Hier nun der Bericht von gestern, wie ich mein Übungsmesser geschärft habe.
Thüringer planen und Missgeschick mit dem Messer:
Als Erstes habe ich den Thüringer noch geplant, dann ging es los mit dem Schärfen. Leider ist mir nach dem kurzen Abspülen des Messers nach dem 8k ein wirklich blödes Missgeschick passiert. Nur kurz unachtsam, und schon schoss die Facette gegen die Amatur, welch ein Schock! Etwa die ersten 5mm des Messers eingedrückt, ca. 0.7mm oder tiefer in das Material.


Die Reparatur:
Dann habe ich mich erst mal versucht zu beruhigen. Wieder zurück auf den 1K Stein, nach 200 Halbschüben je Seite bemerkte ich, dass dies absolut nichts bringt. Was mache ich jetzt nur? Ich überlegte, wie ich das mit meinen Mitteln zu Hause jetzt reparieren könnte, denn ich wollte das Messer noch an diesem Tag schärfen. Mein Aktionismus übernahm die Kontrolle und ich schnappte mir mein 600 Grid Korund Nassschleifpapier. Es musste ja nur das Material weg und eine grobe Facette gemacht werden, damit ich mit dem 1K wieder weitermachen kann. Also 50 Halbschübe je Seite abwechseln, und das locker 10x (total ca. 500 Halbschübe), bis der grosse Hick raus war. Danach ging ich auf den 1K Naniwa, Halbschübe, bis ich einigermassen die ersten Armhaare einigermassen abrasieren konnte. Das ging nach etwa 200 Halbschüben je Seite.
Das war dann der Punkt, an dem ich mir sagte, du kannst jetzt wieder mit deiner regulären Schärfsitzung beginnen. Ab hier habe ich dann auch die Videos gemacht, welche ich am Ende verlinke!
Der reguläre Schärfprozess:
- 1K Naniwa SS: 10 Halbschübe pro Seite 4x mit mittlerem Druck, 28 DS mit leichtem Druck
Grat gebrochen: 1x durchgezogen auf Kork mit Eigengewicht.
- 3K Naniwa SS: 10 Halbschübe pro Seite 4x mit leichtem Druck, 50 DS ohne Druck
Grat gebrochen: 1x durchgezogen auf Kork mit Eigengewicht.
- 8K Naniwa SS: 10 Halbschübe pro Seite 6x mit leichtem Druck, 50 DS ohne Druck
Grat gebrochen: 1x durchgezogen auf Kork mit Eigengewicht.
- 12K Naniwa SS: 10 + 10 + 5 Halbschübe pro Seite ohne Druck, 30 DS ohne Druck
- Thüringer hellgrün: 40 DS ohne Druck
- 60 DS mit dem Kernjuchten Lederriemen
Vermutlich habe ich beim regulären Schärfprozess zu viele Züge gemacht. Ich wollte aber jetzt nach der langen Arbeit einfach auf Nummer sicher gehen. Und es ist ja ein Übungsmesser!
Diverses:
- Tape: Ich habe mir das rote Tesa Isolationsband gekauft. Es ist so widerstandsfähig, dass es den ganzen Prozess nach dem Schleifpapier aushielt. Nach dem Entfernen des Tapes hat man kein einzigen Kratzer oder Abnutzung gesehen. Einfach genial das Band!
- Falls ihr es noch nicht mitbekommen habt, ich habe den 1K Noname nicht im Gebrauch sondern mir noch ein 1K Naniwa SS geholt, auf Anraten von euch.
- Folie: Da ich nicht gerne sauber mache, habe ich mir diverse Techniken überlegt. Hier ist eine: Ich spanne eine Folie über den Steinhalter für die Steine, damit wird er nicht schmutzig oder nass. Nach dem Schärfen kann ich den Halter einfach wieder verstauen, absolut sauber!
Ergebnis und die Rasur:
Das Ergebnis war ausgezeichnet! Wirklich genial!


Das Messer flutschte sehr gut durch meine Barthaare. Für mich persönlich, für meinen Bart und meine jetzige Technik, Erfahrung und Kenntnisse, hat dieses Messer für mich die bessere Schärfe und war gründlicher als mein Einstiegsmesser. Sogar gegen den Strich konnte ich mehrmals vom Nackenansatz bis zur Kinnlinie in einem Zug durchziehen, ohne wie sonst nur 2cm Züge machen zu müssen. Nach zwei Durchgängen wäre die Rasur alltagstauglich gewesen, dann habe ich mich doch noch für einen dritten Durchgang entschieden, und ich war paff. BBS, und das, ohne noch auszubessern. Als Vergleich zum Hobel benötige ich dafür auch drei Durchgänge und zudem noch exzessives Ausbessern. Es gab dabei aber etwa 5 kleine Blutpünktchen, jedoch kriege ich diese auch mit dem Hobel bei so gründlicher Rasur.
Man könnte jetzt meinen, dass ich mit der zehnten Messerrasur schon beinahe am Ziel angelangt bin. Ich möchte jedoch dazu noch betonen, dass ich für die Rasur inklusive Ledern und reinigen/pflegen der Utensilien doch 1.5h brauchte. Soll heissen, was ich eventuell noch nicht so gut mit Routine und Technik beherrsche, kriege ich auf Kosten von Zeit doch gut hin!
Nachhaltigkeit der Rasur: Zum jetzigen Zeitpunkt, nach 16h, fühle ich immer noch, wie ich mich "normal" mit zwei Durchgängen erst gerade rasiert habe. Die Rasurpolizei hat die gleiche Meinung.
Fotos und Videos:
Tape, Messer, etc:
Klinge nach dem Schärfen:

