Es gibt Neues aus dem Natursteingarten…Es kommt (doch) nicht immer auf die Größe an! (Teil 2)
Ein KORAAT Sparschweinchen (7/8) auf einem unbekannten jNat
Ishi no ue ni mo san nen
(石の上にも三年)
"Drei Jahre auf einem Stein" – Selbst ein kalter Stein wird warm, wenn man drei Jahre darauf sitzt.
So lautet übersetzt ein japanisches Sprichwort und steht damit für Beharrlichkeit und Ausdauer.
Dieser kleine Japaner befindet sich schon weit über ein Jahr in meinem spärlichen Natursteingarten und fristete bislang zwar nicht unbeachtet, aber unbenutzt sein Dasein. Gestern habe ich mich dann endlich an den wahrlich kleinen Japaner „herangewagt“ und ihn als reinen Finisher (ohne Nagura & Slurry) in seiner Premiere genutzt. Ich habe mich ja innerhalb der letzten 3–4 Progressionen sukzessiv an „kleinere“ Steine gewagt, allen voran die Progression auf dem von mir so benannten
„Fischstäbchen“, die wahrlich schon nicht unbedingt einfach war. Dennoch waren alle vorherigen Steine und Progressionen nichts im Vergleich zu dem heute verwendeten jNat, denn alle hatten unabhängig von ihrer Größe ggü. dem kleinen Japaner zwei riesige Vorteile: Sie waren zwar z. T. recht schmal, aber dafür rechtwinklig und vor allem länger. Dieser Japaner hat irgendwie nichts von all diesen Attributen, er ist weder rechtwinklig noch gerade oder lang. Auch täuscht er in der Draufsicht mit einer vermeintlich großen Fläche, denn fast die Hälfte der Fläche ist unbrauchbar (rot schraffierte Fläche im Bild). Nutzbar sind lediglich ca. 5,5 × 3,5cm. Über Herkunft, Bezeichnung, Härte und genaue Beschaffenheit habe ich leider keinerlei Informationen. Von der sandgelben, ins Ockergelb übergehenden Farbe her vergleiche ich ihn mal mit meinem Nakayama Asagi, was die bei jNats gern genannte Härte angeht … Keine Ahnung, einzig die Tatsache, dass sich während der „Kleinarbeit“ keinerlei Autoslurry oder dunkler, metallener Abrieb zeigte, kann ich da ins Rennen werfen. Für alles andere fehlen mir da definitiv auch die notwendigen Fachkenntnisse.
Die Progression:
1 x Tape
SHAPTON Glass 4k und 8k zur Auffrischung
Zwischenledern auf meinem SM-Riemen Nr. IV
der kleine jNat zuerst stationär mit klarem Wasser, dann unter fließendem Wasser, final mit 2 × Tape
Finales Ledern auf dem SM-Riemen Nr. IV, zuerst auf Rindleder, dann auf dem QUERCUR Cordovan
Als ich überlegte, welches Messer ich bei der nächsten RdT nutzen werde, fiel mir ein, dass ich schon seit längerem meine ersten Messer von KORAAT doch etwas „vernachlässigt“ habe. Als ich mir dann die Messer anschaute, fiel die Wahl auf mein Sparschweinchen, mein erstes Messer von Ulrik. Ein Blick in meine „Schärfkartei“ ließ mich allerdings etwas stutzen, denn da war nix eingetragen. Dieses Messer hat wohl noch die Auslieferungsschärfe und ich entschied mich dazu, das Messer vor diesem Einsatz einmal aufzufrischen. Einzig bei der Wahl des Finish tat ich mich anfangs etwas schwer, denn ich konnte mich nicht wirklich entscheiden. Geholfen hat dann ein neuerliches Telefonat mit dem Vorbesitzer, wobei der kleine Japaner nicht das Hauptthema war, sondern nur nebenher Erwähnung fand. Da ich das kleine Steinchen bis dato (aufgrund der Größe) immer noch nicht benutzt habe, war die Entscheidung, ihn als Finisher zu wählen, nun getroffen. Etwas euphorisch bereitete ich dann die Progression vor. Neben Mikroskop, Kamera & Beleuchtung fanden sich auch rasch alle benötigten bzw. beteiligten Teilnehmer am „Arbeitsplatz“ ein. So natürlich auch der gewählte Finisher und das Schweinchen … tja, und genau da fragte ich mich, ob diese Kombination eine gute Wahl bzw. Entscheidung war. Plötzlich wurde das Messer immer größer, während der kleine Japaner sich zu einem Bruchstück seiner eh schon geringen Größe wandelte. Während ich da schon etwas Zweifel hegte, machte sich aber bereits parallel mein Ehrgeiz bemerkbar … “Wird schon schiefgehen“ war ab sofort die Devise. Wie üblich schaute ich mir vor dem Start die Facette unter dem Mikroskop von beiden Seiten genau an und war doch recht überrascht, wie fein und schmal sich die Schneidkante äußerst gleichmäßig über der leicht lächelnden Klinge dahinzog. Dieses Bild galt es unbedingt zu erhalten, einer der Hauptgründe, das Messer „nur“ aufzufrischen und somit mit dem SHAPTON Glass 4K zu starten. Unter dem Mikroskop waren zwar hier und da kleinere Ausbrüche bzw. Scharten zu erkennen, jedoch werden diese mit Sicherheit keinerlei Auswirkungen auf die Rasur haben. Grob gerechnet arbeite ich da mit einer gut 240-fachen Vergrößerung, evtl. sogar mehr. Das täuscht natürlich gewaltig über die tatsächliche Größe derartiger Beschädigungen hinweg.
Die rot schraffierte Fläche ist nicht nutzbar.
Das Auffrischen habe ich in meiner bevorzugten Form meiner „Scheibenwischermethode & Wechselschübe“ durchgeführt („16⇅ & 3⇅“)* und dabei gab es auch keinerlei Probleme. Nach einem kompletten Durchgang und ein paar Wechselschüben extra ging es vom 4K nach einem Tapewechsel auch schon auf den 8K. Nach dem ersten Durchgang und einer gründlichen Sichtkontrolle unter dem Mikroskop entschied ich mich für 2 Sätze zwischenledern und einen, na, was wohl? Richtig, meinem heißgeliebten ersten Haartest. Selbiger funktionierte bis auf die ersten mm an der Klingenspitze entlang der gesamten Schneidkante Es folgten nun nur noch Wechselschübe und etwas mehr Konzentration auf den Bereich an der Klingenspitze. Letztendlich war es durch ein gezieltes, leichtes Anheben auch recht schnell geschafft, diesen Bereich zu einem erfolgreichen Haartest zu „überreden“… Nun geht es zum Finish auf den kleinen Japaner … wobei sich wiederum leichte Zweifel bemerkbar machten, ob meine Idee wirklich so gut war …
Die Schneidkannte nach dem SHAPTON Glass 8k
Neues Tape, neues Glück … richtig, Glück muss man da schon reichlich haben, um nicht in den ersten Sekunden auf dem jNat die komplette Vorarbeit nachhaltig zu schrotten. Verehrte Schärfgemeinde, das war schon etwas grenzwertig und zwar im wahrsten Sinne. Die Grenzen des nutzbaren Bereiches des Steinchens waren schneller erreicht, als man „Ups“ sagen kann. Da war nichts zu machen mit „normalem“ Vorgehen in Form meiner geschätzten Scheibenwischermethode oder auch nur „normaler“ Wechselschübe. Zugegeben, die satten 7/8 der Klinge sind definitiv nicht unschuldig, dennoch musste ich hier anders vorgehen. Es dauerte eine Weile, bis ich den Stein so ausgerichtet hatte, dass ich eine sichtbare Gleichmäßigkeit erreicht hatte. Wie heißt es da in einem Sketch eines berühmten Komikers aus dem Ostfriesischen: „…je länger das zzzzt, desto schneller das umpfff…“ (oder so ähnlich). Hochkonzentriert auf die Facette geachtet, kam ich zwar am Ende des Steinchens an, aber ohne die komplette Schneidkante auf den Stein gebracht zu haben, dann die Wende und zurück, gleiches Ergebnis. Ich habe bis dato Stahl noch niemals mit so komisch aussehenden geometrischen Formen auf einem Stein zerkratzt. Letztendlich nützt das aber alles nix, wie sagt da der Engländer … Only success counts… nur der Erfolg zählt. Und dieser lässt tatsächlich auch nicht auf sich warten, obgleich ich hier mal jegliche Angaben zu Anzahl, Dauer und Wiederholungen von hin und her, rauf und runter, kreisenden und ovalen Bewegungsformen weglasse …
Die ersten „Bewegungen“ auf dem jNat
Die Facette wird feiner…
Unter dem Mikro ist schon eine Veränderung der Facette erkennbar, denk ich mir zumindest, es geht langsam, aber stetig voran. Bekanntlich ist ja die Vorfreude eine sehr schöne … Ein erster Haartest erbrachte aber auch Ernüchterung, das war (noch) nix. Weiter geht’s mit der Bewegungstherapie für harten Stahl. Nach geraumer Zeit erfolgte ein neuerlicher Test, wieder nix, obgleich der Eindruck unter dem Mikroskop mich doch schon etwas positiver gestimmt hatte. Da fiel mir ein, man könnte ja mal… na was, richtig, zwischenledern. Gedacht, gemacht … und siehe da, HT funktioniert, zumindest partiell. Ich gebe zu, mich überkam ein leichtes Lächeln und so ging es mit neuer Motivation weiter. Über das bisherige nachdenkend fiel mir ein, dass z. B. mein Nakayama Asagi sein Solo-Potenzial erst unter fließendem Wasser so richtig zum Vorschein kommt. Also, warum nicht, schaden kann es ja nicht. Letztmalig das Tape gewechselt und es ging Richtung Wasserhahn. Hier zeigte sich bereits nach kurzer Zeit, dass der Wechsel wohl goldrichtig war. Unter dem Geplätscher gibt der kleine Japaner sogar eine positive Rückmeldung und ein Blick durchs Mikro zeigt auch klar, dass die Schneidkante sich dem Finale nähert, tiefe Riefen im Schliffbild werden feiner, eine leichte Politur wird erkennbar. Ein neuerlicher HT funktioniert bereits ohne Zwischenledern. Ich entschied mich, das Finale einzuläuten, also ein 2. Tape drauf und auf zum Abschluss der Bewegungstherapie. Am Ende folgte das finale Ledern auf meinem SM-Riemen Nr. IV, zuerst auf der Rindleder-Seite, dann auf der QUERCUR-Cordovan-Seite.
…unter fließendem Wasser…
Das Endergebnis
Die ersten Züge zeigten bereits, dass der kleine Japaner wohl doch ein großer ist, das Messer hat eine sehr gute Schärfe und ist gleichermaßen sehr sanft, ein wirklich gutes Rasurverhalten. Mit dem Strich schon sehr gründlich, erledigt der Durchgang gegen den Strich schon fast den kompletten Rest. Kein Ziepen, kein Stocken, und auch an der Kinnspitze bleibt nur sehr wenig zum Ausputzen übrig. Ein Top Ergebnis, das im Umkehrschluss nur eine Frage offen läßt…wo bekomme ich diesen Stein in groß?
Zur RdT geht es
hier entlang…
Und zum Schluß gibt’s a kleines Schmankerl…
…immer neugierig bleiben!
Danke und Gruß
Gregor
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Schärf-Legende:
1 Satz sind immer 10 Wiederholungen (10x), egal ob Einzelschübe, Wechselschübe, Doppelzüge oder was auch immer womit wodrauf gemacht wird.
*) Ein Durchgang „16⇅ & 3⇅“ bedeutet:
16 Schübe/Züge auf einer Seite, dann Seitenwechsel und 16 Schübe/Züge auf dieser Seite. Dann geht es alternierend jew. -2 Schübe/Züge bis runter auf die 0.
Die 3 bedeutet 3 Sätze á 10 Wechselschübe/-Züge