Forum der Rasur

Registriere Dich jetzt kostenlos!

Dadurch bekommst Du Zugang zu dem geschützten Mitgliederbereich, kannst beim Gebrauchtmarkt mitmachen und stellst nebenbei auch noch sicher, dass niemand Dir Deinen Wunsch-Usernamen wegschnappt.

Kleine Stahlkunde: Ihr fragt, ich antworte

Ich könnte mir vorstellen, dass das Anziehe Abziehen auf einem Riemen der Trocknung der Facette dienen soll. So will der Hersteller sicherstellen, dass 1. die Facette trocken ist und 2. die Facette nicht beschädigt wird.
Das würde ich auch so sagen. Ich ziehe meine Messer nach dem Trocknen mit einem Tuch ebenfalls einmal pro Seite auf dem Riemen ab, um die Facette zu trocknen. Andere Forumskollegen nehmen zum Trocknen der Facette ihre Handballen.
 
Bei der Verarbeitung sollte sich nichts mehr am Stahl ändern, da man immer gut gekühlt schleifen sollte. In der Praxis kann es natürlich trotzdem passieren, dass die Klinge überhitzt und dadurch Härte einbüßt. Das kann soweit gehen, dass eine Klinge fast unschärfbar bzw. nicht zur Rasur zu gebrauchen ist.

Das Überhitzen und somit ein Verlust an Härte tritt mitunter in der Schleifhexe auf. Hier habe ich Abtrag von beiden Seiten was sehr schnell zu Hitzeentwicklung führt. Das soll durch permanentes Besprühen mit Wasser verhindert werden. Wenn der Schleifer jedoch sehr eilig unterwegs ist und den Anpressdruck der Steine zu stark wählt, kann das Wasser nicht mehr an den Stahl gelangen, zudem erhitzt sich dieser soweit, dass sich eine Dampfhaut bildet die jedes weitere Wasser abweist. Die Klinge kann dann durchaus komplett weichglühen.
Auch beim Polieren bzw. Pliesten der Klinge kann diese so heiß werden, dass sie Härte einbüßt.

Ist es möglich, eine Klinge im Heimgebrauch, zB beim Entrosten mit einem Dremel, so stark zu erhitzen, dass dieser von dir geschilderte Überhitzungseffekt eintritt, der Stahl also soviel an Härte einbüßt, dass die Klinge "weichgeglüht" wird, wie du es beschrieben hast und hierdurch nicht mehr zu schärfen ist? Ich frage, weil ich mich hier mit einem Kandidaten abmühe (5/8tel Wedge aus Sheffield), der reichlich Rostnarben aufweist. Die Klinge muss also dicke Rost gehabt haben, der möglicherweise mit einem Dremel oä entfernt wurde. Jedenfalls gelingt es mir auch nicht ansatzweise, Schärfe aufzubauen. Es reicht noch nicht einmal, Unterarmhaare zu schneiden
 
Ich glaube mal, dass mir das in anfänglichem Überschwang einmal passiert ist.
Nach meiner Behandlung war allerdings eine sichtbare Verfärbung zu sehen. Der Stahl war gebläut. Glücklicherweise hatte ich dieses Messer zum Üben besorgt... :)

Geschärft hatte ich es allerdings nicht, sondern es ist weiter mein Testobjekt für Dremeleien.
 
  • Like
Reaktionen: sl
Genau davor habe ich beim Bearbeiten mit dem Dremel auch immer Angst gehabt. Deswegen nehme ich immer irgendwas zum Kühlen und fahre die Drehzahl ziemlich weit runter.
Aber es wäre tatsächlich mal spannend zu wissen, bei welcher Temperatur das Messer die Härte verliert und wir schnell dies per Dremel erreicht ist, wenn man es darauf anlegt.
Ps: Messer mit blauen (Hitze-)Stellen habe ich auch schonmal in der Bucht gesehen.
 
  • Like
Reaktionen: sl
Ich hab dieses Messer.
Ich krieg da keine anstendige Rasur mit hin.
Rasieren geht.klar.Aber eben nicht wie Ich es von vintage solinger Messer erwarte.
IMG_20191020_123706 (1).jpg


Das Messer hab Ich gestern noch mal auf die Steine gehabt.
Der Haartest geht gut.Aber die Rasur ist nicht sanft.
Ich hab verschiedene silversteel Messer und hab das sehr gute Erfahrungen.
Aber mit diesem.....

Gestern mal die Lupe an meinen Computer gehaengt und da gibt's was merkwuerdiges.

Ich sehe an der Schneide ganz kleine Schilfer.Keine uniform gefaerbte Oberflaeche.

Hast Du eine Ahnung wo da das Problem sein kann?

Ps.Das Foto verzeichnet.Die Schneide ist gerade.
 
Lieber Ulrik @Koraat,
Vielen Dank für tolle Idee mit diesem Thread und für deine Beiträge!

Ich habe bisher harten Stahl hauptsächlich am „Klang der Klinge“ zu erkennen versucht.
Ich halte das Messer an den Schalen, greife mit dem Fingernagel an der hohlen Seite am Kopf der Kline, nahe der Schneidkante, und zupfe leicht dran etwa wie bei einer Gitarrensaite. Je höher und länger ein „Ping“ ertönnt, desto härter der Stahl, so glaube ich zumindest.
Jedes meiner singende Rasiermesser gibt mir ein schönes hohes „Ping“, aber auch manche Klingen, die nich so dünn ausgeschliffen sind. Hab ein altes Keil-Messer, und ein etwa halbhohes Silberstahl-Messer, welche ein erstaunlich langes „Ping-ng-ng...“ erzeugen.

Beim Gold Dollar, den ich leihweisevom @Isaentae hatte, hat mir der Ping-Test einen recht harten Stahl suggeriert, die Schneide ließ sich wunderbar fein ausschleifen.

Mit insgesamt etwa einem Dutzend an Rasiermesser hab ich zwar bisher nur sehr geringen Einblick in diese Welt der Stähle machen können, aber mir ist aufgefallen, dass alle modernen Solinger Rasiermesser, die ich hatte, ein deutlich tieferes und kürzeres Ping von sich gaben.
Ich konnte bisher diejenigen Messer auch nicht so fein ausschleifen, wie ihre älteren Ping-freudigen Kameraden.


Nun meine Fragen:
1. Liefert mein Ping-Test tatsächlich eine Aussage über die Härte des Stahls oder bilde ich mir womöglich was ein?
2. Stimmt es, dass die modernen solinger Rasiermesser relativ „weich“ sind? Falls Ja, weißt du, warum das so ist?

Vielen Dank im Voraus

Gruß
Philipp
 
Hallo Philipp,

eine Interessante Frage, die ich ehrlicherweise nicht zu 100% beantworten kann.
Es gibt definitiv einen Unterschied im Klang zwischen gehärtetem und ungehärtetem Stahl, das kann man also durchaus hören. Allerdings spielt der Schliff eine so große Rolle, dass ein seriöser Vergleich des Klangs eigentlich nur zwischen zwei völlig identisch geschliffenen Klingen möglich wäre.
Will heißen auch eine weiche Klinge kann je nach Schliff recht hoch klingen und umgekehrt auch eine sehr harte Klinge recht dumpf. Nur im direkten Vergleich mit einer identen Klinge wäre die weiche dumpfer bzw. eine harte höher im Klang.

Soweit ich informiert bin stimmt es, dass einige der neuen Solinger Messer auf eine relativ niedrige Härte eingestellt werden (ich meine mich zu erinnern, dass ein Hersteller einmal selbst von 59hrc geschrieben hat) . Warum das so ist, kann ich nur spekulieren. Es ist jedenfalls deutlich under dem Potential des verwendeten Silberstahls den wir auf 65hrc härten.
Ich könnte mir vorstellen, dass den Herstellern der Verschleiß an den Schleifscheiben bei zu hoher Härte zu groß ist (ich merke das bei unseren Klingen auch an unserem Bandverschleiß) oder aber es geht um Risikoreduktion beim Ausschuss durch Spannungsrisse.
Aber wirklich beantworten können diese Frage nur die Solinger Hersteller, wobei ich auch nicht sicher bin ob alle so "niedrig" härten.

beste Grüße,
Ulrik
 
Hallo Ulrik,
zunächst Danke für all die Infos, die Du hier mitteilst.
Bei der Erörterung von Edelstahl oder Silberstahl möchte ich Folgendes nachfragen: Man kann ja Solinger Rasiermesser INOX oder Eisgekühlt oder als Frozen Steel kaufen. Sind das alles dieselben Stähle und wie schneiden sie ab gegenüber den Silberstahl-Sorten? Noch konkreter: was würdest Du einem potentiellen Kunden antworten, der fragt, ob warum Du in Deinem Konfigurator nicht auch ein eisgekühltes Inox Rasiermesser anbietest? LG Reinhold
 
Hallo Reinhold.
Ich will da meinen Mitbewerbern nicht vorgreifen, insofern müsste man die schon selbst fragen, aber laut meinem Kenntnisstand ist das immer der selbe Stahl. Zumindest bietet Herkenrath nur zwei Sorten Stahl standardmäßig an. Eben den Silberstahl und den Rostfreien. Weshalb ich die Rostfreien nicht verwende, liegt weniger daran, dass die so "schlecht" wären, sondern mehr daran, dass ich grundsätzlich mit ungehärteten Rohlingen arbeite da ich sehr viele Verzierungen anbiete, die man nur vor dem Härten sinnvoll anbringen kann. Das Härten von rostfreien Stählen ist aber mit der Tiefkühlung durchaus aufwändig, weshalb das in der Regel außer Haus geschieht und das würde den Ablauf deutlich verkomplizieren. Da die Nachfrage aber ziemlich gegen 0 geht, lohnt sich für uns das Ganze nicht. Wäre ein wirklich guter rostfreier Stahl verfügbar, würde die Welt anders aussehen, dann hätte ich da Interesse. Aber die verfügbaren sind mir nicht feinkörnig genug, nehmen keine hohe Härte an (deutlich unter 60 hrc, vermutlich so um die 57-58. Zum Vergleich: Unsere Silberstahlklingen haben an der Schneide ca. 65,5hrc) und haben relativ viel Restaustenit was das Schärfen auch wegen stärkerer Gratbildung etwas erschwert. Wie gesagt, das macht diese Messer keinesfalls schlecht, aber mir reicht es nicht als Motivation um in diese Richtung zu investieren.
beste Grüße
Ulrik
 
Lieber Ulrik,
danke für diese erhellende Antwort! Die Aspekte Verzierungen vor Härtung, Schärfung und Härte sind nachvollziehbar. Mir bleibt das Fragezeichen, wie hart die eisgekühlt gehärteten Messer wirklich sind und diese Stähle wiederum im Verhältnis zu den superscharfen rostfreien Rasierklingen - und ob die alten Friodur Messer nochmals anders sind.

Ansonsten werde ich mal via PM bei Dir ausführlicher wegen einer Bestellung mit Verzierungen anklopfen.
LG Reinhold
 
Hallo Koraat,

Wie sind deine Erfahrungen mit japanischen Stählen (Shirogami 1, SLD, etc...). Würden sich diese gut für die Rasiermesserherstellung eignen? Was sind die Kernvoraussetzungen für eine gute Eignung für Rasiermesser? Möglichst keine großen Karbide bei trotzdem hoher Zähigkeit? Schmiedest du die Klingen selber oder kaufst du diese als Gesenkgeschmiedete Klingen bereits zu und fertigst diese dann weiter fertig? (Eigene Wärmebehandlung, Schärfen, etc.?) Danke. LG
 
Die Eignung von Shirogami oder Aogami für Rasiermesser würde mich auch sehr interessieren. Deren Gefüge ist wohl fein genug für rasurtaugliche Schneiden, gibt es Gründe die gegen eine Verwendung für Rasiermesser sprechen?
 
Lieber Ulrik @Koraat ,

Danke dir für die Weiterführung dieses Fadens, dein Wissen klärt wirklich vieles, was man gar nicht so einfach online findet.

Meine Frage nun:
Alles, was es an Rohlingen in Solingen gibt kommt von Herkenrath, alles der selbe Stahl. Wenn man jetzt aber Rohlinge, ungeschliffen aber schon wärmebehandelt kauft, kann man die dann nochmal nachbehandeln? Sozusagen "aufwerten". Mögen die Messer derzeit eher an die 58 HRC sein, müsste man die doch in der Theorie noch härter machen können.
Wär das grundsätzlich möglich, wenn ja, was bräuchte man dazu?
 
Ich bin zwar nicht Ulrik aber ich antworte dir trotzdem wenn es recht ist.

Ja das ist möglich. Wenn du dich damit beschäftigst was beim Härten des Stahls geschieht leuchtet dir das auch ein. Dazu brauchst du große Hitze um den Stahl zur Rotglut (hellrot ca. 850°) zu erhitzen, da du keine Reglung hast das entsprechende know how um an der Rotglut die richtige Temperatur zu erkennen und ein Medium zum Abkühlen, vorzugsweise Öl.

Da ich durch deine Fragestellung schlussfolgere dass du weder Ahnung vom Schmieden noch vom Stahl härten besitzt, würde ich dir dringend von solchen Versuchen abraten. Schnell hast du die Klinge verschlimmbessert, sprich zerstört oder den Stahl weich "gekocht".
Zusätzlich ist auch zu beschten dass der Stahl sehr hoch erhitzt werden muss. Deshalb sind auch entsprechende Vorsichtsmaßnahmen erforderlich. Beachte auch dass der glühende Stahl im IR Bereich strahlt. Auch dadurch besteht Gesundheitsgefahr.

(Jedenfalls ist die Gesundheitsgefährtung deutlich höher als beim wetzen eines Messers, und dabei haben schon viele Angst vor Feinstaub. Natürlich beim schleifen eines Messers sieht die Feinstaubbelasung schon anders aus.)


 
Zuletzt bearbeitet:
Soweit wollte ich erst gar nicht ausführen. Mein Nachbar ist Bauschlosser, bzw war es jetzt ist er Rentner. Der kennt sich auch mit Schmieden und Härten aus. Der hat mir so ein paar Dinge erzählt.

Zum Spaß habe ich vor Jahren mal ein wenig Stahl gehärtet, grobe Gegenstände wie z.B. einen Schürhaken :cool:
 
Zu dem verändert Stahl, der mehrfach weichgegelüht und wieder gehärtet wird, seine Struktur, wird grobkörniger und dadurch wesentlich spröder, was auch ein Anlassen nicht wieder regulieren kann.
 
Die Eignung von Shirogami oder Aogami für Rasiermesser würde mich auch sehr interessieren. Deren Gefüge ist wohl fein genug für rasurtaugliche Schneiden, gibt es Gründe die gegen eine Verwendung für Rasiermesser sprechen?
Warum sollte das nicht gehen? Kamisori werden schließlich auch draus gemacht ;)
 
Ich hab in einem YT Video von Koraat gesehen, wie mit einer schräg gehaltenen Feile die Serrierung reingefeilt wird. Die Frage wäre, ob das nur am ungehärteten Rohling geht oder man das auch nachträglich an einem gehärteten Messer noch machen kann und was das genau für eine Feile ist (Typbezeichnung).
 
Zurück
Oben