Die Neugierde war einfach zu groß. Nachdem ich den Shavent schon einige Zeit beobachtet hatte, wollte ich ihn jetzt doch selbst mal ausprobieren. Nachdem er gestern bei mir angekommen war, konnte ich mir die heutige Rasur damit nicht verkneifen. Mein erster Eindruck im Gesicht war der einer riesigen eher technischen Rasurmaschine. Sehr ungewohnt in der Haptik. Ich war froh den Compact mit dem kürzeren Griff genommen zu haben. Für die Gesichtsrasur erscheint mir diese Variante deutlich besser geeignet. Sehr auffällig war auch, dass meine über viele Jahre perfektionierten Rasiergewohnheiten und Techniken hier überhaupt nicht gepasst haben. Ich musste mir unter der Nase oder im Bereich um den Mund teilweise andere Richtungen überlegen, wie gewohnt. Das funktioniert hier anders.
Trotz der ausladenden Konstruktion ist er einem Systemrasierer wie dem Mach3 deutlich ähnlicher, als einem Rasierhobel. Das Klappern beim Rasieren ist ein wenig störend, passt aber zu diesem Eindruck einer Rasurmaschine die arbeitet (klapp, klapp, klapp)

. Ich habe den Schaum so angerührt, wie ich das meistens bevorzuge, eher in die dichtere, etwas cremigere Richtung. Da ist er mir ein wenig aufgeschwommen, wenn die Züge zu lang bzw. zu viele waren. Musste ich öfter ausspülen. Verstopfen war hingegen überhaupt kein Problem (tägliche Rasur).
Das Auswechseln der halbierten DE-Klingen ist etwas fummelig, aber ohne Probleme machbar (sofern nicht feinmotorische Einschränkung bestehen, z.B. Alter). Für Leute wie mich, die gewohnt sind den Rasierhobel nach jeder Benutzung zerlegen und reinigen zu können, jedoch ein kleiner Albtraum. Da muss ich mich mit dem Belassen der Klingen abfinden.
Das Rasurgefühl ist sehr sanft. Ich hatte ihn mit den drei schon eingelegten Klingen verwendet. WTG und XTG hat man mitunter den Eindruck, dass er gar nicht rasiert. ATG spürt man deutlich den Widerstand und dass der Rasierer hier Arbeit verrichtet.
Den ATG Bereich bewältigt er wirklich erstklassig. Da hat er keine Probleme damit. ATG ist seine große Stärke (heutiger Eindruck). Vermutlich könnte man mit dem Shavent gleich auf ATG gehen, und sich die anderen Durchgänge auch sparen. Oder XTG und ATG. Das Rasurergebnis war äußerst gründlich, sanft, und völlig reizfrei. Ganz hervorragend. Da gibt es nichts zu meckern. Rasierleistung herausragend.
Gemäß Angaben auf der Hersteller Seite ist der Shavent komplett in Zinkdruckguss gefertigt, mit Verchromung. Also wohl auch diese dünnen Gewindestifte an der Kopfplatte die mit den kleinen Muttern versehen sind. Hier habe ich bezüglich der Langlebigkeit so meine Zweifel. Allerding muss man hier auch sehr lobend erwähnen, dass alle Einzelteile des Rasierers auf der Herstellerseite erworben werden können. Falls man an diesem Rasierer Gefallen findet, und diesen dauerhaft und lange verwenden möchte, würde ich mir ein kleines Ersatzteillager zulegen. Wer weiß schon, ob man die Teile noch kriegt, wenn da Jahre später was kaputt geht.
Fazit: Soweit man sich auf die Eigenarten des Rasierers einlassen kann, und einen plastikfreien, nachhaltigeren und letztlich (Haltbarkeit?) günstigeren Ersatz für einen z.B. Mach3 sucht, wäre der Shavent eine gute Alternative. Oder man hat gerne etwas Abwechslung, so für ab und an, wie das bei mir eher der Fall ist. Ich werde den mal auf jeden Fall weiter austesten. Da ja hier halbierte DE-Klingen verwendet werden, könnte man ihn natürlich auch unter Rasierhobel einordnen. Ich könnte hier ja auch aus dem großen Sortiment der DE-Klingen was auswählen und halbieren (allerdings nicht brechen, wegen der gebogenen Kanten). Charakteristikum der Systemrasierer sind ja diese kompletten Wegwerfköpfe. Das ist jedoch Ansichtssache, und eigentlich auch nicht wichtig.
Pardon für den langen Text, aber ich konnte das ungewöhnliche Teil nicht kürzer beschreiben

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