Es gibt neues von der Insel…
Angespornt von den guten Ergebnissen mit dem
Charnley Forest (CF) konnte ich aufgrund eines recht guten Angebotes nicht wiedersehen und darf von meinen ersten Versuchen mit meinen zweiten Stein von der Insel berichten. Ich darf vorstellen, der YELLOW LAKE Ölstein…
Eine kurze Erklärung zur Herkunft…
Diese Steine stammen aus verschiedenen Steinbrüchen aus einem Bereich in Wales, im Südwesten Englands. Obgleich ihres unterschiedlichen Erscheinungsbildes und auch ihrer unterschiedlichen Qualitäten wurde sie dennoch alle unter dem Begriff „YELLOW LAKE“ in den Handel gebracht. Man geht davon aus, dass es rein Marktwirtschaftliche Gründe waren, die den Unternehmer dazu veranlasste, denn so konnten unterschiedliche Steine aus verschiedenen Steinbrüche unter einem Namen auf den Markt gebracht werden, auch wenn sie sich qualitativ unterschieden.
Die ersten Steine stammen aus einem Steinbruch in Llyn Melynllyn (YELLOW LAKE - daher die Namensgebung), diese Steinen gehen fast in ein Lila und unterscheiden sich von den anderen Steinen durch feine, weiße Linien, die den Stein durchziehen. Er wurde als sehr feiner Endstein angepriesen und seine Feinheit liegt bei ca. 10-12k. Unter allen Variationen ist dies wohl der begehrteste, wurde aber aufgrund kleiner Vorkommen nicht in großen Mengen abgebaut. Diese Steinen wurden meist ungelabelt und zum größten Teil ohne eine Umverpackung vertrieben.
Die anderen Steine stammen aus anderen Steinbrüchen, die sich aber auch geografisch gesehen, rund um den YELLOW LAKE befunden haben bzw. befinden. Vertrieben wurden diese Steine von Inigo Jones Slateworks und waren aber qualitativ nicht so gut, wie der erste Stein, dessen Vorkommen mittlerweile erschöpft waren. Hier sind die dunkelblauen bis lila Steine mit einer Feinheit von ca. 8-10k. Diese Steine wurden sowohl in einem gelben als auch rotem Umkarton vertrieben, vereinzelt auch ohne -Karton, aber mit aufgeklebten Label. Inigo Jones Slateworks produziert seit dem 19.Jahrhundert und verkauft bis heute Schärf- und Abziehsteine, darunter ein Alberllefenni-Schiefer-Schleifstein unter dem Namen Dragons Tongue, auf Deutsch auch unter dem Synonym „Drachenzunge“ bekannt. Allerdings haben sich über die Jahrzehnte die verschiedenen Vorkommen erschöpft bzw. die Qualität der Steine wurde nicht unbedingt besser, so haben Steine neueren Datums auch nicht mehr die Qualitäten wie um die Anfangszeit, hier geht z.B. die geschätzte durchschnittliche Feinheit auf ca. 6-8k zurück.
Die Progression(en):
Nun aber zu den zwei verschiedenen Progression, wobei die eigentliche Vorbereitung des Rasiermessers aber identisch war, lediglich bei der Verwendung des YELLOW LAKE Ölsteins gibt es Unterschiede.
- Jew. identisch: SHAPTON Glass 4 & 8k zur Auffrischung (bis ein durchgängiger HT funktioniert), dann
- Progression 1 (Mit Glycerin/Wasser-Gemisch 50/50
- Progression 2 (Mit orig. LANSKY Schärföl
- Jew. identisch: Finales Ledern mit meinem Selfmade-Riemen Nr.IV, QUERCUR Shell Cordovan & Rindleder
Das einfach getapte Messer habe ich vor dem Engländer auf dem SHAPTON Glass 4 und 8k aufgefrischt bis ein durchgängiger HT möglich war. Dann ging es auf den Engländer, bei der 1. Progression mit einem Glycerin/Wassergemisch (50/50). Bereits die ersten Wechselschübe zeigten, dass wohl eher nicht mit einer Rückmeldung vom Stein zu rechnen ist, der Abzug als solches war sehr angenehm, ein sehr „weiches“, ruhiges, nahezu lautloses gleiten ohne Rückmeldung. Nach gut 5 Sätzen X-förmiger Wechselschübe ging es dann zur ersten Kontrolle unters Mikro und ich muss zugeben, ich war schon gleichermaßen a bisserl überrascht und etwas enttäuscht. Ich hatte da mit einem sehr viel feinerem Schliffbild gerechnet, stattdessen zeigten sich sehr viele, eher schon gröbere Riefen. Was sich hier aber noch mindestens genauso zeigt, war der Nachteil des Schleifmediums, trotz vorsichtiger Reinigung der Facette vor dem Mikro, war hier die Facette noch deutlichst durch feinste Tröpfchen „verschmutzt“ und erschwerte die Einschätzung der Wate, mal schauen, wie das dann erst in der zweiten Progression (mit Öl) wird…
Es ging erneut auf den Stein und es folgten weitere 5 Sätze mit Wechselschüben, dann ging es wieder unters Mikro, das Bild änderte sich kaum, wurde also weder feiner noch tat sich etwas in Richtung einer polierten Schneidkannte, ich hatte da eher das Gefühl, dass in dieser Konstellation die Schneidkannte leicht mattiert, statt poliert wurde. Nützte aber alles nichts, zur Beurteilung folgt der erste Versuch eines HT. Dieser gelang nur an zwei Punkten, aber er gelang zumindest schon einmal. Also wieder auf den Stein…schon jetzt war klar, das dauert länger…ein laaaaaaangsamer Engländer. Nach weiteren Sätzen und neuerlicher Überprüfung entschied ich mich, ein zweites Tape anzubringen um so zumindest sicher die vorderste Kannte zu erreichen, dies hat dann auch funktioniert, ein durchgängiger, positiver HT zeugte davon. Alles in allem war ich dann mit dem Ergebnis zufrieden und es ging zum finalen Ledern auf meinen SM-Riemen Nr.IV.
Die zweite Progression unterschied sich nur in der Wahl des Schleifmittels, hier wurde ich dem Stein zu 100% gerecht, wo Öl steht, soll auch Öl dran. Dass der Stein mit Öl betrieben werden soll, zeigte sich auch bei der ersten Kontrolle, das Schliffbild war um einiges feiner, es gab zwar auch hier eine Riefenbildung, allerdings bei weiten nicht so tiefe und massive Riefen wie bei dem Glycerin/Wasser-Gemisch. Vom Umfang her erkannte ich nach der zweiten Runde auch einen Unterschied, der Stein funktionierte besser, bereits jetzt funktionierte ein HT durchgängig über die gesamte Schneidkannte hinweg. Am Ende bekam das Messer aber auch hier ein zweites Tape, welches sich zumindest vom Gefühl her auch im Ergebnis positiv ausgewirkt hat. Das finale Ledern, ebenfalls auf dem SM-Nr.IV verbesserte den HT um ein weiteres.
Progression 1
Man sieht ganz klar, dass das Schliffbild viel gröber ist, als bei Progression 2
Progression 2
Mit Öl ist das Schliffbild sehr viel feiner und das Rasurverhalten angenehmer.
Die beiden RdT‘s:
Dem Messer mit der 1.Progression fehlte es doch deutlich an Schärfe, eine Rasur war möglich, keine Frage, allerdings zeigte sich beim Durchgang „gegen den Strich“, dass hier eher nur kurze Züge zum Erfolg führten. Es war jetzt nicht unangenehm oder unmöglich, nein, aber es waren schon deutlich mehr kleine Züge und Neuansätze nötig, um ein ansprechendes Ergebnis zu bekommen. Am Ende zeigte sich aber dennoch eine glatte, reizfreie Haut bei der auch das AS am Ende kein großen Alarm schlug.
Die Rasur mit dem Messer der 2.Progression war da schon um einiges besser und angenehmer. Schon die ersten Züge zeigten ein deutliches Plus an Schärfe. Das Rasurverhalten ist die eines Thüringers nicht unähnlich, eine sehr angenehme, sanfte Schärfe, auch im Durchgang „gegen den Strich“ zeigt das Plus an Schärfe schnell den deutlichen Unterschied zu Progression 1. Das Finale Ausputzen ging leicht von der Hand und das Endergebnis der gesamten Rasur ist ein völlig reizfreies, glattes und entspanntes Hautbild.
Zur RdT mit Progression 1 bitte hier entlang…
Zur RdT mit Progression 2 bitte hier entlang…
Ein kleines Fazit…
Dieser Engländer ist zwar ein sehr langsamer Stein, der zwar kaum bis gar nicht abrassiv arbeitet, aber letztendlich, das Richtige Schleifmittel (Öl) vorausgesetzt, ein ansprechendes Ergebnis bringt. Ich bin fest der Meinung, dass auch hier mit mehr Einsätzen und somit mehr Erfahrungen auch das Endergebnis besser werden wird. Zusätzlich zu den ersten Erfahrungen habe ich auch wieder etwas dazugelernt…Vorsicht bei der Verwendung von Öl, nur allzu leicht kann selbiges durch die Finger auch in den Bereich des Erlniets kommen.
…immer neugierig bleiben!
Danke und Gruß
Gregor
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Schärf-Legende:
1 Satz sind immer 10 Wiederholungen (10x), egal ob Einzelschübe, Wechselschübe, Doppelzüge oder was auch immer womit wodrauf gemacht wird.