Es gibt neues aus dem Natursteingarten…
Ein Solinger ist reif für die etwas von der Insel
Letztmalig im Juni diesen Jahres mit einer NAGURA-Progression auf einem jNat
„Catfish“ geschärft, darf das Messer heute wieder auf die Steine. Der Grund ist nicht unbedingt ein „Stumpf geworden“, sondern eher das Bild, dass sich mir bei einer spontanen Kontrolle unter dem Mikroskop bot. Neben einigen Rostpunkten konnte ich erkennen, dass sich die Schneidkannte z.T. in eine Art „Wellenschliff“ gewandelt hat. Ja, ich weiß, unter dem Mikroskop sieht alles sehr viel dramatischer aus und die eine oder andere „Macke“ ist während einer Rasur wohl auch kaum zu merken, dennoch rebelliert da mein innerer Monk lautstark und minder heftig…
Ich muss zugeben, dass, was ich bei der Kontrolle unter dem Mikro da gesehen habe, hat mich schon ein wenig überrascht, denn nachdem ich das Messer zuletzt im Juni diesen Jahres geschärft habe, kam es lt meinen Unterlagen gerade 2 x zum Einsatz und ich kann mir nicht erklären, wie diese doch recht „imposanten“ Veränderungen der Schneidkannte zustande gekommen sind.
Der nicht erklärbare „Wellenschliff“
Die Progression (1 x Tape):
- SHAPTON Glass 1K - setzen einer neuen Facette
- SHAPTON Glass 4 & 8K
- Chainly Forest als Finisher
- geledert mit meinem SelfMade-Riemen Nr.IV (Cordovan/Rind)
Zu Beginn der Progression hatte ich eigentlich gedacht, dass einige Doppelschübe auf dem 4k ausreichen würden, um diesen „Wellenschliff“ zu egalisieren, aber weitgefehlt, diese Wellen wanderten mit jedem Schub auf dem Stein gleichsam mit in Richtung Rücken, auch ein mehrmaliges ziehen durch den Korken brachte da nichts. Also, was tun? Ganz einfach…Tabula Rasa, ich habe die Schneidkannte auf der Kannte des 1K „genullt“, und zwar mehrmals. Einerseits waren diese „Wellen“ nun endlich Geschichte, andererseits bedeutete das aber auch eine Planänderung, nun muss die Facette eben auch neu gesetzt werden.
Was nun folgte, entspricht meiner „normalen“ Vorgehensweise, wie ich sie schon einige Male erfolgreich umgesetzt habe. Ab dem 1K ging es mit dem ersten Durchgang „16⇅ & 3⇅“ los, bedeutet:
16 Schübe/Züge auf einer Seite, dann Seitenwechsel und 16 Schübe/Züge auf dieser Seite. Dann geht es alternierend jew. -2 Schübe/Züge bis runter auf die 0, die 3 bedeutet 3 Sätze á 10 Wechselschübe/-Züge. Das Ganze ging 2-3x, bis letztendlich die spärlich vorhandenen Armhaare bei aufgelegtem Klingenrücken gekappt wurden. Auf dem 4k ging es nach dem ersten kompletten Durchgang nur mit Wechselschüben weiter, bis nach einem Zwischenledern ein HT durchgängig funktionierte. Bei dem 8k habe ich nur Wechselschübe gemacht, auch hier funktionierte der HT am Ende zu meiner vollen Zufriedenheit.
Als Finisher habe ich mir diesmal weder einen jNat noch einen Thüri ausgesucht, sondern es kam ein Stein von der Insel auf den Halter, mein Charnley Forest. Selbiger ist ja bekanntlich ein Ölstein, allerdings habe ich da den Kompromissweg gewählt, anstatt ein vorgesehenes Schleiföl zu nutzen, habe ich mich für meine Lieblingsmische entschieden, dem Glycerin/Wasser-Gemisch im Verhältnis ½ : ½. Bei der geringen Größe des Steines, die nutzbare Fläche misst nur ca. 6,5x9cm, hieß es ab jetzt Geduld haben. Ich weiß auch nicht, wieviel Doppelschübe es insgesamt waren, es dauerte halt doch ein wenig länger…am Ende stand wie immer der HT, der auch diesmal bereits vor dem finalen Ledern funktionierte.
Eine kurze Anmerkung/Erfahrung zum Thema Ölstein…
Der deutlichste Nachteil bei Ölsteinen und der daraus resultierenden Notwendigkeit ein Schleiföl oder vergleichbares zu nutzen, liegt darin, dass es eine durchaus heftige „Sauerei“ geben kann. Zumindest beim Blick durchs Mikro, hier zeigt sich dann der Vorteil des Glycerin, welches nämlich wasserlöslich ist, hier fällt die Reinigung der Klinge ggü. einem reinen Schleiföl recht einfach aus, mit genügend Wasser abspülen und trocknen, schon kann man die Schneidkannte ohne Tropfen- und Schlierenbildung unterm Mikro betrachten und kontrollieren. Genauso kann am Ende das gesamte Equipment sehr einfach, schnell und problemlos gereinigt werden, bei der Verwendung von Svhleiföl muss man höllisch aufpassen, dass jegliches Öl vollständig entfernt ist, sonst kann es passieren, dass man sich seine „Wassersteine“ kontaminiert.
Ich bin sehr zufrieden, das Messer bietet ein wirklich sehr sanftes und gründliches Rasurverhalten. Der kleine Engländer arbeitet hervorragend mit dem Glycerin-/Wassergemisch und steht einem Ergebnis mit herkömmlichem Schärföl in nichts nach. Ich werde mit Sicherheit in Betracht ziehen, diese Kombination bei etwaigen „Problemmessern“ als Möglichkeit zum Finish zu probieren.
Zur RdT bitte
hier entlang…
…immer neugierig bleiben!
Danke und Gruß
Gregor