchen Steinen doch eher als etwas zickig erweisen. Im Zuge dessen könnte ich auch mal am Mischungsverhältnis meiner Lieblingsmische Glycerin & Wasser experimentieren … schau ich mal.
… Immer neugierig bleiben!
Danke und Gruß
Greg