Es gibt Neues aus dem Natursteingarten …
„Eine belgische Geduldsprobe“
oder auch
„Schärfen auf einer Fensterbank“
Nachdem der Schwerpunkt der letzten 14 Tage eher in der Fahrradwerkstatt als in meinem Natursteingarten zu finden war, bin ich nun froh, dass die Räder endlich vernünftig rollen und ich mich endlich wieder den lieben Steinchen widmen kann. Bei der letzten Progression war ja alles (außer das Messer) aus Japan und ich dachte mir, es wird wieder einmal Zeit, sich mit einem der Belgier zu beschäftigen, die ich noch nicht genutzt habe. Die Wahl fiel auf einen ungleichmäßig geschnittenen, naturverwachsenen Belgier, der wohl aus einer ehemaligen Tischlerei kommt. Rein optisch und haptisch ein sehr feiner, aber scheinbar auch sehr harter Stein, der aber in einem Teilbereich schon sehr dünn geworden ist. Hier hat es den Eindruck, als ob dort schon das Trägermaterial „durchscheint“.
Diesmal ist eine klassische, also vollumfängliche 1-Stone-Progression geplant, inkl. dem Setzen der Facette. Als Messer habe ich mein Gallito in 5/8 gewählt, eines der ersten Messer, mit dem ich angefangen habe.
Die Progression (1 × Tape):
- GBB angerieben mit einem GBB-Anreiber, 2 kompl. Durchgänge nach der „Dilucot-Methode“
- GBB mit klarem Wasser, stationär
- GBB unter fließendem Wasser, zum Finish dann mit 2 × Tape
- Zwischen- und finales Ledern mit dem QUERCUR Shell Cordovan
Nachdem ich mich dazu entschieden hatte, auch die Facette neu zu setzen, war der erste Schritt das „Nullen“ der Schneidkante durch ein geschmeidiges, langsames Ziehen selbiger über eine Kante der Trägerschicht vom Belgier, anschließend eine Lage Tape drauf und es konnte losgehen. Doch vorher noch ein unbedarfter Blick auf die Uhr, es war 15.25 Uhr.
Um geeigneten Slurry für‘s Grobe zu erhalten, nutzte ich heute mal nicht meine sonst bevorzugte 1200er DMT-Diakarte, sondern einen natürlichen Anreiber, ebenfalls ein GBB. Nach den ersten Wechselschüben habe ich mir das Messer unterm Mikro angesehen und das Schliffbild entsprach meinen Erwartungen, also ging es mit der „Dilucot-Methode“ weiter nach Plan. Auf den ersten Durchgang folgte ein gleicher, zweiter Durchgang, der mit einem Zwischenledern und einem ersten HT abschloss. Allerdings funktionierte der HT nicht wie erwartet, dieser war nur partiell am Ende der Klinge erfolgreich. Der prüfende Blick durch das Mikro zeigte zwar ein gröberes Schliffbild, aber für diese Vorgehensweise ein durchaus normales Schliffbild. Nun, gut oder eher nicht gut? Es ging nach der Reinigung des Steines & der Klinge mit klarem Wasser weiter.
Wie sagte da schon Mr. Miyagi: vor und zurück, vor und zurück, vor und zurück …
Nach den ersten Sätzen zeigten Wechselschübe und immer wieder der Blick durchs Mikro schnell, dass hier ganz und gar nix schnell ist. Ich habe nicht gezählt, aber nicht nur gefühlt dauerte es ewig, bis sich das Schliffbild in Richtung feiner veränderte. Ein kurzer, verstohlener Blick auf den Zeitmesser bestätigte unmissverständlich mein Gefühl, dass es heute wohl länger dauern wird. Immer wieder zwischendurch eine Kontrolle und ein HT, der sich nur mäßig erfolgreich zeigte. Irgendwann sagte ich mir, warum nicht endlich unter fließendes Wasser? Vielleicht zeigt die „Fensterbank“ da endlich ihr tief im Inneren schlummerndes Potenzial. Also los, trau dich … Neues Tape, neues Glück.
Unter fließendem Wasser hatte ich schon ein besseres Gefühl, die Wechselschübe liefen deutlich geschmeidiger, dennoch konnte auch diese Variante dem Belgier keine Geheimnisse oder schlummernden Talente entlocken. Das Schliffbild änderte sich zwar in Richtung „feiner“, dennoch fast unmerklich. Irgendwann muss es aber auch gut sein, irgendwann muss man sich mit dem Gedanken abfinden, dass dieser Stein nicht für Rasiermesser geeignet ist. Dieser Punkt war dann auch erreicht. Ich schloss die Progression dann aber doch mit einem 2. Tape auf dem Stein ab und es folgte ein schier endloses Ledern auf dem Spanier. Am Ende funktionierte zumindest der HT einigermaßen, ein sehr kurz gefasstes Haar wurde zumindest über 3/4 der Klinge geteilt. Nicht mehr geteilt war dann letztendlich meine Meinung, die sagte nach grob 2 Stunden … nu‘ ist es genug.
Angerieben GBB (Slurry)
Fließend Wasser
Das Endergebnis
Ach ja…die Uhr zeigt jetzt 17.35h
Das frisch geschärfte Messer kam dann auch an die üblichen 2-Tage-Stöppelkes und bereits die ersten Züge zeigten, dass der Begriff „geschärft“ in diesem Fall etwas differenzierter gesehen werden muss. Das Messer ist (wie leider erwartet) zwar rasurbereit, es fehlt aber deutlich an Schärfe und somit Gründlichkeit. Man kann sich mit dem Messer rasieren, ja, aaaber mit Abstrichen. Nur mit kurzen Zügen geführt und zwingend darauf achtend, nicht zu oft über die gleichen Bereiche zu gehen, wird es am Ende schon glatt, aber halt nicht gründlich. Vor allem gegen den Strich habe ich letztendlich mit dem bereitstehenden VECTOR nachgeholfen. Wie heißt es bei der Beurteilung neuer Steine und/oder Progressionen immer so schön: Nur die Rasur zählt …
Kleines Fazit:
Ich muss leider sagen, dieser Stein ist nicht wirklich für Rasiermesser geeignet. Ein sehr feiner, schöner Stein mit sehr schöner Haptik, ja, aber ich sehe ihn eher im Bereich von Hobelklingen und/oder Stechbeiteln. Das tut der Freude über diesen Stein aber keinerlei Abbruch, denn er funktioniert ja, nur halt nicht mit Rasiermessern.
Zur RdT bitte
hier entlang…
… Immer neugierig bleiben!
Danke und Gruß
Gregor